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Nikon Z9: Testergebnis Super
Nikon Z9: Testergebnis Super
Bild: Nikon, fotoMAGAZIN

Testergebnisse zur Nikon Z9

Praxis- und Labortest
12.01.2022

Bereits im November konnten wir ein Vorseriengerät der Nikon Z9 einem Praxistest unterziehen. Wie versprochen liefern wir nun die vollständigen Testergebnisse nach – gemessen mit einem Serienmodell.

Das Vorserienmodell der Z9 stand uns Mitte November für einen Tag zur Verfügung (siehe auch Videovergleich mit der Canon EOS R3). Eine Praxistest der EOS R3 und Z9 haben wir in fotoMAGAZIN 1/22 veröffentlicht, mit dem Versprechen die Laborergebnisse so schnell wie möglich online nachzuliefern. Bei der EOS R3 haben wir dies schon Anfang Dezember getan (siehe auch den kompletten Test in fotoMAGAZIN 2/22). Die Auslieferung der Z9 hatte sich aber etwas verzögert, sodass die Ergebnisse erst jetzt folgen. Einen allgemeinen Überblick zur Z9 gibt neben dem Artikel in fotoMAGZIN 1/22 auch unser erster Online-Check von Ende Oktober.

Geschwindgkeit

Die Nikon Z9 ist eine der schnellsten Vollformatkameras und überbietet in dieser Hinsicht auch die Sport-SLR D6 aus dem eigenen Haus. Der weiterentwickelte Autofokus erkennt Menschen, Tiere und Fahrzeuge und verfolgt diese zuverlässig auch bei hohen Serienbildraten.

Die Serienbildgeschwindigkeit haben wir mit der von Nikon empfohlenen CFexpress-Karte AV Pro SX von Angelbird gemessen, die es theoretisch auf eine Schreibgeschwindigkeit von 1600 MB/s bringt. Die Kamera hatte bereits Firmware 1.1, die laut Nikon Verbesserungen bei der Serienbildlänge bringt. Wie üblich haben wir die Geschwindigkeit getrennt für JPEGs und Raws ermittelt. In einem speziellen High-Speed-Modus kann die Kamera 30 JPEGs in voller Auflösung pro Sekunde und in der Komprimierungsstufe Normal schießen. Hier haben wir 198 Bilder in Folge gemessen – die Serie hält also knapp sieben Sekunden. Mit reduzierter Auflösung von 11 MP sind sogar 120 JPEGs/s möglich, dann für 743 Aufnahmen in Folge, also gut sechs Sekunden lang. Im normalen Highspeed-Serienmodus sind bis zu 20 Bilder/s möglich. Hier kann der Anwender frei zwischen JPEG und Raw und verschiedenen Komprimierungen wählen. Wir haben folgende Werte bei 20 Bildern/s ermittelt:

  • JPEG-Fine: über 1000 (Test nach 52 Sekunden abgebrochen)
  • Raw verlustfrei komprimiert: 65
  • Raw High Effiency*: 186
  • Raw High Effiency: 497

In allen Raw-Modi nimmt die Kamera nach Erreichen des Limits weiter auf, allerdings kommt es zu gelegentlichen Aussetzern und die Geschwindigkeit sinkt leicht. Die High Efficiency-Formate (HE) kommen übrigens erstmals in der Z9 zum Einsatz. Sie ermöglichen vergleichsweise schlanke Raw-Dateien: Eine HE-Datei ist (abhängig vom Motiv) ca. 20 bis 25 MB groß, HE* bringt es auf rund 30 bis 37 MB, die verlustfrei komprimierte Raw-Datei sind ca. 50 bis 58 MB groß. Ein unkomprimiertes Raw gibt es nicht mehr. Alle Raw-Dateien haben laut Nikon eine Farbtiefe von 14 Bit, ein Umschalten auf 12 Bit ist nicht möglich. Im Test konnten wir übrigens keine Nachteile bei den HE-komprimierte Raws feststellen. Selbst unterbelichtete und im Raw-Konverter aufgehellte Raws sahen unabhängig von der Komprimierungsstufe nahezu identisch aus.

Bildqualität

Die Bildqualität ermitteln wir wie immer im Testlabor im JPEG-Modus, mit Werkseinstellungen und einem Referenzobjektiv, wobei wir gegenüber früheren Tests vom Z 1,8/85 mm S auf das noch höher auflösende Z MC 2,8/105 mm VR S umgestiegen sind. Bis ISO 200 erreicht die Nikon Z9 mit diesem Objektiv eine extrem hohe Auflösung mit Wirkungsgarden von über 100 % – ein sichereres Zeichen für eine aggressive Bildaufbereitung, die sich negativ in der Artefaktnote von 4,5 niederschlägt, was allerdings für die meisten Kamera gilt. Auch im Praxistest traten bei der Z9 gelegentlich Moirés bei Architekturaufnahmen auf.

Ab ISO 400 sinkt die Auflösung dann zunächst langsam, ab ISO 1600 stärker – in dieser Empfindlichkeitsstufe liegt der Wirkungsgrad noch bei knapp 80 % und ist damit sehr gut. Das Bildrauchen ist zunächst sehr niedrig und steigt dann kontinuierlich an. Einen ersten größeren Sprung gibt es bei ISO 3200 (von 2,9 auf 3,7), bis ISO 6400 (3,9) bleibt das Rauschen aber knapp unter dem kritischen Wert von 4. Erst bei ISO 12.800 steigt es dann kräftig auf 5,3.

Beim JPEG-Dynamikumfang erreicht die Z9 in der Grundempfindlichkeit einen sehr guten Wert von 9 Blendenstufen, der in den höheren ISO-Stufen kontinuierlich zurückgeht. Die JPEG-Dynamikwerte sind wie immer mit Vorsicht zu interpretieren, da sie stark von der Abstimmung der JPEGs, beispielsweise dem Bildstil oder einer Anpassung der Tonwertkurve, abhängig sind. Spätestens im Raw-Konverter lässt sich bei allen Kameras deutlich mehr Zeichnung in Lichtern und Schatten generieren.

Unter dem Strich erreicht die Z9 bis ISO 800 eine hervorragende Bildqualität, die ab ISO 1600 durch die Rauschunterdrückung etwas leidet. Wer will kann diese natürlich in der Kamera oder im Raw-Konverter reduzieren, was dann aber zu einem höheren Rauschen führt.

Fazit

Die Z9 hat uns im Test begeistert. Sie ist aktuell Nikons beste Kamera und erreicht die Ausnahmenote "Super". Den kompletten Test der Kamera im Vergleich zur Konkurrenz lesen sie in fotoMAGAZIN 3/22, das am 15. Februar auf den Markt kommt.

Technische Daten und Testergebnisse zur Nikon Z9



Kamera Nikon Z 9
Preis (Liste/ Straße) ca. 6000 Euro/ca. 6000 Euro
Sensor: Art/ Abmessungen/ Auflösung/ Pixelpitch Stacked-CMOS ohne Tiefpassfilter/ 35,9 x 23,9 mm/ 45,7 MP/ 4,4 µm
Bajonett/ Crop-Faktor Z/ 1
Autofokus Hybrid: 493 Messfelder
IBIS/ Pixelshift/ Sensorreinigung/ WLAN ja/ nein/ ja/ ja
Blitz kein Gehäuseblitz/ Blitzschuh/ Synchronzeit: 1/200 s, Synchronbuchse
Belichtungszeiten 1/32.000 - 30 s, Bulb
Empfindlichkeit ISO 64 - 25.600, erweiterbar (32 und 102.400)
Video: max. Auflösung/ max. Bildrate/ Codec 7680 x 4320/ 30p; 3840 x 2160/ 120p/ H.264, H.265
Sucher OLED (3,69 Mio. Punkte)/ Bildfeld: 100 %/ Vergrößerung: 0,8x
Monitor: Diagonale/ Auflösung 8,1 cm/ 2,1 Mio. Punkte, in drei Richtungen beweglich, Touchscreen
Speicher 2 x XQD/CFexpress
Akkuleistung nach CIPA 740 (Monitor), 700 (Sucher) Aufnahmen 
Schnittstellen USB 3.2 (Typ C), HDMI (Typ A), Mikrofon, Kopfhörer, Ethernet
Abmessungen (B x H x T)/ Gewicht (mit Akku) 149,5 x 149 x 90,5 mm/ 1340 g
Geschwindigkeit mit Angelbird AV Pro SX (1600/1785 MB/s)
Serienbilder pro Sekunde 20 (JPEG: bis zu 30, mit 11 MP: 120)
Serienbilder in Folge JPEG: >1000/ Raw-HE: 457 (bei 30 JPEGs/s: 198)
Bildqualität (JPEG) – Referenzobjektiv mit Nikkor MC 2,8/105 mm VR S
Auflösung (ISO 100/ 200/ 400/ 800/ 1600/ 3200/ 6400) 1 49,8 (ISO 64)/ 47,5/ 43,5/ 37,4/ 29,1/ 28,1/ 27,0 effektive MP
Bildrauschen (ISO 100/ 200/ 400/ 800/ 1600/ 3200/ 6400) 3 1,9 (ISO 64)/ 2,2/ 2,6/ 2,8/ 2,9/ 3,7/ 3,9 Rauschintensität
Belichtungsumfang (Eingangsdynamik: ISO 100/ 200/ 400/ 800/ 1600/ 3200/ 6400) 1 9,0 (ISO 64)/ 8,8/ 8,7/ 8,7/ 8,5/ 8,5/ 8,3 Blendenstufen
Artefaktnote/ Scharfzeichnungsnote 2 4,5/ 2,1
Bewertung  
Bildqualität (60%) 85,7%
Geschwindigkeit (20%) 100%
Ausstattung und Bedienung (20%) 99,7%
Gesamtwertung 91,3% (Super)
   
1 Höhere Werte sind besser.  2 Schulnoten von 1 bis 6. 3 Niedrigere Werte sind besser.   

 

 

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Über den Autor
Andreas Jordan

Andreas Jordan ist Journalist und Mediendesigner und arbeitet seit 1994 als Redakteur und Autor mit den Schwerpunkten Multimedia, Imaging und Fotografie für verschiedene Fach- und Special-Interest-Magazine (u. a. Screen Multimedia, Computerfoto, MACup) und Tageszeitungen (Hamburger Abendblatt, Berliner Kurier). Seit 2003 ist er Redakteur beim fotoMAGAZIN und leitet dort seit 2007 das Ressort Test & Technik.