Portraitfotografie: 9 Tipps für emotionale Bilder

So fangen Sie Emotionen richtig ein!
10.08.2018

Ob Familienportrait oder spontaner Schnappschuss: Bei Aufnahmen von Personen geht es darum, Stimmung zu vermitteln und Gefühle beim Betrachter zu erzeugen. Was also ist das Geheimnis guter Portraitfotografie? Mit diesen 9 Tipps für emotionale Bilder erzielen Sie die gewünschte Wirkung.

 

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Gefühl Einsamkeit festhalten Portrait

Das Gefühl der Einsamkeit geht mit einem großen Leidensdruck einher. Wir kommen uns klein und verloren vor. Aufs Bild bekommen wir diese Emotion am besten mithilfe optischer Abgrenzungen.

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Einsamkeit: sorgen Sie für eine optische Abgrenzung

Einsamkeit lässt sich auf vielerlei Weise inszenieren. Wir können uns allein in unserer Wohnung ebenso einsam fühlen wie inmitten von Menschen. Im Bild lässt sich das festhalten, indem Sie die Person optisch vom Rest des Bildes abgrenzen. Fotografieren Sie mit weit geöffneter Blende, um alle Elemente um Ihr Hauptmotiv unscharf auszublenden. Auch eine punktuelle Lichtsetzung, durch die Bildbereiche um den Portraitierten in der Dunkelheit verschwinden, kann Einsamkeit signalisieren. Wie die Trauer ist die Einsamkeit kraftlos und undynamisch. Achten Sie auf einen farblich homogenen Bildaufbau und lassen Sie Luft um Ihr Hauptmotiv. So wird die Leere betont.

Um die Natürlichkeit des Bildes zu unterstreichen, können Sie auf Tricks der Reportagefotografie zurückgreifen: Arbeiten Sie mit vorhandenem Licht, wandeln Sie die Aufnahme in Schwarzweiß um und achten Sie auf einen natürlichen Ausdruck des Portraitierten. Wie bei der Visualisierung der Freiheit wirken auch hier von hinten fotografierte Aufnahmen oft besonders intensiv.

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Intimität Portrait

Wahre und echte Intimität ist nicht gestellt und passiert unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Und genau diesen Umstand berücksichtigen gute Portraits!

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Intime Momente: im Paparazzi-Stil festhalten

In jedem von uns steckt ein Voyeur. Wir interessieren uns einfach für andere Menschen und beobachten sie gerne in ungestörten Momenten. Entsprechende Aufnahmen im Paparazzi-Stil wirken deshalb auf den Betrachter besonders interessant.

Besonders authentisch wirken die – in Wahrheit natürlich inszenierten – Aufnahmen, wenn Sie unscharfe Elemente wie eine Tür, Reflexionen in einer Scheibe oder auch eine andere Person in den Vordergrund integrieren, die den Eindruck erwecken, wir wären heimlicher Beobachter einer privaten Szene. Natürliche Farben und natürliches Licht verstärken den Eindruck der Authentizität, aber auch Schwarzweißaufnahmen im Stile der Street Photography funktionieren gut.

Portraits gedankenverlorener Menschen fotografieren Sie am besten im Querformat. Beachten Sie die Drittelregel.

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Nachdenkliche Stimmung einfangen

Wer nachdenklich ist und tief in Gedanken verloren, bekommt meist gar nicht mit, was um ihn herum passiert. Und genau das wollen wir bei dieser Art Portrait auch sehen!

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Nachdenklich gestimmt: ein schweifender Blick in die Ferne hilft

Neben Stärke und Coolness gibt es eine weitere ernste Stimmung, die jeder von uns kennt und auf Bildern gerne übergangen wird: Wir sind nachdenklich, gedankenverloren und fühlen uns von der Welt abgekapselt. Eine intime Emotionslage, die, sensibel fotografiert, ein besonders intensives Motiv abgibt. Wie bei der Abbildung von Stärke kommt es dabei vor allem auf Augen, Mimik und Körpersprache an. Üblicherweise ist der Blick des Portraitierten nicht in die Kamera gerichtet, sondern schweift in die Ferne ohne ein bestimmtes Ziel.

Positionieren Sie die Person so im Bild, dass in der Blickrichtung genügend freier Raum bleibt. Fotografieren Sie dazu im Querformat und beachten Sie die Drittelregel. Nachdenkliche Aufnahmen funktionieren sowohl im Studio als auch auf der Straße oder im Bus oder der Bahn. Idealerweise schießen Sie das Bild in einem unbeobachteten Moment mit einem Teleobjektiv. So können Sie die authentische Stimmung einfangen, ohne den Portraitierten zu stören. Sepia-Töne, Monochrom-Umwandlungen oder auch ein kontraststarker Retro-Look harmonieren sehr gut mit dieser Bildstimmung.

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Trauer visualisieren Portrait

Wie hält man ein Gefühl fest, das jeder von uns am liebsten sofort loswerden möchte? Ein respektvoller Umgang mit der Situation hilft weiter.

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Trauer und Verzweiflung: besser auf Distanz bleiben

Die Trauer ist eine sehr intime Emotion. Überlegen Sie sich genau, wann Sie fotografieren und wann Sie den Trauernden seine Privatsphäre lassen müssen. Andererseits können respektvolle Bilder unterstützend wirken und den Portraitierten später an einen wichtigen Moment des Lebens zurückerinnern. Halten Sie sich mit der Kamera zurück, aktivieren Sie den Silent-Modus, um die trauernde Person nicht zu stören und bleiben Sie auf Distanz. Aufnahmen mit von der Kamera abgewandten oder verdeckten Gesichtern werden als weniger starker Eingriff in die Privatsphäre wahrgenommen und sind in kritischen Momenten oft eine willkommene Alternative.

Weinende Menschen können bisweilen sehr emotionsstark erscheinen, in den meisten Fällen ist Trauer jedoch geprägt von Energielosigkeit und Einsamkeit. Achten Sie auf einen ruhigen, monotonen Hintergrund und öffnen Sie die Blende, um den Fokus auf den Trauernden zu richten. Starke oder bunte Farben stören den Bildeindruck, wandeln Sie die Aufnahme im Zweifel in Schwarzweiß oder Sepia um. Sinnbildlich steht die Trauer für einen Schatten, der auf unser Leben fällt. Halten Sie Ihr Bild dunkel, arbeiten Sie mit vielen Schatten und lassen Sie die Helligkeit zum Bildrand hin deutlich abfallen.

fotoMAGAZIN 6/2017

fotoMAGAZIN 06/2017

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Über den Autor
Sebastian Sonntag

Der Münchner Sebastian Sonntag ist sowohl freier Journalist, als auch Fotograf. In seinen Arbeiten konzentriert er sich auf die experimentelle Seite der Mode- und Beautyfotografie.