James Barnor, Medway College, Rochester, ca. 1960–1963.
© James Barnor / Courtesy Galerie Clémentine de la FéronnièreDer ghanaische Fotograf James Barnor erhält bei den Sony World Photography Awards (SWPA) 2027 die Auszeichnung „Outstanding Contribution to Photography“ für seine Verdienste um die Fotografie. Das gab die World Photography Organisation am 5. November 2026 in London bekannt. Der 1929 geborene Fotograf dokumentierte mit seinen Bildern den gesellschaftlichen Wandel in Ghana und Großbritannien. Die Ehrung findet am 15. April 2027 im Rahmen der 20. Sony World Photography Awards statt. Eine Ausstellung im Londoner Somerset House zeigt anschließend mehr als 50 seiner Werke.
James Barnor: Ein Pionier der afrikanischen Fotografie
James Barnor gilt als erster Fotojournalist Ghanas. Seine Aufnahmen dokumentieren den Weg des westafrikanischen Landes in die Unabhängigkeit und das gesellschaftliche Leben in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Zugleich prägte er mit seinen Porträts und Modefotografien das Bild der afrikanischen Diaspora in Großbritannien.
Besonders bekannt sind Barnors Fotografien aus den 1950er- bis 1970er-Jahren. Sie zeigen selbstbewusste Menschen, ihre Mode und ihren Alltag. Seine Bilder entstanden in Fotostudios ebenso wie auf den Straßen von Accra und London.
Barnor stellte dabei Menschen unterschiedlicher gesellschaftlicher Schichten vor die Kamera. Seine Fotografien reichen von Porträts einfacher Angestellter bis zu Aufnahmen prominenter Persönlichkeiten. Heute gelten sie als wichtige Zeugnisse einer Epoche, in der sich die politische und kulturelle Identität Ghanas grundlegend veränderte.
Wie James Barnor die Unabhängigkeit Ghanas dokumentierte
James Barnor wurde 1929 in Ghana geboren und lernte das Fotografieren bei seinem Cousin, dem Porträtfotografen J. P. D. Dodoo. 1950 begann er als erster fest angestellter Fotograf der neu gegründeten Zeitung Daily Graphic zu arbeiten.
In den folgenden Jahren hielt er politische Kundgebungen, Straßenumzüge und das öffentliche Leben fest. Zu seinen wichtigsten zeitgeschichtlichen Aufnahmen gehören Bilder aus der Zeit der ghanaischen Unabhängigkeit im Jahr 1957, darunter die Unabhängigkeitserklärung durch Kwame Nkrumah.
Bereits 1953 hatte Barnor im Stadtteil Jamestown von Accra sein eigenes Fotostudio eröffnet. Im „Ever Young“ porträtierte er Schüler, Verkäuferinnen, Verkehrspolizisten, Richter und Politiker. Die Aufnahmen vermitteln heute einen Eindruck davon, wie sich Ghana in den Jahren vor und nach der Unabhängigkeit entwickelte.
Von Ghana nach London: Porträts für das Magazin Drum
1959 zog James Barnor nach Großbritannien, um seine fotografischen Kenntnisse zu vertiefen. Am Medway College of Art in Kent beschäftigte er sich intensiv mit der Farbfotografie. Anschließend arbeitete er als Farblaborant bei den Colour Processing Laboratories, einem der führenden britischen Fotolabore.
Parallel fotografierte Barnor für Drum. Das südafrikanische Lifestyle-Magazin war für seine Berichterstattung gegen die Apartheid bekannt und gehörte zu den einflussreichsten Publikationen der afrikanischen Diaspora.
Barnors Mode- und Prominentenporträts erschienen auf Titelseiten und Modestrecken des Magazins. Seine Fotografien zeigen das Leben Schwarzer Menschen im London der 1960er-Jahre und verbinden die Mode dieser Zeit mit der kulturellen Identität der Porträtierten.
Zu seinen bekannten Motiven gehören Aufnahmen des Boxers Muhammad Ali in London sowie Porträts von Models und Persönlichkeiten der afrikanischen Diaspora.
James Barnor brachte die Farbfotografie nach Ghana
Nach einer Weiterbildung beim Fotounternehmen Agfa-Gevaert in Belgien und Deutschland kehrte Barnor Ende der 1960er-Jahre nach Ghana zurück. Dort arbeitete er als technischer Repräsentant des Unternehmens und richtete das erste Farbfotolabor des Landes ein.
Der ghanaische Fotograf James Barnor wird bei den Sony World Photography Awards 2027 für sein Lebenswerk mit dem Preis „Outstanding Contribution to Photography“ ausgezeichnet.
© James Barnor / Courtesy Galerie Clémentine de la FéronnièreDamit leistete er einen wichtigen Beitrag zur Verbreitung der Farbfotografie in Ghana. Zugleich setzte er seine Arbeit als Fotograf und Journalist fort. In seinem Studio X23 entstanden weitere Porträts und Auftragsarbeiten.
Anfang der 1990er-Jahre ließ sich Barnor erneut in London nieder. Seine Fotografien wurden seitdem in zahlreichen internationalen Ausstellungen gezeigt und in bedeutende Museumssammlungen aufgenommen. Dazu zählen das Museum of Modern Art in New York, die Tate, das Victoria and Albert Museum und die National Portrait Gallery in London sowie das Centre Pompidou in Paris.
Sony World Photography Awards 2027: Retrospektive im Somerset House
Anlässlich der Auszeichnung widmet die World Photography Organisation James Barnor eine Retrospektive im Londoner Somerset House. Die Ausstellung ist vom 16. April bis zum 3. Mai 2027 im Rahmen der Sony World Photography Awards zu sehen.
Mehr als 50 Arbeiten zeichnen Barnors fotografischen Werdegang nach. Die Präsentation beginnt mit seinen frühen Jahren in Accra, beleuchtet seine Beschäftigung mit der Farbfotografie in Großbritannien und dokumentiert seine spätere Rückkehr nach Ghana.
Neben Fotografien umfasst die Schau weitere Materialien aus seinem Archiv. Sie verdeutlichen, wie Barnor über Jahrzehnte hinweg politische Ereignisse, gesellschaftliche Entwicklungen und persönliche Lebensgeschichten festhielt.
Welche Fotografen erhielten den Ehrenpreis der SWPA 2027?
Mit der Auszeichnung „Outstanding Contribution to Photography“ würdigt die World Photography Organisation Fotografen, die das Medium durch ihr Werk nachhaltig geprägt haben.
Zu den bisherigen Preisträgern gehören Martin Parr (2017), Graciela Iturbide (2021), Edward Burtynsky (2022), Sebastião Salgado (2024), Susan Meiselas (2025) und Joel Meyerowitz (2026).
James Barnor wird die Ehrung am 15. April 2027 bei der Preisverleihung in London entgegennehmen. Während der Gala werden auch die Gesamtsieger der Sony World Photography Awards 2027 bekannt gegeben.
Die SWPA 2027 werden von Creo über die World Photography Organisation veranstaltet. Der internationale Fotowettbewerb feiert 2027 sein 20-jähriges Bestehen.
Weitere Informationen gibt es unter www.worldphoto.org.
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