VINTAGE VIBES: Yashica Samurai X3.0

In einer Zeit, in der Smartphones und ­Digitalkameras die Foto­grafie ­dominieren, ­entdecken immer mehr junge Menschen den Charme ­analoger Kameras. „Vintage Vibes“ stellt Kult­modelle vor, die nicht nur ­nostalgischen Wert haben, sondern auch ­heute noch beeindruckende Ergebnisse liefern. Diesmal die Yashica Samurai X3.0.

Winfried Warnke

Winfried Warnke

Kolumnist und freier Autor

Der unverwechselbare Look, das innovative Konzept und ein hoher Sammlerstatus prägen die Vintage-Legende Yashica Samurai.

Der unverwechselbare Look, das innovative Konzept und ein hoher Sammlerstatus prägen die Vintage-Legende Yashica Samurai.

© freepik/freepik.com

Nein, die Yashica Samurai X3.0 ist kein Camcorder, keine klassische, handliche Video-Kamera, wie ihr auffälliges Design vermuten lässt. Außergewöhnlich ist die Yashica aber dennoch, denn die Analogkamera für 35-mm-Kleinbildfilm macht Fotos im Halbformat 18 x 24 mm. Zudem ist die Formgebung dieser Spiegelreflexkamera geradezu revolutionär. Man kann auch sagen: Die Kamera ist ein absoluter Hingucker, zudem mit Design-Preisen dekoriert. Eine Kamera, die aus Ergonomie, wertigem Kunststoffgehäuse und futuristischen Linien ein Industrie-Designobjekt der späten 1980er Jahre macht, eine echte SLR-Kamera mit fest verbautem Objektiv. Zusammen mit der Ricoh Mirai (24 x 36 mm) gab sie den Startschuss für das bis heute erfolgreiche Konzept der sogenannten Bridge-Kameras, eine Kameraidee, die mit fest verbautem, motorischem Zoomobjektiv, Sucher und Blitzlicht für die meisten Fotografier-Situationen ausreichen sollte.

Die Yashica-Samurai-Baureihe, mit der Yashica Samurai X3.0 1988 gestartet, ist eine der ungewöhnlichsten Kameraserien der Analoggeschichte. Die besondere Bauform ergibt sich aus dem vertikalen Filmtransport, der es für das 18 x 24 mm-Halbformat ermöglicht, einen vertrauten Suchereinblick mit horizontalem Bild (Querformat) zu konstruieren.

Warum war die Yashica Samurai X3.0 so ungewöhnlich?

Schon damals waren innovative Kameras kein Schnäppchen: Die Yashica Samurai X3.0 kostete bei Markteinführung ca. 600 Mark, was gemessen an der heutigen Kaufkraft 750 Euro entspricht. Sie wurde von Kyocera unter der Marke Yashica entwickelt. Ein traditionsreicher Name in der Kameraindustrie: 1949 als Yashima Seiki gegründet und 1958 in Yashica umbenannt, entwickelte diese Firma legendäre Kameramodelle (Yashicamat, Yashica Electro 35, Yashicaflex, Contax RTS). Im Jahr 1983 erfolgte die Übernahme durch Kyocera, 2005 wurde die Kameraproduktion eingestellt und die Markenrechte 2008 verkauft.

Welche Technik steckt in der Yashica Samurai X3.0?

Technisch bietet die Kamera das damals Machbare: Zoom-Objektiv 3,5-4,3/25-75 mm (KB-äquivalent: ca. 35-105 mm), Autofokus von 1 m bis unendlich, Blende-Zentralverschluss 1-1/500 s, Belichtungssteuerung per Programmautomatik, eingebauter Blitz, Spiegelreflexsucher, Dioptrien-Korrektur und bis heute erhältliche Lithium-Batterie 2CR5 bei einem Gewicht von 570 Gramm. Die Yashica Samurai X3.0 ist eingebettet in die Samurai-Typenreihe, die mit dem Modell Samurai S-L sogar ein Modell für Linkshänder auf den Markt brachte.

Was bringt das Halbformat der Yashica Samurai X3.0?

Als Filmmaterial stehen alle 35-mm-Kleinbild-Filme zur Verfügung und durch das Halbformat kann man doppelt so viele Fotos auf einem Film unterbringen, also 48 statt 24 und 72 statt 36 Aufnahmen. Bei den heutigen Preisen für Kleinbildfilme bietet die Samurai also ordentliches Sparpotenzial. Im Unterschied zum KB-Vollformat mit seinem Seitenverhältnis von 3 zu 2 bieten die 18 x 24 mm des Halbformats ein Seitenverhältnis von 3 zu 4, was von vielen als harmonischer empfunden wird. Im Vergleich zum heutigen Stand der Technik fehlt der Samurai allerdings eine differenzierte Gegenlichtkorrektur. Auch Makro-Aufnahmen sind nicht unbedingt eine Stärke dieser Kamera und der etwas betuliche Autofokus braucht schon seine Zeit.

Warum passt die Yashica Samurai X3.0 wieder in die Zeit?

Es ist natürlich kein Zufall, dass 2024 Ricoh Imaging eine neue analoge Halbformat-Kamera entwickelt hat. Das neu erwachte Interesse an analoger Fotografie und die nach wie vor anhaltende Begeisterung für das 18 x 24 mm-Format in Japan waren Auslöser für die Entwicklung und Produktion der Pentax 17 mit festeingebautem 3,5/25 mm-Objektiv (KB ca. 37 mm).

Was kostet eine gebrauchte Yashica Samurai X3.0?

Auf dem Secondhand-Markt ist die Yashica Samurai X3.0 kein Massenprodukt, aber auch keine ausgesprochene Rarität. Eher ist es schwierig, ein einwandfrei funktionierendes Gerät zu bekommen – kein Wunder, haben Exemplare in der Regel nahezu 40 Jahre auf dem Buckel. Für einen Erwerb aus privater Hand (ohne Garantie) müssen um die 60 bis 70 Euro bezahlt werden. Getestete Exemplare aus gewerblichem Verkauf erreichen im exzellenten Zustand aber auch schnell die 200 Euro Marke. Hier zu sparen und privat zu kaufen, dürfte ein leichtsinniger Irrweg sein.

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