Im geöffneten Zustand ist die Pocketkamera Rollei A110 10 cm breit, im geschlossenen sogar nur 8,4 cm.
© Winfried WarnkeDie Rollei A110 ist ein herausragendes Beispiel für die Innovationskraft der deutschen Kameraindustrie in den 1970er Jahren. Ihre technischen Besonderheiten, gepaart mit einem grandiosen Produktdesign, geben dieser Pocketkamera für den Filmtyp 110 einen ganz besonderen Charakter und machen sie zu einem echten Vintage-Vibes-Klassiker.
Ihr Minimalismus verleiht der A110 einen Hauch von Luxus, und haptisch fühlt sie sich ohnehin traumhaft an: Das kompakte, eloxierte Metallgehäuse macht sie hochwertig, aber mit 185 Gramm auch angenehm schwer. Hinter der schicken Fassade verbirgt sich ausgeklügelte Technik. Beworben als damals „kleinste ernsthafte Kamera der Welt“, lässt ein innovativer Schiebemechanismus das Objektiv ausfahren, den Film transportieren und den Verschluss spannen. Die Rollei A110 ist elegante Designgeschichte mit Bauhauselementen wie klaren Linien und der Fokussierung auf Funktionen. Designer Heinz Waaske, der zuvor schon die Rollei 35 entworfen hat, war unverkennbar vom legendären Braun-Design aus dem Hause Dieter Rams inspiriert.
Doch die Rollei A110 ist nicht nur schick, sondern hat zudem ein hochwertiges Innenleben. So besitzt sie ein scharfzeichnendes, vierlinsiges Tessar-Objektiv 2,8/23 mm, einen elektronisch gesteuerten Zentralverschluss (4–1/400 s), eine manuelle Fokussierung von 0,95 m bis unendlich sowie einen brillanten Leuchtrahmensucher mit Anzeige der eingestellten Entfernung. So viel Qualität hatte aber auch seinen Preis: Bei der Vorstellung auf der Photokina 1974 wurden für dieses kleine Technikwunder mehr als 500 DM aufgerufen, was inflationsbereinigt heute etwa 750 Euro entspricht.
Sogar in Gold erhältlich
Mit der wachsenden Stärke der japanischen Kamerahersteller reagierte Rollei ab 1970 mit einer waghalsigen Verlagerung der Produktion nach Singapur und dem dortigen Aufbau gewaltiger Kapazitäten. Diese Strategie ging gründlich schief, das Mutterunternehmen Rollei Braunschweig meldete 1981 Insolvenz an. Auch die Produktion der A110 verlagerte Rollei 1978 nach Singapur, bis sie schließlich 1981 eingestellt wurde. Neben den beiden bereits genannten Modellen Made in Germany und Made in Singapur gab es noch eine Sonderedition „Gold“ sowie eine abgespeckte Variante, die Rollei E110, bei der die Art der Belichtungsmessung vereinfacht wurde.
Die Rollei A110 ist eine sogenannte Pocketkamera und für den bedienerfreundlichen Pocketfilm 110 vorgesehen. Pocketkameras sind quasi die Smartphone-Kameras der 1970er Jahre, denn durch sie wurde das Fotografieren extrem vereinfacht und so zum Massenphänomen. Grobe Schätzungen sprechen von einer Gesamtproduktionszahl von 200 Millionen Kameras. Die Qualitätsbandbreite war dabei enorm und reichte von der billigen Plastikknipse bis zur technisch anspruchsvollen Kamera. Fast jeder namhafte Hersteller hatte entsprechend auch hochwertige Produkte im Programm. Initiiert wurde das Ganze vom Filmgiganten Kodak, der 1972 das 110-Kassettenfilmprogramm kreierte und natürlich auch zahlreiche Kameras anbot.
Schwachpunkt hinsichtlich der Bildqualität ist neben dem kleinen Negativ von nur 13 x 17 mm auch die Filmkassette selbst: Die Planlage ist nicht optimal, sodass auch sehr gute Objektive ihre Qualität für größere Abziehformate kaum ausspielen können. Diese Filmkassetten waren zwischenzeitlich nicht mehr erhältlich, werden nun jedoch wieder von der Firma „Lomographie“ in unterschiedlichen Varianten hergestellt und vertrieben.
Die im Gebrauchthandel angebotenen Rollei A110-Modelle sind alle über 45 Jahre alt, da ist die Quote an defekten Kameras schon sehr hoch. Kaufen Sie deshalb besser bei gewerblichen Händlern, da ist die Ware in der Regel überprüft, und es besteht ein Widerrufsrecht. Von privat kosten Rollei A110-Exemplare um die 30 Euro, von gewerblichen Anbietern meist um die 70 Euro. Ausgesprochen wenig Geld für einen solchen Design- und Kameraklassiker.
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