Fujifilm GFX100: Mittelformatkamera mit 102 Megapixeln

Ende Juni soll die schon auf der photokina 2018 vorangekündigte GFX100 für rund 11.000 Euro auf den Markt kommen. Mit Funktionen wie Bildstabilisierung, Phasendetektion auf dem Bildsensor und 4K-Video hebt sie die Mittelformat-Fotografie auf ein neues Niveau. Wir hatten die Fujifilm-Kamera bereits kurz in der Hand.

Farbiges Porträt von Andreas Jordan vor neutralem Hintergrund

Andreas Jordan

Andreas Jordan leitet das Technik-Ressort beim fotoMAGAZIN.

Fujifilm GFX100

Fujifilm GFX100

Bild: Fujifilm

Die Unterschiede zu den bisherigen GFX-Modellen 50S und 50R fangen nicht erst bei den inneren Werten an. Auf den ersten Blick sieht man, dass Fuji das Bedienkonzept geändert hat.

 
Fujifilm GFX100

Die Oberseite mit großen Info-Display. Das Zeitenrad ist entfallen.

Bild: Fujifilm

So fehlen die klassischen Bedienelemente wie das Zeiten-, ISO- und Belichtungskorrekturrad auf der Oberseite. Neu ist dagegen der Umschalter für Still (Foto), Multi (Bracketing und Mehrfachbelichtungen) und Movie. Eine Drive-Taste für Serienbilder ist ebenfalls vorhanden. Auf der Oberseite befindet sich außerdem ein großes Info-Display (1,8 Zoll Diagonale), auf dem sich neben den Kameraeinstellungen auch ein Histogramm und virtuelle Räder, beispielsweise für die Belichtungszeit, einblenden lassen. Das Info-Display auf der Oberseite wird von einem kleinen 2,05-Zoll-Display auf der Rückseite unterhalb des Hauptmonitors ergänzt. Welche Einstellungen wo angezeigt werden kann der Fotograf individuell konfigurieren.

Elektronischer Sucher und Winkeladapter

Fujifilm GFX100

Der Monitor lässt sich auf zwei Achsen bewegen.

Bild: Fujifilm

Der Hauptmonitor selber hat eine Diagonale von 3,2 Zoll, löst 2,36 Millionen Punkte auf, ist klapp- und schwenkbar und erlaubt die Touch-Bedienung. Der abnehmbare OLED-Sucher lässt sich wie bei der GFX 50S mit einem optionalen Winkel-Adapter (EVF-TL1) nach oben schwenken. Er ist dank neuer optischer Elemente minimal größer als in der GFX 50S (Vergrößerung 0,86 statt 0,85fach) und löst höher auf (5,76 Millionen Punkte statt 3,69 Mio.). Die elektronische Boost-Steuerung erlaubt drei verschiedene Modi, wahlweise mit Priorität auf Sucher-Bildrate, Sucher-Auflösung oder AF-Geschwindigkeit.

Fujifilm GFX100

Mit dem optionalen Winkekadapter lässt sich der Sucher flexibel ausrichten.

Bild: Fujifilm

Das staub- und spritzwassergeschützte Magnesiumgehäuse besitzt einen integrierten Hochformatgriff, der die Nutzung von zwei Akkus erlaubt. Zusammen bringen sie es auf eine Laufzeit von 800 Aufnahmen. Über die USB-C-Schnittstelle (USB 3.2) lassen sich die Akkus laden und die Kamera mit einem externen Power-Pack betreiben.

Hybrid-Autofokus jetzt auch in der GFX-Serie

Der Autofokus nutzt neben einer Kontrasterkennung 3,76 Millionen Phasendetektionspixel, die fast das ganze Bildfelde abdecken. Die AF-Geschwindigkeit soll gegenüber den bisherigen GFX-Kameras verdoppelt worden sein. Die Empfindlichkeit bei wenig Licht reicht bis -2 EV und auch eine Gesichts- und Augenerkennung ist an Bord. Serienbilder nimmt die GFX100 mit 5 Bildern/s auf, wobei 41 JPEGs und 14 Raws in Folge möglich sind. Der mechanische Verschluss schafft als kürzeste Zeit 1/4000 s, ein optionaler elektronischer Verschluss verkürzt auf 1/16.000 s und ermöglicht das lautlose Auslösen. Die kürzeste Blitzsynchronzeit liegt bei 1/125 s.

Mittelformat mit Bildstabilisator und  BSI-Sensor

Fujifilm GFX100

Die Schnittstellen, darunter Mikrofon, Kopfhörer und USB-C.

Bild: Fujifilm

Premiere in einer Mittelformatkamera hat der kamera-interne Bildstabilisator (In Body Image Stabilization, IBIS). Er arbeitet auf 5 Achsen und kann laut Hersteller bis zu 5,5 Blendenstufen kompensieren, sodass sich die Kamera trotz der extrem hohen Auflösung sinnvoll aus der Hand nutzen lässt. Zunächst soll sich wahlweise der Bildstabilisator in der Kamera oder – falls vorhanden – im Objektiv nutzen lassen. Fuji arbeitet aber daran, die beiden Stabilisatoren zu kombinieren.

Die 102 Megapixel hat der Hersteller auf einem 43,8 x 32,9 mm großen Sensor untergebracht, der, wie schon in den bisherigen GFX-Modellen, eine um den Faktor 1,7 größere Fläche hat als ein Kleinbildsensor. Neu ist die BSI-Bauweise (Back-Side Illumination), die die lichtempfindliche Fläche vergrößert. Die Empfindlichkeit reicht von ISO 100 bis 12.800 und lässt sich auf bis zu 102.400 erweitern.

4K-Video ohne Crop

Der Bildsensor ist zur Stabilsierung beweglich gelagert.

Bild: Fujifilm

Für die im Mittelformat ungewöhnliche Videoperformance ist unter anderem der X-Prozessor 4 zuständig. Die GFX100 kann DCI-4K (4096 x 2160 Pixel, bis zu 30p und 400 Mbit/s) ohne Crop, also mit vollem Weitwinkel erfassen. Dabei werden allerdings nicht alle Pixel genutzt, sondern Zeilen übersprungen (Line-skipping); laut Fuji werden 50,5 Megapixel zu einem 4K-Video mit bis zu 8,8 Megapixeln zusammengefasst (Oversampling). Das professionelle F-Log mit großem Dynamikumfang wird ebenso unterstützt wie Hybrid Log Gamma (HLG) für die HDR-Wiedergabe auf entsprechenden Displays. Für einen Cinema-Look steht auch die Filmsimulation Eterna zur Verfügung. Intern speichert die GFX100 4K mit 10 Bit Farbtiefe und einer Farbunterabtastung von 4:2:0, extern auch mit 4:2:2. Als Codecs kommen je nach Auflösung und Datenrate H.265 oder H.264 zum Einsatz. Anschlüsse für Mikrofon und Kopfhörer sind vorhanden.

Das hat die GFX100 sonst noch zu bieten

Weitere Merkmale der GFX100 sind: zwei Laufwerke für SD(HC/XC)-Karten mit UHS-II-Kompatibilität, ein Kleinbildmodus und die Unterstützung für das Tethering durch Lightroom oder Capture One.

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