Vintage Vibes: Hasselblad XPan (1998-2006)

In der Serie „Vintage Vibes“ stellen wir Ihnen analoge Kult-Kameras vor, die nicht nur nostalgischen Wert haben, sondern auch heute noch beeindruckende Ergebnisse liefern. Diesmal die Hasselblad XPan.

Mit der XPan hat Hasselblad 1998 eine legendäre Kleinbild-Panoramakamera auf den Markt gebracht.

Mit der XPan hat Hasselblad 1998 eine legendäre Kleinbild-Panoramakamera auf den Markt gebracht.

© Hasselblad

Die Hasselblad XPan gehört zu den ungewöhnlichsten analogen Kleinbildkameras. Ende der 1990er-Jahre brachte Hasselblad mit ihr eine Messsucherkamera auf den Markt, die auf demselben 35-mm-Film sowohl klassische Kleinbildaufnahmen als auch echte Panoramabilder im Format 24 x 65 mm ermöglicht – und damit eine Bildästhetik schafft, die bis heute viele Fotografen fasziniert.

Was macht die Hasselblad XPan so besonders?

Die Hasselblad XPan ist eine spektakuläre Kamera. Das gilt technisch wie finanziell. Ihr Konzept ist nahezu einmalig, sieht man von ihrem technischen Zwilling Fujifilm TX-1 ab: Sie bietet ein echtes Panoramaformat auf 35-mm-Kleinbildfilm und lässt sich zugleich als klassische Kleinbildkamera für 24 x 36 mm verwenden. Beides funktioniert auf ein und demselben Film.

Günstig ist die Hasselblad XPan allerdings nicht. Sehr gut erhaltene Exemplare mit 45-mm-Objektiv kosten auf dem Gebrauchtmarkt rund 4000 Euro. Da wenig genutzte Kameras bei Anwendern und Sammlern gesucht sind, sind die Preise in den vergangenen Jahren stark gestiegen.

Der Grund liegt im Konzept. Die XPan erzeugt eine besondere, fast cineastische Bildwirkung. Landschaft, Architektur und Streetfotografie zählen zu ihren naheliegenden Einsatzgebieten. Für eine Panoramakamera lässt sie sich zudem überraschend schnell bedienen.

Wie funktioniert das Dual-Format der XPan?

Die Hasselblad XPan ist zunächst eine klassische Kleinbild-Messsucherkamera mit elektronisch gesteuertem Verschluss. Ihr Titan-Aluminium-Gehäuse ist gummiert und wiegt ohne Objektiv gut 700 Gramm.

Der Filmtransport erfolgt motorisch. Eine Besonderheit ist das Vorspulsystem: Beim Einlegen wird der Film zunächst vollständig aus der Patrone gezogen. Nach jeder Aufnahme wird er wieder ein Stück zurück in die Patrone transportiert. Wird die Kamera versehentlich geöffnet, ist der bereits belichtete Teil des Films dadurch besser geschützt.

Das entscheidende Merkmal ist die Dual-Format-Konstruktion. Die Kamera kann sowohl das klassische Kleinbildformat 24 x 36 mm als auch das Panoramaformat 24 x 65 mm belichten. Beim Umschalten zeigt der Sucher die passenden Leuchtrahmen für das gewählte Format an.

Welche Objektive gibt es für die Hasselblad XPan?

Die XPan ist Teil eines kleinen Wechselobjektivsystems. Die drei Objektive sind für einen sehr großen Bildkreis gerechnet und sollen das Panoramaformat auch in den Ecken scharf abbilden.

Zur Auswahl stehen das Ultra-Weitwinkel 5,6/30 mm mit zusätzlichem Sucher, das Standardobjektiv 4/45 mm und das leichte Teleobjektiv 4/90 mm. Damit deckt die Kamera wichtige Einsatzbereiche von Landschaft und Architektur bis zu Reportage und Streetfotografie ab.

Das zweite Modell, die Hasselblad XPan II von 2003, bringt bei der Bedienung einige Vorteile. Verschlusszeit und Belichtung sind im Sucher per LCD direkt ablesbar. Zudem ermöglicht die XPan II Belichtungszeiten bis neun Minuten und Mehrfachbelichtungen.

Warum ist die XPan eine echte Panoramakamera?

Die Hasselblad XPan ist keine Kleinbildkamera mit bloßem Pseudo-Panorama-Modus. Bei solchen Kameras wird das normale Bildformat oben und unten beschnitten. Dadurch wirkt das Bild zwar breiter, das tatsächlich genutzte Negativ wird aber kleiner. Die Bildqualität leidet entsprechend.

Die XPan arbeitet anders. Sie belichtet ein größeres Negativformat auf 35-mm-Film und nutzt damit tatsächlich mehr Fläche. Das ist der entscheidende Unterschied zu Kameras, die nur einen Panoramaausschnitt simulieren.

Andere 35-mm-Panoramakameras wie Horizon, Widelux oder Noblex verwenden wiederum eine andere Technik. Dort belichtet ein Schwenkobjektiv den Film während der Bewegung über einen großen Bildwinkel. Das hat seinen Reiz, eignet sich aber meist vor allem für statische Motive und gleichmäßige Lichtverhältnisse.

Was kostet die Hasselblad XPan gebraucht?

1998 lag der Preis der Hasselblad XPan mit 45-mm-Objektiv bei 4300 DM. Das entspricht heute einer inflationsbereinigten Kaufkraft von etwa 3500 Euro. Für ein gut erhaltenes Exemplar reicht diese Summe auf dem Gebrauchtmarkt jedoch meist nicht aus.

Von der XPan wurden insgesamt rund 17.000 Exemplare produziert. Gewerbliche Händler bieten die Kamera meist ab etwa 4000 Euro an, oft auch darüber. Der hohe Preis erklärt sich aus der Seltenheit, dem besonderen Konzept und der starken Nachfrage.

Worauf sollten Käufer bei der Hasselblad XPan achten?

Wer eine Hasselblad XPan kaufen möchte, sollte den Zustand sehr genau prüfen. Wie alle stark elektronisch gesteuerten Kameras kann auch die XPan nach mehr als 25 Jahren Defekte zeigen. Eine Garantie oder ein seriöser Händler sind deshalb wichtige Argumente.

Ist die Kamera technisch in Ordnung, bietet sie ein außergewöhnliches fotografisches Erlebnis. Die XPan verbindet ein überzeugendes technisches Konzept mit praxisnahem Handling und einer Bildwirkung, die sich von klassischen Kleinbildkameras deutlich unterscheidet. Genau deshalb gilt sie vielen Fotografen bis heute als analoge Immer-dabei-Panoramakamera mit hohem Suchtfaktor.

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