aufmacher_telezooms.jpg

Telezooms mit Konverter
Produktfotos: © Hersteller

Im Test: Telezooms mit Konvertern

Lange Brennweiten mit eingebauten Konvertern
25.01.2019

Nun hat auch Nikon ein Telezoom mit eingebautem Konverter im Programm. Wir haben das AF-S 180-400 mm TC1,4, das ältere Pendant von Canon und das Sigma 2,8/120-300 mm Sports samt Konvertern detailliert vermessen – mit teilweise erstaunlichen Ergebnissen.

 

canon_200-400mm_trabrennen_img_2351_web.jpg

Belegbild Canon EF 4/200-400 mm L IS USM Ext. 1,4x

Canon EF 4/200-400 mm L IS USM Ext. 1,4x.
An einer APS-Kamera wird die maximale Telebrennweite mit Konverter zu 896 mm. Die Offenblende f/5,6 liefert dann praktischerweise die höchste Auflösung. Mit 1/640 s, ISO 1250 an Canon EOS 7D.

© Lars Theiß

Die optischen Leistungen der Telezooms

Die Auflösung des Canon-Teles ist stark brennweitenabhängig. Dabei verhalten sich die kurze und mittlere Brennweite sehr ähnlich: Sie zeigen im Vollformat (ohne und mit Extender) eine leichte Leistungsschwäche bei offener Blende, um eine Stufe geschlossen wird schon der Maximalwert erreicht. Die Telebrennweite liegt in allen Fällen – besonders im Vollformat merklich – tiefer bei mittleren Werten, mit Extender lässt sie besonders bei APS weiter nach. Kleiner Trost: Abblenden ist für maximale Leistung nie nötig. Während der Extender im Vollformat für abnehmende Randabdunklung sorgt, verstärkt er sie bei APS und die Verzeichnung an beiden Formaten.

nikon_180-400mm_fussball_lat_4937_web.jpg

Belegbild Nikon AF-S 4/180-400 mm E TC 1,4 FL ED VR

Nikon AF-S 4/180-400 mm E TC1,4 FL ED VR
Maximale Telebrennweite 560 mm durch Hinzuschalten des Konverters. Mit der Offenblende f/5,6 (Foto) ist die Auflösung deutlich geringer als abgeblendet auf f/11. Mit 1/1250 s, ISO 250 an Nikon D810.

© Lars Theiß

Beim Nikon 180-400 mm ist die Auflösung differenzierter zu betrachten. Am kleinen Sensor performt es ohne und mit Konverter hervorragend und zeigt – hier und da leicht abgeblendet – ausgezeichnete Werte ohne und sehr gute mit Konverter. Am Vollformatsensor liegt die 400 mm bei Offenblende auf dem Niveau des Canons, abgeblendet deutlich darüber. Kommt der Konverter hinzu, bewegt sich sein Maximum im engen Bereich zwischen f/8 und f/11 und weit über dem des Canons; letzteres ist bei Offenblende f/5,6 jedoch ganz leicht überlegen. Während die Randabdunklung des Nikkors vom Konverter stark profitiert, steigt seine Verzeichnung an.
Sowohl für das Canon- als auch das Nikon-Zoom gilt: Die Auflösung profitiert vom Zuschalten des Konverters nicht. Lediglich beim Nikkor in der langen Brennweite und abgeblendet auf f/11 wird ein besserer Wert erreicht. Wie praxisrelevant Blende f/11 bei 560 mm Brennweite ist, muss jeder Fotograf selber entscheiden. Als Zwischenfazit lässt sich sagen, dass jeder Nutzer gut beraten ist, den eingebauten Konverter wirklich erst hinzuzuziehen, wenn die längste Brennweite (400 mm) nicht mehr für den fotografischen Zweck ausreicht.

sigma_019_2_baby-loewen_bearcutsharpheller_dsc_3220_web.jpg

Belegbild Sigma 2,8/120-300 mm DG OS HSM Sports

Sigma 2,8/120-300 mm DG OS HSM Sports.
Das Zoom kann gewinnbringend mit sehr guter Auflösung am APS-Sensor eingesetzt werden, hier ohne Konverter mit idealer Einstellung: leicht abgeblendet auf f/4 mit 1/640 s bei ISO 200 an Nikon D500.

© Lars Theiß

Besonderheiten bei Sigma

Das von 2013 stammende Sigma 120-300 mm zeigt nicht zuletzt aufgrund der Pixeldichte aktueller Kameras und seiner hohen Lichtstärke eine erwartbare Offenblendschwäche bei der kurzen und langen Brennweite. Für gute Auflösungswerte sollte um eine, besser zwei Stufen abgeblendet werden. Am APS-Sensor verringert sich die Offenblendschwäche und steigert sich gleichzeitig die Auflösung. Mit dem 1,4x-Konverter geht die Auflösung im Vollformat zurück, für beste Werte reicht es, um eine Blendenstufe zu schließen. Auch bei APS lässt die Auflösung nach. Dass am Ende die nahezu gleichen Optikpunkte wie beim Grundobjektiv stehen, liegt an der deutlich geringeren Randabdunklung und Verzeichnung.
Wird der TC-2001 angesetzt, geht die Auflösung weiter zurück – mit einer Ausnahme, die Vollformatfotografen allerdings aufmerksam registrieren sollten: Bei der dann erreichbaren Endbrennweite 600 mm liegt die Auflösung bei Offenblende f/5,6 höher als bei der erzielbaren Endbrennweite mit dem TC-1401, sowohl bei der jeweiligen Offenblende als auch bei den echten Blenden im Vergleich. Und das ist für die Praxis eine sehr entscheidende und erfreuliche Aussage, denn niemand wird sich einen Konverter dazwischenschnallen, um anschließend im Bereich kurzer Brennweiten zu fotografieren; es sei denn, es taucht eine überraschende „Notsituation“ auf oder er ist bequemlich. Leider betrifft diese Auflösungssteigerung durch den 2x-Konverter nur das Vollformat und nicht den APS-Sensor. Die Randabdunklung geht noch weiter zurück als mit dem 1,4x und die Verzeichnung liegt auf dem hohen Niveau wie mit dem TC-1401.

Die Testobjektive im Vergleich

Wenn man nun im Vollformat das Sigma inklusive 1,4x-Konverter mit dem Canon und dem Nikkor ohne Konvertereinsatz vergleicht (jeweils Anfangsöffnung f/4, ähnlicher Brennweitenbereich), so haben die Originale in Sachen Auflösung Vorteile. Canon kann mit dem Nikkor wiederum bei 400 mm nur bei Offenblende mithalten, bei den kürzeren Brennweiten ist es leicht im Vorteil. Am APS-Sensor ist das Nikkor hoch überlegen, auch hier hat das Sigma mit 1,4x-Konverter das Nachsehen.
Mit dem TC-2001 wird das Sigma im Vollformat zum 5,6/240-600 mm und ist bei 600 mm und Offenblende auf einer Höhe mit dem Canon und etwas besser als das Nikkor (beide mit eingeschwenkten Konvertern). Während das Sigma durch Abblenden an Auflösung verliert, steigt das Nikkor bis f/11 kräftig auf sehr gute Werte an. Auch das Canon ist bei 560 mm offenblendtauglich und hält die Leistung bis f/11. Wird die Hardware wie geschildert am APS-Sensor verwendet, zeigt das Nikkor die höchsten Auflösungswerte, im wichtigen Telebereich (560 mm zu 600 mm) ist das Canon dem Sigma überlegen.

Fazit zum Test

Unser Testtrio liefert sich einen abwechslungsreichen Schlagabtausch. Haben die Canon- und Nikon-Modelle den komfortablen Konvertervorteil, eine immense Ausstattung und in vielen Einstellungen die höhere Auflösung, glänzt das Sigma mit hoher Lichtstärke, höchster Auflösung bei maximaler Telebrennweite (gleichauf mit Canon), großer Variabilität und dem erheblich geringeren Preis. Je nach verwendeter Sensorgröße und bevorzugter Brennweite kann der Käufer zum Original oder der Alternative von Sigma greifen. Insofern ist es erstaunlich, wie gut teilweise die zwei alten Zooms mit dem neuen Nikkor mithalten können. Letzteres ist allerdings für APS-C-Kameras wie die Nikon D500 eine ganz klare Kaufempfehlung.

> Hier gelangen Sie zum Download der Tabelle mit allen Testergebnissen aus unserem Test: Canon EF 4/200-400 mm L IS USM Ext. 1,4x ohne Ext., Canon EF 4/200-400 mm L IS USM Ext. 1,4x mit Ext.

> Hier gelangen Sie zum Download der Tabelle mit allen Testergebnissen aus unserem Test: Nikon AF-S 4/180-400 mm E TC 1,4 FL ED VR ohne TC, Nikon AF-S 4/180-400 mm E TC 1,4 FL ED VR mit TC, Sigma 2,8/120-300 mm DG OS HSM Sports, Sigma 2,8/120-300 mm DG OS HSM S mit TC-1401, Sigma 2,8/120-300 mm DG OS HSM S mit TC-2001.

Labormessungen: Anders Uschold

_______________________

Dieser Test ist in unserer Ausgabe fotoMAGAZIN 6/2018 erschienen. Zur Einzelheftbestellung gelangen Sie hier.

Seite 2 von 2
Seite 1
Seite 2
Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Lars Theiß
Über den Autor
Lars Theiß

Unser Technikredakteur Lars Theiß kümmert sich vorwiegend um Tests und Praxisthemen rund um Kameras, Objektive und Zubehör. Seit 1995 arbeitet der besonders an naturfotografischen Themen interessierte Wahlhamburger beim fotoMAGAZIN. Zu seinen Aufgabenbereichen gehören die Objektivtests, Secondhand-Themen und die fotoMAGAZIN-Spezialausgabe Einkaufsberater.