EOS R100 im Test: Wie gut ist Canons Einsteigerkamera?

Lediglich 700 Euro mit Kitobjektiv ruft Canon für das neue Einsteigermodell EOS R100 mit 24-Megapixel-Sensor auf. Was kann der Fotograf für den Preis erwarten?

Farbiges Porträt von Andreas Jordan vor neutralem Hintergrund

Andreas Jordan

Andreas Jordan leitet das Technik-Ressort beim fotoMAGAZIN.

Die EOS R100 ist mit einem CMOS-Sensor im APS-C-Format ausgestattet, der 24,1 Megapixel auflöst. Das große RF-Bajonett erlaubt auch den Anschluss von Vollformat-Objektiven.
sehr gut

Fazit
Die EOS R100 reicht nach unserer Wertung knapp die Gesamtnote „Sehr gut“. Die Bildqualität liegt für eine APS-C-Kamera mit 24 Megapixeln auf einem sehr guten Niveau. Bei der Geschwindigkeit macht sich der niedrige Preis schon eher bemerkbar. Mit 3,3 Bilder/s mit AF-Nachführung ist die EOS R100 sicher keine Sportkamera, dafür hält sie die Serien aber lange durch – dank effektiver Komprimierung auch mit C-Raws. Am schmerzlichsten macht sich der Rotstift bei der Ausstattung bemerkbar. Hier ist der Abstand zu EOS R50 am größten.

Preis (Liste/Straße):
mit RF-S 18-45 mm: ca. 700 Euro/ ca. 700 Euro

Testergebnisse

  • Bildqualität (60%) 82.2%
  • Geschwindigkeit (20%) 80.0%
  • Ausstattung u. Bedienung (20%) 74.3%
  • GESAMT 80.2%

Die meisten Kameraneuheiten war in den vergangenen Monaten im gehobenen Preissegment angesiedelt. Beginnend mit der APS-C-Mittelklasse für 1400 Euro (siehe den Test der Fujifilm X-S20 in fM 8/23) bis zur professionellen Vollformat-Oberklasse wie der Nikon Z8 für 4600 Euro (Test in fM 7/23) sind starke Kameras auf den Markt gekommen, die aber nicht für jeden Geldbeutel geeignet sind. Canon wagt sich mit der neuen EOS R100 nun in ein deutlich niedrigeres Preissegment vor: Mit Kitobjektiv gibt es die APS-C-Kamera für ca. 700 Euro.

Die EOS R100 ist die kleine Schwester der EOS R50

Die neue EOS ähnelt auf den ersten Blick stark dem ersten rund ein halbes Jahr alten Schwestermodell EOS R50, das ohne Objektive bei Redaktionsschluss beim Elektro-Discounter für ca. 750 Euro im Angebot war. Beide Kameras lösen 24 Megapixel auf, sind klein und leicht und haben ein sehr ähnliches Tasten-Layout. Dazu gehören eine Einstellrad auf der Oberseite und eine Viererwippe, die in der Mitte die Set/Q-Taste beherbergt, mit der sich das Kurzmenü aufrufen lässt.

Kleiner Unterschied: Die EOS R50 hat auf der Oberseite eine eigene ISO-Taste, diese befindet sich bei der EOS R100 auf der Viererwippe und ersetzt dort die AF/MF-Taste. Der deutlich größere Unterschied zeigt sich beim Monitor. Während dieser bei der EOS R50 beweglich ist und eine Touch-Bedienung erlaubt, ist er bei der EOS R100 fest verbaut und nicht berührungssensitiv. Wer eine Touchscreen-Bedienung vom Smartphone oder anderen Kameras gewöhnt ist, muss sich also umstellen. Da Canon auch keinen AF-Joystick integriert hat, erweist sich vor allem das Verschieben des AF-Messfeldes als wenig intuitiv und erfordert drei Bedienschritte (AF-Messfeld-Taste drücken, mit Set-Taste bestätigen und Messfeld über das Steuerkreuz verschieben); nach jedem Auslösen müssen die Schritte wiederholt werden, wenn das Messfeld verlagert werden soll, da das Steuerkreuz dann wieder die gewohnten Funktionen hat (ISO, Blitz, Serienbilder, Belichtungskorrektur).

Ungewöhnlich: Der Monitor der EOS R100 lässt sich nicht ausklappen.

Ungewöhnlich: Der Monitor der EOS R100 lässt sich nicht ausklappen.

Bild: Canon

Autofokus mit Gesichts- und Augenerkennung

Vermutlich dürften sich die meisten Anwender daher lieber auf die AF-Motivautomatik verlassen, die Gesichter und Augen erkennt. Eine in teureren Kameras übliche Erkennung weiterer Motive wie Tiere oder Fahrzeuge gibt es – anders als bei der EOS R50 – nicht. Der starre Monitor erschwert natürlich auch Selbstaufnahmen – für Vlogger dürfte die EOS R100 damit nicht die erste Wahl sein. Umgehen lässt sich das Problem allerdings mit Hilfe der Vorschau in der per Wi-Fi verbundenen Smartphone-App „Camera Connect“, mit sich die Kamera auch auslösen lässt. Per Wi-Fi kann die App außerdem automatisch Bilder von der Kamera auf das Smartphone übertragen. Den elektronischen Sucher hat Canon von der EOS R50 übernommen. Er ist nicht sonderlich groß, hat mit 2,36 Millionen Punkten aber eine für diese Größe gute Auflösung; die Bildwiederholrate liegt bei 60 fps.

Der EOS R100 hat einen relativ kleinen Griff, liegt aber trotzdem gut in der Hand.

Der EOS R100 hat einen relativ kleinen Griff, liegt aber trotzdem gut in der Hand.

Bild: Canon

Die weitere Ausstattung der EOS R100 ist bescheiden

Funktionen wie einen Bildstabilisator im Gehäuse gibt es bei den APS-C-Kameras von Canon, Nikon und Sony in dieser Preisklasse nicht (anders als bei den meisten MFT-Modellen von Olympus und Panasonic). Auch auf den einsteigerfreundlichen Panorama-Modus, den die EOS R50 mitbringt, hat Canon hier verzichtet. Bei beiden Canon-Modellen fehlt die gerade für Einsteiger wichtige Sensorreinigung. Immerhin hat Canon einen HDR- und einen Lautlos-Modus (mit elektronischem Verschluss) integriert, beides allerdings nur als vollautomatische Szenenprogramme, womit sie sich der manuellen Steuerung entziehen.

Eine weitere fotografische Spezial-Funktionen ist der Szenenmodus „Nacht-Multishot“, in dem zur Verbesserung der Qualität vier Aufnahmen kombiniert werden. Auch auf einen in die Kamera integrierten Raw-Konverter verzichtet die EOS R100. Eine einfach Bildbearbeitung ist aber mit JPEGs möglich: Diese lassen sich nach der Aufnahme beschneiden und mit Kreativ-Filtern wie Gemälde, Miniatur oder SW-Körnigkeit modifizierten. Anschlüsse gibt es für USB, HDMI, Mikrofon und Fernauslöser.

Die EOS R100 bringt einen Mikrofon- und einen Fernauslöseranschluss mit.

Die EOS R100 bringt einen Mikrofon- und einen Fernauslöseranschluss mit.

Bild: Canon

4K-Videomodus

Die EOS R100 nimmt 4K-Video mit bis zu 24 p (Pal) bzw. 30p (NTSC) auf, allerdings nur mit Kontrast-Autofokus und einem Crop, der den Bildwinkel in Richtung Tele verschiebt – genutzt werden dabei 64 % der Sensorfläche. Full-HD mit 60p ist ohne Crop möglich. Zeitlupen ohne Crop gelingen in HD (1280 x 720 Pixel) mit bis zu 120p. Während der Videoaufzeichnung steht ein digitaler Bildstabilisator zur Verfügung, um die Aufnahme zu beruhigen, der naturgemäß das Bildfeld beschneidet.

Im Modus Zeitraffer-Movie kann die EOS R100 bis zu 900 Aufnahmen in Abständen von ein bis vier Sekunden machen und diese zu einem 4K-Video zusammensetzen. Intervallaufnahmen mit Standbildern sind nicht möglich. Eine Canon-Besonderheit ist der direkt über das Programmrad zugängliche Modus „Hybrid-Auto“, alias Filmtagebuch. Hierbei werden Kurzclips (2 bis 4 Sekunden) automatisch mit einem Standbild kombiniert. Die Qualität ist mit 720p (1280 x 720 Pixel) recht bescheiden.

So schnell ist die EOS R100

Mit Einzel-AF nimmt die EOS R100 6,4 Bilder/s auf und das für rund 130 JPEGs, 23 komprimierte C-Raws und 10 normale Raws in Folge. Das sind sehr ordentlich Werte. Anders sieht ist mit AF-Nachführung aus (bei Canon Servo-AF genannt). Hier sinkt die Geschwindigkeit auf bescheidene 3,3 Bilder/s. Immerhin sind dann auch sehr lange C-Raw-Serien möglich (in unserem Test mit einer schnellen SD-Karte mehr als 300).

EOS R100 mit Kitobjektiv RF-S 18-45mm IS STM.

EOS R100 mit Kitobjektiv RF-S 18-45mm IS STM. Einen Blitz hat Canon eingebaut.

Bild: Canon

Bildqualität

Im Testlabor haben wir die EOS R100 mit dem Referenzobjektiv RF 1,2/50 mm L USM im JPEG-Modus getestet (zum Testverfahren). Dabei erreicht die Kamera bis ISO 800 hervorragende Wirkungsgrade von 100 %, die bei ISO 1600 auf immer noch sehr gute 97,3 % sinken. Danach sinkt die Auflösung deutlich: auf 81,11 % bei ISO 3200, 74,12 % bei ISO 6400 und 65,88 % bei ISO 12.800.

Das Bildrauschen ist in den unteren ISO-Stufen sehr niedrig und steigt dann langsam an, bleibt aber bis ISO 3200 moderat. Erst ab ISO 6400 steigt es über die kritische Marke von 4 (ISO 6400: 4,3, ISO 12.800: 5,6, ISO 25.600: 7,3). Ähnlich sieht es beim Dynamikumfang aus, der mit 9,0 Blendenstufen im bei ISO 100 für eine APS-C-Kamera sehr gut ist und dann langsam sinkt; bei ISO 1600 auf 8,4 Blendenstufen und ab ISO 6400 unter 8 Blendenstufen (ISO 6400: 7,8, ISO 12.800: 7,4, ISO 25.600: 6,5).

Das kostet die EOS R100

Die EOS R100 ist im Kit mit dem RF-S 4,5-6,3/18-45 mm IS STM für ca. 700 Euro erhältlich. Für rund 930 Euro gibt es das Double-Zoom-Kit mit RF-S 18-45mm IS STM und RF-S 5-7,1/55-210 mm IS STM.

Fazit

Die EOS R100 reicht nach unserer Wertung knapp die Gesamtnote „Sehr gut“. Die Bildqualität liegt für eine APS-C-Kamera mit 24 Megapixeln auf einem sehr guten Niveau. Bei der Geschwindigkeit macht sich der niedrige Preis schon eher bemerkbar. Mit 3,3 Bilder/s mit AF-Nachführung ist die EOS R100 sicher keine Sportkamera, dafür hält sie die Serien aber lange durch – dank effektiver Komprimierung auch mit C-Raws. Am schmerzlichsten macht sich der Rotstift bei der Ausstattung bemerkbar. Hier ist der Abstand zu EOS R50 am größten. Da diese bei Redaktionsschluss bei manchen Händlern nur 50 Euro mehr kostet, würden wir sie aktuell eher empfehlen.

Canon EOS R100: Bilder aus dem Praxistest

Canon EOS R100: technische Daten und Testergebnisse

KameraCanon EOS R100
Preis (Liste/ Straße)mit RF-S 18-45 mm:
ca. 700 Euro/ ca. 700 Euro
Sensor: Art/ Abmessungen/
Auflösung/ Pixelpitch
CMOS/ 22,3 x 14,9 mm/
24,2 MP/ 3,7 µm
Bajonett/ Crop-FaktorRF/ 1,6
AutofokusDual Pixel CMOS AF II,
4503 AF-Positionen
IBIS/ Pixelshift/ Sensorreinigung/
WLAN
nein/ nein/ nein/ ja
BlitzAusklappblitz (LZ 6)/
Blitzschuh/ Synchronzeit: 1/250 s
Belichtungszeiten1/4000 - 30 s, Bulb
EmpfindlichkeitISO 100 - 12.800,
erweiterbar (25.600)
Video: max. Auflösung/
max. Bildrate
3840 x 2160/ 25p/ 1920 x 1080/
60p, H.264
SucherOLED (2,36 MP)/
Bildfeld: 100 %/
Vergrößerung: 0,59x (KB-äquivalent)
Monitor: Diagonale/ Auflösung7,5 cm/ 1,04 MP
Speicher1 x SD, UHS-I
Akkuleistung nach CIPA340 (Sucher),
430 (Monitor) Aufnahmen
SchnittstellenUSB 2.0 (Typ C),
HDMI (Typ D), Mikrofon
Abmessungen (B x H x T)/
Gewicht (mit Akku)
116,3 x 85,5 x 68,8 mm/ 356 g
Geschwindigkeitmit Sony UHS-II (300 MB/s)
Serienbilder pro Sekunde6,4, mit Servo-AF: 3,3
Serienbilder in Folge6,4 B/s: JPEG: 130,
C-Raw: 23, Raw: 10; 3,3 B/s:
JPEG und C-Raw: >300, Raw: 16
Bildqualität (JPEG) – Referenzobjektivmit RF 1,2/50 mm L USM
Auflösung (ISO 100/ 200/ 400/
800/ 1600/ 3200/ 6400) 1
24,2/ 24,2/ 24,2/ 24,2/ 22,7/ 16,2/ 13,2
effektive MP
Bildrauschen (ISO 100/ 200/ 400/
800/ 1600/ 3200/ 6400) 3
1,6/ 1,7/ 1,9/ 2,2/ 2,8/ 3,1/ 4,3
Rauschintensität
Belichtungsumfang
(Eingangsdynamik: ISO 100/
200/ 400/ 800/ 1600/ 3200/
6400) 1
9,0/ 8,9/ 8,9/ 8,8/ 8,4/ 8,3/ 7,8
Blendenstufen
Artefaktnote/
Scharfzeichnungsnote 2
4,5/ 2,0
Bewertung
Bildqualität (60%)82,17%
Geschwindigkeit (20%)80%
Ausstattung und
Bedienung (20%)
74,29%
Gesamtwertung80,2%
1 Höhere Werte sind besser.
2 Schulnoten von 1 bis 6.
3 Niedrigere Werte sind besser.
NoteSehr gut

Labormessungen: Anders Uschold

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