Die OM System Pen ist in Silber oder Schwarz erhältlich.
Bild: OM SystemDie Marke Pen hat bei Olympus ein lange Tradition. Im Jahr 1959 entwickelte Yoshihisa Maitani das Design der legendären, flachen Halbformat-Kameras. Mit dem Wechsel zum spiegellosen Micro-Four-Thirds-System belebte Olympus die Marke 2009 neu – in Form der Pen E-P1 ohne Sucher.
Die neue Kamera ist nun die erste Pen, deren Gehäuse nicht mehr der Schriftzug Olympus ziert, sondern der neue Markenname OM System (OM steht übrigens für Olympus Maitani). Sie ist die zweite Pen mit eingebautem Sucher und wandelt damit auf den Spuren des Edel-Flaggschiffs Pen-F aus dem Jahr 2016. Die OM System Pen ist dagegen eher im Einsteigersegment angesiedelt. Das merkt man schon dem Gehäuse an, das sich stärker nach Kunststoff anfühlt, aber nichtsdestotrotz zusammen mit dem neuen Kitobjektiv M.Zuiko Digital 3,5-5,6/14-42 mm III nach dem IPX1-Standard gegen Spritzwasser geschützt ist.
Bedienung
Die Pen kommt im kompakten und leichten Gehäuse. Eingeschaltet wird sie mit einem Hebel auf der rechten Oberseite, der auch für den Wechsel zwischen Foto, Video und S&Q zuständig ist. Wer die Kamera zu schwungvoll einschaltet, läuft Gefahr, den Foto-Modus zu überspringen. Zwei Einstellräder sind je nach Programm für Blende, Zeit oder die Belichtungskorrektur zuständig.
Der Monitor der OM System Pen lässt sich Selfie-freundlich ausklappen.
Bild: OM SystemTrotz des geringen Platzes hat der Hersteller auf der Rückseite eine AF-on- und eine CP-Taste untergebracht. Letztere ruft die „Computational Photography“-Modi auf (mehr dazu weiter unten). Die Bedienung der CP-Taste ist etwas gewöhnungsbedürftig. Einmaliges Drücken aktiviert den zuletzt gewählten Modus. Drücken und Drehen des vorderen Einstellrades wechselt zwischen den Modi. Nach längerem Drücken kommt man in ein Menü, in dem sich weitere Einstellungen zum aktuellen Modus wählen lassen.
Auf der Vorderseite befindet sich der schon aus anderen Kameras des Herstellers bekannte Schalter zur Profilsteuerung, mit dem der Fotograf sowohl bei Fotos als auch bei Videos schnell zwischen diversen Farb- und SW-Profilen wechseln kann. Diese lassen sich einfach in Bezug auf Farbigkeit, Schärfe, Kontrast, Vignettierung und Gradation modifizieren.
Für einen Joystick war auf der Rückseite kein Platz mehr. Das Messfeld kann daher manuell nur per Touch oder über die Viererwippe verschoben werden, wobei zuvor die Messfeldwahl aktiviert werden muss, da die Tasten sonst für andere Funktionen zuständig sind (ISO, Weißabgleich, Serienbilder). Der 3,0-Zoll-Monitor lässt sich – wie bei allen neuen OM-System-Kameras – auch zur Seite ausklappen und somit für Selbstaufnahmen verwenden und zum geschützten Transport mit dem Display nach innen einklappen.
Die OM System Pen hat nur eine angedeuteten Griff. Zusammen mit dem neuen Kitobjektiv M.Zuiko Digital 3,5-5,6/14-42 mm III ist sie sehr kompakt.
Der OLED-Sucher liefert mit 2,36 Millionen Punkten und einer 0,62fachen Vergrößerung (im Vergleich zum Kleinbild) eine der Einsteigerklasse angemessene Qualität. Größer werden die Sucher bei OM System ab der Mittelkasse (OM-5 Mark II), für ein höhere Auflösung muss der Fotograf zum Flaggschiff OM-1 Mark II greifen (hier im Test). Als Speicher steht ein SD-Kartenlaufwerk zur Verfügung, das nur die UHS-I-Geschwindigkeit unterstützt. Der Akku (BLS-7) ist neu und liefert gemäß CIPA-Standard Strom für 410 Aufnahmen. Wie üblich liegt keine Ladegerät bei und die Batterie lässt sich per USB-C laden. Eine Dauerstromversorgung im laufenden Betrieb ist – anders als in der Mittel- und Oberklasse – bei der Pen über USB-C nicht möglich.
Ausstattung der OM System Pen
Gegenüber dem bisherigen Einsteigermodell OM-D E-M10 Mark IV (hier im Test) und der Pen E-P7 hat Olympus die Ausstattung deutlich verbessert. Eine Stärke des Herstellers sind die „Computational Photography“-Modi (CP), die mehrere Bilder miteinander verrechnen. Schon in den älteren Modelle zu finden ist die Funktion Live-Composite, die über die Bulb-Einstellung der Kamera aktiviert wird. Sie ergänzt bei Langzeitbelichtungen nur die neu hinzukommenden Lichtquellen, um Überbelichtungen zu vermeiden (beispielsweise bei Sternenspuren oder Lightpainting).
Die neue Pen und das Kitobjektiv M.Zuiko Digital 3,5-5,6/14-42 mm III sind an zahlreichen Stellen abgedichtet.
Bild: OM SystemIn den vergangenen Jahren hat OM Systems weitere CP-Funktionen ergänzt, die sich nun auch in der neuen Pen wiederfinden. Mit der OM-1 wurde die Live-ND-Funktion eingeführt, die durch Mehrfachbelichtungen Neutral-Dichte-Filter und damit längere Belichtungszeiten simuliert, um beispielsweise fließendes Wasser seidig abzubilden. Sie ist in der Pen auf maximal 16 Stufen begrenzt; die erste OM-1 beherrscht wie die aktuelle OM-3 – bereits 64 Stufen, die OM-1 Mark II sogar 128 Stufen. In der Praxis sind 16 Blendenstufen tatsächlich etwas knapp bemessen, zumal starkes Abblenden angesichts der kleinen Pixel zu deutlicher Unschärfe durch Beugung führt. Mit dem Kitobjektiv sollte man die Blende nicht stärker als f/14 schließen, erste Auflösungsverluste zeigen sich schon bei f/11.
Alles andere als selbstverständlich für eine Einsteigerkamera ist der High-Res-Shot, bei dem der Sensor zwischen den Aufnahmen minimal bewegt wird. Heraus kommen Aufnahmen mit 50 Megapixeln. Für die besten Ergebnisse sollte die Kamera dabei auf einem Stativ stehen und das Motiv statisch sein. Mit reduzierter Effizienz funktioniert der High-Res-Shot auch aus der Hand. Zu den weiteren CP-Funktionen gehören Focus-Stacking für Makros, HDR und Mehrfachbelichtungen.
Alle aktuellen Kameras von OM System sind mit einem Bildstabilisator (IBIS) ausgestattet. Ab der Mittelklasse, also der OM-5 Mark II, lassen sich IBIS und der in einigen M.Zuiko-Digital-Objektiven vorhandene IS-Bildstabilisator für eine besonders hohe Effizienz kombinieren. Die neue Pen unterstützt diesen Sync-IS nicht und bringt es alleine mit dem IBIS gemessen nach CIPA-Standard auf eine Effizienz von 5,5 EV in der Bildmitte und 4,5 am Bildrand. In unserem Test mit dem Kitobjektiv M.Zuiko Digital 3,5-5,6/14-42 mm III gelangen bei 14 mm (28 mm beim Kleinbild) einigermaßen zuverlässig scharfe Aufnahmen aus der Hand mit 1/5 s, mit etwas Glück auch mit einer halben Sekunde.
Der Bildstabilisator der neuen Pen arbeitet auf fünf Achsen.
Bild: OM SystemHybrid-Autofokus
Die Pen ist wie alle neuen OM-System-Kameras mit einem hybriden Autofokussystem ausgestattet, das Kontrast- und Phasendetektion kombiniert – lediglich die älteren Modelle OM-D E-M10 Mark IV (hier im Test) und Pen E-P7 setzen noch auf einen reinen Kontrast-AF. Erkannt werden Menschen und Tiere inklusive Augen. Das ist besser als bei der OM-5 Mark II, die bei Tieren passen muss, bleibt aber hinter der OM-3 und OM-1 Mark II zurück, die als eigene Kategorien auch Vögel sowie Fahrzeuge (Autos, Züge) und Flugzeuge identifizieren können.
Die Gesichtserkennung haben wir unter anderem bei einem Konzert getestet. Wenn dabei das Objektiv im Weitwinkel die ganze Bühne erfasste, waren die Gesichter zum Teil zu klein, um zuverlässig erkannt zu werden. Unter dem Strich ist der Autofokus der Pen nicht ganz auf dem aktuellen Stand der Technik. Einige Konkurrenzmodelle der Einsteigerklasse, beispielsweise die Fujifilm X-T30 III, bieten eine umfangreichere Motiverkennung.
Der mechanische Verschluss der Pen beherrscht als kürzeste Verschlusszeit 1/4000 s. Ab der OM-5 Mark II schaffen die Schlitzverschlüsse bei OM System 1/8000 s. Mit dem lautlosen elektronischen Verschluss der Pen ist 1/32.000 s möglich, allerdings kann es dann bei sich schnell bewegenden Motiven zu Verzerrungen durch den Rolling Shutter kommen. Weitere fotografische Funktionen, die zu der insgesamt sehr guten Ausstattung beitragen, sind Art-Filter, Intervallaufnahmen, Mehrfachbelichtungen, eine Keystone-Korrektur stürzender Linien, ein Panorama-Modus, der Sternenhimmel-AF und eine integrierte Raw-Bildbearbeitung.
Mit etwas Glück gelingen mit Bildstabilisator bei 14 mm (28 mm beim KB) scharfe Aufnahmen aus der Hand mit einer Belichtungszeit von 0,5 s.
Foto: Andreas JordanVideos mit 4K/30p
Videos nimmt die Pen mit Cinema-4K (17:9) und 24p oder Ultra-HD-4K (16:9) mit 30p auf. Das ist auch in der Einsteigerklasse nicht mehr ganz Stand der Technik. Fujifilms X-T30 III oder Nikons Z50II bringen es beispielsweise auf 4K/60p. Immerhin sind sehr lange Clips ohne Überhitzung möglich und die Pen nimmt 4K ohne Crop auf. Erst im Zeitlupenmodus (Full-HD/120p) oder mit elektronischem Bildstabilisator wird das Bildfeld beschnitten.
Die Kamera bietet spezielle Cine-Looks, beispielsweise mit gelblichen Farben in den hellen Bereichen und bläulichen in den dunklen. Ein Fortschritt gegenüber den OM-D E-M10 Mark IV und Pen E-P7 ist die Miniklinkenbuchse zum Anschluss eines Mikrofons. Einen Audio-Ausgang für Kopfhörer gibt es aber – anders als in der Mittelklasse – nach wie vor nicht.
Geschwindigkeit
Mit elektronischem Verschluss kann die Pen bis zu 30 Bilder pro Sekunde schießen, allerdings ohne AF-Nachführung und in unserem Test mit einer schnellen SD-Karte nur für 22 JPEGs oder 19 Raws in Folge. Mit AF-Nachführung sinkt die Geschwindigkeit auf gut 7 Bilder pro Sekunde, wobei dann sehr lange JPEG-Serien möglich sind. Mit Raws wurde die Kamera nach rund 3,4s (26 Bilder in Folge) langsamer.
Der mechanische Verschluss ermöglicht nur 5 Bilder/s, dafür bei JPEGs ohne relevante Längenbegrenzung (wir haben den Test nach 60 Sekunde abgebrochen) und bei Raws für 41 Aufnahmen in Folge. Im Einsteigersegment nicht selbstverständlich ist die Pro-Capture-Funktion mit E-Verschluss, also die Möglichkeit, bis zu zwölf Bilder vor dem eigentlichen Auslösen in einen Pufferspeicher zu schreiben, um den entscheidenden Moment bei Action-Aufnahmen nicht zu verpassen.
Bildqualität
Im digitalkamera.de-Testlabor haben wir die Pen wie üblich mit Kitobjektiv im JPEG-Modus vermessen. Die auf Basis eines Dead-Leaves-Charts gemessene Auflösung ist mit maximal 58 Linienpaaren pro Millimeter typisch für eine 20-MP-MFT-Kamera, liegt aber deutlich unter den Werten, die wir bei den meisten Vollformatkameras mit 24-MP-Sensoren ermittelt haben.
An einer geringen Scharfzeichnung liegt das nicht. Im Gegenteil: Die Scharfzeichnungsartefakte fallen bei der Pen mit 13,8 % relativ hoch aus. Gemessen über den Empfindlichkeitsbereich verschlechtern sich Auflösung und Texturschärfe ab ISO 800 zunächst leicht und ab ISO 3200 stark. Bei ISO 6400 hat das Testlabor nur noch 29,2 lp/mm ermittelt.
Ausschnitt aus dem visuellen fotoMAGAZIN-Testbild: links das normale JPEG aus der Kamera, rechts die High-Res-Aufnahme (zur besseren Vergleichbarkeit auf dieselbe Größe skaliert). Die High-Res-Aufnahmen ist deutlich detailreicher und zeigt weniger Moiré. Die starke Scharfzeichnung erzeugt Halo-Artefakte. Beide Aufnahmen bei ISO 1600.
Foto: Andreas JordanDas Bildrauschen ist das geringere Problem: Der Signal-Rauschabstand ist in den unteren ISO-Stufen sehr gut und steigt ab ISO 800 Schritt für Schritt. Visuell stört das Rauschen aber erst ab ISO 6400 deutlich. Im High-Res-Modus ist die Qualität deutlich besser: Moirés und Rauschen fallen geringer aus, und feine Details werden sauberer aufgelöst. Allerdings steht der High-Res-Shot nur bis ISO 3200 zur Verfügung. Detaillierte Messwerte zur Bildqualität finden Sie im Test in fotoMAGAZIN 11/26 (ab dem 5.10 am Kiosk).
Das Kitobjektiv M.Zuiko Digital 3,5-5,6/14-42 mm III ist spritzwassergeschützt, hat eine verbesserte Nahgrenze von 13 cm im Weitwinkel (statt 20 cm beim Vorgängermodell, Abbildungsmaßstab 0,53x statt 0,46x im Vergleich zum Kleinbild) und unterstützt Fokus-Stacking. Es ist einzeln ab Ende September/Anfang Oktober für rund 400 Euro einzeln erhältlich. Zusammen mit der neuen Pen werden ca. 1100 Euro fällig.
Bild: OM SystemFazit
Für eine Einsteigerkamera ist die OM System Pen ungewöhnlich gut ausgestattet. Kaum eine Kamera dieser Preisklasse bringt einen IBIS und einen High-Res-Shot mit – und bei den Computational-Photography-Funktionen ist OM Systems sowieso führend. Der vergleichsweise kleine MFT-Sensor ermöglicht die Konstruktion kompakter Objektive, limitiert aber die Bildqualität, die bei APS-C- und Vollformatkameras auch im Einsteigerbereich besser ausfällt. Auch beim Autofokus kann die Kamera nicht ganz überzeugen.
Technische Daten und Testergebnisse zur OM System Pen
| Kamera | OM System Pen |
| Preis (Liste/ Straße) | ca. 1000 Euro/ ca. 1000 Euro |
| Sensor: Art/ Abmessungen/ Auflösung/ Pixelpitch | Live-MOS ohne Tiefpassfilter/ 17,3 x 13,0 mm/ 20,4 MP/ 3,3 µm |
| Bajonett/ Crop-Faktor | Micro Four Thirds/ 2 |
| Autofokus | Hybrid: 121 Kreuzsensoren (Phasendetektion) |
| IBIS/ Pixelshift/ Sensorreinigung | ja/ ja/ ja |
| Blitz | kein Gehäuseblitz/ Blitzschuh/ Synchronzeit: 1/250 s |
| Belichtungszeiten | 1/32.000 (mechanisch: 1/4000) - 60 s, Bulb |
| Empfindlichkeit | ISO 200 - 6400, erweiterbar (64 und 25.600) |
| Video: max. Auflösung/ max. Bildrate | 4096 x 2160/ 24p; 3840 x 2160/ 30p; 1920 x 1080/ 120p |
| Sucher | OLED (2,36 MP)/ Bildfeld: 100 %/ Vergrößerung: 1,23x (0,62x KB-äquivalent) |
| Monitor: Diagonale/ Auflösung | 7,6 cm/ 1,04 MP, dreh- und schwenkbar, Touchscreen |
| Speicher | SD (UHS-I) |
| Akkuleistung nach CIPA | 410 (Monitor und Sucher) |
| Schnittstellen | USB 2.0 (Typ C), HDMI (Typ D), Mikrofon |
| Abmessungen (B x H x T)/ Gewicht (mit Akku) | 125,8 x 74,5 x 43,3 mm/ 393 g |
| Geschwindigkeit | mit Sony UHS-II (300 MB/s) |
| Serienbilder pro Sekunde | 30, mit AF-Nachführung: 7,4, mit mechanischem Verschluss: ca. 5 |
| Serienbilder in Folge | 30 B/s: JPEG: 22/ Raw: 19; mit 5 B/s: JPEG: >300/ Raw: 41 |
| Bewertung | |
| Bildqualität (60%) | 82,9% |
| Geschwindigkeit (20%) | 83,0% |
| Ausstattung und Bedienung (20%) | 88,5% |
| Gesamtwertung | 84,1% |
| Note | Sehr gut |
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