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Huawei P40 Pro+ und Sony Xperia 1 II: Die Belegbilder zeigen Ausschnitte aus den Aufnahmen der Weitwinkel-Hauptkameras (links Huawei, rechts Sony).
Huawei P40 Pro+ und Sony Xperia 1 II: Die Belegbilder zeigen Ausschnitte aus den Aufnahmen der Weitwinkel-Hauptkameras (links Huawei, rechts Sony).
Bilder: Hersteller (Produkte), Andreas Jordan (Belegbilder)

Im Test: Huawei P40 Pro+ gegen Sony Xperia 1 II

Wer baut die besten Kameras?
10.08.2020

Zwei sehr unterschiedliche Spitzen-Smartphones von Huawei und Sony standen uns zum Test zur Verfügung. Wir wollten wissen, wer die besseren Kameras hat.

Eins vorweg: Die beiden neuen Smartphones verfolgen sehr unterschiedliche Ansätze: Während das Sony Xperia 1 II mit seiner „Photo Pro“-App auf eine klassische Bedienung setzt, wie sie Fotografen von der echten Kamera gewohnt sind, ist das P40 Pro+ vollgepackt mit Funktionen, die zum Teil auf künstliche Intelligenz beruhen (Huawei spricht von AI für Artificial Intelligence), und bei denen der Anwender nicht wirklich weiß, was sich im Hintergrund abspielt. Wir wollten wissen, welcher Ansatz die bessere Bedienung ermöglicht und die besseren Bildergebnisse erzielt. Und natürlich: Wie nahe kommen die besten Smartphones heute "echten" Kameras bei der Bildqualität?

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Beide Smartphones haben brillante Displays. Links: Huawei P40Pro+ (Diagonale 16,7 cm, Auflösung 2640 x 1200 Pixel), rechts: Sony Xperia 1 II (Diagonale 16,5 cm, Auflösung 3840 x 2160 Pixel).

Beide Smartphones haben brillante Displays. Links: Huawei P40Pro+ (Diagonale 16,7 cm, Auflösung 2640 x 1200 Pixel), rechts: Sony Xperia 1 II (Diagonale 16,5 cm, Auflösung 3840 x 2160 Pixel).

Bild: Andreas Jordan

Huawei P40 Pro+: das   Intelligente

Das seit Ende Juni erhältlich P40 Pro+ ergänzt das schon etwas länger auf dem Markt befindliche P40 Pro nach oben. Beide Smartphones wagen sich mit ihren Kameras in den Telebereich vor: Das P40 Pro bis 125 mm (alle Brennweiten kleinbildäquivalent), das P40 Pro+ sogar bis 240 mm – das dürfte zurzeit (Testzeitpunkt Mitte Juli) das stärkste Teleobjektiv in einem Smartphone sein. Insgesamt nutzt das P40 Pro+ vier Kameras auf der Rückseite mit Leica-Branding, plus einer Selfie-Kamera auf der Front.

Huawei ist äußerst sparsam mit technischen Daten zu den Kameras, immerhin gelang es uns die vollständigen Spezifikationen der Ultraweitwinkel- und der Weitwinkel-Kamera herauszubekommen. Von den beiden Telekameras sind nur Lichtstärke, Brennweite und Auflösung bekannt; zur Sensorgröße wollte sich Huawei auch auf Nachfrage nicht äußern, der starke Crop-Faktor im Vergleich zum Kleinbild (ca. 10) macht aber deutlich, dass sie deutlich kleiner sind als die Weitwinkel-Sensoren (Details siehe Tabelle).

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Die Kamera-App des P40 Pro+ bietet verschiedene Modi. Oben: Im Modus "Blende" simuliert die Vorderseitenkamera die Schärfentiefe, "Mehr" ermöglicht unter anderem Aufnahmen mit hoher Auflösung, in "Pro" lässt sich der Raw-Modus aktivieren.

Die Kamera-App des P40 Pro+ bietet verschiedene Modi. Von oben nach unten: Im Modus "Blende" simuliert die Vorderseitenkamera die Schärfentiefe, "Mehr" ermöglicht unter anderem Aufnahmen mit hoher Auflösung, in "Pro" lässt sich der Raw-Modus aktivieren.

Screenshots: Andreas Jordan

Die Hauptkamera hat einen relativ großen Sensor (1/1,28 Zoll, Crop 4,0) mit ungewöhnlicher RYYB-Farbfilteranordnung (Rot, Yellow, Yello, Blau), die laut Huawei zu einer besseren Lichtausbeute als die übliche RGGB-Struktur (Rot, Grün, Gün, Blau) führen soll. Die Auflösung liegt bei 50 Megapixeln, allerdings werden im Standardmodus vier Pixel zu einem zusammengefasst („Pixel-Binning“), sodass sich ein 12-MP-Bild ergibt (sogar im Raw-Modus). Der 12-MP-Binning-Modus beschneidet das Bildfeld ein wenig, sodass nur kleinbildäquivalent nur noch 27 mm übrigbleiben. Erst im Modus „Hohe Auflösung“ werden 50-MP-Dateien gespeichert und wirklich die 23 mm Weitwinkel des Objektivs genutzt. Bei „Hohe Aufösung“ bietet Huawei auch einen AI-Modus an, in dem mehrere Bilder miteinander verrechnet werden, wodurch besonders detailreiche Bilder entstehen. Empfehlenswert ist hierfür der Einsatz eines Statives. 

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Die drei Brennweiten des Huawei P40Pro+ im Vergleich.

Die vier Brennweiten des Hauwei P40Pro+ im Vergleich.

Bilder: Andreas Jordan

Die Superweitwinkel-Kamera hat eine Brennweite von 16 mm und einen ebenfalls relativ großen 40-MP-Sensor (Crop-Faktor 4,1). Auch hier kommt Pixel-Binning zum Einsatz, sodass die Dateien eine Auflösung von 10 MP haben. Anders als bei der Hauptkamera kann man hier übrigens nicht den Modus „Hohe Auflösung“ nutzen – ruft man diesen auf, so schaltet das Smartphone automatisch wieder auf die 23-mm-Hauptkamera um. Die Pixelreserven der hochauflösenden Sensoren werden für das digitale Zoomen zwischen den festen Brennweiten genutzt, das wiederum nicht zur Verfügung steht, wenn im Raw-Format fotografiert wird. Im „normalen“ Fotomodus (als ohne Raw) werden mit Hilfe der sogenannten „xD Fusion“-Engine Daten von verschiedenen Sensoren zum jeweils besten Resultat kombiniert. Es kann also z. B. sein, dass nach entsprechender Analyse des Bildausschnitts die Helligkeit von Kamera A mit den Farbinformation von Kamera B und dem Bildausschnitt von Kamera C kombiniert wird oder dass die Randbereiche des Bildes von Kamera B z. B. durch Daten aus Kamera C nachgeschärft werden. Sprich, der Fotograf weiß nicht, was in der Blackbox passiert, was ein systematisches Testen sehr erschwert.

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Die KI-Algorithmen der P40Pro+ können schonmal daneben liegen: Das linke Bild wurde im Pro-Modus aufgenommen, das rechte kurz danach im Foto-Modus mit KI. Der Himmel war in Wirklichkeit grau.

Bilder: Andreas Jordan

Etwas verwirrend geht es auch bei den Teleobjektiven weiter: Das 80-mm-Objektiv hat eigentlich 8 MP, die im Raw-Modus auch aufgenommen werden, schaltet man Raw aus, so wird mit 81 mm aufgenommen – also leicht gecroppt, und das Ergebnis auf 12,5 MP skaliert. Das zweite Teleobjektiv erreicht dank Periskopbauweise 240 mm. Auch hier gilt: Raw 8 MP, JPEG: interpolierte 12,5 MP, wobei ebenfalls leicht gecroppt wird, sodass eine KB-äquivalente Brennweite von 269 mm herauskommt. Ein Bildstabilisator ist in allen Rückseitenobjektiven verbaut, außer beim Superweitwinkel. Vor allem bei 240/269 mm wird er auch dringend benötigt, zumal die Lichtstärke mit 1:4,4 deutlich hinter die der anderen Objektive zurückfällt.

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Der Digitalzoom des P40 Pro+ geht mit einer deutlichen Verschlechterung des Bildqualität einher. Links die Aufnahme ohne Digitalzoom mit 269 mm (beim Kleinbild, echte 28 mm), rechts die mit mit dem 80-mm-Objektiv (echte 7,5 mm) digital auf 242 mm gezoomt.

Der Digitalzoom des P40 Pro+ geht mit einer deutlichen Verschlechterung des Bildqualität einher. Links die Aufnahme ohne Digitalzoom mit 269 mm (beim Kleinbild, echte 28 mm), rechts die mit mit dem 80-mm-Objektiv (echte 7,5 mm) digital auf 242 mm gezoomt.

Bilder: Andreas Jordan

Etwas eigenwillig ist Huaweis Interpretation des optischen Zooms, den angeblich die beiden Teleobjektive mitbringen. Es handelt sich dabei nicht, wie man vermuten könnte, um Objektive, bei denen die Brennweite durch das Verschieben von Linsenelementen variiert wird, sondern um Festbrennweiten. Die Zoom-Angabe bezieht sich lediglich auf die Vergrößerung gegenüber dem Weitwinkelobjektiv mit 27 mm. 81 mm sind nach dieser Logik als also ein 3fach-Zoom, 269 mm ein 10fach-Zoom.

Auch sonst stehen diverse Tricks und Gimmicks zur Verfügung. Das Selfie-Objektiv bringt einen TOF-Sensor (Time Of Flight) mit, mit dessen Hilfe sich eine künstliche Hintergrundunschärfe errechnen lassen kann. Das geht auch mit den Vorderseitenobjektiven im Modus „Blende“; hier kann der Fotograf Werte zwischen f/0,95 für einen unscharfen und f/16 für einen scharfen Hintergrund einstellen – natürlich virtuell, auf Belichtungszeit und ISO hat der Blendenwert keinen Einfluss. Beeindruckend ist der Nachtmodus, in dem mehrere Bilder verrechnet werden und so sogar aus der Hand gut belichtete Aufnahmen gelingen.

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Der Nachtmodus der P40 Pro+ ist beeindruckend (Aufnahme mit ISO 1600).

Der Nachtmodus der P40 Pro+ ist beeindruckend (Aufnahme mit ISO 1600).

Aufnahme: Andreas Jordan

Das Problem mit den Apps bei  Huawei

Die neuen Huawei Smartphones müssen bekanntlich wegen eines Erlasses der Trump-Administration auf Google-Dienste verzichten. Das Smartphone läuft zwar auf dem offenen Android-Betriebssystem mit Huaweis EMUI-Oberfläche, aber der Google „Play Store“ fehlt. Er wird ersetzt durch Huaweis AppGallery, in der aber bisher nur wenige der beliebten Foto-Apps zur Verfügung stehen (kein Instagram, kein Snapseed, keine Fernsteuerungs-Apps der Kamerahersteller). Häufig lassen sich diese aber über die Apps „Petal Search“ oder „App-Suche“ installieren. Diese finden APK-Installationsdateien, die sich dann ohne „Play Store“ herunterladen und installieren lassen.

Sony Xperia 1 II:  das Klassische

Wie schon anfangs verraten ist das Sony Xperia 1 II völlig anders aufgebaut. Fotografen steht die „Foto Pro“-App zur Verfügung, die stark an Sonys normale Kameras angelehnt ist. Sie ist klar gegliedert und kommt ohne Schnickschnack aus. Links lässt sich eines der drei Objektive und ein Belichtungsprogamm wählen (P, S, M und Auto). Eine Stärke ist der Hybrid-Autofokus mit Funktionen wie Augenerkennung für Menschen und Tiere, der ebenfalls an die Alpha-Kameras angelehnt ist. Die Pro-App kann nur die Vorderseitenobjektive ansteuern, sie eignet sich also nicht für Selfies – hierfür muss man in eine andere Kamera-App wechseln, die einen Bokeh-Effekt mit künstlicher Hintergrundunschärfe bietet. Etwas gewöhnungsbedürftig bei der Pro-App ist auch, dass sich das Interface nicht mitdreht, wenn man von Quer- ins Hochformat wechselt. Auslösen kann man in der Pro-App übrigens – wie bei einer ausgewachsenen Kamera – ausschließlich über einen mechanischen Auslöser. Vermisst haben wir einen Raw-Modus, der laut Sony mit einem Update nachgeliefert werden soll. Der Monitor ist extrem hochauflösenden, leider wird das Vorschaubild in der Pro-App viel zu dunkel dargestellt, sodass man das Motiv bei hellen Außenlichtsituationen kaum beurteilen kann.

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Die Pro-App des Sony Xperia 1 II ist den Fotokameras des Herstellers nachempfunden (oben), die Video-App hinterlässt ebenfalls einen professionellen Eindruck (unten).

Screenshots: Andreas Jordan

Für Videos gibt es die eigene „Cinema Pro“-App, die tatsächlich eine professionell anmutende Oberfläche bietet. So stehen verschiedene Stile zur Verfügung, die den professionellen Venice-Videokameras entnommen sind und die Verschlusszeit lässt sich als Umlaufblende in Grad in Abhängigkeit von der Bildfrequenz einstellen. Das hat den Vorteil, dass sich beim Ändern der Framerate die Belichtungszeit automatisch anpasst. So wird bei 24p und einem Verschlusswinkel von 180 Grad, 1/48 s gewählt, schaltet man auf 30p um, stellt die Kamera automatisch 1/60 s ein.

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Beim Ultraweitwinkelobjektiv des Xperia 1 II lässt sich die Verzeichnungskorrektur abschalten (links ohne Verzeichnungskorrektur), recht mit.

Beim Ultraweitwinkelobjektiv des Xperia 1 II lässt sich die Verzeichnungskorrektur abschalten (links ohne Verzeichnungskorrektur, recht mit).

Bilder: Andreas Jordan

Klarheit herrscht bei den verwendeten Objektiven mit Zeiss-Label: Es stehen 16 mm, 24 mm und 70 mm zur Verfügung, wobei das 24 mm-Objektiv den größten Sensor hat (1/1,7 Zoll, also etwas kleiner als der Hauptsensor beim Huawei); alle drei Kameras lösen 12 MP auf. Nur beim Selfie-Objektiv gibt Sony keine KB-äquivalente Brennweite an, diese dürfte aber bei rund 24 mm liegen (Bildwinkel 84 Grad). Bei den 24-mm- und 70-mm-Kameras hat Sony auch einen optischen Bildstabilisator verbaut. Brennweiten zwischen den Festbrennweiten der Objektive und darüber hinaus bis 200 mm werden per Digitalzoom ermittelt.

Bildqualität im Vergleich

Die Bildqualität haben wir im Praxistest miteinander verglichen. Der Vergleich ist komplex, da in beiden Smartphones zusammen insgesamt sieben Kameras zum Einsatz kommen.

Beginnen wir mit dem Superweitwinkel. Wir haben zunächst Aufnahmen bei guten Lichtverhältnissen in den niedrigsten ISO-Stufen gemacht – die lichtstarken Objektive machen das auch aus der Hand möglich. Das Xperia 1 II gibt hier Dateien mit gut 12 MP aus, das Huawei P40 Pro+ mit rund 10 Megapixeln, die allerdings wie oben beschrieben aus 40 Megapixeln berechnet werden – und das sieht man: Die Fotos zeigen deutlich mehr Details und wirken daher schärfer. Sony hingegen versucht den visuellen Eindruck durch eine übertreiben Scharfzeichnung zu verbessern, was zu deutlichen Artefakten (Halos) führt. Der einzige Vorteil von Sony ist, dass hier noch mehr Weitwinkel zur Verfügung steht (16 statt 18 mm).

Beim „normalen“ Weitwinkel liegt die Qualität dichter zusammen: Beide Kameras generieren hier Dateien mit rund 12 Megapixeln, bei Huawei werden diese aber aus 50 Megapixeln generiert, was etwas mehr Details und einen höheren Schärfeeindruck zur Folge hat, als bei der Sony-Kamera, die aber ebenfalls gute Ergebnisse erzielt. Beeindruckend sind die Ergebnisse dem P40 Pro+ im Modus hohe Auflösung: Im unteren ISO-Bereich gelingen hier Aufnahmen, die es mit beim Detailreichtum mit mancher Vollformatkamera aufnehmen können.

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Trotz des kleinen Sensors und der Periskopbauweise des Teleobjektivs gelingen mit dem P40 Pro+ bei gutem Licht scharfe Aufnahmen aus der Hand (269 mm beim Kleinbild, f/4,4, 1/100 s, ISO 100)

Trotz des kleinen Sensors und der Periskopbauweise des Teleobjektivs gelingen mit dem P40 Pro+ bei gutem Licht scharfe Aufnahmen aus der Hand (269 mm beim Kleinbild, f/4,4, 1/100 s, ISO 100)

Bild: Andreas Jordan

Bei den leichten Telebrennweiten ist das Huawei ebenfalls etwas, aber nicht viel detailreicher als das Sony. Insgesamt fällt die Qualität gegenüber der Hauptkamera ab. Beim P40 Pro+ kommt dann noch das starke Tele (240/270 mm) hinzu. Bei guten Lichtverhältnissen lassen sich damit überraschen gute Aufnahmen realisieren. Um eine entsprechende Perspektive beim Sony zu realisieren, muss man stark digital zoomen, was zu einer deutlich schlechteren Qualität als beim Huawei führt.

Die Performance über den ISO-Bereich haben wir primär mit der Hauptkamera verglichen. Schwierigkeiten haben beide Smartphones schon im unteren ISO-Bereich mit sehr feinen Strukturen. Ein aggressiver Rauschfilter sorgt dafür, dass Rauschen selten stört, aber Details mit steigenden ISO-Werten zunehmend verschwinden. Auch hier ist das Huawei deutlich im Vorteil: Während bei Sony der Weichzeichner schon bei ISO 400 heftig zuschlägt, liefert das P40 Pro+ bis ISO 1600 brauchbare Ergebnisse, bei ISO 3200 stürzt die Qualität dann extrem ab. Außerdem muss man sich bei Huawei immer wieder auf Überraschung gefasst machen, die wohl der launigen AI geschuldet sind. So hatten wir zwischenzeitlich eine bei ISO 400 deutlich verrauschte Aufnahme. Ein anderes KI-Phänomen: Aus einem eigentlich grauen Himmel zauberte das P40 Pro+ bei einer Aufnahme einen teils blauen Himmel, in dem es die Wolken bau einfärbte.

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Auch bei höheren ISO-Werten (hier 800) ist das Huawei dem Sony überlegen. Links: Sony, rechts: Huawei (jeweils Ausschnitte der Aufnahmen mit den Weitwinkel-Hauptkamera).

Auch bei höheren ISO-Werten (hier 800) ist das Huawei dem Sony überlegen. Links: Sony, rechts: Huawei (jeweils Ausschnitte der Aufnahmen mit den Weitwinkel-Hauptkameras).

Bilder: Andreas Jordan

Fazit

Bei der Bildqualität liegt Huawei in allen Brennweiten vorne – beim Superweitwinkel sogar deutlich. Wer ein längeres Tele sucht, landet sowieso beim P40 Pro+. Mindestens genauso deutlich fällt der Vorteil des Huawei-Smartphones in den höheren ISO-Stufen aus. Die Hauptkamera des P40 Pro+ erzielt bei guten Lichtverhältnissen in niedrigen ISO-Stufen teilweise hervorragende Ergebnisse, vor allem im Modus „Hohe Auflösung“ bei guten Lichtverhältnissen können die Ergebnisse sogar mit teuren Vollformatkameras mithalten. Zu verdanken ist die einer enormen Software-Optimierung – die Raw-Aufnahmen fallen qualitativ so stark ab, dass man kaum zum Fotografieren im in diesem Modus raten kann. Dabei kann sich die im Hintergrund arbeitende AI auch mal irren, wie einige Ausreißer unter den Testbildern zeigen.

Ein wesentlicher Nachteil gegenüber Kameras mit Zoomobjektiven ist die grobe Abstufung vor allem zwischen der Haupt-Weitwinkelkamera und dem lichten Tele, bzw. bei Huawei dem leichten (81 mm) und langen Tele (270 mm). Zwischenwerte müssen per Digitalzoom mit entsprechenden Qualitätsverlust errechnet werden. Negativ im Vergleich zu einer echten Kamera fällt außerdem vor allem die Handhabung auf. Für kontrollierte und ruhige Aufnahmen aus der Hand fehlt ein Griff. Die Huawei-App ist außerdem recht undurchsichtig, das versucht Sony mit der Pro-App besser zu machen, was aber auch nur teilweise gelingt.

Huawei P40 Pro+ und Sony Xperia 1 II: Technische Daten im Vergleich

 




  Huawei P40 Pro+ Sony Xperia 1 II
Preis ca. 1364 Euro ca. 1200 Euro
Kamera 1 Objektiv 1,8/4,4 mm (18 mm), Crop: 4,1 2,2/2,7 mm (16 mm) (124°), Crop: 5,9
Kamera 1 Bildsensor 1/1,54'' (40 MP)* 1/2,55'' (12 MP), Dual Pixel
Kamera 1 Empfindlickkeit ISO 50-6400 ISO 50-1600
Kamera 2 Objektiv 1,9/6,7 mm (23-27 mm) OIS**, Crop: ca. 4,0 1,7/5,1 mm (24 mm) (82°), Crop: 4,7
Kamera 2 Bildsensor 1/1,28'' (50 MP), RYYB** 1/1,17'' OIS, 12 MP, Dual Pixel 
Kamera 2 Empfindlickkeit ISO 50-6400 ISO 64-3200
Kamera 3 Objektiv 2,4/7,5 mm (80-81 mm) OIS, Crop: 10,7 2,4/7 mm (70 mm) (34°) OIS, Crop: 10
Kamera 3 Bildsensor 8 MP*** 1/3,4'' (12 MP)
Kamera 3 Empfindlickkeit ISO 50-3200 ISO 25-1000
Kamera 4 Objektiv 4,4/28,2 mm (240-269 mm) OIS****, Crop: 9,5
Kamera 4 Bildsensor 8 MP ****
Kamera 4 Empfindlickkeit ISO 50-3200
Selfie/Front-Kamera (Brennweite KB-äquvalent) 2,2/26 mm/ 32 MP 2/ca. 24mm (84°)/ 1,4'' (8 MP)
Video 4K (3840 x 2160 Pixel)/60p, 30p 4K (3840 x 1644 Pixel) HDR/60p, 30p, 25p, 24p, Slowmo: 120 fps
Display 6,58'' (16,7 cm), OLED (2640 x 1200) 6,5'' (16,5 cm), 21:9, 4K HDR OLED (3840 x 2166)
Abmessungen/ Gewicht 158,2 x 72,6 x 9 mm/ 226 g 166 x 72 x 7.9 mm/ 181 g
Besonderheiten Spritzwasserschutz nach IP68 Spritzwasserschutz nach IP65/68, bis zu 20 B/s, AF mit Dual-Pixeln, Eye-AF für Menschen und Tiere
     
  * Pixelbinning: 10 MP  
  ** Pixelbinning: 12,5 MP und 27 mm  
  *** bei JPEG skaliert auf 12,5 MP  
  **** bei JPEG skaliert auf 12,5 MP und auf 269 mm gecroppt  
Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Andreas Jordan
Über den Autor
Andreas Jordan

Andreas Jordan ist Sozialwissenschaftler und Mediendesigner und arbeitet seit 1994 als Redakteur und Autor mit den Schwerpunkten Multimedia, Imaging und Fotografie für verschiedene Fach- und Special-Interest-Magazine (u. a. Screen Multimedia, Computerfoto, MACup) und Tageszeitungen (Hamburger Abendblatt, Berliner Kurier). Seit 2003 ist er Redakteur beim fotoMAGAZIN und leitet dort seit 2007 das Ressort Test & Technik.