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Pentax Auto 110
Die Asahi Pentax 110 reizt den Spieler mit der Palette an Wechselobjektiven.

Auserwählte analoge Apparate

Kameraempfehlungen
25.03.2020

Wer sich eine analoge Kamera zulegen möchte, kommt kaum um den Secondhand-Markt herum. Wir geben Ihnen Kaufempfehlungen für den Gebrauchtmarkt, ganz gleich, ob Sie eine Analoge zum Foto­grafieren, zum Sammeln oder zum Spielen suchen.

 

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Analoge Kamera mit Film

Analoge Kamera mit Film – galt lange als verstaubt und erfreut sich heute wieder großer Beliebtheit.

© Getty Images/Chamillewhite

Was für ein spannendes Gefühl, wenn der frisch entwickelte Film von der Entwickler-Spule gerollt wird und es sich herauskristallisiert, ob die Aufnahmen etwas geworden sind. Der Film als Träger der entschleunigenden Fotografie braucht einen Mitspieler: Analoge Kameras sind fast nur noch gebraucht zu ergattern. Lässt man die Einfach-Knipsen à la Holga-Kameras (siehe auch unsere Kolumne "Holga muss gehen") einmal bei Seite, so sind als anspruchsvollere Neuware nur noch Restbestände einer Nikon F6 (gut 2000 Euro) oder die Leica M-A (4350) Euro zu erwerben, mit nicht gerade entspannenden Preisen.
Eigentlich schlief der Gebrauchtmarkt für analoge Fotografie sanft ein, sieht man von einigen Klassikern ab, die – nach dem Motto viel Metall, wenig Elektronik – ihren Marktwert hielten. Diese analogen Meilensteine der technischen Entwicklung sind von Sammlern nach wie vor gesucht. Diese Gruppe verfügt in der Regel über den nötigen finanziellen Hintergrund, um sich kostspielige Stücke zu gönnen. Genau diese Sehnsucht nach dem Ursprünglichen begeistert auch zunehmend junge Leute. Durch die Handy-Fotografie sozialisiert, sind diese Anwender Teil des Analog-Hypes. Filmmaterial und Baryt-Fotopapier lösen Begeisterung aus. Diese Gruppe will mit ihren Analogen raus und fotografieren. Im Labor wird experimentiert, je mehr Handarbeit desto besser. In diese Gruppe gehören auch die Perfektionisten, analoges (echtes) Mittelformat ist Grundlage für einen hochwertigen Verarbeitungsprozess. Es ist kein Zufall, dass sich eine Reihe von digitalen Kameras im Design stark an analogen Vorbildern orientiert. Design-Fans lieben das Ursprüngliche, sie suchen im Secondhand-Bereich nach den analogen Originalen.

Spät erfüllte Träume

Die eigene Foto-Biografie ist eine spannende Sache. Sie ist oft mit verschiedenen Kameramodellen gepflastert, die den technischen Aufstieg des Fotografen dokumentieren. Oft liegen die Anfänge im analogen Zeitalter. Eine Rückbesinnung auf die erste Kamera oder die Erfüllung des Wunschs nach der Analogen, die man sich damals nicht leisten konnte, sind typische Kaufmotive für gebrauchte Apparate. Sparfüchse jagen auch auf dem analogen Gebrauchtmarkt. Viel Kamera(masse) für wenig Geld, das lässt sich machen. Mit dieser Gruppe verwandt ist die Schar der Spieler. Ihr Ziel ist nicht das Bild und sie benötigen keinen Film, um sich mit ihrer Kamera zu beschäftigen. Sie spielen schlichtweg mit dem Apparat. Je schräger das Modell, desto größer die Begeisterung.

Es sind diese verschiedenen Charaktere, die die Renaissance analoger Kameras ausmachen. Gemeinsam ist ihnen die Sehnsucht nach haptischen Erlebnissen, nach Emotionen, die analoge Kameras auslösen. Nostalgie hat viele Facetten, doch das Ausbrechen aus der digitalen Anonymität eint sie. Und die Geschäftswelt reagiert, Unternehmen stellen wieder vermehrt Filmmaterial her. Die Nachfrage schafft einen wachsenden Markt, deshalb steigt das Preisniveau für viele Analoge.

Die hier genannten Preise beziehen sich auf gebrauchte Ware im gepflegten, funktionstüchtigen Zustand.

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Leica M3

Für Sammler: Die Königin der Sucherkamera-Serie: Leica M3. Sehr gut erhaltene Modelle sind selten und kosten doppelt so viel wie abgenutzte.

Kameras für Sammler

Stets auf der Jagd nach Vollständigkeit: Sammler suchen immer nach dem noch fehlenden Teil in ihrer Schatzkiste. Ihr archivarischer Grundcharakter sorgt für Struktur. Edel-Sammler bevorzugen die renommierten Marken oder sie dokumentieren Highlights des Kamerabaus. Sie genießen fühlbare Wertigkeit des Materials und der Mechanik.
Die Leica M3 (rund 790 Euro/chrom) findet in beiden Sammlungskonzeptionen ihre Heimat. Sie ist das Startmodell der legendären M-Serie. Seit über 60 Jahren hat sich das Äußere dieses Kultobjekts kaum verändert. Leica M steht für das Messsucherprinzip, eine Art des Fotografierens, die man ablehnt oder vergöttert. Die Leica M3 wurde zwischen 1954 bis 1966 in der Regel in Chrom gebaut, die wenigen schwarzlackierten Modelle kosten heute gebraucht mehr als das Zehnfache der Chrom-Typen.

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Nikon F, F2 und F3

Eine echte Profi-Familie: Nikon F, F2 und F3, Handwerkszeug mit legendärer Haltbarkeit und Grundlage für den Mythos Nikon.

Die Profikameras der 70er- und 80er-Jahre des letzten Jahrhunderts waren Nikon-F-Spiegelreflex­kameras. Zum mechanischen Höhepunkt avancierte die F2 AS (300 Euro), gebaut von 1971 bis 1980. Die wohl beste mechanische Kleinbild-Spiegelreflex ist die Basis eines schier unerschöpflichen F-Objektiv- und Zubehörsystems, also ein Eldorado für Sammler. Heavy Metal in Reinkultur, mehr Bildmaschine als Kamera.
 

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Canon EOS-1

Canons Erfolgskonzept gegen den Marktführer Nikon: Canon EOS-1, weiche Formen für harte Profis. Gut erhaltene Stücke sind schwer zu finden.

Kameras für Sparfüchse

Wie bekomme ich möglichst viel Nostalgie für mein Geld? Hauptziel ist der optimale Gegenwert, ganz viel Kamera für wenig Euro. Der Sparfuchs durchforstet die Einkaufskanäle wie Internet und Fotobörsen mit dem Blick des Schnäppchenjägers. Und fast immer wird er fündig: Ganz viel Profikamera bei bescheidenem Einsatz gibt es mit der Canon EOS-1 (50 Euro für Body). Canons erste Profi-SLR mit Autofokus feierte 1989 großen Erfolg. Nikon wurde der Rang als Platzhirsch streitig gemacht und eine bis heute andauernde Erfolgsära nahm ihren Anfang. Ein ausgesprochen hübsch designtes, bedienungsfreundliches Gehäuse mit neuem EF-Bajonett nahm eine Objektivlinie auf, die mit schnellem Autofokus, Ultraschall-Motoren und Bildstabilisierung damals konkurrenzlos war. Startschuss für eine Kameralinie, die bis heute formgebend für die EOS-Baureihe ist.

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Voitgländer Vito

Aus einer Epoche, in der die deutsche Kameraindustrie noch weltweit führend war: Voigtländer Vito, Qualität auch für die Masse.

Aber es geht noch billiger. Die millionenfach produzierte Voigtländer Vito-Baureihe und deren Ableger, hier eine Vito CL gebaut in den 60er-Jahren (15 Euro), bietet unübertroffen viel Kameramechanik für das Geld. Das traditionsreichste Fotounternehmen, 1756 gegründet, sorgte nach dem 2. Weltkrieg für die Verbreitung der Fotografie. Dabei schufen die solide Grundqualität und gute Optiken (hier Skopar 2,8/50 mm) prima Voraussetzungen für qualitativ ansprechende Fotos.

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Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Über den Autor
Winfried Warnke

Vermutlich kennt niemand den Kamera-Gebrauchtmarkt in Deutschland besser als unser Kolumnist und Autor Winfried Warnke: Seit 30 Jahren beschäftigt er sich mit Schätzen aus zweiter Hand. Einmal im Jahr erstellt er für das fotoMAGAZIN den Secondhand-Guide, auch als FOMAG-Liste bekannt. Für unser Technik-Forum schreibt er in jeder Ausgabe die Second-Hand-Kolumne.