Test: Panasonic Lumix G9

Wie schlägt sich das MFT-Flaggschiff im Vergleichstest?
23.03.2018

Mit der Lumix G9 stellt Panasonic den videozentrierten GH5-Modellen ein neues Foto-Flaggschiff mit extrem schnellem Serienbildmodus zur Seite. Wir haben die Kamera in der Praxis und im Labor getestet und mit den anderen Topmodellen des Micro-Four-Thirds-Systems verglichen.

 

panasonic_lumix_g9_frontal_mit_objektiv_web.jpg

Panasonic Lumix G9 front

Schnell unterwegs mit der Panasonic Lumix G9. Preis: ca. 1700 Euro

© Panasonic

Das seit März 2017 erhältliche Panasonic-Spitzenmodell Lumix GH5 und besonders die neue GH5S sind vor allem für ihre herausragenden, professionellen Videofunktionen bekannt. Um nicht in die Filmer-Ecke abgeschoben zu werden, hat Panasonic bei der Lumix G9 die Fotofunktionen weiter aufgewertet und dafür einige professionelle Videofeatures weggelassen. Vor allem bei den schnellen Serienbildern konkurriert die G9 direkt mit der Olympus OM-D E-M1 Mark II, die etwas teurer ist.

Obwohl die GH5 und die G9 das gleiche traditionelle SLR-Design mit prominentem Sucherhügel aufweisen, unterscheiden sie sich auf den ersten Blick. So hat die G9 den größeren Griff, mit dem sie sich (mit den mittelgroßen Händen des Autoren) perfekt halten lässt – auch mit größeren Objektiven wie dem neuen Leica Elmarit 2,8/200 mm Power O.I.S.. Auffällig ist das große Statusdisplay auf der Oberseite, das Informationen zu Blende, Weißabgleich, ISO, Belichtungsmessung, EV-Korrektur, Akkustand und verbliebenem Speicherplatz anzeigt. Das Moduswahlrad musste dem Display weichen und befindet sich nun vom Fotografen gesehen auf der linken Seite, unterlegt vom Drive-Rad mit Serienbildern, 6K-Fotofunktionen, Selbstauslöser und Intervallaufnahmen. Die Funktionsknöpfe sind etwas größer geworden und auf der Vorderseite ist ein kleiner Hebel hinzugekommen, mit dem sich die Kamera schnell lautlos stellen lässt.

panasonic_lumix_g9_rueckseite_links_web.jpg

Panasonic Lumix G9 Monitor

Das AF-Messfeld lässt sich per Touchscreen oder per Joystick verschieben.

© Panasonic

Als wichtigstes neues Element gibt es auf der Rückseite einen Joystick zum Verschieben des AF-Messfeldes – dies gelingt natürlich auch weiter über den Touchscreen-Monitor. Dieser ist wie bei Panasonic üblich frei dreh- und schwenkbar. Er ist minimal kleiner und hat eine etwas geringere Auflösung als in der GH5, was sich aber kaum bemerkbar macht. Umgekehrt hat die G9 den besseren OLED-Sucher – er hat eine rekordverdächtige Vergrößerung von 0,83x (GH5: 0,76x). Brillenträger, die bei dieser Größe nicht das ganze Bild im Überblick haben, können mit einer Taste neben dem Sucher schnell auf 0,77x oder 0,7x verkleinern. In Kombination mit der hohen Auflösung (3,68 Millionen Punkte) und Bildfrequenz (60 oder 120 B/s) hat die G9 einen der besten Sucher in Systemkameras – ganz moiréfrei ist allerdings auch er bei feinen Strukturen nicht. Neu ist, dass sowohl der Sucher als auch der Monitor sich in einen dunklen, rötlichen Nachtmodus versetzen lassen, um die Augen zu schonen und beispielsweise keine Tiere zu stören. Für den angepeilten Einsatzbereich in der Naturfotografie ist die G9 sehr robust, sprich staub- und spritzwassergeschützt und bis -10 Grad Celsius frostsicher. Das Einzige, was uns bei der Bedienung am Anfang etwas irritiert hat, ist der sehr leichtgängige Auslöser. Wer andere Kameras gewohnt ist, wird möglicherweise schon beim Vorfokussieren versehentlich auslösen – wenn man sich einmal dran gewöhnt hat, stellt das aber kein Problem mehr da.

Ausstattung satt

Die Lumix G9 gehört zu den am besten ausgestatteten Systemkameras – dass sie in unserer Wertung keine 100 Prozent erreicht, liegt lediglich am fehlenden Gehäuseblitz. Zu den Stärken der Kamera gehört die duale Bildstabilisierung, die den beweglich gelagerten Bildsensor mit dem Objektivstabilisator kombiniert. Im Vergleich zu Konkurrent Olympus, der ebenfalls das duale System unterstützt, hat Panasonic deutlich mehr stabilisierte Objektive im Angebot. Wie bei Olympus (in Kombination mit dem M.Zuiko Digital 4/12-100 mm IS) beträgt die Effektivität bei der G9 nach Angaben von Panasonic, basierend auf dem CIPA-Standard, bis zu 6,5 Blendenstufen. In unseren Tests mit dem neuen Leica 2,8/200 mm O.I.S. und dem Leica Vario Elmarit 2,8-4/12-60 mm O.I.S. erreichten wir mit sehr ruhiger Hand 4 bis 6,5 Blendenstufen Gewinn gegenüber der klassischen Verwacklungsregel. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte die 6,5 Blendenstufen also nicht ausreizen und an der Verwacklungsgrenze auf jeden Fall mehrere Aufnahmen machen.

Den beweglich gelagerten Sensor nutzt Panasonic erstmals, um Pixel-Shift-Aufnahmen mit höherer Auflösung (bis 80 Megapixel) zu machen. Dazu werden acht Bilder mit leichtem Versatz aufgenommen und kombiniert. Bei Olympus gibt es eine ähnliche Funktion schon etwas länger – erstmals in der E-M5 Mark II, dann in der Pen-F und E-M1 Mark II. Voraussetzung ist wie bei Olympus (sowie Sony und Ricoh Pentax, die ähnliche Funktionen bieten) ein stabiles Stativ und ein statisches Motiv – bewegte Blätter werden beispielsweise wegen des Versatzes zwischen den Aufnahmen verwischt. Die fertigen Aufnahmen können als JPEG und/oder Raw gespeichert werden und zeigen bei entsprechenden Motiven deutlich mehr Details.
Der Kontrast-Autofokus mit DFD-Unterstützung arbeitet auch bei sehr wenig Licht zuverlässig (bis -4 EV) und beherrscht die Augenerkennung. Angenehm leise ist der mechanische Verschluss, der eine 1/8000 s schafft. Wie bei Panasonic üblich, lässt sich auch ein rein elektronischer Verschluss aktivieren, der 1/32.000 s (GH5: 1/16.000s) und das lautlose Auslösen ermöglicht. Ebenfalls an Bord sind Doppelbelichtungen, HDR, Zeitrafferaufnahmen, Fokus-Peaking, Zebra, ein künstlicher Horizont, ein Raw-Konverter, Wi-Fi mit Bluetooth und USB 3.0 mit Ladefunktion. Wie bei der GH5 stehen zwei SD-Laufwerke mit UHS-II-Unterstützung zur Verfügung. Vermissen könnte der eine oder andere einen Schwenkpanorama-Modus.

Seite 1 von 2
Seite 1
Seite 2
Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.

Kameras im Test

Wählen Sie eine Vergleichskamera
Andreas Jordan
Über den Autor
Andreas Jordan

Andreas Jordan ist Mediendesigner und arbeitet seit 1994 als Redakteur und Autor mit den Schwerpunkten Multimedia, Imaging und Fotografie für verschiedene Fach- und Special-Interest-Magazine (u. a. Screen Multimedia, Computerfoto, MACup). Seit 2003 ist er Redakteur beim fotoMAGAZIN und leitet dort seit 2007 das Ressort Test & Technik.