Bildgestaltung: 7 Tipps für bessere Fotos

02.08.2017

Hand auf´s Herz: Wie gut kennen Sie sich mit Bildgestaltung aus? Setzen Sie sich mit Kontrasten, dem Goldenen Schnitt und Linienführung auseinander? Wir haben die 7 wichtigsten Werkzeuge zur Bildgestaltung für Sie zusammengefasst

Wer fotografiert, sollte sich zumindest ein wenig mit Bildgestaltung auskennen. Denn genau genommen ist die Gestaltung einer Aufnahme bereits der allererste Schritt: Wir sehen und gestalten unsere Bilder noch bevor wir auf den Auslöser drücken. Die Frage ist, ob dieser Vorgang eher bewusst oder unbewusst abläuft. Betrachtet man ein Bild abstrakt, so stellt man schnell fest, dass jedes Motiv bestimmte Gestaltungselemente beinhaltet. Wir finden Linien und Flächen, verschiedene Perspektiven, Symmetrien, diverse Bildformate, Kontraste und eventuell ist es uns ja gelungen – sofern wir uns bisher gar nicht damit auskannten – unserer Aufnahme einen Goldenen Schnitt zu verpassen.

All diese Dinge bestimmen die Stimmung und Wirkung unserer gemachten Aufnahmen. Beherrscht ein Fotograf diese Dinge, kann er sein Bild aktiv gestalten und darüber hinaus auch ganz bewusst die Regeln brechen. Es kommt ganz darauf an, was der Fotograf sieht. Und ob es ihm gelingt, das Gesehene so anzuordnen, dass aus einem Bild ein Kunstwerk wird. Wir sorgen für noch mehr Durchblick mit unseren XY Tipps zum Thema Bildgestaltung.

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© Tamara Skudies

1. Eine Frage des Formats

Querformat vs. Hochformat vs. Quadrat – oder doch lieber 16:9? Das Format eines Bildes ist elementarer Bestandteil der Komposition. Denn es nimmt unmittelbaren Einfluss auf den gesamten Look. Dem Fotografen stehen verschiedene Bildformate zur Verfügung. Neben den bereits genannten Varianten sind, je nach Kamera und Sensor, die Seitenverhältnisse von 4:3 oder 3:2 vorgegeben. Für welches Format sich der Fotograf entscheidet, hat oft mit den persönlichen Vorlieben zu tun, manch ein Fotograf hält sich diese Entscheidung auch ganz bewusst offen und wählt Format sowie Bildausschnitt erst im Nachhinein.

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© Tamara Skudies

Zu guter Letzt kommt es eben auch darauf an, was abgebildet werden soll: Weitläufige Landschaften und horizontale Linien wirken beispielsweise im Quer- und Panoramaformat besonders schön, außerdem entspricht das Querformat unserem Gesichts- und Blickfeld und wirkt für uns dadurch natürlicher. Das Panorama wirkt dabei als Verlängerung unserer Augen und wirkt deswegen besonders fesselnd. Vertikale Linien können ihre volle Wirkung eher auf dem Hochformat entfalten. Eines ist jedoch klar: Das quadratische Bild hat dank Instagram extrem an Popularität gewonnen.

2. Nehmen Sie verschiedene Perspektiven ein

Welche Stimmung soll Ihr Bild vermitteln? Ob zurückhaltend, dominant, aktiv oder passiv: Sie können die Atmosphäre, die Ihr Bild auf den Betrachter ausstrahlen soll, aktiv mitgestalten. Sie entscheidet außerdem darüber, ob Ihr Motiv natürlich dargestellt wird – je nachdem, wo Sie stehen, wie Sie die Kamera halten und wo sich das Motiv befindet. Zu den wichtigsten Arten gehören:

  • In der Zentralperspektive fotografiert der Fotograf auf Augenhöhe und gibt eine normale, nicht verzerrte Wiedergabe eines Motivs wieder.
  • Die Zweipunktperspektive findet oft in der Architekturfotografie Anwendung. Hier ist das Motiv schräg zum Fotografen positioniert (beispielsweise die Kante eines Gebäudes) und läuft horizontal auf zwei Fluchtpunkte zu.
  • Mit Hilfe der Vogelperspektive verschaffen Sie sich einen Überblick über eine Situation bzw. Ihr Motiv, da sich die Kamera oberhalb des Motivs befindet.
  • Die Froschperspektive lässt Ihr Motiv groß und mächtig erscheine, denn im Gegensatz zur Vogelperspektive fotografieren Sie hier von unten nach oben.

3. Wählen Sie den Bildausschnitt mit Bedacht

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© Anne Schellhase

Mit dem Bildausschnitt rückt der Fotograf sein Hauptmotiv in den Fokus und gestaltet weitere Bildelemente drumherum. Oft wirken Bilder interessanter – dies gilt nicht unbedingt für Landschaftsaufnahmen – wenn der Fotograf …

  •  … sich einfach mal auf sein Motiv zubewegt, um störende Elemente auszublenden.
  •  … sein Hauptmotiv mal nicht in der Mitte platziert, um das Bild mit Raum zu füllen.
  • … sein Motiv bewusst und radikal anschneidet, um wesentliche Aspekte hervorzuheben.
  • … Rahmen sucht. Beispielsweise ein Torbogen, Äste oder auch Arme und Hände können einen Rahmen bilden.
  •  … mit Symmetrien arbeitet. Ob sich spiegelnde Gebäude in einem See, ein mittig fotografierter Tunnel oder andere sich wiederholende Strukturen. Symmetrien machen Bilder interessant, deswegen sollten wir unbedingt mit ihnen arbeiten.

4. Achten Sie auf Linien und Flächen

Linien und Flächen führen den Betrachter durch ein Bild. Es gibt kein Bild, das keine Linien oder Flächen besitzt, denn beides entsteht wenn wir aus einem dreidimensionalen Motiv ein zweidimensionales Bild anfertigen. Beide Elemente gehören untrennbar zusammen, denn dort, wo eine Fläche endet, entsteht automatisch eine Linie und umgekehrt. Da die Leserichtung von links nach rechts so tief in uns verankert ist, lenken Linien auch auf Fotografien die Leserichtung. Wer sich dessen bewusst wird, halt einen wichtigen Schlüssel für die Komposition eines Bildes in Händen.

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© Anne Schellhase

Doch Linien können noch viel mehr als das:

  1. Sie vermitteln uns je nach Verlaufsrichtung (von links nach rechts bzw. unten nach oben) positive oder (von rechts nach links bzw. oben nach unten) negative Gefühle.
  2. Unter Anwendung von Fluchtlinien verleihen sie einem Bild Tiefe.
  3. Vertikale Linien wirken oft, als würden sie ein Bild teilen.
  4.  Auch horizontale Linien teilen ein Bild, allerdings wirkt dies auf uns nicht irritierend: Oder irritiert es Sie, wenn am Horizont die Sonne untergeht?
  5.  Sie können die Dynamik eines Bildes entschleunigen, indem man mit gekümmten Linien arbeitet.

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© Anne Schellhase

Flächen wie Kreise, Herzen, Rechtecke, Dreiecke, Rauten, etc. können sehr dominant auf uns wirken. Sie bündeln unsere Aufmerksamkeit, weil wir von klein auf Lernen, dass Symbole, beispielsweise im Straßenverkehr, eine Bedeutung haben.

5. Die Farbtypenlehre nach Johannes Itten – Noch nie gehört?

Von kunterbunt bis zweifarbig gibt es einige Möglichkeiten, ein Bild mit der Hilfe von Farben und Kontrasten zu gestalten. Es ist also empfehlenswert, sich mit der Farbtypenlehre nach Johannes Itten zu beschäftigen. Nehmen Sie sich ein wenig Zeit und machen Sie sich schlau in Sachen …

  • Farbe-an-sich-Kontrast
  •  Kalt-warm-Kontrast
  • Komplementärkontrast
  • Hell-dunkel-Kontrast
  • Qualitätskontrast
  • Quantitätskontrast
  • Simultankontrast

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Farbkreis nach Itten

Der Farbkreis nach Itten zeigt sehr schön, welche Farben komplementär zueinander sind und sich im Farbkreis gegenüber liegen

© Thinkstock

Die zwei letztgenannten Kontrastarten sind eher in der Malerei wichtig, sie zu kennen schadet jedoch nicht. Schauen Sie sich außerdem Farbkreis von Itten an, hier wird auf einen Blick erkennbar, welche Komplementärfarben besonders miteinander harmonieren.

Neben der Farbtypenlehre gibt es noch weitere Kontraste, mit denen Sie Ihre Bilder liebevoll gestalten können. Gemeint sind inhaltliche Paarungen. Einige Beispiele dafür sind die Darstellung zwischen nah und fern, dick und dünn, groß und klein oder alt und jung.

6. Die Mutter aller Regeln: Goldener Schnitt

Schaffen Sie harmonische Asymmetrie. Das hört sich erstmal paradox an, ist jedoch seit Jahrtausenden eine der wichtigsten Kompositionsregeln. Schon in der Antike arbeitete man mit dem Goldenen Schnitt – er begegnet uns darüber hinaus immer wieder in der Natur. Aus ihm lassen sich weitere, wichtige Kompositionsregel ableiten. Doch fangen wir von vorne an.

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© Anne Schellhase

A. Was ist der Goldene Schnitt?

Der Goldene Schnitt hilft uns, Harmonie in gewollte Asymmetrie zu bringen. Wenn wir beispielsweise unser Hauptmotiv nicht mittig platzieren wollen, sollten wir zumindest dafür sorgen, dass es sich dennoch harmonisch zum Rest der Bildgestaltung verhält. Das Seitenverhältnis liegt hierbei seit jeher bei 1:1,618. Es gewährleistet, dass sich der kleinere Bildteil zum größeren Bildteil verhält, wie der größere Bildteil zum Gesamtbild. Es ist wohl eher ein unbewusster Vorgang, dass wir diese Aufteilung aufgrund der sich wiederholenden Proportionen als harmonisch empfinden. Insgesamt gibt es vier Varianten, ein Bild mittels Goldenen Schnitts aufzuteilen: Man kann die Teilung zum Goldenen Schnitt einmal links, einmal rechts, einmal oben und einmal unten setzen. Wer das Prinzip einmal verstanden hat, kann sein Bild aktiv gestalten und wichtige Bildelemente ganz bewusst platzieren, um die Bildwirkung zu erhöhen.

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© Anne Schellhase

B. Die Drittel-Regel

Die Drittel Regel leitet sich aus dem Goldenen Schnitt ab, ist aber ein wenig einfacher zu erklären. Hierbei wird das Bild in neun gleich große Teile unterteilt: es entstehen zwei horizontale und zwei vertikale Linien. Die wichtigsten Bildelemente liegen hierbei nicht in der Mitte, sondern auf einer der Drittellinien und die Bildwirkung erhöht sich dadurch automatisch um ein Vielfaches. P. S. Die meisten Kameras sind längst mit Rasterlinien ausgestattet, also keine Panik!

7. Fazit: Seien sie mutig, brechen Sie die Regeln!

Die Regeln brechen, das hört sich leicht an. Denn wer die Regeln brechen will, muss diese zunächst einmal kennen und beherrschen. Oben drauf kommt eine gehörigen Portion Mut gepaart mit Selbstvertrauen. Hinzu kommt auch ein gewisses Maß an technischem Know how. Ein wirklich gutes Bild beinhaltete nicht nur eines dieser Gestaltungsmittel, es verbindet mehrere Elemente miteinander. Und es bringt den Betrachter dazu, seine Aufmerksamkeit für mehr als nur einen flüchtigen Moment zu binden. Eines liegt jedoch auf der Hand: Fotografen wie beispielsweise Newton, Lindbergh, Cartier-Bresson, LaChapelle und Diane Arbus sind sicherlich nicht nur so erfolgreich geworden, weil sie sich strikt an alle Regeln gehalten haben. Sie haben die Regeln zu ihren Gunsten ausgebaut, verändert oder schlicht und ergreifend ignoriert und bewusst gebrochen. Herausgekommen sind Bilder, die auf der ganzen Welt bekannt sind und wichtige Zeugnisse der Fotografiegeschichte sind.

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© Anne Schellhase

Doch welche Lehre können wir für uns daraus ziehen? Wichtig ist die Entwicklung eines eigenen Stils, dass wir einen eigenen Blick auf die Dinge und unsere Umgebung entwickeln. Hierfür ist alles technische Wissen manchmal hinderlich – viele dieser weltberühmten Fotografen haben das Handwerk der Fotografie tatsächlich nie erlernt – es kann uns aber auch helfen Strukturen zu erkennen und schärft unseren Blick. Uns fallen plötzlich Dinge im Alltag auf, die zuvor keine gestalterische Bedeutung für uns hatten. Wir können dieses Wissen für uns nutzen und es dennoch gekonnt ignorieren. Probieren Sie es aus!

 

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Über den Autor
Anne Schellhase

Das jüngste Mitglied der fotoMAGAZIN Redaktion ist Anne Schellhase. Die studierte Sozialpädagogin fotografiert leidenschaftlich, vor allem analog, gerne als Lomographin - was in der Redaktion immer wieder zu interessanten Debatten führt. Anne kümmert sich um unseren Online-Auftritt und ist meist die Erste, die antwortet, wenn Sie auf dieser Seite kommentieren oder uns über Social-Media-Kanäle kontaktieren.