Um diesen Kauz zu fotografieren, hat Julius Kramer die mittenbetonte Lichtmessung der Kamera genutzt.
© Julius KramerKälte, kurze Tage und grauer Himmel treiben viele Menschen rund um den Jahreswechsel ins Warme. Für Fotografen eröffnet gerade diese Jahreszeit jedoch besondere Chancen: Schnee, Dunst und tief stehendes Licht schaffen eine Bildsprache, die Wildlife-Fotografie im Winter einzigartig macht. Wer gut vorbereitet ist, kann auch in Deutschland eindrucksvolle Tiermotive entdecken. Dieser Artikel zeigt, wie sich winterliche Fototouren planen lassen, welche Ausrüstung sinnvoll ist und worauf es draußen wirklich ankommt. Unterstützt werden wir dabei von Naturfotograf Julius Kramer, der Tiere ganzjährig fotografiert und seine Erfahrung auch in Workshops weitergibt.
Seit 2015 fotografiert Julius Kramer Luchse im Bayerischen Wald: Er dokumentiert nicht nur die Schönheit dieser Tiere, sondern auch den fragilen Weg ihrer Rückkehr.
© Julius KramerWinterspots in Deutschland
Welche Tiere lassen sich in Deutschland im Winter fotografieren – und wo? Julius Kramer empfiehlt vor allem drei Regionen. Der Bayerische Wald bietet mit seinen Tierfreigeländen seltene und zugleich gut zugängliche Motive wie Luchs, Wolf oder Elch. In Norddeutschland ist die Hochseeinsel Helgoland ein Hotspot für Wildlife-Fotografie im Winter: Auf der Düne lassen sich Kegelrobben während der Wurfzeit aus nächster Nähe und in natürlichen Interaktionen beobachten. Ein drittes Ziel ist der Niederrhein, wo im morgendlichen Dunst arktische Gänse rasten und nahezu surreale Stimmungen entstehen.
Weitere lohnende Regionen sind der Alpenraum mit Gämsen und Rehen sowie der Harz, wo Füchse oder Kolkraben vor winterlicher Kulisse fotografiert werden können. Wer keine weiten Strecken zurücklegen möchte, findet Alternativen in Wildtierparks, etwa in Poing, Bad Mergentheim, am Edersee oder bei Hamburg. Selbst der eigene Garten oder angrenzende Wälder können im Winter spannende Motive bieten – von Meisen und Spechten bis hin zu Eichhörnchen oder Füchsen.
Wann und wo entstehen die besten Wildlife-Fotos im Winter?
Am Spot angekommen, entscheidet zunächst der Standort über das Bild. Für Julius Kramer steht dabei das Tierwohl an erster Stelle: Gute Fotospots erlauben stressfreie Aufnahmen und bieten zugleich eine spannende Umgebung. Strukturreiche Landschaften erhöhen die Chance auf starke Bilder deutlich.
Ebenso wichtig ist die Uhrzeit. Die besten Lichtstimmungen entstehen frühmorgens und am späten Nachmittag, wenn die Sonne flach steht und weiche Farben erzeugt. Viele Tiere ruhen dagegen zwischen 11 und 15 Uhr, um Energie zu sparen. In dieser Zeit sind Begegnungen seltener. Bei bedecktem Himmel wiederum entstehen besonders gleichmäßige Lichtverhältnisse – ideal für Waldaufnahmen ohne harte Kontraste.
Kameras und Objektive für die Wildlife-Fotografie im Winter
Für scheue Tiere sind lange Brennweiten unverzichtbar. Julius Kramer bringt es auf den Punkt: Wichtiger als der Kamerabody sind die Objektive. Mindestens 200 Millimeter Brennweite gelten als Pflicht, 500 Millimeter oder mehr sind ideal. Er selbst arbeitet mit einer Nikon D850 und einer Nikon Z8 sowie Teleobjektiven mit 500 Millimetern und Zooms bis 600 Millimeter.
Obwohl mit einem 500-mm-Objektiv fotografiert, hat Julius Kramer noch ausreichend Platz um den Wolf herum gelassen, um ihn in seiner Umgebung zu zeigen. Das Ergebnis ist ein starkes Foto mit einer harmonischen Gestaltung.
© Julius KramerAmbitionierte Amateure greifen häufig zu leichteren und preislich moderateren Alternativen wie dem Sigma 150–600 mm, dem Tamron 150–500 mm oder dem Nikon Z 180–600 mm. Diese Zooms bieten ausreichend Reichweite, sind flexibel und gut transportierbar. APS-C-Kameras verlängern die effektive Brennweite zusätzlich durch den Crop-Faktor.
Telekonverter stellen eine weitere Option dar, um vorhandene Objektive zu verlängern. Allerdings geht dabei Lichtstärke verloren, was Autofokus und Bildqualität beeinträchtigen kann. Gerade im Winter ist Lichtstärke ein kritischer Faktor. Ein leistungsfähiger Bildstabilisator hilft, Verwacklungen bei schwachem Licht zu vermeiden.
Wildlife-Fotografie im Winter mit Fotofallen
Fotofallen ermöglichen ungestörte Aufnahmen ohne lange Brennweiten. Julius Kramer nutzt sie, um den Luchs in Ostbayern zu dokumentieren, ohne in dessen Revier einzugreifen. Die Kameras werden auf Spurhöhe platziert und lösen per Bewegungs- oder Wärmesensor aus.
Für Einsteiger eignen sich robuste Modelle wie die Browning Recon Force oder die Bushnell Core DS. Wichtig ist die rechtliche Seite: In staatlichen Wäldern ist meist eine Genehmigung nötig, in Naturschutzgebieten sind Fotofallen oft untersagt. Auf privatem Gelände sind sie erlaubt, solange keine Personen oder Wege erfasst werden.
Technik und Kälte – worauf man achten sollte
Kälte, Feuchtigkeit und plötzliche Temperaturwechsel setzen der Ausrüstung zu. Besonders problematisch ist Kondenswasser. Objektive sollten möglichst lange im geschlossenen Rucksack bleiben und sich langsam an Temperaturunterschiede anpassen. Auch nach dem Fotografieren gilt: Geduld beim Akklimatisieren verhindert Schäden.
Akkus verlieren bei Kälte schnell an Leistung. Julius Kramer empfiehlt, mehrere Ersatzakkus mitzunehmen und diese körpernah aufzubewahren, um sie warmzuhalten.
Unverzichtbares Zubehör für Wintertouren
Nicht nur die Technik, auch der Fotograf selbst wird im Winter gefordert. Ein stabiles Stativ sorgt für scharfe Bilder bei langen Brennweiten und entlastet die Arme. Carbon-Modelle kühlen weniger aus als Aluminium, für kurze Einsätze reicht oft ein Einbeinstativ oder ein Bohnensack.
Schutz vor Nässe und Kälte ist essenziell. Planen, Neoprenhüllen, Tarnzelte oder Camouflage-Ponchos erhöhen Komfort und Tarnung zugleich. Hand- und Fußwärmer, Thermosflasche, Mütze und fingerfreundliche Handschuhe gehören ebenso zur Grundausstattung wie ein robuster, wasserfester Fotorucksack. Auch Sonnencreme sollte nicht fehlen, da Schnee Licht stark reflektiert.
In Tierfreigehegen können auch Wildschweine gut fotografiert werden.
Kameraeinstellungen für die Wildlife-Fotografie im Winter
Winterliche Wildlife-Fotografie stellt hohe technische Anforderungen. Julius Kramer empfiehlt Blendenautomatik oder Zeitvorwahl in Kombination mit ISO-Automatik, um flexibel auf wechselndes Licht zu reagieren. Schnee führt häufig zu Unterbelichtung – eine Korrektur von plus ein bis zwei EV sorgt für realistische Weißtöne.
Spot- oder mittenbetonte Messung arbeitet bei hellen Hintergründen oft zuverlässiger als Mehrfeldmessung. Fotografieren im Raw-Format bietet zusätzliche Reserven bei Kontrast, Weißabgleich und Nachbearbeitung.
Die Verschlusszeit richtet sich nach Motiv und Bewegung. Grundsätzlich gilt: Lieber leichtes Rauschen als Unschärfe. Beim Bildaufbau empfiehlt Julius Kramer Abwechslung: Detailaufnahmen, Porträts und weite Einstellungen mit Landschaftsbezug ergänzen sich ideal. Besonders wirkungsvoll sind Interaktionen, Action oder starke Kontraste wie ein Fuchs im Schnee. Fotografieren auf Augenhöhe verstärkt die Bildwirkung deutlich.
Bildauswahl und Bearbeitung nach der Wintertour
Nach der Rückkehr sollte die Ausrüstung langsam im geschlossenen Rucksack akklimatisieren. Erst danach Kamera und Objektive bei Zimmertemperatur trocknen lassen. Bei der Bildauswahl zählen Schärfe, Komposition und eine ausgewogene Mischung unterschiedlicher Perspektiven.
In der Bearbeitung spielen Weißabgleich und Rauschreduzierung eine zentrale Rolle. Wintermotive profitieren oft von einer reduzierten Farbigkeit, weshalb auch Schwarzweiß-Umsetzungen eine interessante Option darstellen. Wichtig ist, Details zu erhalten und die winterliche Stimmung nicht zu überzeichnen.
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