Fujifilm X-Serie: alle Systemkameras im Test

Inklusive der Neuheiten X-A3, X-T20 und GFX 50S
28.07.2017

Als einziger Kamerahersteller bietet Fujifilm ein spiegelloses System, das von der preiswerten APS-C- bis zur Mittelformatkamera reicht. Wir haben die neuen Modelle X-A3, X-T20 und – last but not least – den Mittelformatboliden GFX 50S in der Praxis und im Labor getestet und geben einen Überblick zur Fujifilm X-Serie

 

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Fuji X-T2 frontal

Fuji X-T2: ca. 1700 Euro, 24,3 Megapixel, X-Trans-Sensor III

© Fujifilm

Fujifilm zählt mit seinem X-System zu den Aufsteigern der letzten Jahre. Spätestens mit der zweiten Generation gehören die APS-C-Modelle X-T2 und X-Pro2 zu dem Besten, was der spiegellose Markt zu bieten hat – in unserer Bestenliste teilt sich die X-T2 den ersten Platz mit der Olympus OM-D E-M1 Mark II und der Panasonic Lumix GH5. Lediglich bei der Bildqualität überbietet die Vollformatkamera Sony Alpha 7R II die Kameras mit den kleineren Sensoren. Statt auf das Vollformat setzt Fuji nun gleich auf das digitale Mittelformat (siehe auch Abschnitt: „Was heißt hier Mittelformat?“, Seite 2).

Wir stellen die drei neuen Fuji-Kameras X-A3, X-T20 und GFX-50S ausführlich vor. In der Tabelle am Ende des Artikels finden Sie die Gesamtübersicht zu allen Fuji-X-Kameras – inklusive den Modellen X-E2S, X-T2 und X-Pro2. Doch fangen wir zunächst mit einer Fuji eigenen Besonderheit an:

Der X-Trans-Sensor aus dem Hause Fujifilm

Eine Fuji-Eigenentwicklung sind die X-Trans-Sensoren im APS-C-Format (23,6 x 15,6 mm), die bei der X-T20, X-T2 und X-Pro2 bereits in der dritten Generation zum Einsatz kommen.

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Fuji X-Trans-Sensor

1: Mikrolinsen
2: X-Trans Farbfilter
3: L/R Lichtfiltermaske
4: Phasendetektionssensor
5: Fotodiode

© Fujifilm

Sie zeichnen sich durch eine komplexere Farbfilteranordnung aus als bei den sonst üblichen Bayer-Sensoren: Statt eines Vierermusters verwendet Fuji ein 6 x 6-Raster, in dem die roten, grünen und blauen Pixel verteilt werden. Diese gröbere Aufteilung reduziert die Anfälligkeit für Farbmoirés, die auftreten, wenn sich zwei regelmäßige Strukturen (die des Motivs und die des Sensors) in bestimmter Weise überlagern. Fuji spart daher beim X-Trans-Sensor ein auflösungsdämpfendes Tiefpassfilter ein, das von anderen Herstellern zur Reduzierung von Moirés eingesetzt wird.

Bei den Einsteigermodellen der X-A-Serie verzichtet Fuji, vermutlich aus Kostengründen, auf die X-Trans-Farbfilter. Dass auch die teure GFX 50S keinen X-Trans-Sensor hat, verwundert auf den ersten Blick. Möglicherweise lohnt sich der Aufwand für die niedrigeren Stückzahlen einer Mittelformatkamera nicht. Außerdem gab es in der Vergangenheit Probleme mit Raw-Konvertern, die bei einer Profikamera unbedingt vermieden werden sollten.

Fujifilm X-A3: preiswerter Einstieg in das APS-C-Format

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Fuji X-A3 schraeg

Fuji X-A3: ca. 650 Euro mit Kitobjektiv, 24,2 Megapixel, herkömmlicher CMOS-Sensor

© Fujifilm

Die neue Einstiegskamera in das X-System ist – mit einigen Monaten Verspätung wegen technischer Probleme – seit Ende 2016 verfügbar. Zwischenzeitlich hatte Fuji mit der X-A10 ein weiteres Einsteigermodell angekündigt, das noch 100 Euro günstiger ist (550 statt 650 Euro mit Objektiv) – dieses stand uns bei Redaktionsschluss leider noch nicht zum Test zur Verfügung.

Kurz gesagt fehlt der X-A10 im Vergleich zur hier getesteten X-A3 der Blitzschuh, der Sensor löst noch 16 statt 24 Megapixel auf und der Kontrast-Autofokus ist weniger leistungsfähig. Die X-A3 hat von den teureren X-Modellen die AF-Modi „Zone“ und „Weit/Verfolgung“ geerbt. Der noch leistungsfähigere Hybrid-AF bleibt allerdings weiter der X-T20, X-Pro2 und X-T2 vorbehalten.

Der hochauflösende (1,06 Mio. Punkte) 3,0-Zoll-Monitor der X-A3 kann wie schon in der Vorgängerin X-A2 sowohl nach unten als auch nach oben in die Selfie-Position gekippt werden. Neu sind die Touch-Funktionen. So lässt sich per Touch das AF-Messfeld setzen und auch auslösen. Der „Berührungszoom“ ermöglicht es außerdem, über Spreizgesten digital zu zoomen. Bei der Menü-Navigation funktioniert der Touchscreen dagegen nicht.

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Fuji X-A3 Monitor

Der 3,0-Zoll-Monitor der X-A3 ist beweglich gelagert

© Fujifilm

Dem Zeitgeist folgend hat Fuji die Selbstportrait-Funktionen erweitert. So schaltet die Kamera automatisch den Augenerkennungs-AF ein, wenn der Monitor nach oben gekippt wird. Erweitert wurden die Selbstauslösefunktionen für Selfies. So gibt es nun eine Lächel-Erkennung (automatisches Auslösen beim Lächeln), einen Partner-Timer (die Kamera löst aus, wenn zwei Personen für ein Portrait posieren) und einen Gruppen-Timer (Auslösen bei einer bestimmten Anzahl von Personen).

Weiterentwickelt hat der Hersteller auch den Wi-Fi-Modus. Bei der X-A2 diente er nur zur Bildübertragung auf das Smartgerät, nun lässt sich die Kamera auch per App fernsteuern.

Den Videomodus hat Fuji ebenfalls verbessert. So sind nun Full-HD-Videos mit maximal 60 (statt 30) Bildern/s möglich. Sonstige Neuerungen gegenüber der X-A2 sind der elektronische Verschluss, der Zeiten bis zu 1/32.000 s und das lautlose Auslösen ermöglicht, und der 360-Grad-Schwenkpanoramamodus.

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Testbild Fuji X-A3

Wie alle Fuji-Kameras beherrscht auch die X-A3 automatische Belichtungsreihen. Hier wurden drei verschiedene Aufnahme in Photoshop zu einem HDR-Bild mit vergrößertem Belichtungsumfang kombiniert

Kamera: X-A3
Objektiv: XC 3,5-5,6/16-50 mm OIS
Einstellungen: 16 mm, f/3,5, ISO 200, Photoshop-HDR aus Belichtungsreihe

© Andreas Jordan

Für die insgesamt sehr gute Ausstattung sorgen außerdem die Fuji-typischen Filmsimulationen, die sich dank des integrierten Raw-Konverters auch nach der Aufnahme anwenden lassen. Weitere Funktionen sind Intervallaufnahmen, Mehrfachbelichtungen und Effekte wie Farbauszug und Miniatur.

Bildqualität und Geschwindigkeit der X-A3

Bei der Bildqualität zeigt sich die X-A3 gegenüber der X-A2 leicht verbessert. So ist die Auflösung etwas höher, allerdings fällt der Gewinn geringer aus, als man bei einem Sprung von 16 auf 24 Megapixel erwarten würde. Vor allem messtechnisch macht sich dagegen das stärkere Rauschen bemerkbar. Dieses ist auch visuell sichtbar, wobei es sich um ein wenig störendes „körniges“ Helligkeitsrauschen handelt.

Insgesamt liefert die X-A3 bis ISO 1600 eine sehr gute Bildqualität und ist auch bei ISO 3200 noch brauchbar.
Der Autofokus ist gegenüber der X-A2 tatsächlich schneller geworden. Mit gut 0,4 s ist er zwar noch deutlich langsamer als bei den Top-Modellen mit Hybrid-AF, aber in den meisten Situationen stört die Auslöseverzögerung nicht. Deutlich macht sich der fehlende Hybrid-AF bei der Schärfe-Nachführung im Serienbildmodus bemerkbar: Bei aktiviertem kontinuierlichen Autofokus sinkt die Serienbildrate von 6 auf rund 1,6 Bilder/s.

Fujifilm X-T20: kleine Schwester der X-T2

Anders als die X-A3 zeigt die X-T20 auf den ersten Blick ihren Fuji-X-System-Charakter: Sie sieht aus wie eine leicht geschrumpfte Variante des Flaggschiffs X-T2 und bringt die typischen Bedienelemente mit: ein Belichtungskorrekturrad, ein Zeitenrad und ein Drive-Rad, über das Serienbilder, Bracketing, Videomodus, Panorama, Doppelbelichtungen und Filtereffekte direkt zugänglich sind.

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Fuji X-T20 frontal

Fuji X-T20: ca. 900 Euro, 24,3 Megapixel, X-Trans-Sensor III

© Fujifilm

Im Vergleich zur X-T2 fehlen Räder für ISO und Belichtungsmessung und ein Sperrmechanismus gegen ein versehentliches Verstellen. Bei den weiteren Bedienelementen muss der X-T20-Fotograf vor allem auf den Joystick zum Verschieben des AF-Messfeldes verzichten. Im Monitor-Betrieb steht dafür ein intuitiver Touch-AF zur Verfügung, welcher der X-T2 fehlt.

Die Unterschiede zur immerhin fast doppelt so teuren X-T2 setzen sich in vielen Bereichen fort: So ist das Gehäuse der Neuen nicht spritzwassergeschützt, der Sucher ist kleiner und der Monitor lässt sich nur nach oben und unten und nicht zur Seite kippen. Außerdem ist der mechanische Verschluss bei der X-T20 langsamer (1/4000 s, Synchronzeit: 1/180 s). Bei beiden Kameras kann aber ein elektronischer Verschluss bis zu 1/32.000 s und lautlos belichten. Weitere Unterschiede zeigen sich bei den Schnittstellen: So hat die X-T20 statt zwei UHS-II-kompatiblen SD-Karten-Steckplätzen nur einen für das langsamere UHS-I, die USB-Schnittstelle ist ebenfalls langsamer (Version 2.0 statt 3.0) und es gibt keinen Anschluss für einen Batteriegriff. Ein Blitz ist bei der X-T20 übrigens fest eingebaut – bei der X-T2 wird ein kleiner Aufsteckblitz mitgeliefert.

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Fuji X-T20 Monitor

Die X-T20 hat neben dem beweglichen Monitor auch einen elektronischen Sucher

© Fujifilm

Beim Innenleben ist die X-T20 dagegen ganz auf der Höhe der Zeit: Der tiefpassfilterlose X-Trans Sensor III stammt wie in der X-T2 und X-Pro2 aus der dritten Generation. Er löst 24 Megapixel auf und bringt zusätzlich zum Kontrast-Autofokus Phasendetektionspixel mit, die rund 40 Prozent des Bildes abdecken. Standardmäßig sind 91 AF-Messfelder eingestellt, die sich auf 325 Punkte erweitern lassen. Zur Motivverfolgung stehen fünf AF-C-Einstellungen für unterschiedliche Bewegungsarten zur Verfügung. Der Autofokus beherrscht außerdem – wie bei allen aktuellen X-Systemkameras – eine Augenerkennung. Zur Hilfe bei der manuellen Fokussierung stehen eine Kantenmarkierung (Peaking) und ein digitales Schnittbild zur Verfügung.

Gegenüber ihrer Vorgängerin X-T10 bzw. der X-A3 hat der Videomodus deutlich zugelegt. Die X-T20 nimmt jetzt wie die X-T2 mit 3840 x 2160 Pixeln, bis zu 30 Bildern/s und einer maximalen Datenrate von 100 MBit/s auf. Die Länge ist allerdings auf zehn Minuten begrenzt (bei der X-T2 sind mit Batteriegriff bis zu 30 Minuten möglich). Full-HD-Video gelingt mit bis zu 60 Bildern/s und für maximal 15 Minuten am Stück. Ein Mikrofonanschluss und ein HDMI-Ausgang für eine Live-View-Vorschau bei der Videoaufnahme auf einem externen Monitor sind vorhanden. Profis könnten im Vergleich zur X-T20 die logarithmische Gamma-Kurve vermissen (F-Log). Nicht fehlen darf natürlich die Simulation analoger Filme, die sich bei der X-T20 zusätzlich mit einem Filmkorneffekt versehen lassen.

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Testbild Fuji X-T20

Bei ISO 3200 ist die Bildqualität der X-T20 noch gut

Kamera: X-T20
Objektiv: XF 2/50 mm
Einstellungen: f/2,0, 1/60 s, ISO 3200

© Andreas Jordan

Weitere Funktionen sind Wi-Fi (inklusive Fernsteuerung per Smartphone), eine 2D-Wasserwaage, Intervallaufnahmen, Raw-Bearbeitung und diverse Belichtungsreihen (AE, Filmsimulationen, ISO, Weißabgleich, Dynamik).

Bildqualität und Geschwindigkeit der X-T20

Die X-T20 stellt ähnlich rasant scharf wie die Geschwister-Modelle mit dem aktuellen Hybrid-AF: Wir haben weniger als 0,2 s Auslöseverzögerung gemessen. Bei der Seriengeschwindigkeit überflügelt die X-T20 die X-A3 deutlich und erreicht fast das Niveau der X-T2: Mit rein elektronischem Verschluss sind 13 Bilder/s möglich, mit mechanischem Verschluss rund 8 B/s. Beachtlich ist, dass die Kamera bei allen Frequenzen den Autofokus nachführen kann.

Nicht ganz so üppig wie bei der X-T2 fällt der Pufferspeicher aus. Bei 8 Bildern/s haben wir 41 JPEGs oder 30 Raws in Folge ermittelt, bei der X-T2 mehr als 200 JPEGs und rund 50 Raws.

Die Bildqualität ist ebenfalls sehr gut, erreicht allerdings nicht ganz das Niveau der X-Pro2 – wir haben mit dem gleichen Referenzobjektiv (XF 2,4/60 mm Macro) eine etwas niedrigere Auflösung gemessen und auch bei der Dynamik erreicht das doppelt so teure Flaggschiff etwas bessere Ergebnisse. Beim Rauschen nehmen sich die X-T20, X-T2 und X-Pro2 wenig.

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Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.

Kameras im Test

Andreas Jordan
Über den Autor
Andreas Jordan

Andreas Jordan ist Mediendesigner und arbeitet seit 1994 als Redakteur und Autor mit den Schwerpunkten Multimedia, Imaging und Fotografie für verschiedene Fach- und Special-Interest-Magazine (u. a. Screen Multimedia, Computerfoto, MACup). Seit 2003 ist er Redakteur beim fotoMAGAZIN und leitet dort seit 2007 das Ressort Test & Technik.