Die Orioniden erreichen in der Nacht vom 21. auf den 22. Oktober 2026 ihren Höhepunkt. Unsere sieben Profi-Tipps zeigen, wie Sie die Sternschnuppen fotografieren – mit Kamera oder mit dem Smartphone.
© AdobeStock / astrosystemIn der Nacht auf Mittwoch, den 21. Oktober, und besonders in der Nacht auf Donnerstag, den 22. Oktober 2026, können Fotografiebegeisterte in Deutschland den Meteorstrom der Orioniden beobachten und fotografieren. Die Erde durchquert auf ihrer Umlaufbahn um die Sonne eine Wolke aus Staubteilchen des Halleyschen Kometen. Dringen diese mit hoher Geschwindigkeit in die Erdatmosphäre ein, entstehen leuchtende Meteore. Unter günstigen Bedingungen sind rund 20 Sternschnuppen pro Stunde möglich. Wie sich die flüchtigen Lichtspuren mit Kamera oder Smartphone festhalten lassen, erklärt Fotograf und Fotopädagoge Robert Vanelli, Director of Education beim Bildbearbeitungssoftware-Hersteller Luminar.
Was sind die Orioniden und woher kommen sie?
Die Orioniden gehören zu den jährlich wiederkehrenden Meteorströmen. Ihren Ursprung haben sie im Kometen 1P/Halley, der die Sonne auf einer lang gestreckten elliptischen Bahn in rund 76 Jahren umrundet. Dabei hinterlässt er Staub und kleine Gesteinspartikel entlang seiner Umlaufbahn.
Jedes Jahr im Oktober kreuzt die Erde einen Bereich dieser Teilchenspur. Die Partikel treffen mit etwa 66 Kilometern pro Sekunde auf die Atmosphäre. Dabei werden sie stark erhitzt und erzeugen die charakteristischen Lichtspuren. Besonders helle Exemplare erscheinen als Feuerkugeln, manche hinterlassen kurzzeitig sichtbare Leuchtspuren.
Ihren Namen verdanken die Orioniden dem Sternbild Orion. Dort liegt ihr sogenannter Radiant, also jener Punkt am Himmel, von dem die Meteore perspektivisch auszugehen scheinen. Tatsächlich bewegen sich die Teilchen auf annähernd parallelen Bahnen. Der scheinbare Ursprung ist ein Effekt der Perspektive, vergleichbar mit Eisenbahnschienen, die sich am Horizont zu treffen scheinen.
Wann sind die Orioniden 2026 am besten zu sehen?
Der Meteorstrom ist gewöhnlich von Anfang Oktober bis Anfang November aktiv. Seine höchste Aktivität erreicht er um den 21. Oktober. Die besten Beobachtungsmöglichkeiten ergeben sich in der zweiten Nachthälfte, wenn das Sternbild Orion höher am Himmel steht.
2026 erschwert allerdings der zunehmende Mond die Beobachtung. Sein Licht überstrahlt vor allem schwächere Meteore. Sobald der Mond in den frühen Morgenstunden untergegangen ist, verbessern sich die Bedingungen. Vorausgesetzt, der Himmel ist wolkenfrei und der Beobachtungsort liegt fernab künstlicher Beleuchtung.
Die häufig genannte Rate von etwa 20 Meteoren pro Stunde ist ein theoretischer Richtwert unter optimalen Beobachtungsbedingungen. Wie viele Sternschnuppen tatsächlich sichtbar sind, hängt unter anderem von der Himmelshelligkeit, der Höhe des Radianten und der aktuellen Aktivität des Meteorstroms ab.
Orioniden fotografieren: Sieben Profi-Tipps von Robert Vanelli
Wer Sternschnuppen fotografieren möchte, braucht vor allem einen dunklen Himmel, eine stabile Kamera und Geduld. Die Meteore tauchen unvermittelt auf und sind meist nach Sekundenbruchteilen wieder verschwunden. Statt auf den richtigen Moment zu reagieren, empfiehlt es sich deshalb, die Kamera frühzeitig einzurichten und über längere Zeit kontinuierlich zu fotografieren.
1. Kamera und Smartphone auf einem Stativ befestigen
Für scharfe Sternschnuppenfotos muss das Aufnahmegerät während der Belichtung vollkommen ruhig stehen. Schon geringfügige Erschütterungen können Sterne als verwischte Punkte erscheinen lassen.
Ein stabiles Stativ ist deshalb die wichtigste Ausrüstung für die Nachtfotografie. Das gilt für Systemkameras ebenso wie für Smartphones. Wer kein Stativ besitzt, kann die Kamera auf einer festen, ebenen Fläche ablegen. Auch eine niedrige Mauer oder eine stabile Bank eignet sich als Auflage.
2. Orioniden fotografieren: Dunkle Standorte bevorzugen
Je dunkler der Himmel, desto mehr Sterne und Meteore werden sichtbar. Straßenlaternen, beleuchtete Gebäude und das Streulicht größerer Städte verschlechtern die Aufnahmebedingungen erheblich.
Für die Orioniden 2026 kommt der Mond als zusätzliche Lichtquelle hinzu. Deshalb empfiehlt sich ein Standort mit möglichst wenig künstlicher Beleuchtung. Besonders günstig sind die Stunden nach dem Monduntergang und vor Beginn der Morgendämmerung.
Wer die Wahl zwischen mehreren Aufnahmeorten hat, sollte auch auf einen möglichst freien Blick zum Himmel achten. Hügel, hohe Gebäude und dichte Baumkronen können einen erheblichen Teil des sichtbaren Himmels verdecken.
Nahezu optimale Möglichkeiten finden Astro-Fotografen in den deutschen Sternenparks.
3. Welche Kameraeinstellungen eignen sich für Sternschnuppen?
Für die Meteor-Fotografie sind eine lichtstarke Optik, eine hohe ISO-Empfindlichkeit und eine längere Belichtungszeit sinnvoll. Als Ausgangspunkt empfiehlt Vanelli folgende Einstellungen:
| Einstellung | Empfehlung |
|---|---|
| Belichtungszeit | 15 bis 25 Sekunden |
| Blende | Möglichst weit geöffnet |
| ISO-Empfindlichkeit | ISO 1600 bis 3200 |
| Fokus | Manuell auf einen hellen Stern |
| Brennweite | Weitwinkel |
| Aufnahme | Wiederholte Belichtungen |
Diese Werte sind Anhaltspunkte, keine festen Vorgaben. Je nach Lichtstärke des Objektivs, Sensorgröße und Himmelshelligkeit können Anpassungen nötig sein. Bei langen Belichtungszeiten werden Sterne aufgrund der Erdrotation außerdem zunehmend als kurze Striche abgebildet.
Moderne Smartphones bieten häufig einen Nacht- oder Astrofotografie-Modus. Allerdings verrechnen einige Geräte mehrere Einzelaufnahmen miteinander. Dabei können die kurzen Lichtspuren von Meteoren aus dem fertigen Bild verschwinden. Wenn vorhanden, bietet ein manueller Pro-Modus mehr Kontrolle über Belichtungszeit und ISO-Wert.
Für eine präzise Scharfstellung eignet sich ein heller Stern, der auf dem vergrößerten Kameradisplay manuell fokussiert wird. Der Autofokus arbeitet bei schwachem Licht häufig unzuverlässig.
Ein weiterer Profi-Tipp betrifft die Bildschirmhelligkeit: Ein helles Display beeinträchtigt die Anpassung der Augen an die Dunkelheit. Wer seine Kamera eingerichtet hat, sollte die Anzeige deshalb dimmen und nur bei Bedarf kontrollieren.
4. Orioniden fotografieren: Wohin mit der Kamera?
Die Sternschnuppen der Orioniden scheinen aus dem Sternbild Orion zu kommen. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Kamera direkt auf diesen Bereich gerichtet werden sollte.
In größerer Entfernung vom Radianten erscheinen die Meteorbahnen perspektivisch länger. Deshalb lohnt es sich, einen Himmelsausschnitt seitlich des Sternbilds zu wählen.
Ein Weitwinkelobjektiv erfasst möglichst viel Himmel und erhöht damit die Wahrscheinlichkeit, einen Meteor im Bild festzuhalten. Beim Smartphone eignet sich ebenfalls die Weitwinkelkamera. Auf digitalen Zoom sollte man verzichten, weil er den Bildwinkel verkleinert, ohne zusätzliche optische Details zu erfassen.
Entscheidend ist außerdem die Aufnahmedauer. Da sich der Zeitpunkt und die Position einer Sternschnuppe nicht vorhersagen lassen, sollte die Kamera möglichst viele Bilder nacheinander aufnehmen. Bei Systemkameras erleichtert eine integrierte Intervallfunktion die Arbeit.
5. Sternschnuppen fotografieren: Den Vordergrund gestalten
Ein Sternenhimmel allein kann eindrucksvoll wirken. Noch interessanter werden viele Aufnahmen durch einen bewusst gestalteten Vordergrund.
Die Silhouette eines einzelnen Baumes, eine markante Bergkette oder ein Gebäude geben dem Bild einen räumlichen Bezug. Auch ein See kann als Gestaltungselement dienen, besonders wenn sich Sterne oder Landschaftskonturen auf seiner Oberfläche spiegeln.
Ein niedrig angesetzter Horizont schafft Platz für die Meteore. Wichtig ist eine klare Bildkomposition mit wenigen markanten Elementen. Zu viele Details lenken von den Sternschnuppen ab.
6. Sternschnuppenfotos bearbeiten: Sterne sichtbar machen
Nachtaufnahmen wirken auf dem Kameradisplay häufig dunkler und kontrastärmer als erwartet. In der Bildbearbeitung lassen sich feine Strukturen durch gezielte Korrekturen besser herausarbeiten.
Dazu eignen sich Anpassungen von Belichtung, Kontrast, Schatten und lokaler Klarheit. Entscheidend ist ein zurückhaltender Umgang mit diesen Werkzeugen. Zu stark aufgehellte Schatten können das Bildrauschen verstärken. Übertriebene Kontraste lassen schwache Sterne verschwinden oder erzeugen einen unnatürlich wirkenden Himmel.
Ziel sollte eine Aufnahme sein, die den Charakter der nächtlichen Szene bewahrt und zugleich die Lichtspuren der Meteore deutlich erkennen lässt.
7. Mehrere Orioniden in einem Bild kombinieren
Wer über Stunden hinweg fotografiert, erhält möglicherweise mehrere gelungene Einzelaufnahmen mit jeweils einer Sternschnuppe. Diese Bilder lassen sich anschließend zu einer gemeinsamen Komposition zusammenführen.
Dafür werden die Aufnahmen in einer Bildbearbeitungssoftware wie Luminar als Ebenen übereinandergelegt. Die sichtbaren Meteorspuren können so in einem einzigen Bild erscheinen.
Das Ergebnis zeigt mehrere Sternschnuppen, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten aufgenommen wurden. Eine solche Montage kann die Aktivität des Meteorstroms anschaulich darstellen. Bei einer journalistischen Veröffentlichung sollte allerdings erkennbar sein, dass es sich um eine Bildkomposition und nicht um eine einzelne Belichtung handelt.
Welche Ausrüstung braucht man für die Orioniden?
Eine teure Kamera ist keine Voraussetzung, um Sternschnuppen zu fotografieren. Wichtiger sind eine sichere Befestigung, geeignete Einstellungen und genügend Zeit.
Robert Vanelli fasst es so zusammen: „Das Geheimnis beim Fotografieren eines Meteorschauers liegt nicht unbedingt darin, die teuerste Kamera oder Ausstattung zu besitzen. Es kommt darauf an, gut vorbereitet zu sein, die Einstellungen seines Geräts zu verstehen und genügend Geduld zu haben. Hat man einen dunklen Ort gefunden und den richtigen Bildausschnitt gewählt, geht es vor allem ums Dranbleiben! Manchmal entstehen die schönsten Fotos genau dann, wenn man es am wenigsten erwartet.“
Die Orioniden bieten dafür eine gute Gelegenheit: Der Meteorstrom kehrt jedes Jahr wieder und lässt sich mit vergleichsweise einfachen fotografischen Mitteln festhalten. Entscheidend ist, möglichst viele Aufnahmen unter guten Bedingungen zu machen – denn welche Belichtung tatsächlich eine Sternschnuppe einfängt, bleibt dem Zufall überlassen.
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