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Kamerasensor
Foto: © Getty Images/drxy

Wie wichtig ist die Sensorgröße?

Know-how: Die Sensorgröße und wie man sie berechnet
24.01.2023

Bei Smartphones wird die Sensorgröße oft wie ein Betriebsgeheimnis gehütet. Mit etwas Hintergrundwissen lässt sie sich häufig selber ermitteln. Wir erklären die Zusammenhänge.

Dass die Sensorgröße der entscheidende technische Eckwert einer Kamera ist, hat sich wohl bei fast allen Fotografen herumgesprochen. Sie entscheidet nicht nur über die Bildqualität (Auflösung, Dynamik, Rauschen), sondern auch über die Größe der Kamera und noch mehr über Größe und Gewicht der Objektive. Kurz gesagt: Kleinere Sensoren ermöglichen bei gleichem Bildwinkel kürzere Brennweiten und damit auch kürzere Objektive und bei gleicher Lichtstärke einen geringeren Objektivdurchmesser.

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Bild eines Fotografen mit eingezeichneten verschiedenen Sensorgrößen

Im Bild sind die gängigen Sensorgrößen eingezeichnet. Bei gleicher Brennweite erfassen die kleineren Sensoren jeweils nur einen Ausschnitt (Crop) aus dem vom kleinbildgroßen Vollformat erfassten Bildausschnitt.

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Bei Wechselobjektivkameras geben alle Hersteller die Größe der Bildsensoren und gegebenenfalls den Crop-Faktor (auch Brennweitenfaktor oder Formatfaktor genannt) präzise an. Der Maßstab ist hier immer noch der kleinbildgroße Vollformatsensor mit seinen rund 36 x 24 mm, also einer Fläche von 864 mm2 und einer Diagonale von 43,3 mm. Weit verbreitet sind APS-C-Sensoren, die bspw. bei Fujifilm, Nikon und Sony meist die Größe von 23,6 x 15,8 mm haben. Daraus ergibt sich eine Fläche von 372,9 mm2 und eine Diagonale von 28,4 mm. Im Fall von Canons kleineren APS-C-Sensoren betragen die Maße 22,3 x 14,8 mm, die Fläche 330,0 mm2 und die Diagonale 26,8 mm. Die kleinsten Sensoren in Systemkameras kommen in den Micro-Four-Thirds-Modellen von OM System (Ex-Olympus) und Panasonic zum Einsatz. Sie messen 17,3 x 13 mm, die Fläche beträgt 224,9 mm2 und die Diagonale 21,6 mm. Der Crop-Faktor berechnet sich, indem die Diagonale des Kleinbildes durch die des kleineren Sensors geteilt wird. Bei APS-C landet man also bei 1,5 bzw. 1,6 (Canon) und bei MFT bei 2,0. Hiermit lässt sich ermitteln, mit welcher Brennweite am Kleinbild der gleiche Bildwinkel erfasst würde wie an kleineren Sensoren. Für den Bildwinkel einer 50-mm-Normalbrennweite braucht der MFT-Fotograf also ein 25-mm-Objektiv und der APS-C-Fotograf 33 mm bzw. 31 mm (Canon).

Bei Smartphones sind die technischen Daten für Fotografen oft lückenhaft

Bei Kompaktkameras und teilweise bei Smartphones hat es sich eingebürgert, die „kleinbildäquivalente“ Brennweite anzugeben, also die echte Brennweite mit dem Crop-Faktor zu multiplizieren, um dem Fotografen zu zeigen, welchen Bildwinkel das Objektiv erfasst. Vor allem bei Smartphones sind die technischen Daten zu Sensorgröße, Brennweite und Bildwinkel meist äußerst lückenhaft. Die Sensorgröße wird in der Regel nur angegeben, wenn sie Marketing-tauglich ist, also verhältnismäßig groß. Die Obergrenze bildet dabei aktuell der auch aus hochwertigen Kompaktkameras bekannten 1-Zoll-Sensor (13,2 x 8,8 mm). Einen solchen setzt bspw. Sony im Xperia Pro-1 ein (Test in fM 3/22). Allerdings wird dabei nicht die ganze Fläche genutzt, sondern nur ungefähr 60%. Damit erhöht sich der Crop-Faktor von 2,7 auf 3,63; aus 6,6 mm echter werden 24 mm kleinbildäquivalente Brennweite.

So ermitteln Sie die Sensorgröße

Wie ermittelt man nun die Sensorgröße, wenn der Hersteller diese nicht in den technischen Daten angibt? In den Exif-Daten der Aufnahmen sollte die echte Brennweite hinterlegt sein; zusammen mit der (hoffentlich vom Hersteller angegebenen oder ebenfalls in den Exif-Daten ablesbaren) kleinbildäquivalenten Brennweite gelangt man zum Crop-Faktor. Mit der einfachen Formel „Fläche des Kleinbilds/Crop-Faktor zum Quadrat“ lässt sich auch die Fläche des Sensors berechnen. Hier ein Beispiel für das von uns getestete Huawei P50 Pro (> zum Test): Die Hauptkamera hat eine Brennweite von 5,5 mm und eine kleinbildäquivalente von 27 mm, der Crop-Faktor beträgt damit 4,9, die Fläche also rund 36 mm2, was einem 1/1,8-Zoll-Typ entspricht. Zum Vergleich: Das Sony Xperia Pro-1 bringt es auf eine Fläche von ca. 65,6 mm2.

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Über den Autor
Andreas Jordan

Andreas Jordan ist Journalist und Mediendesigner und arbeitet seit 1994 als Redakteur und Autor mit den Schwerpunkten Multimedia, Imaging und Fotografie für verschiedene Fach- und Special-Interest-Magazine (u. a. Screen Multimedia, Computerfoto, MACup) und Tageszeitungen (Hamburger Abendblatt, Berliner Kurier). Seit 2003 ist er Redakteur beim fotoMAGAZIN und leitet dort seit 2007 das Ressort Test & Technik.