So funktioniert die Technologie der ETH Zürich: Ein reales Ereignis (1) wird von einer Kamera aufgezeichnet, deren Sensorchip im Moment der Aufnahme sowohl die Bilddaten als auch eine kryptografische Signatur erzeugt (2). Nach der Speicherung in einem öffentlichen Register (3) kann diese Signatur später verwendet werden, um zu überprüfen, dass die Aufnahme authentisch ist und nicht verändert wurde (4).
Grafik ©: Felix Franke / ETH Zürich, erstellt mit KIDass Kamerahersteller generativer KI eher kritisch gegenüberstehen, liegt in der Natur der Sache. Für komplette Generierung von Bilder per KI braucht man weder eine Kamera noch einen Fotografen. Was nicht heißt, dass die Fotografie und KI-gestützte Bildbearbeitung nicht auch koexistieren können.
Vor allem für die Pressefotografie ist aber wichtig, dass die Authentizität von Fotos nachgewiesen werden kann. Zu diesem Zweck haben sich zahlreiche Firmen aus dem Imaging-Bereich schon 2019 in der Content Authenticity Initiative (CAI) und 2021 in der größeren C2PA (Coalition for Content Provenance and Authenticity) zusammengeschlossen. Vor allen Kameras von Leica und Sony sind bereits mit Authentifizierungsfunktionen, sogenannten Content Credentials, ausgestattet. Sogar in Smartphones (bspw. Leica Leitzphone und Vivo X300 Ultra) hält die Technologie Einzug.
Im April hatten wir für den Artikel in fotoMAGAZIN 7/26 die wichtigsten Kamerahersteller gefragt, wie sie zum Thema generative KI und Content Credentials stehen. Geantwortet hatten bis Redaktionsschluss am 10. April leider nur Leica und OM Digital Solutions. Canon, Fujifilm, Nikon, Panasonic und Sony konnten oder wollten sich nicht äußern, bzw. haben uns auf einen späteren Zeitpunkt vertröstet, an dem es Neuigkeiten zu diesem Thema geben soll. Offensichtlich ist hinter den Kulissen Einiges in Bewegung.
Eine interessante neue Entwicklung ist die Chip-Technologie der ETH Zürich gegen Deepfakes, die direkt auf dem bildgebenden Sensor implementiert werden soll. Ein Statement dazu finden Sie an Ende des Artikels.
Hier die vollständigen Fragen und Antworten:
Antworten von Leica zum Thema generative KI und Content Credentials
Geantwortet hat Fabian Pecht, Corporate Communications Leica Camera AG.
Frage 1: Wie steht Leica zur Integration generativer KI-Funktionen in Kameras wie sie bspw. in Smartphones zu finden ist?
Die Leica Camera AG setzt bei ihren Kameras auf authentische Bildgestaltung und die bewusste fotografische Entscheidung des Nutzers. Generative KI-Funktionen, wie sie teilweise aus dem Smartphone-Bereich bekannt sind, stehen derzeit nicht im Fokus unserer Kameraentwicklung.
Frage 2: Welche Pläne hat Leica zur Integration von Technologien zur Bild-Authentifizierung z. B. in Form von Content Credentials im Rahmen der C2PA? In welche Kameras soll die Technologie integriert werden?
Mit der Leica M11-P hat Leica 2023 die weltweit erste Kamera mit integrierter Content-Credentials-Technologie zur Authentifizierung von Bildern auf den Markt gebracht. Seitdem wird diese Technologie auch in neue Kameramodelle integriert. Stand 06. Mär. 2026: Die Kameras Leica M11-P, M11-D, M EV1, Q3 Monochrom und SL3-S; Das Smartphone Leica Leitzphone powered by Xiaomi.
Frage 3: Funktioniert die Bild-Authentifizierung auch bei Videos?
Der Fokus von Leica liegt aktuell auf der Authentifizierung von fotografischen Bildern und der Implementierung des neuen C2PA-Standards. Eine Ausweitung der "Leica Content Credentials" auf Videoformate wird grundsätzlich geprüft, ist aktuell jedoch noch nicht verfügbar.
Frage 4: Ist für die Bild-Authentifizierung eine spezielle Hardware (Chip) erforderlich oder lässt sich dies per Software lösen?
Content Credentials sind gesicherte Metadaten in digitalen Bildern, die die Herkunft, Urheberschaft und Bearbeitungsschritte transparent, nachvollziehbar und sicher dokumentieren. Die Gerätezertifikate für die Leica Kameras werden direkt bei der Produktion einzelnen individuell erzeugt und auf einem extra eingebauten verschlüsselten Chip gespeichert.
Frage 5: Was hält Leica von neuen Ansätzen wie der Chip-Technologie der ETH Zürich?
Leica begrüßt grundsätzlich technologische Innovationen, die dazu beitragen, Vertrauen in digitale Inhalte zu stärken. Ansätze wie die Chip-Technologie der ETH Zürich, bei der Bild- und Videodaten bereits im Moment der Aufnahme direkt im Sensor kryptografisch signiert werden, zeigen spannende Perspektiven für die Zukunft.
Gleichzeitig setzt Leica aktuell auf den etablierten Industriestandard C2PA. Dieser ermöglicht es bereits heute, Herkunft und Bearbeitungsschritte digitaler Inhalte transparent und nachvollziehbar zu dokumentieren und ist als offenes Ökosystem breit anschlussfähig.
Aus Sicht von Leica liegt der entscheidende Mehrwert derzeit in der breiten Implementierbarkeit und Interoperabilität solcher Lösungen. Hardwarebasierte Ansätze wie der ETH-Chip können perspektivisch eine zusätzliche Absicherung auf Sensorebene bieten, erfordern jedoch grundlegende Änderungen in der Hardwarearchitektur und befinden sich noch in einem frühen Entwicklungsstadium.
Antworten von OM System zum Thema generative KI und Content Credentials
Geantwortet hat Mr. Hiroki Koyama Director, Product Planning, Global Brand & Marketing Strategy, OM System Business Unit, OM Digital Solutions Corporation.
Frage 1: Wie steht OM System zur Integration generativer KI-Funktionen in Kameras wie sie bspw. in Smartphones zu finden ist?
Wir sind uns bewusst, dass sich KI-Technologien rasant weiterentwickeln und das Potenzial haben, die Zukunft der Fotografie zu beeinflussen. Gleichzeitig sind wir der Überzeugung, dass der Wert der Fotografie darin liegt, dass der Fotograf den Auslöser drückt und Bilder nach seiner eigenen Vorstellung schafft. Während generative KI-Funktionen zunehmend in Smartphones integriert werden, gehen wir bei der Bewertung, inwieweit solche Technologien mit dieser Philosophie vereinbar sind, vorsichtig vor. Anstatt KI lediglich zur Automatisierung oder Bildgenerierung einzuführen, legen wir Wert darauf, das Aufnahmeerlebnis zu verbessern, die Kreativität der Nutzer zu fördern und die Authentizität der aufgenommenen Bilder zu bewahren. Wir glauben, dass es unerlässlich ist, ein Gleichgewicht zwischen technologischer Innovation und dem grundlegenden Wert der Fotografie zu finden.
Frage 2: Welche Pläne hat OM System zur Integration von Technologien zur Bild-Authentifizierung z. B. in Form von Content Credentials im Rahmen der C2PA? In welche Kameras soll die Technologie integriert werden?
Angesichts der stetig wachsenden Menge an durch KI generierten und bearbeiteten Inhalten sind wir uns bewusst, dass die Gewährleistung der Authentizität digitaler Inhalte ein wichtiges Thema ist, und prüfen derzeit technische Ansätze sowie mögliche Umsetzungsmethoden. Derzeit ist unsere Kompaktkamera TG-7 zwar auf bestimmte Regionen und Anwendungsfälle beschränkt, verfügt jedoch über einen „Construction Mode“. In Kombination mit Software von externen Partnern ermöglicht dies die Überprüfung auf einem Computer mittels einer „Originalbild-Verifizierungsfunktion“, ob die aufgenommenen Bilder bearbeitet oder verändert wurden.
Frage 3: Funktioniert die Bild-Authentifizierung auch bei Videos?
Die Funktion „Originalbildüberprüfung“ der TG-7 unterstützt keine Videos. Wir werden uns weiterhin mit diesem Thema befassen und dabei die Entwicklungen im Bereich der KI-generierten Videos auf dem Markt genau beobachten.
Frage 4: Ist für die Bild-Authentifizierung eine spezielle Hardware (Chip) erforderlich oder lässt sich dies per Software lösen?
Wir prüfen derzeit die am besten geeigneten Ansätze zur Bildauthentifizierung und möchten daher zum jetzigen Zeitpunkt noch keine endgültige Antwort geben.
Frage 5: Was OM System von neuen Ansätzen wie der Chip-Technologie der ETH Zürich?
Wir möchten uns zwar nicht zu bestimmten Technologien einzelner Unternehmen äußern, betrachten es jedoch als wichtiges technisches Thema, die Authentizität zu gewährleisten, ohne kreative Aktivitäten unnötig einzuschränken. Wir werden neue technologische Ansätze in diesem Bereich weiterhin beobachten und bewerten.
Statement der ETH Zürich, Professor Felix Franke
Frage 1: Wie unterscheidet sich Ihr Verfahren von Content Credentials wie sie von der C2PA bzw. CAI genutzt werden? Leica hat eine entsprechende Technologie mit einen Chip ja bereits in mehrere Kameras integriert.
C2PA ist ein vielversprechender Ansatz mit dem sich unsere Technologie gut kombinieren ließe. Die dort vorgeschlagenen Standards setzen auf Provenance Tracking z. B. durch Bildbearbeitungssysteme und dies kann in einem dedizierten Chip in der Kamera starten. Allerdings ist hier der Prozess angreifbar, da der Sensor und der Chip, der die Sicherheit garantiert, getrennt sind. Ein einmal in die Pipeline eingespeißtes künstlich erstelltes Bild kann dann nicht mehr als solches entlarvt werden. Wir setzen hier früher an, indem wir die Sicherheit direkt bis in den Sensor bringen.
Frage 2: Sind Sie in Gesprächen mit Kameraherstellern, Presse-Agenturen oder Medien zur Integration Ihrer Technologie?
Wir arbeiten weiter daran, die technologischen Hürden für Sensorhersteller zu senken, die Technologie auch tatsächlich zu integrieren. Es gibt aber bisher keine konkreten Pläne der Umsetzung.
Lesen Sie zu diesem Thema auch den Artikel in fotoMAGAZIN 6/26.
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