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Sony RX100 VI
© Fotos: Sony, Andreas Jordan

Im Test: Sony RX100 VI

Die Edelkompakte im Konkurrenzvergleich
18.03.2019

Mit einem deutlich erweiterten 8,3fach-Zoom wartet die 1-Zoll-Kamera Sony RX100 VI auf. Im Vergleichstest wollten wir wissen, ob sich die 1300 Euro für das neue Flaggschiff von Sony lohnen und welche preiswerte Alternative die beste Wahl ist.

 

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Sony RX100 VI Selbstportraitposition

Der Monitor lässt sich bei der Sony RX100 VI in die Selbstportraitposition klappen.

Fotos: © Sony, Andreas Jordan

Auf den ersten Blick ist die RX100 VI kaum von ihrer Vorgängerin Mark V oder der Vorvorgängerin Mark IV zu unterscheiden. Hält man die Kameras direkt nebeneinander, so fällt auf, dass die Neue minimal dicker geworden ist (1,8 mm). Angesichts des von 2,9- auf 8,3fach gesteigerten Zooms eine erstaunlich geringe Veränderung. Im Vergleich zu den Panasonic-Modellen TZ101 (10fach-Zoom) und TZ202 (15fach-Zoom; > zum ausführlichen Test) ist die RX100 VI immer noch deutlich kleiner. Natürlich hat die Lichtstärke unter dem erweiterten Zoom gelitten: Sie sinkt von 1,8-2,8 auf 2,8-4,5, ist damit aber immer noch deutlich besser als bei der TZ101 oder TZ202. Die Kombination aus langer Brennweite und f/4,5 ermöglicht ein für eine Kompaktkamera ansprechendes Bokeh mit softem Hintergrund. Natürlich geht das kompakte Gehäuse etwas zu Lasten der Ergonomie. So sind die Bedienelemente relativ klein und es fehlt beispielsweise eine Direkttaste für die Belichtungskorrektur. Über das Kurzmenü (Fn-Taste) kommt man allerdings trotzdem einigermaßen schnell ans Ziel. Das Hauptmenü ist ausufernd und nicht perfekt strukturiert. Abhilfe schafft das Mein-Menü, in dem der Fotograf die für ihn wichtigsten Einstellungen hinterlegen kann. Mit zwei Neuerungen will Sony die Ergonomie verbessern. Sehr willkommen ist der neue Mechanismus für den Pop-up-Sucher. Dieser springt wie gehabt aus dem Gehäuse heraus, muss aber nicht mehr manuell nach hinten gezogen werden, ist also sofort einsatzbereit. Größe und Auflösung sind unverändert – der Sucher ist scharf aber nicht allzu groß. Die zweite Änderung betrifft den Monitor, der erstmals in der RX100-Serie eine Touch-Bedienung ermöglicht – allerdings recht eingeschränkt. So lässt sich das AF-Messfeld setzen – und zwar auch im Sucherbetrieb („Touchpad“) – und im Wiedergabemodus kann man die Bilder durch „Doppelklick“ vergrößern und dann den Ausschnitt verschieben. Vermisst haben wir dagegen eine Menübedienung per Berührung oder ein Weiterblättern in der Wiedergabe. Panasonic setzt den Touchscreen deutlich konsequenter um. Der Monitor hat übrigens eine etwas niedrigere Auflösung als im Vorgängermodell – was sich aber kaum bemerkbar macht – und lässt sich um 180 Grad nach oben und 90 Grad nach unten kippen. Zwischen Monitor und Sucher kann die Kamera dank Augensensor automatisch umschalten.

Die Sony RX100 VI hat starke Videofunktionen

Zusammen mit Panasonic gehört Sony zu den Vorreitern bei 4K-Video. Schon die RX100 V und RX100 IV nahmen 4K-Clips mit 30 Bildern/s und 100 MBit/s im XAVC-S-Format auf. Mit der RX100 VI konnten wir rund zehn Minuten 4K am Stück aufnehmen, danach schaltete die Kamera die Aufnahme wegen Überhitzung ab. Ergänzt hat Sony die flachen Profile S-Log3/S-Gamut3 sowie Hybrid Log Gamma (HGL) für den HDR-Workflow. Auch das Proxy-Recording ist neu. Hierbei wird zusätzlich zum hochwertigen ein niedrigauflösendes Video aufgenommen, das sich einfacher schneiden lässt. Die Schnitte können dann übertragen werden. Die Videoqualität ist wie gewohnt sehr hoch und die RX100 VI könnte eine hervorragende kleine Videokamera sein – wenn sie denn eine Mikrofonschnittstelle hätte.

Eine weitere Videospezialität sind die Zeitlupenfunktionen. Diese sind bei Frequenz und Auflösung gleich geblieben, allerdings fallen die Sequenzen 10 bis 20 Prozent länger aus als bei der Mark V. Im Modus Qualitätspriorität stehen jetzt folgende Optionen zur Verfügung:

  • • 250 B/s = 10x-Zeitlupe, Auflösung: 1824 x 1026 Pixel, Aufnahmelänge: ca. 4,4 s.
  • • 500 B/s = 20x-Zeitlupe, Auflösung: 1824 x 616 Pixel, Aufnahmelänge: ca. 3,5 s.
  • • 1000 B/s = 40x-Zeitlupe, Auflösung: 912 x 308 Pixel, Aufnahmelänge: ca. 3,7s.

Alle Zeitlupenaufnahmen werden in der Kamera auf Full-HD (1920 x 1080 Pixel) skaliert. Wir empfehlen die 10x-Zeitlupe, die anderen Modi sind qualitativ nicht mehr gut. Mit 10x sind bereits beeindruckende Effekte möglich und Sony liegt hier deutlich vor Panasonic: Die Lumix TZ202 ermöglicht maximal 100 B/s, also eine 4x-Zeitlupe.

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Sony RX100 VI Monitor

Der Sucher springt bei der RX100 VI nach Tastendruck aus dem Gehäuse und ist dann sofort einsatzbereit.

Zu den weiteren Neuerungen der RX100 VI gehört die Möglichkeit, Bilder in der Kamera mit Sternen zu bewerten und die trotz des gleichen Akkus etwas längere Laufzeit von 240 Bildern mit Monitor bzw. 220 Bildern mit Sucher. Aktiviert man die Stromsparfunktion, die den Monitor nach zwei Sekunden ausschaltet, so sind auch 310 Aufnahmen möglich. Erfreulicherweise lässt sich der Akku unterwegs per USB laden, beispielsweise mit einer Powerbank. Weniger erfreulich ist, dass der Blitz etwas schwächer ausfällt und Sony die Erweiterungsmöglichkeit durch PlayMemories-Camera-Apps weggelassen hat. In der Vergangenheit ließen sich damit beispielsweise Zeitrafferaufnahmen und die Bildbearbeitung in der Kamera nachrüsten, Funktionen, welche beispielsweise die Panasonic-Modelle von Haus aus mitbringen. Als einzige Bildbearbeitungsfunktion in der Kamera bietet Sony einen Beauty-Filter für Portraits an – kein wirklicher Ersatz für einen integrierten Raw-Konverter, den es bei Panasonic gibt.
Zu den Pluspunkten der RX100 VI zählt, dass der Verschluss sich von mechanisch auf elektronisch umschalten lässt. Dann ist nicht nur das lautlose Auslösen möglich, sondern die kürzeste Verschlusszeit verbessert sich von 1/2000 s auf 1/32.000s. Da Sony den Sensor dank des integrierten DRAM-Speichers besonders schnell auslesen kann, fallen die Nachteile des elektronischen Verschlusses weniger ins Gewicht als bei vielen anderen Kameras. So haben wir im Test keine Probleme mit Verzerrungen durch den Rolling-Shutter-Effekt beobachtet, allerdings kann es bei Neonlicht zu Streifenbildungen bei kurzen Verschlusszeiten kommen (ab ca. 1/300 s).
Nicht fehlen darf natürlich das Wi-Fi-Modul zur Fernsteuerung und drahtlosen Bildübertragung, das durch Bluetooth für eine ständige Verbindung zwischen Kamera und Smartgerät ergänzt wird. Weitere Funktionen sind ein HDR-Modus, Schwenkpanoramen, Bildeffekte (u. a. Miniatur und Farbauszüge), Peaking, Zebra und eine Augenerkennung.

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Andreas Jordan
Über den Autor
Andreas Jordan

Andreas Jordan ist Mediendesigner und arbeitet seit 1994 als Redakteur und Autor mit den Schwerpunkten Multimedia, Imaging und Fotografie für verschiedene Fach- und Special-Interest-Magazine (u. a. Screen Multimedia, Computerfoto, MACup). Seit 2003 ist er Redakteur beim fotoMAGAZIN und leitet dort seit 2007 das Ressort Test & Technik.