Kompaktkameras im Aufwind: Gebrauchte gewinnen an Wert

Gebrauchte Kompaktkameras gewinnen deutlich an Wert: Laut einer aktuellen MPB-Analyse sind die Ankaufspreise von fast 80 Prozent der untersuchten Modelle innerhalb der letzten fünf Jahre gestiegen. Besonders gefragt ist die Canon PowerShot G12, deren Ankaufspreis sich mehr als vervierfacht hat.

Die Canon PowerShot G12 aus dem Jahr 2010 gehört zu den begehrtesten gebrauchten Kompaktkameras. Laut MPB stieg ihr Ankaufspreis innerhalb von fünf Jahren um 321 Prozent – von 95 auf 400 Euro.

Die Canon PowerShot G12 aus dem Jahr 2010 gehört zu den begehrtesten gebrauchten Kompaktkameras. Laut MPB stieg ihr Ankaufspreis innerhalb von fünf Jahren um 321 Prozent – von 95 auf 400 Euro.

© MPB

Gebrauchte Kompaktkameras erzielen im Oktober 2026 bei dem Fototechnik-Händler MPB deutlich höhere Ankaufspreise als noch vor fünf Jahren. Das zeigt eine aktuelle Auswertung europäischer Preisdaten, für die das Unternehmen die Ankaufspreise von insgesamt 883 Kamera- und Objektivmodellen zum 16. Oktober 2021 und 2026 verglichen hat. Während spiegellose Systemkameras und digitale Spiegelreflexkameras überwiegend an Wert verloren, legten fast 80 Prozent der 50 untersuchten Kompaktkameramodelle zu. Besonders stark stieg der Ankaufspreis der Canon PowerShot G12 aus dem Jahr 2010.

Gebrauchte Kompaktkameras legen um 24 Prozent zu

Bei 39 der 50 untersuchten Kompaktkameramodelle registrierte MPB höhere Ankaufspreise als fünf Jahre zuvor. Der Median der Preissteigerungen beträgt 24 Prozent. Damit unterscheiden sich die kompakten Digitalkameras deutlich von anderen Kamerakategorien.

Bei spiegellosen Systemkameras sanken die Ankaufspreise im Median um 22 Prozent. Digitale Spiegelreflexkameras verloren sogar 34 Prozent. Nur drei der 108 untersuchten DSLR-Modelle verzeichneten einen Preisanstieg. Bei den spiegellosen Kameras waren es 33 von 107 Modellen.

Die MPB-Auswertung umfasst neben klassischen Kompaktkameras auch Reisezoomkameras und einige Bridgekameras.

Canon PowerShot G12 mit 321 Prozent Wertzuwachs

Den größten prozentualen Preissprung aller untersuchten Modelle erzielte die Canon PowerShot G12. Für die Kompaktkamera aus dem Jahr 2010 bot MPB im Oktober 2021 noch 95 Euro. Fünf Jahre später waren es bereits 400 Euro. Das entspricht einem Anstieg um 321 Prozent.

Auch die Canon PowerShot G7 X und G7 X II haben erheblich an Wert gewonnen. Der Ankaufspreis der G7 X erhöhte sich von 215 auf 490 Euro, während die G7 X II von 285 auf 665 Euro zulegte.

Die folgenden Kameras gehören zu den Modellen mit den höchsten prozentualen Preissteigerungen in der MPB-Analyse.

KameramodellOktober 2021Oktober 2026Anstieg
Canon PowerShot G1295 €400 €+321 %
Fujifilm X-M188 €230 €+161 %
Olympus PEN E-PL337 €95 €+157 %
Panasonic Lumix DMC-GM5180 €435 €+142 %
Canon PowerShot G7 X II285 €665 €+133 %
Canon PowerShot G7 X215 €490 €+128 %
Panasonic Lumix DMC-GM1110 €250 €+127 %

Quelle: MPB. Europäische Basisankaufspreise für Kameras im Zustand „Wie neu“, jeweils zum 16. Oktober.

Auch kleine spiegellose Kameras gewinnen an Wert

Nicht ausschließlich gebrauchte Kompaktkameras profitieren von der Preisentwicklung. Einzelne besonders kleine spiegellose Systemkameras verzeichneten ebenfalls deutliche Zuwächse.

Dazu gehören die Fujifilm X-M1 mit einem Plus von 161 Prozent, die Olympus PEN E-PL3 mit 157 Prozent und die Panasonic Lumix DMC-GM5 mit 142 Prozent.

Unter den 25 Kameramodellen mit den höchsten prozentualen Preissteigerungen befinden sich insgesamt 17 Kompaktkameras einschließlich einer Bridgekamera sowie acht spiegellose Systemkameras. Canon ist mit acht Modellen am häufigsten vertreten. Fujifilm und Panasonic folgen mit jeweils sechs Modellen.

MPB-Analyse zeigt unterschiedliche Entwicklungen am Gebrauchtmarkt

Die steigenden Ankaufspreise für Kompaktkameras bilden innerhalb des untersuchten Gebrauchtmarktes eine Ausnahme. Von insgesamt 883 Kamera- und Objektivmodellen haben lediglich 127 an Wert gewonnen. Das entspricht rund 14 Prozent.

Für die Analyse berücksichtigte MPB ausschließlich Modelle, für die an beiden Stichtagen ein Basisankaufspreis vorlag. Zudem musste der Ausgangspreis mindestens zehn Euro betragen. In den jeweiligen Zwölfmonatszeiträumen mussten mindestens zehn Exemplare des betreffenden Modells an MPB verkauft worden sein.

Die genannten Beträge sind keine Verkaufspreise für Endkunden, sondern Ankaufspreise, die MPB für Geräte im Zustand „Wie neu“ anbietet. Die Auswertung basiert auf zwei Stichtagen und bildet weder sämtliche Transaktionen noch den gesamten Gebrauchtkameramarkt ab. Auch die Inflation wurde nicht berücksichtigt.

Kompaktkameras erleben einen neuen Nachfrageboom

Der Preisanstieg bei gebrauchten Kompaktkameras fällt mit einer wachsenden Nachfrage nach dieser Kameraklasse zusammen. Das belegen auch die aktuellen Zahlen der japanischen Camera & Imaging Products Association (CIPA). Demnach lieferten die Hersteller von Januar bis August 2026 weltweit rund 1,69 Millionen Digitalkameras mit fest eingebautem Objektiv aus. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht das einem Zuwachs von 15,3 Prozent. Allein im August stiegen die Auslieferungen im Jahresvergleich um 32,9 Prozent.

Die Renaissance der Kompaktkamera zeigt sich damit sowohl bei Neuware als auch auf dem Gebrauchtmarkt. Besonders jüngere Menschen, die mit dem Smartphone aufgewachsen sind, entdecken eigenständige Digitalkameras für sich. Sie suchen eine Alternative zur alltäglichen Smartphone-Fotografie, wünschen sich eine andere Bildqualität und möglicherweise auch ein bewussteres fotografisches Erlebnis.

Die steigende Nachfrage dürfte auch die Ankaufspreise gebrauchter Modelle antreiben. Besonders begehrte Kameras wie die Canon PowerShot G12 gewinnen dadurch erheblich an Wert. Die aktuellen Zahlen von MPB und CIPA unterstreichen, dass Kompaktkameras wieder einen festen Platz im Fotomarkt erobern – und sich diese Entwicklung längst nicht mehr nur auf neue Modelle beschränkt.

Beitrage Teilen