Gunnar Hartmann gewinnt den Nature-Fotowettbewerb

Der Koblenzer Student Gunnar Hartmann ist beim internationalen Nature-Fotowettbewerb „Scientist at Work“ ausgezeichnet worden. Sein Siegerbild zeigt, wie Forschende junge Waldrappen auf dem Weg ins Winterquartier begleiten.

Gunnar Hartmanns Siegerbild im Nature-Fotowettbewerb zeigt junge Waldrappen über Andalusien, begleitet von zwei Forscherinnen in einem Motorschirm.

Gunnar Hartmanns Siegerbild im Nature-Fotowettbewerb zeigt junge Waldrappen über Andalusien, begleitet von zwei Forscherinnen in einem Motorschirm.

© Gunnar Hartmann

Im Juni 2026 hat die Fachzeitschrift „Nature“ den Studenten Gunnar Hartmann von der Universität Koblenz im internationalen Fotowettbewerb „Scientist at Work“ ausgezeichnet: Sein Bild zeigt bei Jaén in Südspanien zwei Forscherinnen des Waldrappteam Conservation and Research in einem Motorschirm, die jungen Waldrappen beim Zug ins Winterquartier den Weg weisen – ein Motiv, das Artenschutz, Forschung und Fotografie in einem Moment bündelt.

Was zeigt das Siegerfoto von Gunnar Hartmann?

Das ausgezeichnete Foto entstand während einer begleiteten Migration junger Waldrappen. Die Vögel fliegen über Olivenhaine in Andalusien, hinter ihnen folgt ein Ultraleichtfluggerät mit Paraschirm. Darin sitzen zwei Mitglieder des Waldrapp-Teams, die den handaufgezogenen Jungvögeln die Route nach Spanien zeigen.

Hartmann fotografierte die Szene bereits vor zwei Jahren. Wie Gunnar Hartmann dem Südwestrundfunk berichtete, stand er früh am Morgen auf einem Berg in der Nähe von Jaén, als der Schwarm in geringer Höhe an ihm vorbeizog. Das Bild überzeugte nun die Jury des Nature Fotowettbewerbs „Scientist at Work“, der Forschende bei ihrer Arbeit sichtbar machen soll.

Warum brauchen Waldrappen menschliche Begleitung?

Waldrappen gehören zu den stark bedrohten Vogelarten. In Europa verschwanden die Tiere bereits im frühen 17. Jahrhundert aus der freien Wildbahn. Als wichtigste Ursache gilt die Jagd: Die Vögel waren als Delikatesse begehrt, auch Jungtiere wurden aus den Nestern geholt. Historisch kamen Waldrappen noch im 16. Jahrhundert in Mitteleuropa vor, unter anderem in Süddeutschland, Österreich und der Schweiz. Als die Bestände einbrachen, wurde die Jagd zwar eingeschränkt, doch da war es offenbar zu spät. Die Populationen erholten sich nicht mehr, die Zugtradition der Tiere ging verloren.

Wie finden die Waldrappen den Weg ins Winterquartier?

Der kritische Punkt ist der erste Zug ins Winterquartier. Junge Waldrappen kennen die Strecke nicht. Wiederansiedlungsprojekte ziehen Jungvögel von Hand auf und trainieren sie darauf, ihren menschlichen Bezugspersonen zu folgen. Dadurch wird den Jungvögeln die Route in geeignete Winterquartiere neu beigebracht. Das Team fliegt dazu mit speziellen Fluggeräten vor oder neben dem Schwarm und führt die Tiere Schritt für Schritt nach Süden. Dabei entscheidet nicht der Zeitplan, sondern das Verhalten der Vögel: Wollen sie nicht starten oder passen die Wetterbedingungen nicht, muss die Etappe warten.

Wie kam Gunnar Hartmann zum Waldrapp-Projekt?

Hartmann interessiert sich seit seiner Jugend für Vögel. Über Kontakte kam er zum Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie in Radolfzell und zum Waldrapp-Projekt. 2023 begleitete er das Team ehrenamtlich und unterstützte die Arbeit vor Ort.

Dabei dokumentierte er nicht nur den Flug, sondern auch den Alltag des Projekts: den Aufbau von Camps, die gesicherten Volieren für die Nacht, das Füttern der Tiere und die Arbeit der Ziehmütter. Sein Siegerbild verdichtet diese aufwendige Arbeit auf eine eindrucksvolle Szene: Forschung und Naturschutz erscheinen nicht abstrakt, sondern körperlich und durchaus riskant, nah an den Tieren.

Welche Rolle spielt der Nature Fotowettbewerb?

Der Nature Fotowettbewerb „Scientist at Work“ zeichnet Bilder aus, die Forschung im praktischen Einsatz zeigen. Für die aktuelle Ausgabe wurden nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur mehr als 220 Bilder aus aller Welt eingereicht.

Neben Gunnar Hartmann wurden weitere Forschungsbilder prämiert. Dazu zählen eine Unterwasseraufnahme des Meeresbiologen Uli Kunz, der im Roten Meer eine Inkubationskammer für Korallen dokumentierte, sowie ein Foto des Meeresökologen Robert Harcourt, das die Probennahme an einem Walhai vor Australien zeigt.

Warum ist das Waldrappen-Foto mehr als ein Naturbild?

Hartmanns Aufnahme funktioniert als Tierfoto, Reportagebild und Wissenschaftsfoto zugleich. Sie zeigt nicht nur einen seltenen Vogel, sondern die Methode hinter seiner Rückkehr: Menschen greifen aktiv ein, damit eine bedrohte Art wieder eine Zugroute erlernen kann.

Gerade deshalb passt das Bild zum Wettbewerb. Es macht sichtbar, dass Artenschutz nicht nur aus Forschungsergebnissen besteht, sondern aus langen Reisen, Planung, Geduld und unmittelbarer Arbeit mit Tieren. Für Hartmann ist die Auszeichnung auch ein Hinweis auf die Bedeutung solcher Projekte: Das Foto lenkt Aufmerksamkeit auf eine Wiederansiedlung, die ohne den Einsatz vieler Beteiligter nicht möglich wäre.

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