Im Test: Ricoh Pentax K-1 Mark II

Spiegelreflex Schwergewicht
07.01.2019

Die Pentax K-1 Mark II bringt gut ein Kilogramm auf die Waage und ist entsprechend robust. Als erste Kamera soll sie einen auflösungssteigernden Pixel-Shift bei Aufnahmen aus der Hand ermöglichen. Ob das klappt, haben wir im Vergleichstest mit der Konkurrenz von Canon und Nikon in der Preisklasse um die 2000 Euro getestet.

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Ricoh Pentax K-1 schraeg mit Geli

Die Pentax K-1-Modelle sind die schwersten Kameras im Test, dafür ist das Metallgehäuse aber auch sehr robust.

© Ricoh

Äußerlich ist die K-1 Mark II identisch mit ihrer Vorgängerin. Pentax bietet K-1-Fotografen sogar an, ihre Kamera in eine Mark II umzubauen. Neben dem Einbau einer neuen Platine mit Beschleunigereinheit für den Bildprozessor, wird dabei auch der Logo-Sticker unten links von SR (für Shake Reduction) in eine II geändert. Da bei der „echten“ K-1 II die II oben rechts steht, lassen sich die beiden Kameras äußerlich unterscheiden.
Wie ihre Vorgängerin ist die K-1 Mark II äußerst robust und schwer: Das Gehäuse mit Metallchassis und Magnesiumlegierung ist mit 87 Dichtungen gegen das Eindringen von Staub und Spritzwasser geschützt, der Auslöser ist für 300.000 Auslösungen getestet. Bei der Bedienung hat sich Ricoh einige Besonderheiten einfallen lassen. Neben dem klassischen Betriebsarten-Wählrad gibt es ein Funktionsrad, das in Kombination mit einem Einstellrad auf der Kameraoberseite einen schnellen Zugriff auf neun Funktionen bietet. Ein kleines Info-Display findet auf der Oberseite auch noch Platz. Einen dicken Pluspunkt gibt es für die Beleuchtung: Sechs LEDs erhellen im Dunkeln die Kamerarückseite, das Speicherkartenfach und das Bajonett. Vermisst haben wir dagegen einen AF-Joystick zum Verschieben des Messfeldes. Dies geht nur über die Viererwippe, wobei die Funktion vorher über die AF-Messfeldtaste aktiviert werden muss. Das ist zu umständlich, zumal die Pentax auch keinen Touchscreen zum Verschieben des AF-Feldes mitbringt – einen solchen hat im Testfeld nur Canons EOS 6D Mark II. Ansonsten ist der große 3,2-Zoll-Monitor aber eine der positiven Eigenarten der K-1 II. Er lässt sich über Stangen herausziehen und dann nach oben (90 Grad), unten (45 Grad) und zur Seite (30 Grad) kippen, wobei er immer in der optischen Achse bleibt. Nur die Selbstportrait-Position und das Einklappen mit geschützter Monitoroberfläche sind nicht möglich – auch das geht im Testfeld nur bei der 6D Mark II. Der optische Glasprisma-Sucher fällt, wie beim Vollformat üblich, angenehm groß aus (Vergrößerung wie bei der Konkurrenz 0,7x) und deckt 100 Prozent des Bildfeldes ab. Sowohl im Sucher als auf dem Monitor lässt sich eine elektronische 3D-Wasserwaage anzeigen.

Bewegende Momente

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Ricoh Pentax K-1 Mark II Bildstabilisator

Der Bildstabilisator mit Sensor-Shift korrigiert Bewegungen auf fünf Achsen.

© Ricoh

Die K-1 und ihre Nachfolgerin sind die einzigen Kameras im Testfeld, die zur Bildstabilisierung auf einen beweglichen Sensor setzen – bei Canon und Nikon hat diese Technologie noch nicht Einzug gehalten. Wie ihre Vorgängerin kompensiert die K-1 II Bewegungen auf fünf Achsen mit einer Effektivität von rund fünf Blendenstufen. Der Sensor-Shift ermöglicht aber noch zahlreiche andere Funktionen. Die vielleicht wichtigste ist der Pixel-Shift-Resolution-Modus (PSR). Schon die Ricoh Pentax K-1 macht dabei vier Aufnahmen mit elektronischem Verschluss, bei denen der Sensor um jeweils einen Pixel nach links, rechts, unten und oben verschoben wird. Auf diese Weise werden pro Pixel rote, grüne und blaue Farbinformationen erfasst, die normalerweise mit Qualitätsverlusten aus Nachbarpixeln interpoliert werden. Die eigentliche Pixelauflösung bleibt – anders als bei Olympus oder Panasonic – bei 36 Megapixeln. Die K-1 Mark II hat nun drei verschiedene PSR-Modi. Zwei schon aus der K-1 bekannten Modi setzen ein Stativ voraus. Neben der Standard-Einstellung für komplett statische Motive gibt es einen Motion-Correction-Modus (MC), der Bewegungen, beispielsweise Blätter oder Äste bei Landschaftsaufnahmen, erkennen und in diesen Bildteilen nur eine Belichtung heranziehen soll. Neu ist der Bildstabilisierungsmodus für Aufnahmen aus der Hand („Dynamic Pixel Shift“). Da der Sensor hier bereits zur Bildstabilisierung genutzt wird, kann er nicht gleichzeitig pixelgenau verschoben werden. Stattdessen werden einfach vier leicht versetzte Aufnahmen miteinander verrechnet (siehe zu diesem Thema auch den Artikel zu Superresolution in fM 3/18). Anders als bei den Stativ-Modi kommt dabei der mechanische Verschluss zum Einsatz, da sich der E-Verschluss nicht mit dem Bildstabilisator kombinieren lässt. Das Ergebnis erreicht laut Ricoh 70 Prozent der Effektivität der PSR-Aufnahme vom Stativ. Doch wie sehen die Ergebnisse in der Praxis aus? In unserem Test waren die PSR-Aufnahmen vom Stativ mit dem D FA 2,8/24-70 mm minimal schärfer und zeigten bei Motiven mit entsprechenden feinen Strukturen auch etwas mehr Details. Vor allem werden Moirés vermieden, die zum Teil auf eine fehlerhafte Farbinterpolation zurückzuführen sind. Auch das Bildrauschen wird reduziert. Mit aktivierter Motion Correction sind die Ergebnisse sehr ähnlich, die Bewegungskorrektur funktionierte im Test nur zum Teil. Auch hierbei traten bei sich minimal bewegenden Bäumen und Sträuchern Artefakte auf, die etwas geringer ausfallen als ohne Motion Correction. Bei Aufnahmen aus der Hand mit Bildstabilisator waren je nach Motiv keine oder minimale Schärfeunterschiede zur Aufnahme ohne PSR zu erkennen – Moirés und Rauschen werden hier leider nicht reduziert. Die fertigen Pixel-Shift-Bilder können sowohl als JPEG als auch als Raw-Datei gespeichert werden. Ricoh stellt übrigens gleich zwei Raw-Formate zur Auswahl: Das eigene PEF und das von Adobe ins Leben gerufene DNG.
Ebenfalls auf dem beweglichen Sensor basieren die Tiefpassfilter-Simulation, die den Sensor in leichte Schwingungen versetzt, um Moirés zu vermeiden, und der Astrotracer, der in Kombination mit dem integrierten GPS-Modul bei Langzeitbelichtungen von Sternen die Erddrehung ausgleicht. Außerdem kann der Sensor mit der Funktion „Bildausschnittanpassung“ in sehr engen Grenzen ein Shift-Objektiv simulieren, indem er vertikal oder horizontal gekippt wird. Auch eine automatische Horizontanpassung ist auf diese Weise möglich.

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Andreas Jordan
Über den Autor
Andreas Jordan

Andreas Jordan ist Mediendesigner und arbeitet seit 1994 als Redakteur und Autor mit den Schwerpunkten Multimedia, Imaging und Fotografie für verschiedene Fach- und Special-Interest-Magazine (u. a. Screen Multimedia, Computerfoto, MACup). Seit 2003 ist er Redakteur beim fotoMAGAZIN und leitet dort seit 2007 das Ressort Test & Technik.