Im Test: Extreme Festbrennweiten für MFT

Grenzgänger
01.06.2018

Nach den üblichen Zooms und Festbrennweiten trauen sich die Micro-Four-Thirds-Firmen Olympus und Panasonic nun auch an ausgefallene Objektivkonstruktionen. fotoMAGAZIN hat sich vier neue und extreme Festbrennweiten im Labor vorgeknöpft.

 

elbufer_schlepper_olympusm_zuikodigitaled1_2_17mmpro_p1070060.jpg

Aufnahme mit Olympus M.Zuiko Digital Pro 1,2/17 mm

Aufnahme mit Olympus M.Zuiko Digital Pro 1,2/17 mm.
Bei starker Vergrößerung sind leichte Farbsäume zu erkennen. Dennoch liefert das 17 mm schon bei der Anfangsöffnung eine hervorragende Auflösung. Mit Blende f/1,2, 1/4000 s bei ISO 100 an der OM-D E-M10 Mark III.

© Lars Theiß

Das Micro-Four-Thirds-System (MFT), zu dem maßgeblich die Firmen Olympus und Panasonic mit spiegellosen Systemkameras und Objektiven beitragen, feiert in diesem Jahr sein Zehnjähriges. Da ist es klar, dass die Objektivsortimente die gängigen Wünsche der Kunden befriedigen, sonst wäre MFT kaum so alt geworden. Mit dem Erfolg werden die Wünsche der Kunden allerdings ausgefallener und – nicht zuletzt auch durch die gestiegene Sensorauflösung – anspruchsvoller sowie die Hersteller bestärkt durch die Nachfrage mutiger. Außergewöhnliche Brennweiten oder extreme Lichtstärken stehen deshalb mittlerweile auf den To-do-Listen der Firmen.
In diesem Test haben wir drei Festbrennweiten von Olympus, die mittlerweile komplettierte (?) Serie der Pro-Objektive mit der äußerst großen Anfangsöffnung von Blende f/1,2, im Labor gemessen. Von Panasonic konnten wir das nagelneue Leica DG Elmarit 2,8/200 mm Power O.I.S. dem BAS-Digital-Test unterziehen; gleich mitsamt dem mitgelieferten 1,4x-Telekonverter TC14 und dem optional erhältlichen 2x-Telekonverter TC20.

> Auf einen Blick: Die Testobjektive

schiffsbug_hf_olympusm.jpg

Aufnahme mit Olympus M.Zuiko Digital Pro 1,2/45 mm

Aufnahme mit Olympus M.Zuiko Digital Pro 1,2/45 mm.
Bei Portraits und Sachaufnahmen lässt sich durch die geringe Schärfentiefe bei Offenblende der Blick auf Details lenken. Hier mit Blende f/1,2, 1/4000 s, -1 EV bei ISO 100 an OM-D E-M10 Mark III.

© Lars Theiß

Die drei M.Zuiko Digital Pro 1,2/17 mm, 25 mm und 45 mm ähneln sich äußerlich fast wie ein Ei dem anderen. Die nennenswerten Unterschiede liegen in den jeweils sehr guten Nahgrenzen, die mit der Brennweite zunehmen, und dem etwas geringeren Gewicht des 17ers. Während das 17 mm in Vietnam produziert wird, stammen die anderen beiden aus Japan. Gemeinsam ist ihnen das hervorragend verarbeitete Metallgehäuse mit Abdichtungen gegen Staub und Nässe und die L-Fn-Taste, die gedrückt den Autofokus deaktiviert. Sie liegt für Quer- und Hochformataufnahmen recht günstig, doch für den Daumen eher unkomfortabel dicht zum Bajonett.

Schieben statt Schalten

Das Olympus-Trio hat den breiten, nach vorne und hinten verschiebbaren Fokussierring, wodurch zwischen Autofokus und manuellem Fokus umgeschaltet wird. Das passiert dann häufiger, als einem lieb ist, wenn die Kamera – am Objektiv angefasst – beispielsweise aus einer Fototasche herausgenommen wird. Das ungewollte Verstellen ist ähnlich lästig wie die nicht verriegelbaren und damit schnell verdrehten Belichtungskorrekturräder an Gehäusen. Der Fokus-Schiebemechanismus hilft auch wenig beim Vorfokussieren in dem einem Modus und Fotografieren in dem anderen Fokussiermodus: Wie Olympus selbst in der Bedienungsanleitung warnt, kann sich die eingestellte Schärfe beim Hin- und Herschieben zwischen AF und MF eventuell ändern. Da sind ein AF/MF-Schalter oder eine Taste in Kombination mit einem Einstellrad erheblich verlässlicher zum Erhalten der voreingestellten Schärfe, als das (auch von Tokina bekannte) Verschieben des Schärferings.

oellampenflamme_olympusm.jpg

Aufnahme mit Olympus M.Zuiko Digital Pro 1,2/25 mm

Aufnahme mit Olympus M.Zuiko Digital Pro 1,2/25 mm.
Mit offener Blende ruft das Normalobjektiv noch nicht seine Topleistung ab. Hier mit Blende f/1,2, 1/80 s, -0,7 EV bei ISO 200 an OM-D E-M10 Mark III.

© Lars Theiß

Löblich sind hingegen die Skalen für die eingestellte Schärfentiefe und die Entfernung im MF-Betrieb. Im AF-Modus ist die Entfernung nicht ablesbar. Die Maßnahmen gegen vagabundierendes Streulicht sind auf hohem Niveau. Die (beim 25er und 45er sogar identischen) Streulichtblenden aus Kunststoff sind gut dimensioniert und mit einer Lösetaste aus dem Bajonett leicht entriegelbar. Wie schneidet das Olympus-Trio nun optisch ab? Auch hier gibt es viele Parallelen. Nicht gänzlich unerwartet rufen sie bei der extremen Anfangsöffnung noch nicht ihre höchste Auflösung ab, aber: Beim 17 mm (entspricht 34 mm beim Kleinbild) liegt sie bereits bei f/1,2 auf überragend hohem Niveau, das um eine Stufe abgeblendet an der 100-Prozent-Marke kratzt. Abblenden macht also höchstens aus gestalterischen Gründen Sinn. Bis Blende f/7 reicht der ideale Blendenbereich, in dem keine nennenswerten Abstriche bei der Auflösung gemacht werden müssen.

Beim Olympus 25 mm ist die Offenblendschwäche etwas ausgeprägter, doch schon bei f/1,8 sind die Werte sehr gut bis hervorragend und steigen auf Spitzenwerte ab f/2,5 an. Das Portraitobjektiv 1,2/45 mm (kleinbildäquivalent zu 90 mm) startet mit guten Werten bei offener Blende und erzielt ab f/2,5 extrem hohe Werte jenseits der 100-Prozent-Linie. Während Beugungseffekte im Messbereich keine Rolle spielen und die Verzeichnung nahezu perfekt auskorrigiert wird, ist die Randabdunklung schon bemerkbar. Doch auch hier hat Olympus sehr gute Arbeit geleistet. Die Vignettierung ist aufgeblendet jeweils nur sichtbar und natürlich im Verlauf und ist abgeblendet abgemildert, lediglich beim 45er tritt sie dann etwas plötzlich zu den Ecken hin auf. Insgesamt erzielen die drei Pro-Objektive auch in der optischen Wertung fast identische Prozentzahlen auf höchstem Niveau und erreichen spielend unser „Super“-Siegel.

Seite 1 von 2
Seite 1
Seite 2
Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Lars Theiß
Über den Autor
Lars Theiß

Unser Technikredakteur Lars Theiß kümmert sich vorwiegend um Tests und Praxisthemen rund um Kameras, Objektive und Zubehör. Seit 1995 arbeitet der besonders an naturfotografischen Themen interessierte Wahlhamburger beim fotoMAGAZIN. Zu seinen Aufgabenbereichen gehören die Objektivtests, Secondhand-Themen und die fotoMAGAZIN-Spezialausgabe Einkaufsberater.