Der Tag der Fotografie geht auf diesen Moment zurück: Am 19. August 1839 präsentiert François Arago im Institut de France das Verfahren von Louis Daguerre – in der gemeinsamen Sitzung der Académie des sciences und der Académie des beaux-arts.
© Illustration aus Louis Figuier, „La Photographie", Paris (1868–1888), gemeinfreiAm 19. August feiern Fotografinnen und Fotografen rund um den Globus den Tag der Fotografie. Sie teilen ihre besten Bilder unter dem Hashtag #WorldPhotoDay und würdigen eine Technik, die vor knapp zwei Jahrhunderten die Welt veränderte. Das Datum verweist auf den 19. August 1839: An diesem Tag erklärte der Astronom François Arago der Öffentlichkeit in Paris das vom Maler Louis Daguerre entwickelte Verfahren. Kurz zuvor hatte der französische Staat die Rechte an der Daguerreotypie gekauft und das Verfahren der Welt geschenkt. Den heutigen Aktionstag rief der australische Fotograf Korske Ara 2010 ins Leben.
Was ist der Tag der Fotografie?
Der Tag der Fotografie, international World Photography Day, ist ein weltweiter Aktionstag am 19. August. Er würdigt die Fotografie als Kunst, Handwerk und Kommunikationsmittel. Fotografinnen und Fotografen aus allen Ländern zeigen ihre Arbeiten, tauschen sich aus und laden Bilder in sozialen Netzwerken hoch. Museen, Verbände und Hersteller nutzen den Anlass für Ausstellungen, Fotowalks und Workshops.
Warum fällt der Tag der Fotografie auf den 19. August?
Der 19. August markiert die Geburtsstunde der praktischen Fotografie. An diesem Tag im Jahr 1839 legte Arago das Verfahren vor einer gemeinsamen Sitzung der Académie des Sciences und der Académie des Beaux-Arts offen – Schritt für Schritt, vor vollem Haus. Zuhörer drängten sich bis in den Innenhof des Instituts. Erst dieser öffentliche Auftritt machte die Daguerreotypie – das erste marktreife Fotoverfahren – allgemein bekannt und für jeden nutzbar. Genau daran knüpft der Aktionstag an.
Wer war Louis Daguerre?
Louis Daguerre, geboren 1787 in Cormeilles-en-Parisis, war Maler und Bühnenbildner. In Paris betrieb er das Diorama, ein Schaubild-Theater mit riesigen bemalten Leinwänden, und nutzte für seine Arbeit oft die Camera obscura. 1829 verbündete er sich mit dem Erfinder Nicéphore Niépce, der bereits um 1826 die erste dauerhafte Fotografie belichtet hatte. Nach Niépces Tod 1833 forschte Daguerre allein weiter. Er entdeckte, dass Quecksilberdampf das belichtete Bild sichtbar macht, fixierte es mit Kochsalz und schuf 1837 die erste beständige Daguerreotypie. Daguerre starb 1851.
Louis Jacques Mandé Daguerre, 1844, Aufnahme von Jean-Baptiste Sabatier-Blot aus dem George Eastman Museum.
© gemeinfreiWas ist eine Daguerreotypie – und wie entsteht sie?
Eine Daguerreotypie ist ein einzigartiges Bild auf einer versilberten Kupferplatte. Der Fotograf poliert die Platte spiegelblank, macht sie mit Joddampf lichtempfindlich, belichtet sie in der Kamera, entwickelt das Bild mit Quecksilberdampf und macht es mit einer Salzlösung haltbar. Jede Platte zeigt ein Original – ein Negativ und damit Abzüge gibt es nicht. Die Oberfläche glänzt wie ein Spiegel und liefert feinste Details. Anfangs dauerte eine Belichtung mehrere Minuten.
War Daguerre wirklich der Erfinder der Fotografie?
Daguerre perfektionierte die Fotografie, erfand sie aber nicht allein. Die erste erhaltene Fotografie gelang seinem späteren Partner Nicéphore Niépce Jahre zuvor – der berühmte Blick aus einem Fenster in Le Gras entstand um 1826. Daguerre baute auf dieser Vorarbeit auf und schuf das erste praxistaugliche Verfahren. Im selben Jahr 1839 stellte der Brite William Henry Fox Talbot ein konkurrierendes Papierverfahren vor. 1839 gilt deshalb als Geburtsjahr der Fotografie – mit mehreren Vätern.
Hippolyte Bayard und die erste inszenierte Fotografie
Ein vierter Pionier ging fast vergessen: Hippolyte Bayard, Beamter im französischen Finanzministerium. Er entwickelte ein eigenes Verfahren, das Papierbilder direkt als Positiv festhielt. Im Juni 1839 zeigte er rund 30 seiner Aufnahmen in Paris – vermutlich die erste Fotoausstellung der Welt. Doch Fürsprecher der Daguerreotypie hielten ihn zurück, bis Daguerres Verfahren offiziell verkündet war. So verpasste Bayard den Ruhm. 1840 antwortete er mit einem Bild, das Geschichte schrieb: Er stellte sich selbst als Ertrunkenen dar und schrieb auf die Rückseite einen fiktiven Abschiedsbrief, der die großzügige Förderung Daguerres anprangerte. Das „Selbstbildnis als Ertrunkener" gilt heute als erstes bewusst inszeniertes fotografisches Selbstporträt.
Warum verschenkte Frankreich die Fotografie an die Welt?
Daguerre suchte zunächst Investoren, fand aber keine. Arago überzeugte ihn und die Regierung, das Verfahren dem Staat zu überlassen. Im Gegenzug erhielten Daguerre und Isidore Niépce, der Sohn des verstorbenen Partners, eine lebenslange Pension; König Louis-Philippe unterzeichnete das Gesetz am 7. August 1839. Am 19. August gab Frankreich die Daguerreotypie als „Geschenk an die Welt" frei. Eine Ausnahme blieb: In Großbritannien hatte Daguerre das Verfahren fünf Tage zuvor, am 14. August 1839, über einen Agenten patentieren lassen; dort wurde eine Lizenzgebühr fällig. Das freie Verfahren verbreitete sich rasant – schon am 16. September 1839 entstanden die ersten Daguerreotypien in den USA.
Wer hat den Tag der Fotografie erfunden?
Den modernen Tag der Fotografie startete der australische Fotograf Korske Ara. 2009 rief er das Projekt World Photo Day ins Leben, am 19. August 2010 feierte die Community den ersten globalen Termin. Die Wurzeln reichen weiter zurück: In Indien organisierte der Fotolehrer O. P. Sharma schon früh Zusammenkünfte rund um dieses Datum, ab 2005 wuchs die Idee im Netz. Heute beteiligen sich Millionen Menschen weltweit.
Wie feiert man den Tag der Fotografie?
Mitmachen ist einfach. Wer teilnehmen will, fotografiert ein Motiv, das ihm etwas bedeutet, und teilt es unter #WorldPhotoDay oder #WorldPhotographyDay in den sozialen Medien. Viele laden ihre Bilder auf der offiziellen Website des Aktionstags hoch. Fotoclubs veranstalten Fotowalks, Museen öffnen Sonderausstellungen, Händler bieten Workshops. Auch Redaktionen und Marken greifen das Thema auf.
Lesetipp: Die Geschichte der Fotografie
Beitrage Teilen