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Die japanische Firma Nikon ist heute einer der größten Kamerahersteller der Welt. Ihre Wurzeln reichen bis in das Jahr 1917 zurück. fotoMAGAZIN schildert die Erfolgs-Story.

Lange bevor Nikon eine der weltweit beliebtesten und bekanntesten Kameramarken wurde, hatte sich das Unternehmen als Optikhersteller, unter anderem auch für seinen heutigen Konkurrenten Canon, einen Namen gemacht. Nicht zuletzt legte wohl die außerordentliche Qualität der Nikkor-Objektive den Grundstein für die Legendenbildung um die Traditionsmarke.

Das passte perfekt: Im Juni letzten Jahres konnte Nikon zum 80jährigen Jubiläum der Vorstellung des ersten Nikkor-Objektivs, des legendären Nikkor S-Auto f2/50 mm, die stolze Zahl von insgesamt 80 Millionen produzierten Nikkor-Objektiven vermelden. Der Name Nikkor entstand, indem am Ende von „Nikko“, der in lateinische Schrift übertragenen Abkürzung von Nippon Kogaku K. K., der Buchstabe „R“ angefügt wurde. Das war in den 30er-Jahren nicht nur in Japan übliche Praxis bei der Namensgebung für Objektive.

Mittelformat oder Kleinbild?

Bereits 1917 hatten drei führende, japanische Optik-Hersteller die Nippon Kogaku K. K. gegründet. Das Unternehmen wollte sich auf die Produktion hochwertiger Optiken für Kameras und Mikroskope spezialisieren und konnte schon ein Jahr nach der Unternehmensgründung in dem neu gebauten Werk in der Nähe des kleinen Städtchens Ohi die Produktion aufnehmen. Dort wurden auch Foto-Objektive entwickelt und gebaut. Nach Kriegsende setzte das Nikon-Management eine Kommission ein, die Vorschläge für die Entwicklung von Kameras machen sollte. Im April 1946 legte diese Kommission zwei Vorschläge vor: eine zweiäugige Nikoflex für 120er-Rollfilm und eine Sucherkamera für 35-mm-Kleinbildfilm. Angedachter Name: Nikorette. Zum 30jährigen Firmenjubiläum wurden Prototypen beider Kameras gezeigt. Doch die Entwicklung des Rollfilm-Modells wurde aufgegeben, weiterverfolgt wurde die Nikorette. Noch vor Markteinführung erhielt sie den Namen Nikon – den heutigen Firmennamen.

1948 verließ die erste Nikon-Kleinbildkamera das Werk. Die wichtigsten Kenndaten: horizontaler Schlitzverschluss, gummierter Vorhang, Verschluss­zeiten 1/500-1 s, Bildformat 24 x 32 mm, 765 Gramm Gewicht mit Nikkor 2/50 mm. Es waren jedoch weiterhin die leistungsstarken Objektive, denen Nikon den endgültigen Durchbruch und seine internationale Erfolgsgeschichte verdankt. Maßgeblich beteiligt an der Legendenbildung waren drei Fotoreporter des amerikanischen Magazins Life: David Douglas Duncan, Karl Meidans und Hank Walker. David Douglas Duncan fotografierte im Frühjahr 1950 eine Reportage über japanische Kunst. Dabei portraitierte ihn ein japanischer Kollege bei der Arbeit. Als Duncan dessen Bilder sah, war der Leica-Fotograf begeistert von der Schärfe und Brillanz und fragte nach dem verwendeten Objektiv. Es war das Nikkor 3,5/135 mm. Noch in Japan legte sich Duncan einige Nikkore zu. Unter den Bildjournalisten verbreitete sich die Nachricht, dass Duncan Nikkore einsetzte, wie ein Lauffeuer. Auch die Kriegsreporter Karl Meidans und Hank Walker deckten sich in Tokio mit Nikkoren ein. Während ihrer Korea-Reportage sahen sie sich mit einem der kältesten Winter und Temperaturen von bis zu -30 Grad konfrontiert, denen ihre neue Ausrüstung besser gewachsen zu sein schien als sie selbst. Ihre Aufsehen erregenden Kriegsbilder wurden mit dem US-Camera-Prize ausgezeichnet.

Durchgestartet mit der F

Fast ein Jahrzehnt nach Vorstellung der ersten Nikon-Kamera brachte Nikon 1959 die erste F-Spiegelreflexkamera mit auswechselbarem Suchersystem, ansetzbarem Filmtransportmotor und dem in Übersee gängigen 24 x 36-mm-Format auf den Markt. Sie ist wohl der größte Meilenstein in der Geschichte der Nikon-Kameras und entwickelt sich schnell zum bevorzugten Apparat professioneller Bildberichterstatter.

Der internationale Markt wurde immer wichtiger für Nikon. Die Nachfrage nach opto-mechatronischen Präzisionsgeräten wuchs stark an. Ein Werk nach dem anderen wurde gebaut. Erst nach über zehn Jahren nach der Vorstellung der ersten F brachte Nikon ein in vielen Funktionen dem Vorgänger ähnliches Nachfolgemodell, die F2 auf den Markt. Sie erfuhr ebenfalls erst ein knappes Jahrzehnt später einen Generationswechsel.

Nikon erkannte sehr früh den Bedarf optischer Geräte für die Chipherstellung. Bereits 1980 wurde das NSR1010 vorgestellt, ein Gerät für die Fertigung von Halbleitern. Im gleichen Jahr kam mit der F3 die dritte Generation der F-Spiegelreflexen heraus. Sie ist ein weiterer Meilenstein der Internationalisierung. Da japanische Design-Vorstellungen erheblich vom europäischen und amerikanischen Geschmack abwichen, beauftragte man den berühmten italienischen Auto- und Industriedesigner Giorgio Giugiaro mit der Formgebung neuer Kameragenerationen. Giugiaro hatte bereits viele Alfa-Romeo-Modelle, aber auch den VW Golf mit seiner Handschrift geprägt. Lange Zeit blieb die rote Linie oder Marke das Erkennungszeichen von Giugiaro auf Nikon-Kameras. Die 1975 begonnene Zusammenarbeit mit dem Designer betraf neben der F3 und dem Nachfolgemodell F4 auch die Kameraserien EM und die frühen AF-Sucherkameras.

Von analog zu digital

Die F6 war schließlich das letzte analoge Profikameramodell der F-Reihe. Der sich Ende der 80er-Jahre ankündigende Umbruch zur digitalen Fotografie fiel auch Nikon zunächst schwer. Die ersten digitalen Profikameras auf Basis analoger Nikons wurden – wie auch bei Canon – von Kodak modifiziert. Das eher erfolglose Engagement bei Stillvideo und den Kameras für APS-Filme hatte Entwicklungsetats verschlungen. Einen weiteren Flop wollte man sich nicht leisten.

Der Übergang von der analogen zur digitalen Fotografie erfolgte schneller als erwartet. Gemeinsam mit Fujifilm entwickelte Nikon zunächst die ebenfalls wenig erfolgreiche E-DSLR-Serie. Von Kodak kam 1992 die Nikon DCS 100, eine 1,3 Megapixel-Kamera basierend auf der F3HP.

Kurz vor der Jahrhundertwende stellte Nikon seine erste eigene, professionelle DSLR, eine Mischung aus F5 und F100, vor, die 1999 auf den Markt kam: die D1. Die erste digitale Vollformatkamera auf Basis der Nikon-Kameratechnik ist die Kodak DCS Pro 14N, die 2003 vorgestellt wird. Während Kodak versucht, den miterschaffenen Digitalkameramarkt zu erobern, gelingt es Nikon erneut, auch in der professionellen Digitalfotografie eine führende Rolle zu übernehmen. Ob das Unternehmen allerdings in der neuen Kategorie der spiegellosen Systemkameras einen Spitzenplatz übernehmen kann oder will, bleibt abzuwarten. Nach kurzem Aufflimmern der Nikon-1-Linie scheinen sich die Verbraucher aktuell eher von den DSLR-Kameras mit Vollformat angezogen zu fühlen.