Das Light Lens Lab 35mm f/2 Apochromatic ist für Leica M unter anderem in Schwarz und als limitierte titan-graue Variante (l.) erhältlich.
© Light Lens LabDer in Shangrao in China ansässige Hersteller Light Lens Lab hat am 9. August 2026 das 35mm f/2 Apochromatic für den M-Mount zur Vorbestellung freigegeben. Die manuell fokussierende Vollformat-Festbrennweite ist das erste Modell einer neuen Apochromatic- und High-Performance-Serie. Mit einer eigenständig entwickelten optischen Rechnung, aufwendiger Farbkorrektur und einem Floating-System will Light Lens Lab künftig stärker auf moderne Abbildungsleistung statt auf die Neuinterpretation historischer Objektivklassiker setzen.
Wer steckt hinter Light Lens Lab?
Light Lens Lab ist noch ein vergleichsweise junger Name im Objektivmarkt. Mr. Zhou gründete das Unternehmen 2018 im chinesischen Shangrao. Dort beschäftigt sich Light Lens Lab mit der Entwicklung und Fertigung fotografischer Optiken und produziert Objektive in vergleichsweise kleinen Serien.
Bekannt wurde die Marke vor allem mit Neuinterpretationen historischer Konstruktionen. Dazu gehören etwa das 35mm f/2 „Eight Element“ sowie verschiedene 50-mm-Objektive. Bei diesen Modellen versucht Light Lens Lab, nicht nur die optische Rechnung, sondern teilweise auch Materialien und Herstellungsverfahren historischer Vorbilder möglichst genau nachzubilden. Die Objektive werden laut Hersteller von Hand montiert.
Auch das 50mm f/1.5 Z21 orientiert sich an einem klassischen Vorbild. Mit neueren Modellen begann Light Lens Lab jedoch bereits, sich von reinen Reproduktionen zu lösen. Das 35mm f/2 Apochromatic macht diesen Schritt nun zum Programm: Die Konstruktion wurde eigenständig entwickelt und bildet den Auftakt einer ganzen Objektivfamilie.
Was zeichnet das 35mm f/2 Apochromatic optisch aus?
Das Light Lens Lab 35mm f/2 Apochromatic besteht aus elf Linsen in sechs Gruppen. Vier Elemente besitzen asphärische Oberflächen. Hinzu kommen Gläser mit besonders niedriger sowie anomaler Teildispersion. Diese Kombination soll chromatische Aberrationen und damit störende Farbsäume reduzieren.
Eine beweglich gelagerte Linsengruppe passt die optische Konfiguration beim Fokussieren an. Das sogenannte Floating-System soll die Abbildungsleistung über den gesamten Entfernungsbereich stabilisieren und ermöglicht eine Naheinstellgrenze von 30 Zentimetern. Eine neu entwickelte Mehrschichtvergütung soll zudem Reflexe und Geisterbilder bei Gegenlicht verringern.
Bei offener Blende f/2 verspricht Light Lens Lab eine hohe Schärfe, geringe Verzeichnung und gleichmäßige Übergänge in unscharfen Bildbereichen. Wie gut die neue Konstruktion diese Ansprüche in der Praxis erfüllt, muss allerdings ein Test zeigen.
Für welche Kameras ist das Light Lens Lab 35mm f/2 gedacht?
Das Objektiv besitzt ein M-Bajonett und leuchtet das Kleinbildformat von 36 x 24 Millimetern aus. Scharfgestellt wird ausschließlich manuell. Die Blende lässt sich zwischen f/2 und f/16 einstellen und besitzt elf Lamellen sowie Rastungen in halben Stufen.
Damit richtet sich das 35mm f/2 Apochromatic vor allem an Fotografen mit Leica-M-Kameras und anderen Kamerasystemen, an denen sich M-Mount-Objektive verwenden lassen. Mit seiner klassischen 35-mm-Brennweite eignet es sich grundsätzlich unter anderem für Reportage-, Reise- und Streetfotografie.
Wie groß und schwer ist das 35mm f/2 Apochromatic?
Trotz des aufwendigen optischen Aufbaus bleibt die Festbrennweite kompakt. Ohne Gegenlichtblende misst das Objektiv rund 40,9 Millimeter in der Länge und etwa 53 Millimeter im Durchmesser. Filter werden über ein E39-Gewinde befestigt.
Beim Gewicht unterscheiden sich die Gehäusevarianten. Die Aluminiumversion bringt zusammen mit der Gegenlichtblende etwa 327 Gramm auf die Waage, die Ausführung aus Titanlegierung rund 360 Gramm. Im Fokussiermechanismus setzt Light Lens Lab kleine Lager ein, die eine präzise und gleichmäßige Bedienung ermöglichen sollen.
Was kostet das Light Lens Lab 35mm f/2 Apochromatic?
Light Lens Lab bietet das Objektiv zunächst in Schwarzlack und Silberchrom sowie als limitierte Ausführung in Titangrau an. Schwarz und Silber kosten jeweils 2.099 US-Dollar, die Titanversion 2.399 US-Dollar. Bei den Herstellerpreisen kommen je nach Bestimmungsland Steuern, Einfuhrabgaben und Versand hinzu. Ein offizieller Euro-Preis ist noch nicht bekannt.
Besonders knapp ist die Titanversion. Sie kann nur noch bis zum 10. September 2026 vorbestellt werden und ist auf maximal 998 Exemplare weltweit begrenzt. Zum Lieferumfang gehört bei dieser Ausführung unter anderem eine magnetisch befestigte E39-Gegenlichtblende.
Für die ersten titangrauen Objektive nennt Light Lens Lab den 30. September 2026 als geplanten Start der Auslieferung; weitere Exemplare sollen bis November folgen. Schwarzlack- und Silberchrom-Versionen sollen zwischen August 2026 und Januar 2027 ausgeliefert werden.
Wie geht es mit der High-Performance-Serie weiter?
Das 35mm f/2 Apochromatic soll kein Einzelprojekt bleiben. Light Lens Lab plant weitere apochromatisch korrigierte Festbrennweiten mit jeweils eigenständig entwickelten optischen Rechnungen. Als nächstes Modell kündigt der Hersteller für 2027 ein neu konstruiertes 50-mm-Objektiv an; weitere Brennweiten sollen folgen.
Damit verändert Light Lens Lab sein bisheriges Profil deutlich. Die Reproduktionen historischer Objektive bleiben ein wichtiger Teil der noch jungen Markengeschichte, mit der High-Performance-Serie tritt jedoch erstmals die eigene optische Entwicklungsarbeit klar in den Vordergrund. Das 35mm f/2 Apochromatic ist deshalb mehr als eine weitere M-Mount-Festbrennweite: Es markiert den Versuch, Light Lens Lab als eigenständigen Objektiventwickler zu etablieren.
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