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Aufmacher Bildformate
© Pentax, Mike Kus

Das richtige Bildformat finden: ein Überblick

Das beste Format für Ihre Motive
21.11.2017

Hoch, quer, rund oder vielleicht doch lieber Panorama? Welches Format mögen Sie am liebsten? Jedes hat seine Vorzüge und eignet sich für bestimmte Motive besonders gut. Wir geben Ihnen einen Überblick, damit Sie das richtige Bildformat finden

 

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Kleinbild quer

2:3: Der Kleinbild-Klassiker

© Bob Bruyn

In der Geschichte der Fotografie kamen verschiedenste Bildformate zum Einsatz. Heute machen wir uns oft zu wenige Gedanken über das richtige Format für unsere Motive. Wieso auch? Schließlich lässt sich in Zeiten hochauflösender DSLRs jedes Foto im Nachhinein beliebig zuschneiden. Das ist zwar richtig, doch wer sich gestalterisch weiterentwickeln und seinen Blick für die Szenerie schulen möchte, sollte sich mit der Frage nach dem perfekten Format näher befassen. Wir haben die verschiedenen Optionen für Sie zusammengestellt und erklären Ihnen gemeinsam mit Experten, wie Sie diese am besten einsetzen.

Querdenker oder Hochformat-Fan?

Unabhängig von Kamera und Seitenverhältnis des Sensors stellt sich jedem Fotografen vor der Aufnahme die Frage: Hochformat oder Querformat? Marc Volk von der Neuen Schule für Fotografie in Berlin hat eine einfache Orientierungshilfe parat: „Im Englischen ist der klassische Einsatzbereich von Hoch- und Querformat bereits beim Begriff enthalten. ‚Landscape format‘ steht für quer, ‚Portrait format‘ für hoch.“

Wolfgang Zurborn von der Lichtblick School in Köln sieht noch einen weiteren Ansatzpunkt zur Wahl des Formats: „Die meisten Reportage-Bilder entstehen im Querformat. Dieses Format ist vorteilhaft für eine klare Verortung eines Bildes, da es unserer Wahrnehmung entspricht.“ Hochformate im städtischen Umfeld betonen nach Ansicht des Experten stärker den kreativen Aspekt und lösen sich bewusst von gängigen Sehgewohnheiten.

Ganz pragmatisch betrachtet hängt die Wahl des Formats häufig davon ab, wie viel Raum das Hauptmotiv im Bild einnehmen soll. Längliche Motive, wie zum Beispiel Personen, nehmen bei Hochformat-Aufnahmen häufig das gesamte Bild ein, bei Fotos im Querformat bleibt dagegen noch viel Platz für den Hintergrund. Umgekehrt verhält es sich bei breiten Motiven wie bei einem Auto. Im Querformat wird das Fahrzeug häufig formatfüllend abgelichtet, im Hochformat passt auch der dramatische Himmel im Abendlicht noch mit aufs Bild.

Testen Sie jedoch selbst bei augenscheinlich eindeutiger Formatvorgabe auch andere Formate. Marc Volk empfiehlt: „Sie sollten sich nicht zu sehr auf Regeln versteifen, nicht einmal auf Klassiker wie die Drittelregel. Ein anderer, ungewohnter Bildaufbau hält den Bildeindruck frisch und macht eine Aufnahme interessant.“ Gerade für SLR-Fotografen ungewohnte Formate, wie ein rundes Bild oder das Quadrat, laden förmlich dazu ein, auch bei der Bildgestaltung neue Wege zu gehen.

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Kleinbild hochkant

2:3: Der Kleinbild-Klassiker
Der klassische Ansatz der Street-Fotografie beruht auf der Idee, Menschen in ihrer natürlichen Umgebung darzustellen. Das 2:3-Format eignet sich dafür ideal. Durch die große Bildbreite bleibt dem Fotografen neben dem Menschen als Hauptmotiv noch genügend Raum, um eine Geschichte zu erzählen

© Bob Bruyn

Wie groß die Vielfalt an Bildformaten ist und welche Formate mit welchem System eingesetzt werden, erfahren Sie im Folgenden.

2:3: Der Kleinbild-Klassiker   

Fast jede D-SLR verwendet heute das 2:3-Format. Dieses Seitenverhältnis stammt von klassischen Kleinbild-Kameras mit 35-mm-Film und fällt etwas weniger quadratisch aus als Mittelformate, wodurch der Unterschied zwischen Hoch- und Querformaten besonders deutlich wird. Wolfgang Zurborn sieht darin eine Chance, Spannung im Bild aufzubauen: „Querformat-Aufnahmen wirken sehr dynamisch. Sie entsprechen unserem menschlichen Blickfeld und eignen sich für szenische Fotodokumentationen deshalb besonders gut.“

Quer ausgerichtet hilft das Format hier, die Person in einem größeren situativen Kontext darzustellen. Durch die große Bildbreite liegt der Fokus nach wie vor auf der Person, doch auch die Szenerie findet genügend Beachtung, wie der niederländische Fotograf Bob Bruyn hier mit seinen Street-Aufnahmen eindrücklich beweist. Auch für Hochformatfotos eignet sich das klassische Kleinbild perfekt. Der Bildausschnitt lässt sich eindeutig vom Querformat unterscheiden, bricht dadurch bewusst mit unserer Sehweise, lässt dem Bild aber gleichzeitig in der Breite noch genügend Raum.

Die große Verbreitung des 2:3-Formats bringt Vor- und Nachteile mit sich. So wird ein rundes Bild zwar immer stärker ins Auge stechen als eine Aufnahme in diesem Format, doch es lenkt gleichzeitig vom eigentlichen Bildinhalt ab. Marc Volk formuliert es so: „Es ist wie in der Malerei: Je wuchtiger und auffälliger der Bilderrahmen ausfällt, desto weniger achtet der Betrachter auf das eigentliche Bild.“ Diese Eigenschaft kann auch zum Nachteil werden. Fehlt einer 2:3-Aufnahme der Wow-Effekt, wird sie schnell übersehen.

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Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Über den Autor
Sebastian Sonntag

Der Münchner Sebastian Sonntag ist sowohl freier Journalist, als auch Fotograf. In seinen Arbeiten konzentriert er sich auf die experimentelle Seite der Mode- und Beautyfotografie.