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Fuji GFX 50R und GFX 50S
Die Fuji GFX 50R (links) ist deutlich flacher als die GFX 50S mit aufgestecktem Sucher.

Im Test: Fujifilm GFX 50R

Großes Format
03.01.2020

Im November 2018 folgte die preiswerte Mittelformatkamera Fujifilm GFX 50R mit flachem Messsucher-Design knapp zwei Jahre nach Markteinführung auf die GFX 50S. Wir haben die beiden Kameras in der Praxis und im Labor miteinander verglichen. Jetzt online zum Download.

 

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Fujifilm GFX 50S frontal

Fujifilm GFX 50S. Markteinführung: Februar 2017.

© Fujifilm

Als die Fuji GFX 50S im Februar 2017 auf den Markt kam, sorgte sie aus mehreren Gründen für Aufsehen. So setzt sie konsequent auf ein modernes spiegelloses Konzept, das gerade bei extrem hochauflösenden Kameras Sinn macht, da die Vibrationen durch den Spiegelschlag entfallen, die Unschärfen erzeugen können. Zum modernen Ansatz gehört auch der präzise Kontrast-Autofokus mit 425 Messfeldern, der sich per Touch oder über einen Joystick fast im gesamten Bildfeld platzieren lässt und damit das lästige „Fokussieren und Schwenken“ überflüssig macht – bei anderen Kameras nichts Ungewöhnliches, im Mittelformat schon. Zudem unterbot die GFX 50S mit einem Preis von 7000 Euro die Konkurrenz. Auf der letzten photokina im September 2018 hat Fuji nun die „kleine Schwester“ GFX 50R vorgestellt, zum fast schon sensationellen Preis von 4500 Euro. Zum Vergleich: Die Vollformat-Sport-SLRs von Canon (EOS-1D X Mark II) und Nikon (D5) kosten fast 2000 Euro mehr. Den Preis für die GFX 50S hat Fuji zwischenzeitlich ebenfalls gesenkt – auf 5500 Euro.

R wie Rangefinder

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Fujifilm GFX 50R schräg

Fuji GFX 50R. Markteinführung: November 2018.

© Fujifilm

Der wesentliche Unterschied zwischen den beiden GFX-Modellen ist das Gehäuse-Design und damit verbunden die Ergonomie. Die GFX 50S wird mit einem Aufstecksucher ausgeliefert, der in der Mitte der Kamera sitzt. Bei der 50R ist der Sucher fest eingebaut und zwar auf der linken Seite, sodass die Nase nicht auf dem Monitor zum Liegen kommt. Die eigentlich größere 50S ist übrigens etwas schmaler als die 50R und ohne Sucher etwa gleich hoch. Erst mit Sucher ist sie deutlich größer und schwerer – sie bringt dann 145 Gramm mehr auf die Waage als die 50S. Einen Anteil daran hat der ausgeprägtere Handgriff, der vor allem beim Einsatz von großen und schweren Objektiven von Vorteil ist. Da das Gehäuse tiefer ist, passt bei der 50S noch ein Info-Display auf die Oberseite. Neben einem Zeitenrad, das beide Kameras mitbringen, hat die 50S ein ISO-Rad, die 50R dagegen ein Belichtungskorrekturrad – das leider nicht gegen ein versehentliches Verstellen gesperrt ist.
Die Drive-Modi (darunter auch Video) werden über eine Taste aktiviert, die bei der 50R sehr nahe am Zeitenrad angesiedelt und daher etwas schwer zu erreichen ist. Auf der Rückseite hat Fuji im Wesentlichen das Steuerkreuz weggelassen. Dessen Funktionen lassen sich – ähnlich wie bei der APS-Systemkamera X-E3 – durch das Wischen auf dem Touchscreen aufrufen. Ab Werk sind dies Weißabgleich, Filmsimulationen, Histogramm und 3D-Wasserwaage – die Zuordnung lässt sich aber ändern. Das gilt auch für fünf nicht beschriftete Funktionsknöpfe. Ansonsten helfen bei der Bedienung ein Q(uick)-Menü, der Fokushebel und zwei Einstellräder. Der Touchscreen erlaubt das Setzen des AF-Messfeldes und das Blättern und Zoomen im Wiedergabemodus, nicht aber die komplette Menübedienung – nur das Quick-Menü lässt sich per Berührung bedienen. Apropos Monitor: Dieser hat zwar die gleiche Größe und Auflösung wie in der 50S, lässt sich aber nur nach oben und unten kippen und nicht wie bei der großen Schwester zur Seite, was den Einsatz bei Hochformataufnahmen vom Stativ erschwert.
Der OLED-Sucher hat übrigens die gleiche, sehr hohe Auflösung von 3,7 Millionen Punkten wie in der 50S, ist aber etwas kleiner (Vergrößerung 0,77x statt 0,85x). Trotz der hohen Auflösung flimmert er bei feinen Strukturen überdurchschnittlich. Insgesamt ist die Bedienung etwas fummeliger als bei der 50S. Spätestens mit Handschuhen oder schweren Objektiven dürfte diese die bessere Wahl sein. Ansonsten sind beide Kameras robust und Outdoor-tauglich: Sie bauen auf einem Magnesiumgehäuse auf, das gegen Staub und Spritzwasser abgedichtet und bis -10 Grad Celsius einsatzbereit ist.

Die inneren Werte der Fuji GFX 50R

Weniger Unterschiede gibt es bei den inneren Werten. Zu den klassischen Stärken von Fuji-Kameras gehören die Filmsimulationen, die sich um einen Körnungseffekt und den Chrome-Farbeffekt ergänzen lassen, der die Farben in den Schatten verstärkt. Nicht an Bord ist die Eterna-Filmsimulation, die Fuji in der X-H1 eingeführt hatte. Diese ist vor allem für Videos gedacht, die bisher nicht unbedingt die Stärke der GFX-Serie sind. Wie alle Fuji-Kameras ist auch die GFX 50R neben einem mechanischen mit einem elektronischen Verschluss ausgestattet. Er ermöglicht das lautlose Auslösen und sehr kurze Verschlusszeiten (bis zu 1/16.000 s), ist aber recht anfällig für Rolling-Shutter-Effekte. Offensichtlich lässt sich der große Sensor nicht so schnell auslesen wie kleinere Bildwandler. Nicht zu empfehlen ist der Einsatz des elektronischen Verschlusses außerdem unter flackerndem Kunstlicht – hier können sich horizontale Streifen bilden. Das Blitzen ist wie auch bei anderen Kameras nur mit mechanischem Verschluss möglich – bei den GFX-Modellen liegt die kürzeste Synchronzeit übrigens bei 1/125s, Kleinbildkameras schaffen meist 1/200 s oder 1/250 s.

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Fujifilm GFX 50R mit Monitor

Der Monitor der GFX 50R lässt sich nach oben und unten kippen, aber nicht zur Seite.

© Fujifilm

Typisch für die GFX-Serie ist die Vielzahl einstellbarer Seitenverhältnisse. Neben dem nativen Sensorformat 4:3 sind dies 3:2, 16:9, 1:1, 65:24, 5:4 und 7:6 – womit auch die klassischen Mittelformat-Seitenverhältnisse abgedeckt sind. Die Auflösung reduziert sich natürlich bei allen Formaten außer 4:3. Wer Raw fotografiert, erhält eine Vorschau mit eingestelltem Seitenverhältnis und eine entsprechende Markierung in Adobes Raw-Konverter, kann aber weiter auf die volle Bildgröße zugreifen. Die 50R kann übrigens per Adapter auch Kleinbildobjektive nutzen und schaltet dann in den 35-mm-Modus, in dem die Auflösung immer noch 30,5 Megapixel beträgt.

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Andreas Jordan
Über den Autor
Andreas Jordan

Andreas Jordan ist Sozialwissenschaftler und Mediendesigner und arbeitet seit 1994 als Redakteur und Autor mit den Schwerpunkten Multimedia, Imaging und Fotografie für verschiedene Fach- und Special-Interest-Magazine (u. a. Screen Multimedia, Computerfoto, MACup) und Tageszeitungen (Hamburger Abendblatt, Berliner Kurier). Seit 2003 ist er Redakteur beim fotoMAGAZIN und leitet dort seit 2007 das Ressort Test & Technik.