Jamel Shabazz, Rolling Partners, Downtown, Brooklyn, NYC, 1982
© Jamel ShabazzAm 2. September 2026 eröffnet die Deutsche Börse Photography Foundation in The Cube in Eschborn die Ausstellung „Jamel Shabazz. New York Vibes“. Mehr als 60 Fotografien zeichnen nach, wie der 1960 geborene US-Amerikaner seit Beginn der 1980er Jahre vor allem das Leben Schwarzer Communities in New York festhielt. Seine Bilder verbinden Alltag, Mode und die aufkommende Hip-Hop-Kultur mit gesellschaftlichen Themen wie sozialer Ungleichheit und dem amerikanischen Strafvollzug. Bis zum 17. Januar 2027 ist die Schau gemeinsam mit der Ausstellung zum Deutsche Börse Photography Foundation Prize 2026 zu sehen.
Was zeigt „Jamel Shabazz. New York Vibes“?
Im Mittelpunkt von „New York Vibes“ stehen Shabazz’ Begegnungen mit Menschen in Manhattan, Brooklyn und der Bronx. Straßen, Parks und U-Bahnhöfe wurden für ihn zu Orten, an denen Porträts entstanden, die heute zugleich als Dokumente ihrer Zeit und als selbstbewusste Inszenierungen einer jungen Generation gelesen werden können.
Shabazz fotografierte keine unbekannte Welt von außen. Er bewegte sich innerhalb der sozialen Umgebung, die er dokumentierte. Gerade diese Nähe prägt viele seiner Aufnahmen: Frauen, Männer und Kinder wenden sich direkt der Kamera zu, präsentieren ihre Kleidung, ihre Haltung und ihren Stil. So entstanden Bilder von Gemeinschaft und urbaner Kultur, die weit über klassische Straßenfotografie hinausgehen.
Wie dokumentiert Jamel Shabazz das New York der 1980er Jahre?
Nach ersten fotografischen Erfahrungen als Jugendlicher begann Jamel Shabazz nach seiner Rückkehr von einem dreijährigen Militärdienst in Deutschland ab 1980 systematisch das Leben in seiner Heimatstadt festzuhalten. Seine Kamera richtete er auf Freunde, Passanten und Nachbarschaften – und damit auf eine Zeit, in der sich die Hip-Hop-Kultur entwickelte und neue Formen von Musik, Mode und Selbstdarstellung den öffentlichen Raum prägten.
Die Bilder zeigen jedoch nicht nur jugendliche Energie. Shabazz arbeitete zugleich vor dem Hintergrund einer Stadt, die mit wirtschaftlichem Niedergang, rassistischer Benachteiligung, der Crack-Krise und steigenden Inhaftierungszahlen konfrontiert war. Die Ausstellung verbindet deshalb Lebensfreude und Zugehörigkeit mit den sozialen Konflikten jener Jahre.
Warum spielen Gefängnisse im Werk von Jamel Shabazz eine Rolle?
Einen deutlich anderen Ton schlagen Shabazz’ Fotografien aus dem Umfeld des Strafvollzugs an. Mehr als zwei Jahrzehnte arbeitete er für das New York City Department of Correction und unter anderem auf Rikers Island. Dadurch kannte er die Bedingungen des amerikanischen Gefängnissystems aus unmittelbarer Anschauung.
Während die Straßenbilder Freiheit und Gemeinschaft vermitteln, führen diese Arbeiten soziale Ausgrenzung und die Folgen struktureller Ungleichheit vor Augen. Shabazz richtet die Kamera auch hier auf einzelne Menschen und ihre Lebensgeschichten. Die Gegenüberstellung beider Werkgruppen erweitert „New York Vibes“ damit um eine gesellschaftspolitische Dimension.
Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit der Galerie Bene Taschen. Kuratiert wurde sie von Anne-Marie Beckmann, Direktorin der Deutsche Börse Photography Foundation. Seit 2021 befinden sich neun Werke von Jamel Shabazz in der Art Collection Deutsche Börse.
Welche Filme begleiten „New York Vibes“?
Ergänzt wird die Ausstellung durch die Filmreihe „New York Vibes on screen“, die die Deutsche Börse Photography Foundation gemeinsam mit den Arthouse Kinos Frankfurt veranstaltet. Das Programm greift die kulturellen und gesellschaftlichen Themen der Fotografien auf und richtet den Blick ebenfalls auf das New York der 1980er und 1990er Jahre.
Gezeigt werden „Do the Right Thing“ von Spike Lee am 5. Oktober, „Beat Street“ von Stan Lathan am 3. November und „Clockers“ von Spike Lee am 1. Dezember 2026. Für den 30. November ist außerdem ein nicht vorab genannter Film innerhalb des Formats „Milestones“ angekündigt. Jede Vorstellung beginnt mit einer Einführung.
Wer ist für den Deutsche Börse Photography Foundation Prize 2026 nominiert?
Zeitgleich mit der Shabazz-Retrospektive zeigt The Cube die Ausstellung zum Deutsche Börse Photography Foundation Prize 2026. Vertreten sind die vier Finalistinnen Jane Evelyn Atwood, Weronika Gęsicka, Amak Mahmoodian und Rene Matić. Matić wurde im Mai 2026 in der Photographers’ Gallery in London als Gewinnerin des mit 30.000 Pfund dotierten Preises bekannt gegeben.
Die vier Positionen beschäftigen sich mit sehr unterschiedlichen gesellschaftlichen und fotografischen Fragen. Jane Evelyn Atwood dokumentierte über mehr als zehn Jahre das Leben inhaftierter Frauen in Europa und den USA. Rene Matić verbindet Beobachtungen aus dem Alltag mit persönlichen Einblicken in die eigene Community und thematisiert Zugehörigkeit, Klasse, Subkultur und Identität aus einer queeren, nichtweißen Perspektive.
Amak Mahmoodian beschäftigt sich mit Erfahrungen von Menschen im Exil und kombiniert Fotografie mit Zeichnung und Poesie. Weronika Gęsicka arbeitet dagegen mit Stockfotografie sowie KI-generiertem Bildmaterial und untersucht, wie sich historische Falschinformationen verbreiten und wie belastbar unsere Wissenssysteme sind. Kuratiert wurde die Ausstellung von Julia Bunnemann von der Photographers’ Gallery.
Was ist der Deutsche Börse Photography Foundation Prize 2026?
Der Preis geht auf eine 1996 von der Photographers’ Gallery gegründete Auszeichnung zurück und wird seit 2005 gemeinsam mit der Deutsche Börse Group vergeben. Seit 2016 trägt er den heutigen Namen. Ausgezeichnet werden fotografische Projekte, die innerhalb der vorhergehenden zwölf Monate einen bedeutenden Beitrag zur zeitgenössischen Fotografie geleistet haben.
Mehr als 100 internationale Fotografie-Expertinnen schlagen dafür jährlich Ausstellungen und Publikationen aus Europa vor. Aus diesen Empfehlungen bestimmt eine wechselnde Jury vier Finalistinnen. Der Deutsche Börse Photography Foundation Prize gehört damit zu den etablierten internationalen Auszeichnungen für zeitgenössische Fotografie.
Wann kann man die Ausstellungen in Eschborn besuchen?
„Jamel Shabazz. New York Vibes“ und der „Deutsche Börse Photography Foundation Prize 2026“ laufen vom 2. September 2026 bis zum 17. Januar 2027 in The Cube, Mergenthalerallee 61, in Eschborn. Der Eintritt ist frei.
Besuche sind unter anderem während der Frankfurt Art Experience am 5. September, bei regulären Führungen sowie an den „Open Saturdays“ am 31. Oktober 2026 und 16. Januar 2027 jeweils von 11 bis 16 Uhr möglich. Für Gruppen mit bis zu 25 Personen können zudem individuelle Termine vereinbart werden.
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