Der Bildwinkel

30.05.2011

Nicht das Objektiv 
allein bestimmt den Bildwinkel: Wie groß das 
erfasste Bildfeld ist, hängt ebenso von der Sensorgröße ab, und auch die Entfernungseinstellung spielt eine Rolle

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Die unterschiedlichen Kamera-Sensoren

Bei gleicher Brennweite führt ein kleinerer Sensor zu einem engerem Bildwinkel.

© Andreas Jordan

Als die meisten Fotografen noch mit einer Kleinbildkamera arbeiteten, waren die Verhältnisse klar: 50 mm waren eine Normalbrennweite, und man hatte eine konkrete Vorstellung davon, was für einen Bildwinkel ein Objektiv mit einer bestimmten Brennweite abbilden würde. Heute sind die Verhältnisse komplizierter, weshalb die Brennweite oft auf das Kleinbildformat umgerechnet wird. Aber es ist ja letztlich der weite oder enge Bildwinkel, um den es geht, und dieser hängt gleichermaßen von der Brennweite des Objektivs und der Größe des Sensors ab. Bei einem auf Unendlich fokussierten Objektiv sind die geometrischen Verhältnisse einfach, denn der Abstand zwischen Objektiv und Sensor ist dann gleich der Brennweite. Zieht man nun von den Kanten des Sensors zwei Linien, die sich in der Mitte der Linse schneiden, dann begrenzen diese Linien das Bildfeld der Kamera und der Winkel zwischen ihnen ist der Bildwinkel (siehe Illustration).

Ein größerer Sensor oder eine kürzere Brennweite weitet den Bildwinkel aus; umgekehrt verengt sich der Bildwinkel bei einem kleineren Sensor oder einer längeren Brennweite. Ein kleinerer Sensor benötigt daher kürzere Brennweiten, um denselben Bildwinkel zu erfassen, während ein größerer Sensor längere Brennweiten erfordert. Die Normalbrennweite ist stets jene, die gleich der Sensordiagonalen ist.

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Der Bildwinkel wird bestimmt durch die Brennweite und die Sensorgröße

Bildwinkel berechnen

Mit einem technisch-wissenschaftlichen Taschenrechner kann man sich den Bildwinkel ausrechnen; die Formel lautet 2 × arctan (d / (2 × f)), wobei man für d wahlweise die Sensordiagonale, -höhe oder -breite einsetzen kann, je nachdem, ob man sich für den diagonalen, vertikalen oder horizontalen Bildwinkel interessiert.

Um nähere Motive scharf abzubilden, muss der Abstand der Linsen vom Sensor größer als die Brennweite sein, und da der weiter entfernte Sensor dann einen kleineren Bildwinkel erfasst, kommt es zu einem um so stärkeren Bildfeldschwund, je kürzer die eingestellte Entfernung ist. Bei Objektiven mit Innenfokussierung kann der gegenteilige Effekt auftreten: Zur Fokussierung auf nahe Motive wird auch die Brennweite verkürzt, sodass im Nahbereich der Bildfeldschwund ausgeglichen oder sogar ein größerer Bildwinkel erfasst wird die vom Hersteller angegebene Brennweite gilt daher immer nur für eine Fokussierung auf Unendlich.   Michael J. Hußmann

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Über den Autor
Michael J. Hußmann

Michael Hußmann nahm schon in seiner Jugend Kameras auseinander um zu schauen, was drin steckt. Nach Abschluss seines Studiums der Informatik und Linguistik über Tätigkeiten als Wissenschaftler im Bereich der Künstlichen Intelligenz und Softwareentwickler schreibt er als freier Journalist über Digitalkameras, optische, technische und ästhetische Grundlagen der Fotografie, Digital Imaging, Farbmanagement, Künstliche Intelligenz und neue Technologien.