Die F-Generationen: Nikon F, F2 und F3

Die F-Generationen: Nikon F, F2 und F3
Die F-Generationen: Nikon F (+ Nikkor 1,4/50 mm ca. 240 Euro), F2 und F3 © Winfried Warnke

Gebrauchte Schätze: Die analogen Profi-Klassiker

Analoge Traumkameras sind heute erschwinglich
21.06.2016

Unter den zahlreichen Topmodellen der letzten Jahrzehnte stellen wir zehn der wichtigsten Profikamera(-serien) aus dem analogen Kleinbild- und Mittelformatbereich vor.

Auf dem Profimarkt erfolgreich zu sein, heißt hinsichtlich Robustheit, technischem Know-how und optischer Klasse die Maßstäbe zu setzen. Dieses Renommee wirbt kräftig für die Verkäufe in den anderen Klassen.

Das ist heute so, das galt aber vor allem auch zu analogen Zeiten, als Kameras langlebig und robust sein mussten. Die Profi-Kameras von gestern, die für den Normalverbraucher damals kaum erschwinglich waren, leisten bis heute vorbildlich ihren Dienst - und sind auf dem Gebrauchtmarkt heute als Schnäppchen zu bekommen.
Filmbasierte Kameras haben nach dem Siegeszug der Digitalen einen rapiden Preisverfall erlitten. Highend-Boliden ihrer Generation wurden bezahlbar, weil bei recht großem Angebot die Nachfrage nachlässt.

Schraub-Leica

Schraub-Leica

Die Schraub-Leica war der erste große kommerzielle Erfolg von Leica.
Aktueller Straßenpreis der Kombi Schraubleica IIIf mit dem Elmar 3,5/5 cm: 340 Euro

© Winfried Warnke

Schraub-Leica - Die Kleinbild-Revolution

Die Devise „Kleine Kamera – großes Bild“ setzte Oskar Barnack, Leiter der Entwicklungsabteilung der Ernst Leitz Werke in Wetzlar, 1914 mit der Ur-Leica konsequent um. Er verwendete erstmals den Kinofilm für ein 24x36-mm-Kleinbildformat, noch heute das Maß für das Digital-Vollformat. Hieraus entstand die kompakte Schraub-Leica mit gängigen Wechselobjektiven, an die die digitale Leica X1 immer noch erinnert. Dieses Kamerakonzept ermöglichte erstmalig dynamische Reportage-Fotografie. Das spontane, verdeckte Festhalten des Alltags hatte hier im Gegensatz zur schwerfälligen Plattenfotografie ihren Ursprung. Meisterwerke, wie zum Beispiel die Motive von Henri Cartier-Bresson, wären ohne dieses Werkzeug schwer möglich gewesen.

Franke & Heidecke Rolleiflex 2,8

Franke & Heidecke Rolleiflex 2,8

Franke & Heidecke Rolleiflex 2,8.
Aktueller Gebrauchtpreis ca. 1.150 Euro.

© Winfried Warnke

Franke & Heidecke Rolleiflex 2,8 -Bildgestaltung pur

Wer über zweiäugige Spiegelreflexkameras spricht, meint Rolleiflex. Die Idee, für Bildbetrachtung und Aufnahme zwei Objektive einzusetzen, verfeinerte Franke & Heidecke seit 1928 immer weiter. In der Rolleiflex 2,8F fand sie ihren feinmechanischen Höhepunkt: großes Filmformat, ein heller, permanent das Motiv zeigender Sucher und ein leiser Zentralverschluss für kürzeste Blitzzeiten.

Leica M3

Leica M3

Die Leica M3 ist das erste Modell der klassischen Leica Messsucherkameras. Aktueller Gebrauchtpreis in Kombi mit dem Summicron 2,0/50 mm: 1.170 Euro.

@ Winfried Warnke

Leica M - Der Reportage-Klassiker

Das Leica M-Kamerakonzept mit ihrem Messsucher ist zeitlos. Eingeführt 1954 mit der Leica M3 hat es sogar den Sprung ins digitale Zeitalter mit der Leica M8 geschafft und bietet heute „Oskar-Barnack-Format“ in digitaler Vollendung. Das besondere Sucher-Erlebnis, die Wertigkeit aus Messing und Stahl gepaart mit Hochleistungsobjektiven ist emotionales Erlebnis pur.
Vor der Ära der Profi-Spiegelreflex-Fotografie war diese Kamerareihe bis in die siebziger Jahre die konkurrenzlose Reportage-Kamera. Fotografen wie Robert Lebeck schufen mit diesem schnellen Werkzeug Maßstäbe für engagierte, einfühlsame Reportage-Bilder. Ihre legendäre Robustheit hat sich in diesem Feld ausgezahlt.

Hasselblad 500C/M

Hasselblad 500C/M

Große Erfolge unter Profis feierte die Hasselblad 500C/M. Aktueller Gebrauchtpreis in Kombination mit dem Distagon 4,0/50 mm: ca. 790 Euro.

© Hasselblad

Hasselblad 500C/M - Der Profi-Typ

Keine Kamera im Mittelformat hat die Profi-Fotografie derart verändert wie das Würfel-Prinzip der Hasselblad. Ein konsequent modulares System aus Filmmagazin, Gehäuse und Objektiv waren die Grundlagen dieses einzigartigen Systems. Insbesondere die Modellreihe Hasselblad 500C/M prägte ab 1957 über 30 Jahre die professionelle Studio- und Werbefotografie und sorgte für eine einmalige Erfolgsgeschichte.

Nikon F - Die Arbeitsmaschine

Die Nikon F (1959) gilt als Urtyp aller professionellen Kleinbild-System-SLR-Kameras. Obwohl sie zu ihrer Zeit eigentlich nur mit einer technischen Neuheit aufwartete (100%-Sucher), vereinte diese Kamera alle Funktionen damaliger Zeit. Das modulare System ließ optimalen Einsatz in den verschiedensten Profibereichen zu. Amerikanische Kriegsreporter machten dieses System weltweit bekannt, ihre spektakulären Aufnahmen gingen werbewirksam für Nikon durch die Welt.
Aber erst die Nachfolgerin, die Nikon F2 (1971), verschaffte der Firma Nikon eine konkurrenzlose Position im professionellen Kleinbild-Bereich. Sie gilt bis heute als beste voll-mechanische Kamera im KB-Feld.
Anfänglich von den Profis wegen des elektronischen Verschlusses kritisch beäugt, zeigt die klassisch gestylte Nikon F3, dass äußerste Robustheit und Störungsunauffälligkeit durchaus mit elektronischen Komponenten vereinbar ist.

Canon F-1

Canon F-1

Die Canon F-1 war für kurz Zeit ein Stern am Profi-Himmel. Aktueller Gebrauchtpreis der Canon F1n mit dem FD 1,4/50 mm: ca. 240 Euro.

© Winfried Warnke

Canon F - Die Verkannte

Canon schickte 1971 die F-1 ins Rennen um die Gunst der Profis, um die Nikon-Dominanz zu brechen. Sie wies alle Tugenden einer professionellen Kamera der 70er-Jahre auf: robustes Gehäuse, mechanisch gebildete Verschlusszeiten, Motoranschluss, TTL-Messung, Wechselsucher und -rückwand. Das Belichtungsmesssystem war im Gehäuse integriert und damit als Vorteil zur Nikon von Wechselsuchern unabhängig.
Da schon ein Jahr später Nikon die F2 vorstellte, war die Canon F-1 nur für ein Jahr die Königin ihrer Klasse. Nikons Vormachtstellung Anfang der 80-er konnte auch das Nachfolgemodell F-1(n) nicht brechen.

Olympus OM-3

Olympus OM-3

Die puristische Olympus OM-3 besitzt einen mechanischen Tuch-Schlitzverschluss. Die aktuellen Gebrauchtpreise der beiden Kameras: Olympus OM-3 body black ca. 270 Euro und die Olympus OM-4 Ti body black ca. 230 Euro

© Winfried Warnke

Olympus OM - Die Schöne

Die Olympus OM-Kameras (1972-2002) erreichten zwar nur semiprofessionellen Status, jedoch zeigte gerade 1987 die letzte Baureihe, die Olympus OM-4 Ti, dass technische Leckerbissen und kompakte Schönheit in einer Spiegelreflexkamera unter einen Hut zu bringen waren: Die autodynamische Messsteuerung, die Spotmessung mit bis zu acht individuellen Messpunkten und Verschlusszeiten bis zu 1/2000 Sekunde mit Blitzsynchro machten das Modell zu einer High-End-Spiegelreflex. Wer heute diese Kameras in der Hand hält, ist begeistert von feinster Verarbeitung, Wertigkeit und Grazilität.​

Mamiya RZ67 II

Mamiya RZ67 II

Die Mamiya RZ67 Pro II. Aktueller Gebrauchtpreis mit dem Sekor 3,5/90 mm ca. bei 540 Euro

© Winfried Warnke

​Mamiya RB/RZ 67 - Das Studio-Tier

Mamiya hat mit seinen 6x7-Mittelformatmodellen in der People- und Modefotografie seit den 70er-Jahren seinen Marktanteil stetig ausbauen können. Verantwortlich zeichnen hierfür Vorteile – gerade gegenüber der als Maßstab geltenden Hasselblad-Konkurrenz – wie das dynamische 6x7-Format, der Magazindrehrahmen von Quer- zu Hochformat und eine präzise Balgenfokussierung, die ohne Zubehör Nahaufnahmen möglich machte.
In der stationären Studiofotografie war eine gewisse Unhandlichkeit nicht störend. Unterstützt wurde die Erfolgslinie sicher auch durch eine moderate Preispolitik. Die Neupreise der Wechselobjektive betrugen nur die Hälfte der vergleichbaren Hasselblad-Zeiss-Linsen.

Pentax 67II

Pentax 67II

Kleinbild-SLR in groß: Die Pentax 67II für das Mittelformat in Kombination mit dem SMC 2,4/105 mm kostet derzeit ca. 890 Euro auf dem Gebrauchtmarkt.

© Pentax

​Pentax 6x7 - Mittelformat in Aktion

Ein Kamerasystem, das über 30 Jahre auf dem umkämpften Profimarkt überlebt, muss seine Qualitäten haben. Dieses Mittelformat-Urvieh vereint die Vorteile des Kleinbilds und des Mittelformats: einerseits das schnelle Fotografieren in Augenhöhe, der flotte Schlitzverschluss und Filmtransport per Spannhebel, andererseits das riesige Bildformat 55x70 mm. Ein breites Objektivsortiment zu moderaten Preisen war mitverantwortlich für den großen Erfolg. Trotz voluminöser Maße und hohen Gewichts ist die 6x7 gut handzuhaben.

Canon EOS 1

Canon EOS 1

Die Canon EOS 1

Foto: Winfried Warnke

Canon EOS - Der Durchbruch

Die Autofokus-Ära brachte für Canon den Durchbruch im Profimarkt. Obwohl Nikon mit der F4 den Startschuss in diesem Segment gab, schlug 1989 die Canon EOS-1 wie eine Bombe ein: Mit präzisem Autofokus und einer Seriengeschwindigkeit von 5,5 Bildern/Sekunde, verbunden mit einem ausgesprochen bedienfreundlichen Gehäuse, überrundete Canon den Erzrivalen Nikon bei den Profis in kürzester Zeit. Die aufwändigen L-Objektive mit elektronischer Kommunikation zwischen Body und Linsen, schnellem Ultraschall-Fokussiermotor und später IS-Technik zur Bildstabilisierung begünstigten den Erfolg.

Weitere aktuelle Straßenpreise für analoge Schätze finden Sie in unserer foMAG-Liste Secondhand Guide 2014/2015.

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Über den Autor
Winfried Warnke

Vermutlich kennt niemand den Kamera-Gebrauchtmarkt in Deutschland besser als unser Kolumnist und Autor Winfried Warnke: Seit 30 Jahren beschäftigt er sich mit Schätzen aus zweiter Hand.  Einmal im Jahr erstellt er für das fotoMAGAZIN den Secondhand-Guide, auch als FOMAG-Liste bekannt. Für unser Technik-Forum schreibt er in jeder Ausgabe die Second-Hand-Kolumne.