Vintage Vibes: Ricoh GR1 (1996-1998)

In einer Zeit, in der Smartphones und ­Digitalkameras die Foto­grafie ­dominieren, ­entdecken immer mehr junge Menschen den Charme ­analoger Kameras. „Vintage Vibes“ stellt Kult­modelle vor, die nicht nur ­nostalgischen Wert haben, sondern auch ­heute noch beeindruckende Ergebnisse liefern. Diesmal die Ricoh GR1.

Damian Zimmermann

Damian Zimmermann ist leitender Redakteur beim fotoMAGAZIN.

Mit der GR1 (im Bild das Modell GR1v) hat Ricoh einen modernen Klassiker geschaffen, der in seiner digitalen Weiterentwicklung nichts von seiner Faszination eingebüßt hat.

Mit der GR1 (im Bild das Modell GR1v) hat Ricoh einen modernen Klassiker geschaffen, der in
seiner digitalen Weiterentwicklung nichts von seiner Faszination eingebüßt hat.

© Deutsches Kameramuseum

fotomagazin.de als bevorzugte Quelle bei Google News hinzufügen

Wir haben an dieser Stelle schon häufiger erwähnt, dass der Markt für alte analoge Kameras seit ein paar Jahren boomt. Vor allem die Kleinbildfotografie ist davon betroffen und neben Spiegelreflexkameras sieht man auch immer häufiger alte Kompaktkameras, vor allem aus den 1990er Jahren, in den Händen von Jungfotografen. Zu den beliebtesten Modellen gehört dabei neben der ­Yashica T5 (siehe auch fotoMAGAZIN 9/25) und der Olympus µ (gesprochen Mju) die Ricoh GR1 – und von allen drei Immer-dabei-Kameras ist sie mit Sicherheit die ambitionierteste.

Ausgestattet mit einem mehrfach vergüteten 2,8/28-mm-Objektiv mit sieben asphärischen Glaslinsen liefert die Ricoh eine hohe Qualität und nur eine geringe Verzeichnung. Das kompakte Gehäuse ist kaum größer als eine Zigarettenschachtel und mit einer Magnesiumlegierung ausgestattet. Die Filmführung ist aus Metall, womit eine bessere Planlage gewährleistet werden soll, was wiederum ungewollte Unschärfen verhindert. Die Programmautomatik erlaubt Belichtungszeiten zwischen 1/500 und 2 s und sie hat einen Blitz eingebaut, der sich mit einem Schalter (!) auch dauerhaft deaktivieren lässt. So weit, so erwartbar.

Doch was die Ricoh von vielen Point-and-Shoot-Kameras der Mitbewerber unter­scheidet, sind die kleinen Details wie beispielsweise die manuellen Einstellmög­lichkeiten: Die Zeitautomatik ermöglicht eine Blendenvorwahl zwischen 2,8 und 22 mit jeweils halben Schritten, wählbar direkt am rechten Einstellrad. Und links lässt sich ­zusätzlich die Belichtung – ebenfalls in halben Schritten – bis zu zwei Blenden nach oben und nach unten korrigieren. Die Belichtungszeit wird zudem im Sucher eingeblendet. 

Die Ricoh GR1 ist erfekt für Street Photography

Ein schlaues Feature ist auch das automatische Vorspulsystem, das den Film nach dem Einlegen erst einmal komplett herauszieht. Der Vorteil: Das belichtete Bild landet sofort in der Patrone und ist somit bei einem versehentlichen Öffnen der Kamera geschützt. Apropos Filmeinzug: Der funktioniert erstaunlich zuverlässig: Film rein, Klappe zu und fertig. Klingt banal, ist aber keine Selbstverständlichkeit, schont die Nerven und spart Zeit. Ebenfalls sehr praktisch: Der Bildzähler gibt an, wie viele Fotos noch verfügbar sind – und nicht, wie viele man schon gemacht hat. Auch das Scharfstellen und das Verschieben des Bildausschnittes bei halb gedrücktem Auslöser funktioniert zuverlässig. Eine Besonderheit ist der Snap-Modus, bei dem man vorher einen Fokuspunkt speichert und anschließend fast verzögerungsfrei auslösen kann, was ein Vorteil bei der spontanen Street Photography und auf Partys ist. Zudem ist die Ricoh GR1 nur 26 mm dick (31 mm am Handgriff) und 117 mm lang und passt damit in jede Hosentasche.

Mit der GR1 hat Ricoh 1996 den Grundstein für eine sehr erfolgreiche Modellreihe gelegt, in der mehrere Nachfolger wie die GR1s (1998–2000) und die GR1v (2001–2005) erschienen sind, bis schließlich im Oktober 2005 eine digitale Variante auf den Markt kam. Für diesen Sommer ist nun sogar eine Monochrom-Version des aktuellen Modells GR IV mit APS-C-Sensor angekündigt.

Die Preise für das analoge Ur-Modell liegen heute bei rund 500 Euro – nicht gerade wenig für eine 30 Jahre alte Pocketkamera. Wer sich dennoch eine anschaffen will, sollte neben dem optischen Zustand vor allem auf zwei Schwachstellen achten: das LCD-Display und die Verblendung am Sucher. Das Display neigt zu Fehldarstellungen und Totalausfällen und die Verblendung ist oft beschädigt oder sogar gebrochen. Während man Letzteres eventuell selbst kleben kann, ist ein kaputtes Display hingegen eher ein K.-o.-Kriterium. Wer sichergehen will, kauft ein generalüberholtes Exemplar bei einem japanischen Händler, muss dafür aber zusätzlich Geld für Versand und Zoll aufbringen, sodass man dann auch schnell auf mehr als 700 Euro kommt.

2026 feiert Ricoh den 30. Geburtstag der GR1 mit einer Jubiläumsedition der Ricoh GR IV:

Die Ricoh GR IV Sonderedition kommt als Jubiläums-Kit mit Kamera, spezieller Ringkappe, Leder-Fingerschlaufe, Metall-Blitzschuhabdeckung und 16-teiligem Pin-Set.

Die Ricoh GR IV Sonderedition kommt als Jubiläums-Kit mit Kamera, spezieller Ringkappe, Leder-Fingerschlaufe, Metall-Blitzschuhabdeckung und 16-teiligem Pin-Set.

© Ricoh

Beitrage Teilen