Im Test: Sony Alpha 9

Auf dem Sprung
19.09.2017

Die Alpha 9 könnte die Sportfotografie revolutionieren. Sie schießt 20 Bilder pro Sekunde mit AF-Nachführung – und das ohne störendes Spiegel- oder Verschlussgeklapper. Lesen Sie hier einen ausführliche Test der Sony Alpha 9, die wir außerdem auch mit der Konkurrenz von Canon und Nikon verglichen haben

 

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Sony Alpha 9 frontal

Der Griff der Alpha 9 ist gegenüber der 7er-Serie etwas größer geworden. Die Einstellräder sind mit Ausnahme des Belichtungskorrekturrads arretiert

© Sony

Äußerlich sieht man der vergleichsweise kleinen Alpha 9 ihre beeindruckenden Fähigkeiten kaum an – und doch wurde die Sony Alpha 9 kürzlich erst zur EISA-Kamera 20017-2018 gekürt. Beim Gehäuse setzt Sony auf Evolution und hat nur einige sinnvolle Veränderungen gegenüber der Alpha-7-II-Serie vorgenommen. Grundsätzlich bleibt die Kamera klein und leicht und wiegt nur etwa die Hälfte der Profiboliden Canon EOS-1D X Mark II und Nikon D5 – diese haben allerdings den Hochformatgriff bereits eingebaut, den es bei Sony als Zubehör gibt. Aber auch verglichen mit der kleineren Profi-SLRs EOS 5D Mark IV ist die Alpha 9 noch rund 220 Gramm leichter. Im Vergleich zur Alpha-7-II-Serie fällt der Griff etwas größer aus, was angesichts der in der Sportfotografie eingesetzten großen und schweren Teleobjektive absolut sinnvoll ist.

Neu sind einige Bedienelemente: Der Joystick zum Verschieben des Autofokus-Messfeldes, der AF-On-Button und die gegen ein versehentliches Verstellen arretierten Einstellräder für Serienbilder bzw. Autofokus-Modi. Lediglich das Belichtungskorrekturrad lässt sich nicht arretieren und kann sich beispielsweise beim Verstauen in der Fototasche verstellen – dank elektronischem Sucher sieht man dann aber sofort, ob die Kamera über- oder unterbelichtet.

Der Monitor hat gegenüber der Canon- und Nikon-Konkurrenz Vor- und Nachteile: Positiv fällt auf, dass er beweglich gelagert ist und sich nach oben und unten kippen lässt. Allerdings ist er kleiner (7,5 cm Diagonale statt 8,1 cm). Ab Werk ist er für den Außeneinsatz außerdem viel zu dunkel eingestellt, man kann ihn aber im Menü auf „Sonne“ umstellen, sodass er auch bei hellem Umgebungslicht gut ablesbar ist.

Alle drei Sport-Kameras haben übrigens einen Touchscreen, bei der Alpha 9 ist er aber ähnlich wie schon in der Alpha 6500 etwas halbherzig integriert: So lässt sich vor der Aufnahme nur das AF-Messfeld verschieben – fokussiert wird dann per Auslöser oder AF-On-Taste. Die Schärfeverlagerung per Touch-AF funktioniert nur während der Videoaufzeichnung. Im Wiedergabemodus kann der Fotograf die Aufnahmen durch die Berührung des Monitors vergrößern, aber nicht blättern und auch die Menü-Navigation per Touch ist nicht möglich.

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Sony Alpha 9 von oben

Über das Moduswahlrad hat der Fotograf auch direkten Zugriff auf den Video- und den S&Q-Modus

© Sony

Beeindruckend ist der Sucher. Er ist sogar minimal größer als die SLR-Sucher der EOS-1D X Mark II und der Nikon D5 und zeigt beim Fotografieren im Serienbildmodus mit elektronischem Verschluss ein unterbrechungsfreies Live-Bild an – SLRs haben konstruktionsbedingt eine minimale Dunkelphase. Positiv machen sich außerdem die sehr hohe Auflösung und das auch bei Schwenks ruckelfreie Sucherbild bemerkbar.

Ganz von elektronischen Moiré- und Aliasing-Artefakten verschont bleibt auch der Alpha-9-Sucher nicht. Im Vergleich zu optischen Suchern fressen außerdem die Lichter schneller aus, da der Dynamikumfang vom Sensor begrenzt wird. Die ist nicht unbedingt ein Nachteil, denn der Sucher zeigt, das was aufgenommen wird, während der optische Sucher einen größeren Dynamikumfang vorgaukelt, als die Kamera tatsächlich hat.

Innere Werte

Herzstück der Alpha 9 ist der neu entwickelte 24-Megapixel-CMOS-Sensor. Er kombiniert alle aktuellen Schlüsseltechnologien von Sony. Wie schon bei der 42-Megapixel-Kamera Alpha 7R II wurden die Leiterbahnen hinter die Fotodioden verlegt, um die Lichtausbeute zu maximieren („rückseitige Belichtung“). Zum anderen wurde, wie in den Kompaktkameras der RX100-Serie, DRAM-Speicher integriert, der für eine besonders hohe Verarbeitungsgeschwindigkeit sorgt.

Gegenüber der Alpha 7R II haben die Sony-Ingenieure außerdem den auf dem Bildsensor integrierten Hybrid-Autofokus verbessert: So stehen nun 693 Phasen-Detektionsmessfelder zur Verfügung, die über 90 Prozent des Bildfeldes abdecken; hinzu kommen 25 Messfelder mit Kontrast-Erkennung. Der Autofokus deckt also einen deutlich größeren Bildbereich ab, als bei den SLRs von Canon und Nikon, was sich vor allem beim AF-Tracking positiv bemerkbar macht, das fast bis an den Bildrand erfolgt. Erstaunlich zuverlässig kann der Autofokus übrigens auch Augen verfolgen – ein starker Vorteil vor allem beim Fotografieren mit sehr lichtstarken Objektiven und entsprechend geringer Schärfentiefe.

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Sony Alpha 9 Monitor

Der 3,0-Zoll-Monitor lässt sich um 107 Grad nach oben und 41 Grad nach unten klappen

© Sony

Einen echten Paradigmenwechsel vollzieht Sony beim Verschluss, der überwiegend auf elektronischem Weg realisiert wird. Ein mechanischer Verschluss ist zwar noch an Bord, aber primär für den Blitzeinsatz gedacht (Synchronzeit: 1/250 s). Im Serienbildbetrieb limitiert der mechanische Verschluss die Kamera dagegen auf bescheidene 5 Bilder/s, auch tritt dann eine deutlich störende Dunkelphase im Sucher auf.

Ganz anders der elektronische Verschluss, der 20 Bilder/s mit unterbrechungsfreiem Sucherbild ermöglicht. Dabei kann die Kamera völlig lautlos auslösen, was allerdings sehr ungewohnt und irritierend ist, da man kein Feedback beim Auslösen bekommt. Wen das stört, der kann ein künstliches Auslösegeräusch aktivieren. Auch bei der kürzesten Verschlusszeit überbietet der elektronische den mechanischen Verschluss: So ist im S- und M-Modus 1/32.000 s, in anderen Belichtungsprogrammen 1/16.000s möglich (mechanisch: 1/8000 s). Den Rolling-Shutter-Effekt, der bei elektronischen Verschlüssen zu Verzerrungen bei Bewegungen führen kann, hat Sony nach eigenen Angaben durch das sehr schnelle Auslesen des Sensors deutlich reduziert; tatsächlich haben wir im Test keine störenden Effekte wahrgenommen.

Ein weiterer großer Vorteil gegenüber Canon und Nikon ist der integrierte Bildstabilisator mit Sensor-Shift. Er reduziert die Verwacklungsgefahr auch bei Aufnahmen mit Objektiven ohne eigenen Stabilisator; hat das Objektiv einen Stabilisator, so arbeiten beide zusammen. Die Effektivität wurde in der Alpha 9 noch einmal verbessert und erreicht jetzt – gemessen nach dem CIPA-Standard – bis zu fünf Blendenstufen.

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Andreas Jordan
Über den Autor
Andreas Jordan

Andreas Jordan ist Mediendesigner und arbeitet seit 1994 als Redakteur und Autor mit den Schwerpunkten Multimedia, Imaging und Fotografie für verschiedene Fach- und Special-Interest-Magazine (u. a. Screen Multimedia, Computerfoto, MACup). Seit 2003 ist er Redakteur beim fotoMAGAZIN und leitet dort seit 2007 das Ressort Test & Technik.