WORLD PRESS PHOTO DES JAHRES: Separated by ICE, Carol Guzy, ZUMA Press, iWitness, for Miami Herald
© Carol Guzy, ZUMA Press, iWitness, for Miami HeraldAm 11. September 2026 eröffnet das Wiener Fotomuseum WestLicht die Ausstellung World Press Photo 2026 mit rund 150 prämierten Fotografien aus sechs Weltregionen. Bis zum 22. November zeigt die Schau Arbeiten über Kriege und politische Konflikte, die Klimakrise, gesellschaftliche Umbrüche und persönliche Schicksale. WestLicht präsentiert den internationalen Wettbewerb bereits zum 25. Mal und will damit in seinem eigenen 25. Jubiläumsjahr die Bedeutung unabhängiger Pressefotografie als dokumentarisches Medium hervorheben.
Was zeigt die World Press Photo 2026 in Wien?
Die Ausstellung versammelt Bilder aus dem World Press Photo Contest 2026. Für den Wettbewerb wurden 57.376 Fotografien von 3.747 Fotografinnen und Fotografen aus 141 Ländern eingereicht. Eine internationale Jury aus 31 Fachleuten wählte daraus die Arbeiten von 42 Preisträgerinnen und Preisträgern aus.
Inhaltlich reicht das Spektrum von den Kriegen in der Ukraine und in Palästina bis zu Protesten in Kathmandu und den Folgen des Kaschmir-Konflikts in Pakistan. Andere Serien beschäftigen sich mit den Auswirkungen der Klimakrise in Los Angeles, Mexiko, Norwegen und auf den Philippinen. Hinzu kommen Arbeiten über Frauenbewegungen in Guatemala und Kenia sowie über Protest und gesellschaftliches Engagement in den USA.
Dabei bleibt die Ausstellung nicht bei den großen politischen Ereignissen. Mehrere ausgezeichnete Projekte nähern sich persönlichen Erfahrungen mit Krankheit, Einsamkeit, Trauer und Überleben. Andere richten den Blick auf junge Menschen, darunter Balletttänzerinnen und Balletttänzer in Südafrika oder Jugendliche in französischen Banlieues.
Warum wurde Carol Guzy für „Separated by ICE“ ausgezeichnet?
Eine der zentralen Arbeiten der World Press Photo 2026 stammt von der US-amerikanischen Fotojournalistin Carol Guzy. Die vierfache Pulitzer-Preisträgerin erhielt für Separated by ICE die Auszeichnung World Press Photo of the Year.
Guzy fotografierte die Szene am 26. August 2025 in einem Gerichtsgebäude in New York. Zu sehen sind die beiden Töchter des Ecuadorianers Luis, die ihren Vater nach dessen Festnahme durch Beamte der US-Einwanderungsbehörde ICE umklammern. Das einzelne Bild verdichtet damit die Konsequenzen einer restriktiveren Abschiebepolitik auf eine konkrete Familie.
Die Aufnahme entstand nicht als zufällige Momentaufnahme. Carol Guzy hatte das Geschehen an dem Gericht über Monate hinweg fotografisch verfolgt – vielfach ohne Auftrag und auf eigene Kosten. Separated by ICE steht dadurch zugleich für eine Form des Fotojournalismus, die langfristige Beobachtung mit unmittelbarer Nähe zu den Betroffenen verbindet.
Welche Geschichte erzählt „Separated by ICE“?
Separated by ICE macht die politische Auseinandersetzung um Migration über die Auswirkungen auf eine Familie sichtbar. Die Fotografie zeigt keinen abstrakten Verwaltungsakt, sondern den Augenblick einer Trennung und verweist damit auf die Unsicherheit, unter der Menschen ohne gesicherten Aufenthaltsstatus in den USA leben.
Gerade diese Verbindung von politischen Entwicklungen und individuellen Erfahrungen prägt zahlreiche Arbeiten der World Press Photo 2026. Die Ausstellung zeigt Weltpolitik nicht allein über Politiker, Institutionen oder Schlachtfelder, sondern häufig über Menschen, deren Alltag unmittelbar von Konflikten und Entscheidungen verändert wird.
Welche World-Press-Photo-Preisträgerin kommt nach Wien?
Zur Eröffnung am 10. September ist die Fotojournalistin Chantal Pinzi im WestLicht zu Gast. Beim World Press Photo Contest 2026 wurde sie für ihre Serie Farīsāt: Gunpowder’s Daughters ausgezeichnet. Am 11. September um 19 Uhr stellt sie das Projekt außerdem bei einem Vortrag im Museum vor.
FOTOSERIE, AFRIKA von Chantal Pinzi, Farīsāt: Gunpowder’s Daughters
© Chantal Pinzi, Panos PicturesPinzi begleitet darin Reiterinnen in Marokko, die an der traditionell männlich geprägten Tbourida teilnehmen. Die Reittradition reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück und gehört zum UNESCO-Kulturerbe. Frauen erkämpfen sich inzwischen zunehmend einen Platz darin und tragen die Kosten für Pferde, Kleidung und Ausrüstung häufig selbst. Unter den rund 300 Tbourida-Gruppen in Marokko gibt es laut WestLicht inzwischen sieben ausschließlich weibliche Formationen.
Warum ist die World Press Photo 2026 für WestLicht besonders?
Für das Wiener Fotomuseum fällt die Ausstellung mit mehreren Jubiläen zusammen. WestLicht besteht 2026 seit 25 Jahren, ebenso lange ist die World-Press-Photo-Ausstellung regelmäßig dort zu sehen. Zugleich wird 2026 weltweit an 200 Jahre Fotografie erinnert.
WestLicht verbindet diese Jubiläen mit der Frage nach der gesellschaftlichen Funktion dokumentarischer Fotografie. Angesichts zunehmender Zweifel an der Verlässlichkeit visueller Informationen und neuer Möglichkeiten der Bildmanipulation gewinnt nachvollziehbar entstandener Fotojournalismus zusätzlich an Bedeutung. Die World Press Photo 2026 zeigt dafür Beispiele aus sehr unterschiedlichen politischen, sozialen und geografischen Zusammenhängen.
Was zeigt WestLicht parallel zur World Press Photo 2026?
Zeitgleich präsentiert WestLicht in der oberen Galerie erstmals Arbeiten aus der Langzeitserie CALL IT “DUBAI” der serbisch-österreichischen Fotografin Maša Stanić. Das Projekt entstand aus Begegnungen in der informellen Roma-Siedlung Vuka Vrčevića am Rand von Belgrad, die Stanić seit 2018 regelmäßig besucht.
Über acht Jahre entwickelte sich aus diesen Besuchen eine enge Beziehung zu den dort lebenden Menschen. Stanić konzentriert sich dabei weniger auf eine dokumentarische Beschreibung der sozialen Probleme als auf Persönlichkeiten, Beziehungen und den Alltag innerhalb der Siedlung.
Die World Press Photo 2026 ist vom 11. September bis 22. November 2026 im WestLicht, Westbahnstraße 40 in Wien, zu sehen. Das Museum öffnet täglich von 11 bis 19 Uhr, donnerstags bis 21 Uhr.
Beitrage Teilen