Im Test: lichtschwache Telezooms

2. Garde
10.05.2019

Die aktuelle Generation an lichtschwächeren Telezooms für das Vollformat hat Zuwachs bekommen: Canon und Tamron haben neue Modelle vorgestellt, die auf die ältere Konkurrenz von Nikon, Sony und Tokina trifft.

 

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Tamron 4/70-210 mm Di VC USD

Tamron 4/70-210 mm Di VC USD.
Preis: ca. 1050 Euro

© Tamron

Verhältnismäßig lang (besonders mit Gegenlichtblende) wirkt das Tamron 4/70-210 mm Di VC USD, weil es so schlank gebaut ist. Immerhin fährt es beim Zoomen oder Fokussieren nicht aus und wird nicht noch länger. Dabei ist es relativ leicht und griffig. Die hervorstehenden Schiebeschalter von AF/MF und VC On/Off bergen die Gefahr, bei der Kamerabedienung unabsichtlich verstellt zu werden.
Das in Vietnam hauptsächlich aus Kunststoff gearbeitete Telezoom stammt nicht aus der höherwertigen SP-Linie, besitzt aber dennoch einen ähnlichen Look und eine Gummilippe am Bajonett, um Wasser oder Staub fernzuhalten.
Sein AF wirkt eher langsam und ist trotz USD vernehmbar. Gut gefällt die einstufige Vibration Compensation (VC). Mit der Nahgrenze von weniger als einem Meter steht es sehr gut da. Da einige der Linsenränder und -fassungen bei ansonsten überzeugenden Vorkehrungen glänzen, sind die Lichtschutzmaßnahmen sehr gut. Nicht im Lieferumfang, doch als empfehlenswertes Zubehör erhältlich, ist eine Stativschelle mit Arca-Swiss-kompatiblem Fuß (ca. 140 Euro).

Die Auflösung des Tamrons ist brennweitenabhängig: Sowohl bei APS als auch bei Vollformat sind die kurzen und mittleren Brennweiten gut bis sehr gut. Bei 70 mm lohnt sich ein leichtes Schließen der Blende um eine Stufe. Bei 210 mm fällt die Leistung ab, im Vollformat erwartungsgemäß stärker. Hier lohnt sich Abblenden um zwei Stufen für einen höheren Wirkungsgrad. Nur im Vollformat bei offener Blende zeigt sich ein klar sichtbarer Abfall der Helligkeit, der bei der kurzen und mittleren Brennweite spontan eintritt. Nach Abblenden um zwei Lichtwerte verbleibt jeweils eine minimale spontane Vignettierung bei insgesamt sehr guter Randabdunklung. Dieser Sachverhalt deutet auf eine knappe Dimensionierung der Linsen hin. Bei APS ist nur bei 210 mm und Offenblende eine leichte Randabdunklung feststellbar. Ausgewogen präsentiert sich das 4/70-210 mm bei der Verzeichnung: im Vollformat bei 70 mm leicht tonnenförmig, bei 120 mm leicht kissen- und bei 210 mm sichtbar kissenförmig. Unter dem Strich steht ein glattes „Sehr gut“.

Zwei Objektive für Nikon-Anschluss

Die etwas älteren Nikon AF-S Nikkor 4/70-200 mm G ED VR und Tokina AT-X 4/70-200 mm FX VCM-S performen auf sehr hohem Niveau. Während das Nikkor am Vollformatsensor absolut überzeugt, zeigt sich das Tokina am kleinen Sensorformat sehr stark. Besonders erfreulich ist, dass beide Objektive offenblendtauglich sind.

FAZIT

Mit sehr unterschiedlichen Auflösungscharakteristiken warten die lichtschwächeren 70-200er auf. So scheint das – am Vollformatsensor  ungewohnt schwächelnde – Canon EF L IS II USM voll auf Offenblendtauglichkeit getrimmt zu sein, während das Sony und das Tamron erst abgeblendet zur Höchstform auflaufen. Dem Nikkor ist die Blende nahezu gleichgültig, am Vollformatsensor zeigt sie keinen Einfluss auf die Auflösung. Nicht ganz so ausgewogen verhält sich diesbezüglich das Tokina.

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Hier gelangen Sie zum Download der Tabelle mit allen Ergebnissen aus unserem Test (Canon EF 4/70-200 mm L IS II USM, Nikon AF-S Nikkor 4/70-200 mm G ED VR, Sony FE 4/70-200 mm G OSS, Tamron 4/20-210 mm Di VC USD, Tokina AT-X 4/70-200 mm FX VCM-S).

Labormessungen: Anders Uschold
 

Dieser Test ist in unserer Ausgabe fotoMAGAZIN 10/2018 erschienen. Zur Einzelheftbestellung gelangen Sie hier.

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Lars Theiß
Über den Autor
Lars Theiß

Unser Technikredakteur Lars Theiß kümmert sich vorwiegend um Tests und Praxisthemen rund um Kameras, Objektive und Zubehör. Seit 1995 arbeitet der besonders an naturfotografischen Themen interessierte Wahlhamburger beim fotoMAGAZIN. Zu seinen Aufgabenbereichen gehören die Objektivtests, Secondhand-Themen und die fotoMAGAZIN-Spezialausgabe Einkaufsberater.