Im Test: Nikon Coolpix P1000

Dieser Rekord ist Nikon sicher: Die Coolpix P1000 zoomt 125fach von 24 bis 3000 mm im Vergleich zu einer Kleinbildkamera. Im Test wollten wir unter anderem wissen, ob das bei der Bildqualität gut gehen kann.

Farbiges Porträt von Andreas Jordan vor neutralem Hintergrund

Andreas Jordan

Andreas Jordan leitet das Technik-Ressort beim fotoMAGAZIN.

Die Nikon Coolpix P1000 bietet einen 125-fachen Zoom.

Die Nikon Coolpix P1000 als Kompaktkamera zu bezeichnen wäre wohl gewagt. Schon die Vorgängerin P900 war so groß wie eine Spiegelreflexkamera, die P1000 toppt das noch mal deutlich. Schon im ausgeschalteten Zustand ist sie gut 18 cm lang, mit voll ausgefahrenem Zoom und Gegenlichtblende bringt sie es auf 34 cm. In dem großen Gehäuse kommt derselbe winzige 1/2,3-Zoll-Sensor mit 16 Megapixeln zum Einsatz wie in der Vorgängerin. Beide Zooms starten bei kleinbildäquivalenten 24 mm mit Lichtstärke 1:2,8, die P900 endet bei 2000 mm und 1:6,5. Die P1000 ist bei dieser Brennweite minimal lichtstärker (1:6,3) und fällt dann bis 3000 mm auf 1:8 ab.

Das große Gehäuse erlaubt den Einbau eines größeren Touchscreen-Monitors (Diagonale 8,1 statt 7,5 cm), der wie gehabt 921.000 Punkte auflöst und ausklapp- und schwenkbar ist. Deutlich verbessert zeigt sich der Sucher: Die Diagonale des OLED-Panels hat sich auf 1 cm verdoppelt, die Auflösung von 921.000 auf 2,4 Millionen Punkte erhöht.

Mit ausgefahrenem Zoom wird die Nikon Coolpix P1000 über 30 cm lang.

Mit ausgefahrenem Zoom wird die Nikon Coolpix P1000 über 30 cm lang.

Nikon

Bedienung der Nikon Coolpix P1000

Die Bedienung der Nikon Coolpix P1000 hinterlässt einen etwas durchwachsenen Eindruck: Mit ihrem großen Griff lässt sich die Kamera gut halten, vermisst haben wir aber einen direkten Zugriff auf die ISO-Einstellungen und Serienbildmodi. Behelfen kann man sich mit einer individuell konfigurierbaren Funktionstaste (hier lassen sich unter anderem ISO oder Serienbilder hinterlegen) und dem Funktionsring am Objektiv, der mit Belichtungskorrektur, ISO oder Weißabgleich belegbar ist. Steht die Kamera auf manueller Fokussierung, so kann der Ring hierfür genutzt werden, wobei eine Peaking-Funktion zur Verfügung steht (bei Nikon „Konturfilter“ genannt). Wichtige Einschränkung: Das Peaking steht nicht während der Videoaufnahme zur Verfügung.

Etwas irritiert hat uns, dass die Kamera nach dem Auslösen gut zwei Sekunden blockiert ist. Bedient der Fotograf beispielsweise direkt nach dem Auslösen den Zoomhebel, so passiert nichts – auch nicht nach drei oder fünf Sekunden. Man muss also zunächst gut zwei Sekunden warten, bis sich das Zoom bedienen lässt.

Neben dem Zoomhebel am Auslöser gibt es eine Zoomwippe am Objektiv und direkt daneben eine Zoomrückstelltaste, die temporär rauszoomt (bei 3000 mm auf 467 mm), um eine Übersicht zu verschaffen und das Motiv wiederzufinden. Ein Zoom von 24 auf 3000 mm dauert rund 3,5 s, das ist okay – eine höhere Zoomgeschwindigkeit würde feine Brennweitenänderungen erschweren.

Bei ISO 500 treten schon sichtbare Verluste durch den Rauschfilter auf, in dieser Größe hat das Bild aber noch eine brauchbare Qualität. Kamera: Nikon Coolpix P1000, Einstellungen: 1700 mm (entsprechend KB), f/6,3, 1/125s, ISO 500.

Bei ISO 500 treten schon sichtbare Verluste durch den Rauschfilter auf, in dieser Größe hat das Bild aber noch eine brauchbare Qualität.
Kamera: Nikon Coolpix P1000, Einstellungen: 1700 mm (entsprechend KB), f/6,3, 1/125s, ISO 500.

Andreas Jordan, mit freundlicher Unterstützung durch Tierpark Hagenbeck

Ausstattung der Nikon Coolpix P1000

Bei der Ausstattung hat die P1000 gegenüber der P900 zugelegt. Neben dem größeren Monitor und Sucher liegt das unter anderem am verbesserten Videomodus, der nun in 4K-Auflösung mit 30 Bildern/s und rund 75 Mbit/s aufnimmt – übrigens ohne Crop. Auch die Mikrofonschnittstelle ist neu. Zeitlupenvideos sind ebenfalls möglich, aber mit schwachen Leistungsdaten: Die Auflösung bei der 4fach Zeitlupe (120 B/s) liegt nur bei 640 x 480 Pixeln, bei 2fach Slowmotion (60 B/s) nimmt die Kamera mit 1280 x 720 Pixeln auf.

Ein Zeitraffervideo ist mit 2facher Beschleunigung (15 B/s) in Full-HD möglich. Für beeindruckendere Zeitraffereffekte empfiehlt sich die Intervallaufnahme von hochauflösenden Standbildern. Im Menü lässt sich hierfür das Intervall (ab 30 s bis 60 Minuten) einstellen, aber anders als bei anderen Nikon-Kameras keine Dauer. Die Intervallaufnahmen müssen also per Hand beendet werden und auch die Erstellung eines hochauflösenden Zeitraffervideos aus den Intervallaufnahmen ist nur extern in einem Videoschnittprogramm möglich.

Der Monitor ist voll beweglich.

Der Monitor ist voll beweglich.

Nikon

Weitere Pluspunkte gegenüber der Vorgängerin sind Raw-Modus, Blitzschuh, längere Belichtungszeiten (30 s und Bulb bzw. Time) sowie das Bluetooth-Modul. Letzteres ermöglicht die automatische Bildübertragung kleiner 2-Megapixel-Dateien auf ein Smartgeräte mit der SnapBridge-App. Für die Übertragung größerer Dateien oder die Fernsteuerung muss man allerdings Wi-Fi aktivieren.

Nachteile der P1000 gegenüber der P900

Es gibt aber auch Nachteile gegenüber der P900: So fehlt das GPS-Modul, wobei Standortdaten per SnapBridge vom Smartphone übertragen werden können. Außerdem hat sich die Akkulaufzeit verschlechtert – von 360 auf 250 Aufnahmen gemessen nach CIPA-Standard. Vermisst haben wir außerdem den Raw-Konverter in der Kamera, der sonst bei Nikon eigentlich zum Standard gehört; JPEGs lassen sich aber nachträglich beispielsweise mit Effektfiltern bearbeiten. Weitere Funktionen der P1000 sind Mehrfachbelichtungen, ein Schwenkpanoramamodus und diverse Motivprogramme und Effektfilter.

Geschwindigkeit und Bildqualität

Die P1000 hat zwei Serienbildmodi: In H(igh) schießt sie mit 7 Bildern/s, allerdings nur eine Sekunde lang, in L(ow) nimmt sie nur noch 1 Bild/s auf, dafür aber bis zu 200 in Folge – und zwar sowohl JPEGs als auch Raws und mit AF- und AE-Nachführung. In reduzierter Auflösung sind auch 60 Bilder/s in Full-HD möglich.

Bei der Bildqualität muss die P1000 deutlichen Tribut an den kleinen Sensor und den riesigen Zoombereich zollen. Wie immer haben wir die Auflösung in drei Brennweiten gemessen. Im Weitwinkel erreicht die Kamera einen maximalen Wirkungsgrad von ca. 73 %, was 8,4 effektiven Megapixeln entspricht. Etwas besser ist sie bei 200 mm (KB-äquivalent), hier liegt der maximale Wirkungsgrad bei ca. 76 %. Bei 3000 mm fällt die Auflösung dramatisch ab auf rund 46% bzw. effektive 3,4 Megapixel. In der Praxis lassen sich damit aber durchaus brauchbare Aufnahmen machen – vorausgesetzt es steht ausreichend Licht zur Verfügung bzw. die Kamera ist auf einem Stativ montiert.

Es müssen nicht immer extreme Brennweiten sein. Bei 320 mm ist die Lichtstärke mit 1:4,5 noch recht hoch.

Es müssen nicht immer extreme Brennweiten sein. Bei 320 mm ist die Lichtstärke mit 1:4,5 noch recht hoch.

Andreas Jordan, mit freundlicher Unterstützung durch Tierpark Hagenbeck

Vermeiden sollte man, die Empfindlichkeit auf über ISO 200 anzuheben, da die Auflösung dann massiv einbricht: Bei ISO 400 sind es bei 200 mm nur noch maximal 5,7 effektive Megapixel, bei ISO 1600 sogar nur noch 3,7 effektive Megapixel. Das Bildrauschen ist schon bei ISO 100 sichtbar, aber bis ISO 400 akzeptabel. Der Belichtungsumfang bleibt bei für Kompaktkameras typischen rund 8 Blendenstufen in den unteren ISO-Stufen. Unter dem Strich ist die Bildqualität minimal besser als bei der P900, was vor allem an der höheren Auflösung im Weitwinkel und im mittleren Brennweitenbereich liegt.

Fazit zur Nikon Coolpix P1000

Keine Frage: Die Coolpix P1000 fasziniert mit ihrem riesigen Brennweitenbereich, auch wenn wir uns manchmal gefragt haben, ob 2000 mm nicht ausreichend gewesen wären. Die Nachteile der extremen Endbrennweite liegen auf der Hand: Ein sehr großes Gehäuse und ein starker Auflösungsabfall in der langen Brennweite. Trotzdem: Unter dem Strich schneidet die P1000 etwas besser ab als ihre Vorgängerin und erreicht knapp die Note „Sehr gut“.

Hier gelangen Sie zum Download der Tabelle mit allen Ergebnissen aus unserem Test (Nikon Coolpix P900, Nikon Coolpix P1000).

Labormessungen: Anders Uschold

Dieser Test ist in unserer Ausgabe fotoMAGAZIN 11/2018 erschienen.

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