VZ-6617: Mittelformat-Kamera wechselt das Format auf derselben Filmrolle

Die VZ-6617 von Exposing Engineering will ein altes Problem der Analogfotografie lösen: Statt sich pro Filmrolle auf ein Bildformat festzulegen, soll sie Aufnahmen von 6x6 bis 6x17 in einem einzigen Gehäuse erlauben. Das Kickstarter-Projekt setzt auf ein variables Filmfenster, Großformat-Objektive und eine radikal mechanische Bauweise.

Die Mittelformatkamera VZ-6617 von Exposing Engineering nimmt auf 120er-Film Formate von 6x6 bis 6x17 auf und wird derzeit über Kickstarter finanziert.

Mit der VZ-6617 hat Exposing Engineering eine neue analoge Mittelformat-Kamera vorgestellt, die derzeit per Kickstarter finanziert wird und ab August 2026 ausgeliefert werden soll. Das Besondere an dem Modell ist ein variables Filmfenster, mit dem sich das Aufnahmeformat auf 120er-Film stufenlos von 6x6 bis 6x17 verändern lässt, um auf einer einzigen Rolle zwischen quadratischen und panoramatischen Bildern zu wechseln und so mehrere klassische Kamerakonzepte in einem System zusammenzuführen.

Was macht die VZ-6617 im Mittelformat besonders?

Der stärkste Punkt der VZ-6617 ist ihr Konzept. Während viele analoge Mittelformat-Kameras auf ein festes Seitenverhältnis ausgelegt sind, soll dieses Modell die freie Wahl des Formats zwischen den Aufnahmen ermöglichen. Exposing Engineering setzt dafür auf das sogenannte Variable Zone Film Gate, ein verstellbares Maskensystem im Kameragehäuse. Damit lässt sich die Bildfläche symmetrisch anpassen, ohne Filmrückteile, Einsätze oder Masken zu tauschen.

Für die Praxis ist das ein ungewöhnlich reizvoller Ansatz. Wer unterwegs sowohl quadratische Motive als auch breite Landschaftspanoramen fotografieren will, muss nicht mehr zwischen mehreren Kameras oder Formaten wählen. Genau darin liegt der Reiz der VZ-6617: Sie verbindet im Mittelformat 6x6 bis 6x17 in einem einzigen Werkzeug.

VZ-6617: Wie funktioniert der Wechsel von 6x6 bis 6x17?

Der Formatwechsel erfolgt direkt in der Kamera. Das Filmfenster lässt sich stufenlos verstellen, sodass nicht nur feste Endpunkte wie 6x6 oder 6x17 möglich sind, sondern auch Zwischenformate. Exposing Engineering will den Wechsel so einfach machen wie das Verstellen von Blende oder Zeit. Die Kamera soll damit nicht nur ungewöhnlich flexibel sein, sondern auch sparsamer mit Film umgehen, weil das Motiv das Format bestimmt und nicht umgekehrt.

Das hebt die VZ-6617 klar von klassischen Mittelformat-Systemen ab. Bisher bedeutete ein anderes Seitenverhältnis meist auch eine andere Kamera oder mindestens ein anderer Einsatz. Hier soll derselbe 120er-Film vom Quadrat bis zum Panorama reichen.

Wer steckt hinter der VZ-6617 und Exposing Engineering?

Hinter Exposing Engineering steht Francis Xavier Garing, der die VZ-6617 nicht als Produkt eines großen Kameraherstellers, sondern als persönliches Entwicklungsprojekt vorantreibt. Garing beschreibt sich selbst als „design engineer by day, tinkerer/camera geek by night“ und steht damit exemplarisch für den Charakter der Marke: ein kleines, stark vom Gründer geprägtes Engineering-Projekt mit Startup-Anmutung, das aus praktischen Experimenten mit 3D-Druck, mechanischem Kamerabau und dem Wunsch nach flexibleren Bildformaten im analogen Mittelformat entstanden ist.

Für wen eignet sich die analoge Mittelformat-Kamera VZ-6617?

Die Kamera richtet sich vor allem an Fotografen, die bewusst und langsam arbeiten. Landschaft, Architektur, Reise und reduzierte dokumentarische Motive passen deutlich besser zu diesem Konzept als schnelle Reportage oder spontane Nahaufnahmen mit geringer Schärfentiefe. Wer gern mit Bildwirkung, Seitenverhältnis und Komposition spielt, dürfte in der VZ-6617 ein sehr eigenständiges Werkzeug sehen.

Zugleich ist das Modell interessant für Analogfotografen, die nicht mehrere Gehäuse für unterschiedliche Formate tragen wollen. Exposing Engineering verspricht genau diesen Systemgedanken: eine Kamera, viele Bildwirkungen. Der Nutzen entsteht also weniger aus Komfort als aus gestalterischer Freiheit.

Wie arbeitet die VZ-6617 im Alltag?

Die VZ-6617 ist eine rein mechanische Kamera. Sie verzichtet auf Elektronik und auch auf einen fest eingebauten Sucher. Verschlusszeit und Blende werden am jeweiligen Objektiv eingestellt, denn die Kamera nutzt Großformat-Objektive mit integriertem Verschluss. Fokussiert wird über einen Helikoid am Linsenkegel, in der Praxis also über Zonenfokus und Distanzschätzung.

Mit der entsprechenden Halterung für den Zubehörschuh sowie der passenden Sucher-App zur Bildausschnitt-Kontrolle wird das Um ein Smartphone zum digitalen Sucher der VZ-6617.

Mit der entsprechenden Halterung für den Zubehörschuh sowie der passenden Sucher-App zur Bildausschnitt-Kontrolle wird das Um ein Smartphone zum digitalen Sucher der VZ-6617.

© Exposing Engineering

Das zeigt klar, wie die Kamera gedacht ist. Die VZ-6617 ist kein Allrounder für jede Situation, sondern ein spezialisiertes Werkzeug für Fotografen, die ihr Motiv ruhig aufbauen und Entfernungen bewusst einschätzen. Ein optionaler optischer Aufstecksucher ist erhältlich, alternativ lässt sich mit externen Lösungen arbeiten, etwa mit einem Smartphone-Halter und Sucher-App.

VZ-6617: Wie sinnvoll ist die Kamera auf dem Stativ?

Die VZ-6617 bringt alle Voraussetzungen für die Arbeit mit einem Stativ mit. Im Gehäuseboden befindet sich ein 1/4-Zoll-Stativgewinde, wie es auch bei Kleinbild- und Mittelformat-Kameras üblich ist. Gerade für Langzeitbelichtungen, präzise Landschaftsaufnahmen und sauber ausgerichtete 6x17-Panoramen passt dieses Arbeitsprinzip gut zur Kamera, weil sie vollständig mechanisch aufgebaut ist und Belichtungszeit sowie Blende direkt über den Verschluss im Objektiv gesteuert werden.

In der Praxis dürfte sich die VZ-6617 damit besonders für ruhige, kontrollierte Aufnahmesituationen eignen. Für breite Panoramen und Weitwinkelobjektive ist ein stabiles Stativ mit gut justierbarem Kopf sinnvoll, damit sich Horizont und Bildaufbau exakt ausrichten lassen. Das fügt sich stimmig in den Charakter der Kamera ein: Sie spielt ihre Stärken nicht im schnellen Zugriff aus, sondern dann, wenn Fotografen Zeit für Aufbau, Ausrichtung und bewusste Bildgestaltung mitbringen.

Welche Filme nutzt die VZ-6617 im Mittelformat?

Bei der Filmauswahl verhält sich die VZ-6617 erfreulich unkompliziert. Sie arbeitet mit ganz normalen 120er-Rollfilmen und verlangt damit kein Sondermaterial. Wer bereits mit Mittelformat fotografiert, kann seine üblichen Farbnegativ-, Schwarz-Weiß- und Diafilme grundsätzlich weiterverwenden. Entscheidend ist allein, dass tatsächlich 120er-Ware gekauft wird und keine 35-mm-Patronen.

Für Farbnegativfilm kommen damit die bekannten Standards ebenso in Frage wie ambitioniertere Emulsionen. Genannt werden etwa Kodak Gold 200, ColorPlus 200 und Ultramax 400, aber auch Portra 160, 400 und 800, Fujicolor C200 oder Fujicolor 400 sowie verschiedene 120er-Filme von Lomography. Im Schwarz-Weiß-Bereich passen Klassiker wie Ilford HP5 Plus und FP4 Plus, Kodak Tri-X 400, T-Max 100 und 400 sowie Fomapan 100, 200 und 400. Wer Diafilm einsetzen will, kann auf Kodak Ektachrome 100, Fuji Provia 100F, Velvia 50 oder Velvia 100 setzen; auch E-6-Material von Adox wird als Option genannt.

Gerade für 6x17-Panoramen lohnt es sich, auf feinkörnigere Filme zu achten. Der Grund ist naheliegend: Die langen Negative laden zu großen Vergrößerungen oder hochauflösenden Scans ein, bei denen Korn und Detailzeichnung stärker ins Gewicht fallen. Filme wie Portra 160, Ektachrome 100 oder feinkörnige Schwarz-Weiß-Materialien spielen diesen Vorteil besonders deutlich aus. Die VZ-6617 eröffnet damit nicht nur Freiheit beim Format, sondern auch viel Spielraum bei der Wahl des passenden Films für Motiv, Look und Ausgabegröße.

Die VZ-6617 arbeitet mit handelsüblichem 120er-Rollfilm und lässt sich damit mit gängigen Farbnegativ-, Schwarz-Weiß- und Diafilmen im Mittelformat bestücken.

Die VZ-6617 arbeitet mit handelsüblichem 120er-Rollfilm und lässt sich damit mit gängigen Farbnegativ-, Schwarz-Weiß- und Diafilmen im Mittelformat bestücken.

© Exposing Engineering

Welche Objektive unterstützt die VZ-6617?

Die Kamera setzt auf Großformat-Objektive, wie sie an View-Kameras üblich sind. Exposing Engineering verwendet dafür austauschbare Lens Cones, die den korrekten Abstand zwischen Objektiv und Film festlegen. Das erweitert die Auswahl an Brennweiten, verlangt aber zugleich, dass sich Käufer selbst um passende Objektive kümmern.

Als kompatibel nennt das Projekt unter anderem Objektive von Schneider Kreuznach, Nikon, Rodenstock und Fujinon in Brennweiten von 65 bis 150 Millimetern. Besonders naheliegend erscheinen 90-Millimeter-Lösungen als Standardoption. Wichtig ist dabei die Bildkreis-Abdeckung: Nicht jedes Objektiv leuchtet das lange 6x17-Format sinnvoll aus. Genau deshalb ist die Objektivfrage bei der VZ-6617 keine Nebensache, sondern zentral für den praktischen Nutzen.

VZ-6617 und Exposing Engineering: Wie modular ist das System?

Auch konstruktiv verfolgt Exposing Engineering einen eigenen Ansatz. Der Body besteht überwiegend aus 3D-gedruckten Bauteilen, ergänzt durch Metallteile an entscheidenden Stellen. Das hält das Gehäuse mit rund 925 Gramm vergleichsweise leicht und soll die Kamera zugleich bezahlbar machen. Mit einem Fujinon-SW 90 mm f/8 steigt das Gewicht laut Hersteller auf rund 1,85 Kilogramm.

Zum System gehören wechselbare Lens Cones, eine magnetisch abgedichtete Dark-Slide-Lösung für Objektivwechsel mitten im Film, mehrere Zubehörschuhe, Wasserwaagen, ein integrierter Schutzkäfig für das Objektiv und perspektivisch weiteres Zubehör. Exposing Engineering betont zudem den reparaturfreundlichen Aufbau. Die Kamera soll sich mit nur einem Schraubendreher zerlegen und warten lassen, Ersatzteile und Anleitungen sollen nach der Kickstarter-Phase folgen.

Das modulare System der VZ-6617 ermöglicht dank magnetisch abgedichteter Dark-Slide-Lösung den Objektivwechsel mitten im Film und erweitert so den Einsatz unterschiedlicher Großformat-Optiken.

Das modulare System der VZ-6617 ermöglicht dank magnetisch abgedichteter Dark-Slide-Lösung (v. r. den Objektivwechsel mitten im Film und erweitert so den Einsatz unterschiedlicher Großformat-Optiken.

© Exposing Engineering

Wo liegen die Grenzen der VZ-6617 im Mittelformat?

So spannend das Konzept ist, so klar sind auch seine Grenzen. Die Fokussierung per Distanzschätzung passt gut zu Motiven mit größerer Schärfentiefe, wird aber anspruchsvoller, sobald offenblendig oder im Nahbereich gearbeitet wird. Für schnelle Motive oder präzise fokussierte Aufnahmen mit sehr selektiver Schärfe dürfte die VZ-6617 deshalb nur eingeschränkt geeignet sein.

Hinzu kommt: Ein Objektiv gehört nicht zum Standardumfang aller Pakete, und das System verlangt Wissen über Großformat-Linsen, Bildkreis und Brennweitenwirkung. Die Kamera macht analoges Mittelformat flexibler, aber nicht einfacher. Wer den Reiz der VZ-6617 verstehen will, muss also auch ihre Spezialisierung mitdenken.

Wie viel kostet die VZ-6617 bei Kickstarter?

Exposing Engineering bietet die Kamera in mehreren Paketen an. Das Starter Bundle beginnt bei 549 US-Dollar, das Essentials Bundle bei 599 US-Dollar, das Early Release Bundle bei 649 US-Dollar und das System Bundle bei 799 US-Dollar. Je nach Paket sind Sucher, Drahtauslöser, zusätzlicher Linsenkegel oder ein Ground-Glass-Back enthalten. Ein Objektiv müssen Käufer jedoch selbst beisteuern.

Gerade bei einem System, das mit Großformat-Optiken arbeitet, ist das ein wichtiger Punkt für die Gesamtkalkulation. Zum Kickstarter-Preis kommen je nach Land außerdem Versand, Einfuhrabgaben und weitere Nebenkosten hinzu.

Hier zur Kickstarter-Kampagne wechseln.

VZ-6617: Wie groß ist das Kickstarter-Risiko?

Die VZ-6617 ist eines der spannendsten analogen Konzepte der jüngeren Zeit, bleibt aber ein Crowdfunding-Projekt. Exposing Engineering verweist auf mehrere Prototypen-Generationen, Beta-Tests und einen weit entwickelten Produktionsstand. Trotzdem gelten die üblichen Unsicherheiten: Liefertermine können sich verschieben, Details können sich ändern, und die Serienfertigung muss sich erst beweisen.

Genau deshalb ist die Kamera vor allem als ambitioniertes Projekt mit hohem Ideenwert interessant. Das Konzept überzeugt, weil es ein reales Problem vieler Analogfotografen adressiert: die starre Bindung an ein einziges Format. Ob daraus auch ein ausgereiftes Serienprodukt wird, muss Exposing Engineering mit der VZ-6617 nun erst noch beweisen.

Beitrage Teilen