Zaubernamen

Warnkes Secondhand-Kolumne
08.08.2018

Winfried Warnke über Objektivnamen mit Zauberkraft und den Wunsch nach Identität, Tradition und emotionalen Bezügen.

Nocticron. Welch ein wohlklingender, aussagekräftiger und mit Tradition beladener Objektivname. Panasonic hat – in Kooperation mit Leica – geschickt an eine starke, mit Emotionen verbundene Linie angeknüpft und fantasiereich seine Micro-Four-Thirds-Spitzenobjektive mit Zaubernamen bedacht, die bewusst an die Leitz-Tradition anknüpfen: Leica Noctilux (das „Nachtauge“) und Summicron stehen für exzellenten Objektivbau und hervorragende Abbildungsleistung.

Grausam sachlich wirken dagegen andere Objektiv-Bezeichnungen, beispielsweise von Sigma. Sigma Makro 150mm F2,8 EX DG OS HSM – hinter geheimnisvollen, unverständlichen Abkürzungs-Hieroglyphen versteckt sich ein wundervolles, hochwertiges Objektiv, dessen Name Sekunden später wieder vergessen ist.

Zeiss Tessar, Planar, Sonnar und Voigtländer Ultron oder Heliar sind markante Bezeichnungen, die begeistern.

Die Klassiker des Objektivbaus sind deutschen Ursprungs. Es sind legendäre Namen, die nach wie vor faszinieren und bei modernen Objektiven von Voigtländer und Zeiss für große Aufmerksamkeit sorgen: Zeiss Tessar, Planar, Sonnar und Voigtländer Ultron oder Heliar sind markante Bezeichnungen, die begeistern. Wir erleben eine Renaissance alter Objektivnamen. Selbst Firmen, die in Vergessenheit geraten waren, tauchen wieder auf. Meyer-Optik-Görlitz, lange Zeit ein eher nachrangiger Produzent von DDR-Objektiven, steht mit seinen Primoplan- und Trioplan-Linsen wieder im Fokus. Ja, diese Objektive haben besondere Abbildungseigenschaften, die gerade en vogue sind. Sie erinnern an die Traditionsnamen, die den Dingen ein Gefühl geben und sie unverwechselbar machen. Der Käufer belohnt das besonders auf dem Gebrauchtmarkt. Für ein Carl Zeiss Planar 1,4/50 mm (Contax-Anschluss) muss der Interessent dreimal so viel bezahlen, wie für eine baugleiche Yashica-Version. Identische Objektive haben je nach Namen einen unterschiedlich hohen Wert.

Wir erleben eine Renaissance alter Objektivnamen. Selbst Firmen, die in Vergessenheit geraten waren, tauchen wieder auf.

Die Käufer schätzen die technischen Leistungen ihrer Linsen, sie wollen aber auch Identität und emotionale Bezüge zu ihren Lieblingen. Zeiss weiß um die Zauberkraft mystischer Namen. Aktuelle neue Baureihen bekommen ganz eigenwillige, spannende Zaubernamen: Otus, Milvus und Batis könnten also die Traditionsnamen der Zukunft werden.

Diese Kolumne ist in unserer Ausgabe fotoMAGAZIN 09/2016 erschienen.

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Über den Autor
Winfried Warnke

Vermutlich kennt niemand den Kamera-Gebrauchtmarkt in Deutschland besser als unser Kolumnist und Autor Winfried Warnke: Seit 30 Jahren beschäftigt er sich mit Schätzen aus zweiter Hand.  Einmal im Jahr erstellt er für das fotoMAGAZIN den Secondhand-Guide, auch als FOMAG-Liste bekannt. Für unser Technik-Forum schreibt er in jeder Ausgabe die Second-Hand-Kolumne.