Deutsches Fotomuseum schließt: Was wird aus der Sammlung?

Am 27. September 2026 öffnet das Deutsche Fotomuseum in Markkleeberg zum letzten Mal. Danach müssen Zehntausende Fotografien, historische Kameras und weitere Zeugnisse der Fotogeschichte weichen – während die Betreiber nach einer Zukunft für die Sammlung suchen.

Das Deutsche Kameramuseum muss seinen Standort im agra-Park in Markkleeberg bei Leipzig räumen, weil die Stadt das Mietverhältnis mit dem Betreiber, dem Verein Kamera- und Fotomuseum Leipzig, beendete.

Das Deutsche Kameramuseum muss seinen Standort im agra-Park in Markkleeberg bei Leipzig räumen, weil die Stadt das Mietverhältnis mit dem Betreiber, dem Verein Kamera- und Fotomuseum Leipzig, beendete.

© Deutsches Fotomuseum
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Am Sonntag, 27. September 2026, endet nach 13 Jahren der Besuchsbetrieb des Deutschen Fotomuseums im agra-Park in Markkleeberg bei Leipzig. Grundlage dafür ist die Entscheidung der Stadt Markkleeberg, das Mietverhältnis mit dem Betreiber, dem Verein Kamera- und Fotomuseum Leipzig, zu beenden. Die Stadt begründet diesen Schritt mit den Kosten, gesunkenen Besucherzahlen und Anforderungen an die weitere Entwicklung des Museums. Die Betreiber wollen die aus Fotografien, historischen Kameras, Fototechnik, Fachliteratur und Dokumenten bestehende Sammlung zusammenhalten und suchen dafür einen neuen Standort.

Warum schließt das Deutsche Fotomuseum in Markkleeberg?

Das Deutsche Fotomuseum eröffnete am 27. August 2013. Es geht auf die Privatsammlung des Fotografen Peter Langner zurück. Langner (1946–1994) war ein Leipziger Fotograf, Sammler und Kamerahistoriker. Nach einer Schriftsetzerlehre studierte er von 1967 bis 1972 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Er arbeitete unter anderem als Sport- und Musikfotograf und fotografierte die Klaus Renft Combo. Zu seinem Werk gehört die Mitte der 1970er-Jahre entstandene sozialdokumentarische Serie „Verbotene Fotos“. Gemeinsam mit seiner Frau Kerstin eröffnete er im August 1989 in Leipzig-Mölkau eine Präsentation seiner Kamerasammlung – den Vorläufer des späteren Kamera- und Fotomuseums Leipzig und des Deutschen Fotomuseums in Markkleeberg. Nach seinem Tod im Februar 1994 eröffneten Kerstin Langner und Andreas J. Mueller das Mölkauer Haus mit neuem Konzept wieder. Der Fokus verlagerte sich von Kameras auf historische Fotografien und teils auf künstlerische zeitgenössische Fotodarstellungen.

Im November 2025 beschloss der Markkleeberger Stadtrat einstimmig, den Mietvertrag zu beenden und andere Nutzungen für das Gebäude zu prüfen. Oberbürgermeister Karsten Schütze begründete die Entscheidung mit den Kosten und der Entwicklung der Besucherzahlen. Nach seinen Angaben kamen 2019 insgesamt 8.608 Menschen ins Museum, 2024 waren es 3.620. Zudem forderte er mehr Angebote für Schulen und wissenschaftliche Einrichtungen. Für einen Weiterbetrieb verlangte die Stadt ein tragfähiges Konzept, Entwicklungsperspektiven, eine stärkere Zusammenarbeit mit Schulen und eine ausgebildete Museumsfachkraft.

Museumsdirektor Mueller reagierte enttäuscht auf die Entscheidung und erklärte gegenüber dem MDR, dass es zuletzt keine Gespräche mit der Stadt gegeben habe.

Was passiert mit dem Museumsgebäude?

Ursprünglich war vom Ende des Mietverhältnisses zum Jahresende 2026 die Rede. Anfang September kündigte Mueller jedoch den 27. September als letzten Öffnungstag an.

Während der Sanierung des benachbarten Kultur- und Veranstaltungsorts Weißes Haus soll das bisherige Museumsgebäude vorübergehend für Ausstellungen und Konzerte genutzt werden. Ab 2030 ist ein neuer Betreiber für das Gebäude vorgesehen.

Was umfasst die Sammlung des Deutschen Fotomuseums?

Allein die Dauerausstellung des Deutschen Fotomuseums umfasst mehr als 2.000 Exponate. Die gesamte Sammlung ist um ein Vielfaches größer: Sie umfasst rund 7.000 historische Kameras und weitere 20.000 Objekte sowie 25.000 Titel Fachliteratur, Dokumentenkonvolute und etwa 70.000 Fotografien. Die Sammlung verbindet damit in großem Umfang fotografische Technik mit Fotografien, Literatur und Dokumenten zur Geschichte der Fotografie.

Gerade diese Verbindung macht den kulturhistorischen Zusammenhang des Bestands aus. Einzelne Gegenstände können für sich betrachtet von geringerem Wert sein, innerhalb einer historischen Ausstattung aber eine wichtige Funktion besitzen. Museumsdirektor Mueller erklärte gegenüber der Mitteldeutschen Zeitung, die Sammlung suche ihresgleichen; Vergleichbares gebe es seiner Einschätzung nach lediglich in München.

Wo könnte die Fotosammlung künftig unterkommen?

Die Familie Langner sucht nach einem alternativen Standort und will den Bestand zusammenhalten. Kerstin Langners Sohn Sascha ist als Nachfolger für die Museumsleitung vorgesehen. „Wir lassen nichts unversucht, die Sammlung zusammenzuhalten“, sagte Andreas J. Mueller gegenüber MDR KULTUR. Anfang 2026 hofften die Betreiber noch auf einen Verbleib am bisherigen Standort.

Auch eine Übergabe der Sammlung an die öffentliche Hand war Thema. „Wir wollten die wertvolle Sammlung der Gesellschaft übergeben“, sagte Mueller der Leipziger Volkszeitung. Als möglicher Träger wurde die Stadt Markkleeberg diskutiert. Oberbürgermeister Schütze sprach sich indes gegen ein Fotomuseum in kommunaler Trägerschaft aus. Außerdem kam der Vorschlag auf, den Freistaat Sachsen anzusprechen.

Zunächst braucht die Sammlung ein neues Lager

Bevor es um einen neuen Standort für das Deutsche Fotomuseum gehen kann, müssen die Bestände untergebracht werden. Bis zum Jahresende soll die Sammlung eingelagert werden. Markkleeberg besitzt dafür keine geeigneten eigenen Räume. „Gern helfen wir bei der Suche nach geeigneten Lagermöglichkeiten“, sagte Stadtsprecher Daniel Kreusch der Leipziger Volkszeitung.

Bei einer Sammlung dieser Größenordnung bedeutet Einlagern allerdings weit mehr, als ausreichend Stellfläche zu finden. Fotografien und Negative, Kameratechnik, Bücher und Dokumente stellen unterschiedliche Anforderungen an Aufbewahrung und Konservierung.

Wie muss die Sammlung des Deutschen Fotomuseums gelagert werden?

Der Deutsche Museumsbund e. V., der bundesweite Interessenverband der Museen und ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, nennt Bestandserfassung, Dokumentation und geeignete Bedingungen für die dauerhafte Bewahrung als Grundlagen professioneller Museumsarbeit. Dazu gehören geeignete Lagertechnik, kontrollierte Umgebungsbedingungen, geregelter Zugang sowie Schutz vor Brand, Wasser, Einbruch und Schädlingen.

Für einen Umzug müssen zudem Inventarnummern, Standortangaben, Beschriftungen und die Zuordnung zusammengehörender Gegenstände erhalten bleiben. Gerade bei historischen Ensembles entscheidet diese Dokumentation darüber, ob nicht nur die einzelnen Objekte, sondern auch ihr Zusammenhang bewahrt wird. Das betrifft beispielsweise Gegenstände, die gemeinsam eine historische Dunkelkammerausstattung bilden.

Für Fotografien und Negative kommen konservatorische Anforderungen hinzu. Unterschiedliche fotografische Materialien können verschiedene Lagerbedingungen verlangen. Zustandserfassung, Verpackung, Transport und spätere Betreuung benötigen deshalb entsprechendes Fachpersonal.

OstLicht kündigt Objekte aus dem Deutschen Fotomuseum zur Auktion an

Parallel zur Suche nach einer Lösung für die Sammlung zeichnet sich für einzelne Stücke bereits ein anderer Weg ab. Das Wiener Auktionshaus OstLicht kündigt für seine Kameraauktion am 21. November 2026 „außergewöhnliche und seltene Objekte“ aus der Sammlung des Deutschen Fotomuseums in Markkleeberg an.

Damit bekommt das Ziel der Museumsbetreiber, den Bestand zusammenzuhalten, zusätzliche Aktualität.

Wie kann das Deutsche Fotomuseum eine Zukunft bekommen?

Die Einlagerung löst zunächst das unmittelbar bevorstehende Platzproblem. Für eine erneute öffentliche Präsentation braucht die Sammlung darüber hinaus eine dauerhaft finanzierte Trägerschaft, Depot- und Ausstellungsflächen, qualifiziertes Personal und ein Museumskonzept. Der Deutsche Museumsbund zählt eine verlässliche Finanzierung von Investitionen und laufendem Betrieb ebenfalls zu den Voraussetzungen nachhaltiger Museumsarbeit.

Hinzu kommen die wissenschaftliche Erschließung des Bestands, ein recherchierbarer Katalog, der Zugang für Forschung sowie Ausstellungen und Vermittlungsangebote. Eine Digitalisierung kann Fotografien, Dokumente und Informationen über die Objekte zusätzlich zugänglich machen, ersetzt aber weder deren konservatorische Bewahrung noch die Präsentation der Originale.

Für das Deutsche Fotomuseum beginnt mit der Schließung eine schwierige Phase. Schon die fachgerechte Sicherung, Dokumentation, Verpackung, der Transport und die Einlagerung von Zehntausenden Fotografien, Kameras, weiteren Objekten, Büchern und Dokumenten verlangen geeignete Räume, Fachpersonal und erhebliche finanzielle Mittel. Soll die über Jahrzehnte gewachsene Sammlung darüber hinaus als kulturhistorische Einheit erhalten und wieder öffentlich zugänglich werden, braucht sie langfristig eine tragfähige Finanzierung, eine dauerhafte Trägerschaft sowie geeignete Depot- und Ausstellungsflächen. Es geht damit nicht allein um die Zukunft eines Museums, sondern um den Erhalt einer umfangreichen Sammlung zur Geschichte der Fotografie.

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