Bless this Couch: Valentin Goppel in Stuttgart

Die Leica Galerie Stuttgart zeigt mit „Bless this Couch“ zwei Werkgruppen des Fotografen Valentin Goppel. Seine Bilder handeln von familiärer Distanz, gesellschaftlichen Umbrüchen und der Suche nach Zugehörigkeit.

Bless this Couch zeigt in Stuttgart zwei Serien von Valentin Goppel über Nähe, Erinnerung und gesellschaftlichen Wandel.

Bless this Couch zeigt in Stuttgart zwei Serien von Valentin Goppel über Nähe, Erinnerung und gesellschaftlichen Wandel.

© Valentin Göppel

Vom 18. Juli bis 10. Oktober 2026 präsentiert die Leica Galerie Stuttgart die Ausstellung „Valentin Goppel | Bless this Couch“. Anhand der Serien „False Prophet Radio“ und „Zwischen den Jahren“ verbindet der 26-jährige Fotograf autobiografische Erfahrungen mit dokumentarischen Beobachtungen, um die Grenzen zwischen Wirklichkeit, Erinnerung und persönlicher Projektion sichtbar zu machen.

Bless this Couch verbindet zwei fotografische Reisen

Die Ausstellung bringt zwei Arbeiten zusammen, die in unterschiedlichen Lebensphasen entstanden sind. Beide beschäftigen sich mit jungen Menschen, brüchigen Beziehungen und der Frage, wie Identität unter unsicheren Bedingungen entsteht.

Der Titel „Bless this Couch“ verweist auf das Sofa als Rückzugsort. Zugleich kann es zum Ausgangspunkt gedanklicher oder tatsächlicher Reisen werden. Diese Spannung zwischen Stillstand und Aufbruch prägt auch die Fotografien von Valentin Goppel.

Was zeigt Valentin Goppel in „False Prophet Radio“?

Seit 2023 reist Goppel für sein Langzeitprojekt „False Prophet Radio“ durch den Westen der USA. Dabei sucht er nicht nach einem möglichst objektiven Bild des Landes. Stattdessen folgt er einer persönlichen Vorstellung von Amerika, die eng mit seiner Familiengeschichte verbunden ist.

Ausgangspunkt war eine geplante Reise, die Goppel als Kind gemeinsam mit seiner Familie unternehmen sollte. Nach der Krebsdiagnose seines Vaters kam sie nicht zustande. Die USA wurden für ihn daraufhin zum Sinnbild einer erhofften familiären Nähe, die im Alltag zunehmend verloren ging.

Jahre später kehrte der Fotograf an diesen zunächst nur vorgestellten Ort zurück. Seine Aufnahmen zeigen Menschen, Landschaften und Situationen, die ebenso von Orientierungslosigkeit und Sehnsucht geprägt erscheinen wie seine eigene Suche. So entsteht ein subjektives Porträt eines Landes, das gesellschaftlich und politisch im Wandel begriffen ist.

Zwischen Realität und persönlicher Erinnerung

„False Prophet Radio“ bewegt sich bewusst zwischen äußerer Beobachtung und inneren Bildern. Goppel dokumentiert Begegnungen, nutzt die Fotografie aber zugleich, um sich mit Herkunft, Verlust und unerfüllten Erwartungen auseinanderzusetzen.

Damit stellt er auch die Vorstellung infrage, dokumentarische Fotografie könne eine allgemein gültige Wahrheit vermitteln. Seine Bilder machen deutlich, dass Wahrnehmung stets von Erfahrungen, Erinnerungen und Erwartungen beeinflusst wird.

„Zwischen den Jahren“ zeigt die Generation Corona

Die zweite Serie der Ausstellung entstand während der Corona-Pandemie. In „Zwischen den Jahren“ richtet Valentin Goppel den Blick auf das Lebensgefühl junger Menschen, deren Übergang ins Erwachsenenleben von Kontaktbeschränkungen und gesellschaftlicher Unsicherheit geprägt war.

Die Arbeit verbindet beobachtete Situationen mit inszenierten Motiven und nachgestellten Erinnerungen. Dadurch entsteht kein chronologischer Bericht über die Pandemie, sondern ein vielschichtiges Bild von Einsamkeit, Nähe und Stillstand.

Für die Serie erhielt Goppel 2022 den Leica Oskar Barnack Newcomer Award. Der gleichnamige Bildband erschien 2024 beim britischen Verlag GOST.

Wer ist Valentin Goppel?

Valentin Goppel wurde 2000 in Regensburg geboren und studiert seit 2019 Fotojournalismus und Dokumentarfotografie in Hannover. In seinen freien Arbeiten greift er gesellschaftliche Themen auf, die er aus seiner eigenen Biografie entwickelt.

Seine Fotografien wurden international gezeigt und befinden sich in institutionellen sowie privaten Sammlungen. Neben dem Leica Oskar Barnack Newcomer Award erhielt er unter anderem den Visa pour l’Image Urban Newcomer Grant. 2025 wurde ihm der Alexander Tutsek Photography Grant zugesprochen. Als Fotojournalist arbeitet er außerdem für Medien wie „Die Zeit“ und die „New York Times“.

Bless this Couch beim Fotosommer Stuttgart

Die Ausstellung ist Teil des Fotosommers Stuttgart, der vom 17. bis 26. Juli 2026 unter dem Motto „Unordnung“ stattfindet. Die seit 2002 veranstaltete Fotobiennale verbindet einen internationalen Wettbewerb mit Ausstellungen an verschiedenen Orten im Stadtgebiet.

„Valentin Goppel | Bless this Couch“ läuft über den Fotosommer hinaus bis zum 10. Oktober 2026. Zu sehen ist sie in der Leica Galerie Stuttgart in der Calwer Straße 41. Die Galerie öffnet montags bis samstags von 10 bis 19 Uhr. Der Eintritt ist frei, die Ausstellung befindet sich im Untergeschoss.

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