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Systemkameras im Test
Canon EOS M6 Mark II, Sony Alpha 6100 und Sony Alpha 6600 im Praxis- und Labortest.

Im Test: Spiegellose Systemkameras mit APS-C-Sensoren

Canon gegen Sony
22.01.2021

Die Canon EOS M6 Mark II, Sony Alpha 6100 und Sony Alpha 6600 haben sich im Testlabor eingefunden. Wir haben sie auf Herz und Nieren geprüft und geben einen Überblick zu anderen spiegellosen APS-C-Systemen.

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Canon EOS M6 Mark II schräg

Die EOS M6 Mark II besitzt keinen eingebauten Sucher, Canon bietet aber in einem Kit oder als Zubehör (für rund 270 Euro) den Aufstecksucher EVF-DC2 an.

© Canon

Kameras mit APS-C-Sensoren sind aus guten Gründen bei vielen Fotografen beliebt. Zwar erreichen sie nicht ganz die Bildqualität aktueller Vollformatmodelle, aber dafür sind die Objektive bei gleichem Bildwinkel und Lichtstärke deutlich kleiner, leichter und preiswerter. Gegenüber dem noch etwas kleineren Micro-Four-Thirds-System hat APS-C wiederum einen leichten Vorteil bei der Bildqualität.
Aktuell haben sich drei neue Kameras zum Test im Labor und in der Redaktion eingefunden: die Canon EOS M6 Mark II und von Sony das Einsteigermodell Alpha 6100 und das neue Flaggschiff Alpha 6600.

Canon EOS M6 Mark II

Gegenüber ihrer Vorgängerin EOS M6 ist die Mark II in allen Dimensionen etwas größer geworden. Am auffälligsten ist der voluminösere Griff, der nun auch mit schweren Objektiven einen noch etwas besseren Halt bietet. Auf der Oberseite ist ein zweites Einstellrad hinzugekommen, das – wie bei der EOS M5 – mit dem Dial-Function-Knopf kombiniert wurde, über den sich schnell ISO-, Drive-, AF- und Blitz-Einstellungen ändern lassen. Weitere Bedienelemente sind das hintere Daumeneinstellrad mit Viererwippe und der neue MF/AF-Umschalter mit integriertem AF-on-Knopf. Der 3,0-Zoll-Monitor lässt sich um 180 Grad nach oben und 45 Grad nach unten kippen, ist also auch für Selfies geeignet. Wie bei Canon üblich ist die Touchscreen-Bedienung konsequent implementiert. Der Fotograf kann also – anders als bei Sony – auch die Menüs per Berührung bedienen. Einen integrierten Sucher hat die EOS M6 Mark II nicht, Canon bietet aber Kits mit dem Aufstecksucher EVF-DC2 an, der 2,36 Millionen Punkte auflöst. Kompatibel ist auch der schon etwas ältere kippbare Aufstecksucher EVF-DC1. Beide haben den Nachteil, dass sie den Blitzschuh blockieren.

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Canon EOS M6 Mark II frontal

Der Monitor der EOS M6 Mark II lässt sich in die Selfie-Position klappen.

© Canon

Wie alle aktuellen EOS-Modelle nutzt auch die M6 Mark II den Dual Pixel CMOS AF (DPAF), der eine Phasen-Detektion über fast das ganze Bild ermöglicht und eine Augenerkennung beherrscht. Einen großen Sprung gibt es bei den Videofähigkeiten. Während die EOS M6 noch maximal mit Full-HD-Auflösung (1920 x 1080 Pixel) aufnimmt, sind es bei der EOS M6 Mark II dank des DIGIC-8-Bildprozessors vier Mal so viele Pixel: 4K mit 3840 x 2160 Pixeln nimmt sie mit einer Bildwiederholrate von 30p oder 25p auf – die aus dem Kino bekannte Frequenz von 24p fehlt, soll aber im nächsten Jahr per Firmware-Update nachgeliefert werden. Wichtiger dürfte für die meisten Videografen sein, dass 4K nun ohne Crop aufgenommen wird, also mit dem vollen Weitwinkel der EF-M-Objektive. Naturgemäß steigt der Crop bei der Aktivierung des digitalen Bildstabilisators und der sogenannten automatischen Video-Wasserwaage, die eine leichte Schräghaltung der Kamera korrigiert, indem ein Bildausschnitt auf dem Sensor verschoben wird. Der DPAF sorgt auch beim 4K-Video für eine problemlose AF-Nachführung.

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Canon EOS M6 Mark II Rückseite

Auf der Rückseite der EOS M6 Mark II befindet sich unter anderem ein Daumenrad und ein MF/AF-Hebel.

© Canon, Andreas Jordan

Full-HD-Videos gelingen standardmäßig mit 60p. Für Zeitlupen sind sogar 120p möglich, dann aber immer mit 1,2x-Crop und ohne AF-Nachführung. Wer will, kann Videos in Full-HD übrigens auch mit erweiterter Dynamik (HDR) oder Kreativfiltern aufnehmen, beispielsweise Schwarzweiß, im Stil alter Filme oder mit Miniatureffekt. Anders als bei der EOS 90D gibt es dagegen keinen Intervallmodus, bei dem Einzelbilder mit voller Auflösung gespeichert werden. Eine 3,5-mm-Klinkenbuchse für ein externes Mikrofon ist ebenfalls vorhanden.
Den mechanischen Verschluss (1/4000s) hat Canon um einen elektronischen ergänzt, der das lautlose Auslösen und Verschlusszeiten von bis zu 1/16.000 s ermöglicht; allerdings nicht bei Serienbildern oder Blitz. Unnötig umständlich ist, dass man manuell zwischen den beiden Verschlussarten umschalten muss. Bei anderen Herstellern gibt es hierfür eine Automatik, die bei entsprechend kurzen Verschlusszeiten auf die elektronische Variante wechselt.
Der Akku liefert Strom für rund 305 Aufnahmen und lässt sich per USB laden. Weitere Funktionen sind Fokus-Bracketing, das CR3-Format (wahlweise mit komprimiertem C-Raw), die Raw-Konvertierung in der Kamera, die Unterstützung für schnelle UHS-II-SD-Karten sowie Bluetooth und WLAN zur drahtlosen Kommunikation.

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Aufnahme mit Canon EOS M6 Mark II

Die EOS bringt zahlreiche Kreativfilter mit – das vegane Ei wurde mit dem Effekt Ölgemälde verewigt.

© Andreas Jordan

Aus dem Labor
Ordentlich zugelegt hat die EOS M6 Mark II bei der Geschwindigkeit. Der Autofokus stellt mit dem Kitobjektiv EF-M 3,5-6,3/15-45 mm in 0,16 s scharf. Bei der Serienbildgeschwindigkeit hängt die Neue sogar die sehr schnellen Sony-Modelle ab. Canon gibt 14 Bilder/s mit AF- und AE-Nachführung an, wir haben 13 gemessen. Dafür waren in unserem Test etwas mehr Bilder in Folge möglich als vom Hersteller angegeben, nämlich 58 JPEGs, 50 komprimierte C-Raws und 29 Raws ohne Komprimierung. Noch schneller ist der bereits aus den Kompaktkameras PowerShot G7X Mark III und G5 X Mark II bekannte Raw-Burst-Modus. Hierbei nimmt die Kamera knapp drei Sekunden lang mit 30 Bildern/s auf, allerdings mit einem starken Crop, der die Auflösung auf 18 Megapixel reduziert. Das Ergebnis wird in eine Raw-Datei geschrieben, aus der sich in der Kamera einzelne Bilder extrahieren lassen – alternativ geht das auch in Canons Raw-Konverter Digital Photo Professional.
Auch die JPEG-Bildqualität hat sich unter dem Strich gegenüber der EOS M6 verbessert. Der neue 32,5-Megapixel-Sensor erzielt mit dem EF-M 3,5/28 mm Macro bis ISO 1600 höhere Auflösungsergebnisse als der alte 24-Megapixel-Sensor. Bei ISO 3200 bricht die Auflösung dann massiv ein und liegt unter derjenigen der Vorgängerin. Auffällig ist auch, dass die Auflösungsergebnisse schlechter ausfallen als bei der EOS 90D ( > zum Test), die den gleichen Sensor verwendet. So erreicht die 90D bei ISO 100 einen sehr guten Wirkungsgrad von 88 %. Die M6 II bringt es dagegen nur auf maximal 79 %. Bei ISO 3200 bleiben dann nur magere 55,5 % übrig. Die Hauptursache für den schlechteren Wirkungsgrad der spiegellosen EOS dürfte sein, dass das als Referenzobjektiv verwendete 28er-EF-M-Makro nicht an das über 30 Jahre alte 50er-EF-Makro für die Spiegelreflexkamera herankommt. Das möglicherweise bessere und relativ neue EF-M 1,4/32 mm konnte uns Canon nicht zum Test zur Verfügung stellen. Das Bildrauschen und der Dynamikumfang haben sich gegenüber der EOS M6 minimal verbessert. Das gilt auch für die Artefakt- und Scharfzeichnungsnoten, die sogar die besten im Testfeld sind.

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Kameras im Test

Andreas Jordan
Über den Autor
Andreas Jordan

Andreas Jordan ist Sozialwissenschaftler und Mediendesigner und arbeitet seit 1994 als Redakteur und Autor mit den Schwerpunkten Multimedia, Imaging und Fotografie für verschiedene Fach- und Special-Interest-Magazine (u. a. Screen Multimedia, Computerfoto, MACup) und Tageszeitungen (Hamburger Abendblatt, Berliner Kurier). Seit 2003 ist er Redakteur beim fotoMAGAZIN und leitet dort seit 2007 das Ressort Test & Technik.