BAS Digital

Der Objektivtest
30.05.2007

fotoMAGAZIN erklärt Ihnen das Testverfahren für Objektive

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Das Testcharts mit neun Siemenssternen dient zur Messung der Auflösung an verschiedenen Positionen im Bild

Der BAS Digital-Objektivtest

Leistete der BAS-Objektivtest in fotoMAGAZIN bei der Prüfung von Wechselobjektiven viele Jahre hervorragende Dienste, stößt er im Zeitalter der digitalen Spiegelreflex-Fotografie an seine Grenzen. Deshalb führen wir mit dem exklusiven BAS Digital ein neues und grundlegend verbessertes Verfahren ein.

Als im Jahr 1985 mit der Minolta 7000 die erste echte AF-Systemspiegelreflex auf den Markt kam, leitete dies eine Revolution in der Reflexfotografie ein. Heute ist der Autofokus so selbstverständlich, dass manuell zu fokussierende Spiegelreflexkameras beinahe Exotenstatus genießen. Gegenwärtig erleben wir die zweite SLR-Revolution: den Übergang von der Film basierten Fotografie zur Digitalfotografie. Damit der Sprung ins digitale Zeitalter für Fotografen so schmerzlos wie möglich verläuft, begannen die Kamerahersteller vor zwei Jahren damit, die neu entwickelten 6-Megapixel-Sensoren, die sich erstmalig dem Qualitätsanspruch der analogen Ergebnisse annäherten, in Gehäuse einzubauen, die über das jeweilige hauseigene Kleinbildbajonett verfügten. Auf diese Weise konnten Anwender ihre gewohnten Objektive weiterverwenden und mindestens ebenso wichtig kamen nicht in Versuchung, die Marke zu wechseln. Mit sinkenden Gehäusepreisen und steigender Verbreitung der Digi-Spiegelreflexen machten immer mehr Amateure, die in beiden Lagern zuhause waren, eine interessante Entdeckung: Das gleiche Objektiv, angesetzt an ihrer Analog-SLR zeigte eine andere Leistung als zusammen mit dem neuen Digital-Body. Für Redaktion und Testlabor von fotoMAGAZIN war klar, dass sie diesem Umstand Rechnung tragen müssen. Es genügt nicht mehr, Objektive nur für ihren Einsatz mit Film zu testen, künftig haben die Optiken ihre Qualitäten auch zusammen mit Aufnahmechips zu beweisen.

Mit dem bisherigen BAS-Test war diese Forderung nicht zu erfüllen. Deshalb entwickelte Labortleiter Anders Uschold ein neues Verfahren, das sich für den analogen wie digitalen Aufnahmeweg gleichermaßen eignet und darauf legen wir besonderen Wert das einen direkten Vergleich zulässt, wie gut ein Objektiv mit einer analogen und mit einer digitalen SLR harmoniert. Dazu kombinieren wir die besonderen Stärken des bekannten BAS-Tests mit denen des ursprünglich für kompakte Digitalkameras benutzten Verfahrens DCTau. Das Ergebnis heißt BAS Digital, ein Testverfahren, das von dieser Ausgabe an den langjährigen BAS-Test ablösen wird. Kleiner Wehmutstropfen vorab: Objektive, die nach dem neuen Verfahren BAS Digital getestet werden, lassen sich nicht mit Optiken vergleichen, die mit dem bisherigen BAS-Test untersucht wurden. Die technischen Einschränkungen wären zu drastisch, weshalb wir der Leistungsfähigkeit des neuen Verfahrens gegenüber einer Rückwärtskompatibilität den Vorzug gegeben haben. Bevor wir Ihnen einen Überblick über BAS Digital geben, hier einige Fakten zur Entwicklung der beiden Testverfahren, die in den letzten Jahren in fotoMAGAZIN parallel zum Einsatz kamen.

Blick in die Test-Historie

Es ist 20 Jahre her, dass Ingenieur Barnim A. Schultze für fotoMAGAZIN ein Verfahren entwickelte, mit dem es nicht nur möglich war, Spiegelreflexobjektive unter kontrollierten Bedingungen zu testen, sondern die Ergebnisse auch für Laien verständlich darzustellen. Von da an beruhten Aussagen zu Schärfe, Brillanz, Verzeichnung oder Vignettierung in fotoMAGAZIN nicht mehr nur auf dem subjektiven Empfinden eines fotografierenden Testers, sondern waren Ergebnis einer für die damalige Zeit sehr genauen und objektiven Messung. Das Prinzip des Testverfahrens ist grundsätzlich noch heute aktuell: Mit dem zu prüfenden Objektiv wird ein Testmuster projiziert, Ausschnitte davon werden von einer Videokamera aufgefangen, digitalisiert und im Computer ausgewertet (Auflösung, Zentrierung und Farbwiedergabe). Im Lauf der Jahre verfeinerte Barnim Schultze sein Prüfverfahren. Nach dessen Tod entwickelte der Münchner Informatiker Anders Uschold den inzwischen zum BAS-Pro-Test avancierten Objektivtest in entscheidenden Punkten weiter. Um die Präzision und Aussagefähigkeit des Tests zu erhöhen, schrieb er beispielsweise eine neue Auswertungssoftware, schuf neue Bewertungskriterien, setzte aktuelle Videotechnik ein und vermaß Objektive nicht mehr im Unendlichbereich wie üblich und von der Industrie praktiziert, sondern im Maßstab 1:30. Dieser Aufnahmebereich ist zum einen praxisrelevanter wer fotografiert schließlich nur Landschaften? zum anderen ist er für Objektive fordernder, da sie üblicherweise im Bereich Unendlich ihre beste Leistung bringen.

Parallel zum bewährten BAS-Objektivtest führte fotoMAGAZIN im Jahr 1998 den DCTau in der Version 1.0 ein. Dieses Prüfverfahren ermittelt das Leistungsvermögen von Digitalkameras bezüglich unterschiedlichster Leistungsaspekte. Einer der wesentlichen Vorteile des DCTau ist seine hoch automatisierte Auswertung, was (subjektive) Beurteilungen durch den Tester weitgehend reduziert. Darüber hinaus ist das Testverfahren auch noch unabhängig von der Auflösung des Aufnahmesensors. Im Sommer 1999 folgte Version DCTau 2.0, bei dem erstmals die Messung von Auflösung an verschiedenen Bildorten und in beliebiger Ausrichtung möglich war. Dies ermöglichte trotz fest eingebautem Objektiv Komponenten wie Sensor, Objektiv, Bildverarbeitung und Speicherung einzeln zu untersuchen. Für das DCTau-Verfahren ist kein Zugriff auf (kamera-)interne Schnittstellen oder Komponenten erforderlich. Das Ergebnis basiert rein auf der Auswertung von Testaufnahmen. Dabei berücksichtigt DCTau auch die visuelle Wahrnehmung des Betrachters, wobei typische physiologische Schritte softwarebasiert nachgebildet werden. Der Rückschluss auf die Quelle von Fehlern bei Aufnahmesystemen, die so genannte Rückwärtsklassifikation, ist möglich, weil jeder Fehlerverursacher (z. B. Aufnahmesensor, Objektiv, Signalaufbereitung, Komprimierung, etc.) ein individuelles Fehlerprofil hat, einem Fingerabdruck vergleichbar. So lässt sich beispielsweise klar zwischen dem von einem Objektiv verursachten Farbfehler und dem durch Scharfzeichnung verursachten Farbfehler unterscheiden. Es folgten Verfeinerungen des DCTau-Testverfahrens in Form der Versionen DC Tau 3.0, 4.0 und 5.0 (neue Funktionen, veränderte Testtafeln, verfeinerte Messung).

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BAS Digital verwendet das Auflösungsmodul von DCTau

Das ist neu an BAS Digital

Das neue Prüfverfahren setzt stärker auf den Einsatz von Film als der alte BAS-Test. Bei ihm dienten Testaufnahmen auf Diafilm lediglich dazu, Streulicht, Randabdunklung und Verzeichnung zu erfassen und softwarebasiert auszuwerten. Ansonsten fußte der bisherige Test auf der Kombination aus Rückprojektion und Videotechnik. Vorteil dieses Verfahrens: Fehler bei Testgeräten und bei Aufnahmebedingungen lassen sich besser ausschließen. Der Grund für den Wechsel zu Film bei BAS Digital ist schnell erklärt: Da beim Objektivtest an der Digitalkamera der Kamerasensor das Testbild liefert, anhand dessen das Objektiv beurteilt wird, muss aus Gründen der Chancengleichheit und Vergleichbarkeit der Daten im Analoggehäuse mit Film gearbeitet werden. Fortschritte in der Digitalisierungstechnik, aber auch bei den Filmemulsionen sorgen heute dafür, dass Aufnahmen auf Film sich bedenkenlos selbst für anspruchsvolle Auswertungen einsetzen lassen. Dazu kommt, dass BAS Digital mehr Möglichkeiten zur Messung eröffnet. In der Summe ist der neue Test leistungsfähiger, weil an neun Orten im gesamten Bildfeld gemessen wird, und zwar an Strukturen mit beliebiger Ausrichtung (waagrecht, senkrecht, zur Mitte hin und von der Mitte weg). Auch vermessen wir Objektive jetzt nicht mehr nur bei offener Blende sowie um zwei Stufen abgeblendet, sondern bei fünf (!) Blendenstufen, ein Umfang, wie wir ihn von keinem anderen öffentlichen Test kennen. Neben der höheren Zuverlässigkeit durch die umfassende Zuverlässigkeitsprüfung der Testgeräte bietet dies auch neue sehr anwendungsrelevante Kriterien, wie den qualitativ empfehlenswerten Blendenbereich eines Objektivs für den Analog- und Digitaleinsatz.

Als analoge Referenzkameras dienen von den jeweiligen Herstellern selektierte Referenzkameras, die auf Minimaltoleranzen geprüft sind. Testfilm ist der feinkörnige Fujifilm Acros 100 mit konstanter Einmalentwicklung in der laboreigenen Entwicklungsmaschine, um die volle Prozesskontrolle und konstanz zu haben. Da wir beim BAS Digitalauf die Messung des Farbstiches verzichten bei Objektiven im Digitaleinsatz ist das überflüssig genügt ein exzellenter Schwarzweißfilm wie der Acros. Die Negative werden mit 5400 dpi gescannt und dann softwarebasiert ausgewertet.

Weniger komplex aber deutlich umfassender fällt der Aufwand beim Test eines Objektivs an einer Digital-SLR aus. Hier liefert der Aufnahmesensor das Foto mit den hochpräzisen Testmustern. Da wir jedoch nicht Kameras, sondern Objektive testen, muss sich jeder Proband in den für ihn relevanten Klassen auf einer Auswahl mehrerer populärer Kameras prüfen lassen. Getestet wird in den Disziplinen Kleinbildfilm, analog, Vollformat, digital und APS-Klasse, digital. Beim Test von Originalobjektiven an Digital-SLR mit Aufnahmesensoren in der Größe APS-C wählen wir gegenwärtig die Canon-Modelle EOS 10D und 300D, die Nikon Modelle D100 und D70, sowie mindestens ein Gehäuse von Pentax und Minolta. Objektive von Fremdherstellern wie Tamron und Sigma werden künftig an den jeweils aktuellen Digi-SLR für die wichtigste Anschlüsse getestet. Als Referenzkamera für das digitale Vollformat-SLR setzen wir die Canon EOS-1Ds ein, für das Four-Thirds-System ist dies die Olympus E-1.

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Der rechte obere Sektor dieses Testbildes ist rot markiert und kritisch dezentriert. Das Objektiv wird nicht getestet

Details zum BAS-Digital-Testverfahren und wie Sie die neuen Diagramme lesen:
 

Die Technik hinter BAS Digital

Ein Test ist nur so gut, wie er dem Anwender und Leser wirklich nützt. Deshalb lagen bei der Erstellung des BAS Digital die Schwerpunkte klar auf Praxisrelevanz, Transparenz und Zuverlässigkeit. Die leistungsstarke Symbiose mit den bewährten DCTau-Funktionen sorgt für einen Umbruch, dessen Hintergründe wir hier erklären.

Abschied von alten Bekannten

Testergebnisse müssen umfassend relevant sein! Weil einige Kriterien es digital nicht mehr oder nur bedingt zuverlässig sind, haben wir sie aus dem neuen Test entfernt:
Die Farbwiedergabe ist für Diafotografen zwar nach wie vor relevant. An digitalen Kameras werden Objektive jedoch individuell farbkalibriert, weshalb dieser Aspekt nur noch bedingt anwendbar ist. Für beste Ergebnisse empfehlen wir vor dem Kauf des Wunschobjektives dieses mit einem Testdiafilm mit den eigenen Objektiven zu vergleichen.
Die digitale Randabdunklungskorrektur verändert die Vignettierung des Objektives. Deren bildstörender Einfall bleibt zwar erhalten, die gewichtete Messung des R-Stopfehler ist deshalb und wegen der verschiedenen Sensorformate starken Messfehlern unterworfen. Auch das Streulichtverhalten variiert mit dem Sensor und hätte eine verwirrende Fülle von Ergebnissen provoziert.

Aus Schärfe und Brillanz wird Auflösung 

Der Mensch bevorzugt bei Bilddetails einen schönen Kontrast mit mittleren Strukturen gegenüber feinsten Strukturen, die flau wirken. Deshalb haben wir die alten Werte aus Schärfe und Brillanz zusammengefasst. Die Auflösung wird bei einem mittleren Kontrast errechnet und als prozentualer Wirkungsgrad angeben. Dieser hat gegenüber den klassischen Einheiten Linienpaare pro Bildhöhe oder Millimeter den Vorteil intuitiv verständlich zu sein. Erreicht ein Objektiv bei APS-Digital 80%, so ist es dafür sehr gut geeignet, dagegen mit 60% im Digital-Vollformat eher mittelmäßig. Werte nahe 100% und darüber sollten zu Recht misstrauisch machen, denn diese Objektive sind für manche Digitalkameras zu gut und Artefakte treten auf. Ausnahmen werden wir textlich erklären.

Flexibilität statt beschränkte Spitzenleistung

Statt der klassischen Darstellung Verteilung der Auflösung von der Bildmitte zum Rand geben wir den Mittelwert der Auflösung über dem gesamten Bildfeld an. Dabei verwenden wir keine Mittengewichtung, da unserer Ansicht nach im digitalen Zeitalter jeder Bereich des Bildes eine hohe Auflösung besitzt und die Mitte nicht mehr bevorzugt werden sollte. So lässt sich die Auflösung bei mehreren Blenden transparent ablesen. Damit neu und sehr anwenderrelevant ist der empfehlenswerte Blendenbereich. Eine hohe Auflösung ist an sich wertlos, wenn man sie nur bei geschlossener Blende erreicht. So ist auch ein lichtstarkes Objektiv überbezahlt, wenn es bei der offenen Blende schlechte Ergebnisse liefert. Ein lichtschwaches Objektiv kann besser sein als ein lichtstarkes. Dafür ist hier die physikalische Beugung eine ernste Auflösungsgrenze. Bei stark geschlossenen Blenden ab 1:16 oder 1:22 zeigt unsere Grafik, wie sich die Auflösung verschlechtert. Die wahre Objektivkunst sind lichtstarke und gute Linsen, was unser Test in Zukunft belegen wird. Eine über viele Blendenstufen gleichmäßig hohe Auflösung sichert Qualität und Flexibilität und ein geringer Offenblendfehler erlaubt kreativ niedrige Schärfentiefe und Available Light ohne Reue.

 

 

Alte Klassiker

Natürlich ist die Verzeichnung weiterhin als wichtige Teilnote dabei. Dabei haben wir die Berechnungsbasis geändert und uns damit auf die gebräuchlichste Skalierung der TV-Verzeichnung angepasst. Die neuen Verzeichnungswerte sind damit um ca. 30% kleiner als beim bisherigen BAS-Test.
Die Randabdunklung testen wir weiterhin und haben sie in eine kompaktere Darstellung gebracht. Intuitiv klarer stellen wir sie nun als negativen Wert (= Lichtverlust) dar. Bei der Benotung unterscheiden wir die Höhe und ihren Charakter. So bekommt bei gleichem Maximalwert eine mehr am Rand zunehmende Randabdunklung Abzüge, weil dieser Charakter stärker sichtbar ist. Für die Randabdunklung wird zur höchsten Genauigkeit die Helligkeitsübertragungsfunktion OECF präzise für jede Digitalkamera und bei Film sogar für jede Einzelentwicklung ermittelt.

Die Sicherheitsmaßnahmen in BAS Digital

Technische Messungen unterliegen vielen möglichen Fehlerquellen, die die Ergebnisse verfälschen und wertlos machen können. Wir verhindern Testlotto mit einer Fülle an Sicherheitsmaßnahmen: Als Testvorlagen benutzen wir lithographische Hochkontrastdurchlichttafeln mit einer sehr hellen variablen Lichtquelle von EV 10 bis 14, die die AF-Sensoren besser unterstützen. Zusätzlich verringert dies Verwacklung und unerwünschte digitale Kamerakorrekturen. Die Testtafeln sind Eigenentwicklungen, da keine der auf dem Markt befindlichen Tafeln bisher unsere Anforderungen erfüllt hat.

Testaufnahmen werden für jede Blende und Brennweite mehrfach und mit Belichtungsreihen gemacht. Visuell werden die korrekten Testbilder an Hand ihrer Ausrichtung, Fokussierung und Zentrierung ausgewählt. Bei Digitalaufnahmen prüfen wir dabei stets auf besondere Effekte, die nur bei idealer Scharfstellung auftreten. Bei der Softwareanalyse wird die Zentrierung der Bildecken gemessen und Testbilder ausgegeben, in denen die zulässigen Toleranzbereiche farblich kodiert sind. Bereits bei der visuellen Kontrolle und hier werden dezentrierte Objektive zuverlässig erkannt und ersetzt. Bei der Ergebnisauswertung wird zusätzlich eine Zentrierungsprüfung vorgenommen um verfälschende Bildsektoren zu detektieren. Zeigt ein Objektiv im Verlauf der Blendenwerte widersprüchliche Ergebnisse, werden die verfälschten Teilmessungen geprüft und korrigiert.
Unkritische Abweichungen von Farbe, Kontrast und Helligkeit werden in der Analyse automatisch kalibriert, kritische als Fehlermeldungen ausgegeben. Konstruktionsbedingte Schwächen, wie die blendenabhängige Fokusebene oder den wegverlängernden Einfluss von Schutzgläsern, sehen wir nicht als Fehler an, sondern als Einschränkung, die der Anwender auch erfährt. Die resultierenden Verschlechterungen filtern wir deshalb nicht aus unseren Ergebnissen heraus, damit der Leser sieht, was ihn erwartet. So erkennt er auch, welche Hersteller ihre Systeme auf die neuen Anforderungen optimieren.

Das Risiko, dass sich die Fehler eines durchschnittlichen Objektives und einer solchen Kamera negativ addieren, verringert unser Testansatz von sich aus: Bei den meisten Tests wird ein Objektiv mit mehreren Kameras vermessen. Sowohl positive als auch negative Kombinationen werden durch den Mittelwert ausgeglichen.

Zukunftssicherheit: der neue Notenschlüssel

Unumgänglich ist die Einführung eines neuen Notenschlüssels. Zwanzig Jahre war Film das Maß aller Dinge und BAS-Skala hat die Leistungsfähigkeit klar dargestellt. Mit der digitalen Fotografie stehen neue Funktionen mit ungeahnten Korrekturmöglichkeiten bereit. Verzeichnung wird in der Aufnahme korrigiert, Farbstiche und Farbsäume herausgerechnet und Vignettierung verändert. Blendenabhängig können Kontrastverlust und Randabfall kompensiert werden, Fokuspunkte und Abbildungsmaßstäbe werden variabel eingerechnet. Tatsächlich bietet die Zukunft Möglichkeiten, mit denen sich Objektivleistungen und alte Grenzen verschieben lassen und dabei sind wir erst am Anfang. Der alte Schlüssel ist nicht in der Lage solchen Anforderungen gerecht zu werden, eine neue Skalierung und deutlich erweiterte Aufschlüsselung wird diesen gerecht.

Für die Optiknote werden alle Kriterien einzeln bewertet und die Summe bestimmt eine Endnote von 0 bis 100. Diese Note geben wir für jede Klasse und als gemittelte Gesamtnote.
Bei der Mechaniknote haben wir unseren Kriterienkatalog deutlich erweitert: Neben Handhabung, Präzision und Materialqualität werden neue Objektivfunktionen und -ausstattungfür den typischen Anwendungsbereich gewertet und belohnt. So bekommt ein lichtschwaches Tele oder ein Megazoom für einen Bildstabilisator einen hohen Bonus, bei einem Weitwinkel vermissen wir es kaum, besser steht diesem ein Folienfilterhalter. Eine Fokusbegrenzung nützt dem Weitwinkel nichts, einem lichtstarken Tele hingegen schon.

 

 

Optische Note am Beispiel Nikon AF-S 2,8/17-35 mm, Kleinbild analog  

 Kriterium Kommentar Punkte Max. Punkte
Verz. kurze Brennweite stark tonnenförmig 3 6
Verz. mittlere Brennweite Praktisch neutral 6 6
Verz. lange Brennweite Deutlich kissenförmig 3 6
Auflösung kurze Brennweite  Ab 1:5,6 hervorragend 10 10
Auflösung mittlere Brennweite Ab 1:5,6 hervorragend 9 10
Auflösung lange Brennweite Ab 1:5,6 hervorragend 10 10
Bevorzugter Blendenbereich kurze Brennweite 3,2-16,5 Blendenstufen hervorragend 9 10
Bevorzugter Blendenbereich, mittlere Brennweite, 4,0 - 16, 5 Blendenstufen sehr gut 8 10
Bevorzugter Blendenbereich lange Brennweite     4,0 - 16, 5 Blendenstufen sehr gut 8 10
Randabdunklung kurze Brennweite Ungleichmäßig, brennweitentypisch hoch 3 6
Randabdunklung mittlere Brennweite Gleichmäßig, gut 5 6
Randabdunklung lange Brennweite Gleichmäßig, mittel 4 6
Beugung   10 10
Note KB-Film   85 100

 

Tabelle 2:

 

Mechanische Note am Beispiel Canon EF 2,8/16-35 mm

 

Kriterium  Kommentar Punkte Max. Punkte
Fassungsart Canon EOS Fassungsqualität/-material ausgezeichnet, Metall 12 12
Bajonett/Abdichtung Metall, Gummilippe 6 6
Nahgrenze 0,28 m   4 6
Zoomring gummiert hervorragend bedienbar 6 6
Blendenring Nicht relevant, da kameragesteuert 8 8
Streulichtschutz Lack + Samt, sehr gut 9 10
Filterfassung 77 mm Metall feststehend + Folienhalter an Hinterlinse   6 6
Sonnenblende Bajonett, Kunststoff, Samt 7 10
Stativring Nicht erforderlich 6 6
Bildstabilisierung Wenig erforderlich 10 12
Sonderausstattung Folienfilterhalter 10 13
Mechaniknote   90 100
       

 

FAZIT

Mit BAS Digital haben wir ein zuverlässiges Testverfahren entwickelt, das Objektive als das bewertet was sie darstellen: als das Auge der Fotografie. Es schließt auch die Kluft zur analogen Fotografie, und das mit einer Qualität, auf die wir stolz sind. Anders Uschold

 

BAS Digital: So lesen Sie den Test

Der BAS Digital-Test liefert umfassende Leistungswerte des Objektives bei verschiedenen Anwendungen und Formaten. Je nach Verfügbarkeit zeigen wir Ergebnisse für analogen Film, digitale Vollformatsensoren und digitale APS-Format-Sensoren. Die Ergebnisse sind ein Mittelwert berechnet mit den aktuell meistverwendeten Digitalkameras der jeweiligen Klasse.

Gesamtwirkungsgrad
Die Auflösung (früher Schärfe und Brillanz) zeigt die Gesamtleistung über dem Bildfeld von der Bildmitte zum Rand bei den ersten fünf Blendenstufen des Objektives, angegeben als prozentualer Wirkungsgrad. Gesamtwerte über 75% sind sehr gut, ab 85% ist ein Objektiv hervorragend. Steigt die Auflösung der Digitalmessungen über Werte von 95%, so beinhalten die Bilder oft Artefakte und künstliche Strukturen, die störend verfälschen. Dies passiert bei professionellen Objektiv und aggressiv arbeitenden Vergleichskameras: Das Objektiv ist für diese Kameras zu gut! Hier empfehlen wir den Kameracharakter und seine Artefaktnote im DCTau Kameratest nachzulesen.
Der Blendenbereich hoher und zuverlässiger Leistung bestimmt die Flexibilität des Objektives. Sehr wichtig ist ein niedriger Abfall bei offenen Blenden, um Lichtstärke und geringe Schärfentiefe nutzen können. Ab Blende 11 bis 16 reduziert physikalische Beugung zwangsläufig die Auflösung. Je mehr Blendenwerte gleichmäßig hohe Leistung zeigen, umso variabler einsetzbar ist das Objektiv in der Praxis. Eine schmale Leistungsspitze erfordert für beste Ergebnisse die Beschränkung auf diese Blendenwerte.

Randabdunklung
Die Randabdunklung zeigen wir bei offener Blende und zwei Stufen abgeblendet. Wichtig sind ein möglichst niedriger und ein gleichmäßiger, gerader Abfall von der Bildmitte zum Rand. Ein plötzlicher Abfall zum Bildrand ist deutlich sichtbarer und störend. Weitwinkel und lichtstarke Objektive zeigen meist stärkere Abdunklung bei offener Blende, erstere behalten sie auch mach dem Abblenden. Digitale Vollformatsensoren zeigen technisch bedingt meist die stärkste Randabdunklung.

Verzeichnung
Kurze Brennweiten zeigen meist tonnenförmige Verzeichnung bis -3%, lange dagegen neutrale bis kissenförmige Verzeichnung bis 2%. Unter +-0,7% ist die Verzeichnung kaum merklich, bis +-1.2% sichtbar und darüber deutlich bis stark. Besonders Architektur-, Repro- und Landschaftsfotografen sollten die Verzeichnung beachten.

Leistungsprofil
Ähnlich wie beim DCTau-Kameratest werden hier die Endnoten in den Hauptkategorien Optik und Mechanik genannt, bei der optischen Leistung je nach Objektiv-Einsatzfähigkeit aufgeschlüsselt nach den drei Kategorien Digitale APS-Klasse, Digitale Vollformat-Klasse und Kleinbildfilm.

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Über den Autor
Frank Thoma