Tiere fotografieren: Tipps für heimisches Wild

Sie möchten gern heimische Tiere fotografieren? Unsere Tierfotografie-Tipps sorgen künftig für eine bessere Ausbeute mit der Kamera!

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Wer heimische Tiere fotografieren möchte, findet hier einige nützliche Tipps!

Wer heimische Tiere fotografieren möchte, findet hier einige nützliche Tipps!

Jan Piecha

Wer gerne Tiere fotografieren möchte, der hat es sicherlich auch schon mit der heimischen Tierwelt probiert. Je nach Wohnlage hat dann auch Glück, wer zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist. Doch wollen Sie sich wirklich auf Ihr Glück verlassen, wenn es um das Ergattern guter Fotomotive geht? Wohl kaum. Naturfotograf Jan Piecha verrät Ihnen, wann und wo Sie Fuchs, Dachs und Geweihträger besonders eindrucksvoll fotografieren können.

Fuchs im Sprung: Ein beliebtes Motiv für alle, die gern heimische Tiere fotografieren.

Fuchs im Sprung: Ein beliebtes Motiv für alle, die gern heimische Tiere fotografieren.

Jan Piecha

Füchse fotografieren: Jungfüchse verlassen zwischen Mai und Juni ihren Bau

  • Verbreitungsgebiet: deutschlandweit
  • Location-Tipp: Berlin (Botanischer Garten und Neuköllner Hinterhöfe) und frisch gemähte Wiesen in freier Wildbahn
  • Beste Jahreszeit für Fotos: Mai bis Juni, wenn die Jungfüchse aus ihrem Bau kommen; August, wenn die Kornfelder gemäht werden und die Jungfüchse ihre ersten Jagdversuche unternehmen
  • Beste Tageszeit für Fotos: Früh morgens zu Sonnenaufgang und kurz danach, wenn auf den Wiesen keine Spaziergänger unterwegs sind und die Füchse auf Jagd gehen
  • Motivtipps: Fuchs im Sprung auf der Mäusejagd; Füchse auf frisch gemähten Wiesen.

Kundschaften Sie die Fuchsbauten in Ihrer Umgebung möglichst schon zur Osterzeit aus, wenn die Vegetation noch nicht zu hoch gewachsen ist. Auch frisch gemähte Wiesen eignen sich hervorragend zur Tierbeobachtung. Ein Anschleichen ist besonders gut möglich, wenn das Tier gerade beschäftigt ist. Eine hohe Brennweite – vorzugsweise ein 500er-Teleobjektiv mit 1,4-fach-Konverter – ist unabdingbar, weil Füchse sehr empfindlich sind und schon auf das kleinste Geräusch reagieren.

In freier Wildbahn sollten Sie sich in Tarnkleidung in einer Entfernung von mindestens 10 bis 15 Metern im Dickicht verstecken und darauf achten, dass der Wind Ihren Geruch nicht in Richtung des Fuchsbaus trägt. Ein Anschleichen in den frühen Morgenstunden ist besonders ergiebig – nicht nur aufgrund der atmosphärischen Lichtstimmung, sondern auch, weil die Pirsch im nassen Gras geräuschärmer ausfällt als auf knisternden Laub.

Eine Ausnahme bilden die zahmen Füchse in Berlin. Hier sind Fotografen bisweilen sogar mit einem Makroobjektiv in der Stadt unterwegs, um die Tiere auf den Friedhöfen und in den Parks Neuköllns oder im Botanischen Garten in Steglitz aufzuspüren.

Tiere fotografieren: Erfolgreiches Anpirschen will gelernt sein

  1. Sorgen Sie für eine ausreichende Tarnung. Ein Tarnanzug und eine Tarnmaske erhöhen die Erfolgschancen auf ein gutes Bild um ein Vielfaches. Auch für die Fotoausrüstung gibt es Tarnzubehör wie beispielsweise Tarnband fürs Stativ.
  2. Checken Sie zunächst die Windrichtung! Menschlicher Geruch verschreckt die Tiere.
  3. Stellen Sie eine ausreichende Deckung sicher. Im hohen Gras oder Gestrüpp können Sie sich besser anpirschen als auf offenen Flächen.
  4. Achten Sie auf das Verhalten und die Körpersprache der Tiere. Das Anpirschen ist besonders erfolgreich, wenn das Tier sich beispielsweise gerade auf seine Beute konzentriert.
  5. Vermeiden Sie jegliche Geräusche. In den Sommermonaten ist es empfehlenswert, sich barfuß anzupirschen.
Dachse können nicht besonders gut sehen, aber dafür umso besser riechen. Pirschen Sie sich vorsichtig an!

Dachse können nicht besonders gut sehen, aber dafür umso besser riechen. Pirschen Sie sich vorsichtig an!

Jan Piecha

Dachse fotografieren: Hier kommen Sie besonders nah ran

  • Verbreitungsgebiet: deutschlandweit verbreitet
  • Location-Tipp: sandige Wälder Brandenburgs, Mecklenburgs und Sachsen-Anhalts (große Dachsbestände in gut einsehbaren Kiefernwäldern)
  • Beste Jahreszeit für Fotos: im Sommer
  • Beste Tageszeit für Fotos: abends zur Dämmerung (ab Sonnenuntergang)
  • Motivtipp: Dachse vor ihrer Burg mit Westausrichtung (bei Abendlicht)

Dachse kommen zur Dämmerung aus ihrer Dachsburg, betreiben Fellpflege und halten sich ein Weilchen vor dem Eingang auf, bevor sie losziehen und als Allesfresser auf Nahrungssuche gehen. Suchen Sie sich am besten eine Dachsburg mit Westausrichtung aus, sodass sie bei Sonnenuntergang in einem schönen Lichtkegel liegt, wenn die Dachse aus ihrem Bau kommen. Positionieren Sie sich so, dass der Wind die menschliche Witterung nicht in Richtung der Tiere weht. Eine leichte Tarnung wie ein Tarnanzug genügt, weil Dachse nicht besonders gut sehen.

Sie können sich auf wenige Meter nähern – solange Sie die Tiere dabei nicht stören – und kommen in der Regel mit Brennweiten zwischen 300 mm und 500 mm zu guten Ergebnissen. Vermeiden Sie jegliche Art von Geräuschen und hastige Bewegungen. Es empfiehlt sich, den Dachsbau schon tagsüber auszukundschaften – er ist unter anderem an sehr viel Sand zu erkennen, der wie eine Fahrrinne in den Dachsbau hineinführt. Verlassen Sie Ihren Platz keinesfalls, bevor nicht alle Dachse in den Wald gezogen sind, damit die Tiere Sie auch am Ende der Foto-Session nicht wahrnehmen.

Um Rotwild zu fotografieren, sind die Abend- und Nachstunden am besten geeignet.

Um Rotwild zu fotografieren, sind die Abend- und Nachstunden am besten geeignet.

Jan Piecha

Rotwild fotografieren: Planen Sie viel Zeit ein und stören Sie die Tiere keinesfalls

  • Verbreitungsgebiet: große, zusammenhängende Waldgebiete, vorzugsweise strukturreiche Laubwälder
  • Location-Tipp: Naturpark Südheide, Vorpommersche Boddenlandschaft am Darßer Ort
  • Beste Jahreszeit für Fotos: Brunftzeit (Mitte September bis Anfang Oktober)
  • Beste Tageszeit für Fotos: zum Sonnenuntergang, wenn die Tiere auf die Brunftwiesen kommen
  • Motivtipps: Tiere zur Brunftzeit vor der natürlichen Kulisse

Rotwild hält sich vorzugsweise in Laubwäldern auf, in denen die scheuen Tiere auch tagsüber ausreichend Schutzzonen finden. Besondere Motive sind auf dem Darß an der Ostsee zu fotografieren, wo sich die Tiere in den Dünen und in der Graslandschaft vor der Kulisse der Ostsee aufhalten. Auch der Naturpark Südheide ist ein beliebtes Rotwildgebiet. Haben Sie einen Brunftplatz ausfindig machen können, schauen Sie sich  – wenn möglich – Luftbilder des Terrains an und überlegen Sie vorab, wo Sie geeignete Deckung vorfinden.

Wichtig beim Shooting: Bewegen Sie sich nicht von diesem Ort fort, solange die empfindsamen Tiere noch in Sichtweite sind. Wer nachmittags seinen Ansitz aufsucht, muss durchaus eine Wartezeit von drei bis vier Stunden in Kauf nehmen, bevor die ersten Hirsche und Kühe auf der Brunftwiese erscheinen. Eine moderne Vollformatkamera mit hohen ISO-Einstellungen ist sinnvoll, damit sich auch in der Dämmerung stimmungsvolle Aufnahmen realisieren lassen. Tarnen Sie nicht nur sich mit Tarnanzug und Maske komplett, sondern hängen Sie am besten auch Ihr Stativ mit einem Tarnschal ab, wenn Sie sich beispielsweise an einer Waldkante ins Dickicht setzen. Besonders beim Rotwild gilt: Störungen jeglicher Art sind zu vermeiden.

Tierfotografie-Tipps: Das sollten Sie Bei der Aufnahme beachten

  1. Vermeiden Sie Störungen der Tiere.
  2. Fassen Sie die Tiere auf keinen Fall an.
  3. Stellen Sie sicher, dass der Fluchtweg der Tiere beim Anpirschen frei bleibt und nicht in Richtung einer Straße liegt.
  4. Reizen Sie die Fotosession nicht aus. Insbesondere Jungtiere zeigen noch weniger Scheuverhalten, dennoch sollten Sie die Jungtiere (beispielsweise Rehkitze) nach wenigen Minuten wieder allein lassen, damit die Elterntiere zu ihnen zurückkehren können.
  5. Erzwingen Sie kein Foto! Das Wohl der Tiere geht stets vor.
Schwarze Rehe sind keine eigene Art. Ihr Fell wird durch Melanismus so dunkel gefärbt.

Schwarze Rehe sind keine eigene Art. Ihr Fell wird durch Melanismus so dunkel gefärbt.

Jan Piecha

Schwarze Rehe fotografieren: Tarnmaske nicht vergessen, da Rehe helle Gesichter mit Gefahr verbinden

  • Verbreitungsgebiet: Niedersachsen, nördliches Sachsen-Anhalt, nördliches NRW
  • Location-Tipp in Haste bei Hannover und in den Regionen um Lüchow-Dannenberg, Soltau und Schneverdingen
  • Beste Jahreszeit für Fotos: April (Rehböcke stecken ihre Reviere ab); Mitte Juli bis Mitte August (Paarungszeit); Winter (Rehe stehen in Gruppen zusammen)
  • Beste Tageszeit für Fotos: Morgen- und Abenddämmerung
  • Motivtipp: Schwarzes Reh im Kornfeld (schöner Kontrast)

Schwarze Rehe sind keine eigene Art, sondern gehören zu den Europäischen Rehen – die Rotfärbung ihres Fells wird durch eine starke Vermehrung schwarzer Farbpigmente unterdrückt. Wer sie fotografieren möchte, sollte möglichst schon im Winter auf den Feldern der nord- und mitteldeutschen Tiefebene Rehgruppen nach schwarzen Rehen absuchen.

Fotografieren lassen sie sich am besten zur Paarungszeit, wenn die Rehböcke unaufmerksamer sind. Dennoch sollten Fotografen neben einem Tarnanzug auch eine Tarnmaske nutzen, da die Tiere helle Gesichter mit Gefahr in Verbindung bringen. Pirschen Sie nicht direkt ins offene Kornfeld hinein, sondern gehen Sie in landwirtschaftlichen Fahrspuren am Rande von Feldern entlang und nähern Sie sich in geduckter Haltung. Im Gepäck sollte sich ein Tele mit einer Brennweite ab 500 mm und ggf. ein Konverter befinden. Wer eine Kamera mit einem guten Bildstabilisator dabei hat, kann ein Stativ vermeiden und stattdessen die ISO-Zahlen hochdrehen, sobald es dunkel wird.

Der 1990 geborene Jan Piecha ist Naturfotograf und bekam vor einigen Jahren seine erste Digitalkamera geschenkt. Diese probierte er vorzugsweise in der Natur aus, sodass Piecha sein Hobby zum Beruf machte. Zu seinen liebsten Motiven gehören Vögel und Säugetiere.

Der 1990 geborene Jan Piecha ist Naturfotograf und bekam vor einigen Jahren seine erste Digitalkamera geschenkt. Diese probierte er vorzugsweise in der Natur aus, sodass Piecha sein Hobby zum Beruf machte. Zu seinen liebsten Motiven gehören Vögel und Säugetiere.

Jan Piecha

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