Panoramafotografie – So gelingen Ihnen perfekte Panoramen

Fotos (fast) ohne Ende
21.02.2019

Panorama-Aufnahmen brechen Beschränkungen von Seitenverhältnis und Bildwinkel auf. Panorama-Experte Jan Röpenack zeigt Ihnen, welche Arten es gibt und wie hochwertige Bilder entstehen.

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Gleitschirm-Panorama einzeln

Das Aufmacherbild ist ein Panorama aus diesen vier Aufnahmen mit 12 mm Fisheye, Blende 11, 1/125 s. Interaktive Ansicht unter www.pixelmagazin.de/gleitschirm-panorama

© Jan Röpenack

Mit einem Panorama, zu Deutsch „Rundblick, ganzheitliche Ansicht“ lässt sich eine Szenerie umfassend und bei Bedarf auch komplett darstellen. Ist man mit einer herkömmlichen Einzelaufnahme immer auf ein bestimmtes Seitenverhältnis z. B. 2:3 oder 3:4 festgelegt, so lassen sich mit Hilfe der Stitching-Technik nicht nur beliebige Seitenverhältnisse realisieren, auch Bildwinkelbeschränkungen können geschickt umgangen werden. Es besteht quasi keine Notwendigkeit mehr, einen Sack voller Linsen mitzuführen, man beginnt an der Stelle zu fotografieren, an der das Motiv anfängt, und hört dort auf, wo es endet. Fotografen, die Panoramen auf diese Weise erstellen, passen also Seitenverhältnis und Bildwinkel dem Motiv an und haben so gestalterisch weit aus mehr Möglichkeiten als deren Kollegen, die „nur“ Einzelbilder aufnehmen. Hinzu kommt, dass beim Panorama die Auflösung mit jeder gemachten Teilaufnahme steigt; qualitativ bewegt sich der Pano­ramafotograf also auf höchstem Niveau ohne in teure Kameratechnik investieren zu müssen.

Panoramen werden meist nach ihrem Bildwinkel (360°- oder Teilpanoramen) und Projektionsart klassifiziert. Bei letzterem unterscheidet man hauptsächlich zwischen Flächen-, Zylinder-, Kugel- und Würfelprojektion. Auch exotische Projektionen wie die Darstellung als „Little Planet“ sind möglich. Der Wechsel zwischen den Projektionsarten ist eine reine Software-Angelegenheit und findet später am Rechner mit nur wenigen Mausklicks statt. Sie können also mit den gleichen Teilaufnahmen Panoramen in verschiedenen Projektionen erzeugen und sich am Computer für diejenige entscheiden, die gerade am besten passt.

1. Zylinderpanorama – ideal für große Bildwinkel

Die gebräuchlichste Projektionsart, die Zylinderprojektion, hat den Vorteil, dass sich auch große horizontale Bildwinkel bis 360° darstellen lassen. Stellen Sie sich vor, Sie stehen in der Mitte eines Zylinders und betrachten dessen Oberfläche von innen. Stellt man ein Zylinderpano­rama auf einer ebenen Fläche, zum Beispiel als Ausdruck dar, erscheinen waagerechte Linien, mit Ausnahme des Horizonts, gebogen, und das um so stärker, je weiter sie vom Horizont entfernt sind. Deutlich wird dies bei größeren Bildwinkeln, im Bild gut erkennbar an den Dächern der Häuser.

2. Flächenpanorama – die gewohnte Perspektive

Bei kleineren Bildwinkeln kommt als Alternative die Flächenprojektion in Betracht, da es hier zu keinerlei Durchbiegung von Linien kommt. Bei dieser Darstellungsart wird ein Weitwinkel- bzw. Superweitwinkelobjektiv an einer „normalen“ Kamera digital simuliert. Bei sehr großen Bildwinkeln kommt es allerdings zu Verzerrungen von Objekten am Bildrand, dem „Superweitwinkeleffekt“. Dies ist kein Bildfehler, sondern entspricht der natürlichen Abbildung. Bei der Flächenprojektion sind nur Bildwinkel kleiner als 180° darstellbar, weil sich auf einer ebenen Fläche nur das abbilden lässt, was sich davor, nicht aber, was sich dahinter oder daneben befindet.

3. Kugelpanorama – für den gesamten Raum

Für Panoramen, die den kompletten Raum 360° x 180° abbilden, kommen Kugel- oder Würfelprojektionen in Frage. Diese Panoramen werden weniger für den Print als vielmehr für die Präsentation im Internet erzeugt. Hier werden Sie meist mit Hilfe von Flash- oder HTML5-Playern in die Website eingebunden. Der Betrachter kann sich so interaktiv im Panorama bewegen, wobei er nur einen Ausschnitt in der für ihn gewohnten Flächenprojektion sieht.

 

  • Stitchen – das Zusammennähen von Einzelbildern
  • Bei der Stitching-Technik werden mehrere Bilder hintereinander aufgenommen, wobei die Kamera jeweils um einen bestimmten Winkel, der Schrittweite, gedreht wird. Die einzelnen Aufnahmen werden später mit einer Stitchingsoftware, z. B. PanoramaStudio, PTGui oder Autopano, zu einer Gesamtaufnahme, dem fertigen Panorama zusammengesetzt, also „gestitched“. Damit dies funktioniert, sollten sich die Einzelbilder um etwa 30 % überlappen. Empfehlungen bezüglich Verdrehwinkel in Abhängigkeit von der verwendeten Brennweite finden Sie weiter hinten im Workshop und in den Anleitungen der Panoramaköpfe aller namhafter Hersteller.

 

 

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Über den Autor
fotoMAGAZIN

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