Die Fotografin Marta Hoepffner, hier ihre Collage Selbstbildnis im Spiegel von 1941, gab dem Preis für zeitgenössische Schwarz-Weiß-Fotografie ihren Namen.
© Estate Marta HoepffnerSeit dem 12. Juli 2026 zeigt das Stadtmuseum Hofheim am Taunus gemeinsam mit der Marta-Hoepffner-Gesellschaft für Fotografie die Sonderausstellung „Hinter dem Spiegel“ und eine begleitende Jubiläumsschau. Anlass sind die Vergabe des 9. Marta-Hoepffner-Preises sowie das 25-jährige Bestehen der Gesellschaft. Bis zum 30. August treffen die ausgezeichneten zeitgenössischen Positionen auf Werke Marta Hoepffners und früherer Preisträgerinnen und Preisträger.
Wer erhält den Marta-Hoepffner-Preis 2026?
Der Marta-Hoepffner-Preis wird seit 2002 im Abstand von drei Jahren für zeitgenössische Schwarz-Weiß-Fotografie vergeben. Bei seiner neunten Ausgabe zeichnet die Jury erstmals zwei Kunstschaffende aus: Daniela Duckwitz und Zexuan Zeng.
Daniela Duckwitz erhält den 9. Marta-Hoepffner-Preis für ihre fotografische Auseinandersetzung mit Erinnerung und Vergangenheit.
© Daniela DuckwitzBeide setzen sich mit Erinnerungen und der Wirkung vergangener Ereignisse auf die Gegenwart auseinander. Dabei begreifen sie die Fotografie nicht allein als Mittel, um Sichtbares festzuhalten. Ihre Bilder fragen vielmehr danach, wie persönliche Erfahrungen, Identität und Geschichte entstehen und bewahrt werden.
Was zeigt die Ausstellung „Hinter dem Spiegel“?
Das Thema des 9. Marta-Hoepffner-Preises spielt mit der Doppelrolle des Spiegels: Er zeigt eine Oberfläche, verdeckt aber zugleich, was dahinterliegt. Die ausgestellten Arbeiten richten den Blick deshalb auf Erfahrungen und Zusammenhänge, die sich einer unmittelbaren Betrachtung entziehen.
Die fotografischen Positionen behandeln unter anderem Flucht, Krieg und Migration. Andere Arbeiten widmen sich privaten Erinnerungen, Familiengeschichten sowie dem Verhältnis des Menschen zu Natur, Mystik und Spiritualität. Schwarz-Weiß dient dabei nicht nur als formales Gestaltungsmittel, sondern bündelt den Blick auf Strukturen, Spuren und Brüche.
Wie arbeiten Daniela Duckwitz und Zexuan Zeng?
Daniela Duckwitz untersucht in ihrer Serie „frur“, wie Erinnerungen in Bildern scheinbar angehalten werden. Ihre Arbeiten fragen, welche Spuren das Vergangene in der Gegenwart hinterlässt und wie Fotografien persönliche Geschichte ordnen, verändern oder konservieren.
Zexuan Zeng stellt dagegen die vermeintliche Objektivität der Kamera infrage. Seine Bilder machen deutlich, dass fotografische Wirklichkeit stets durch Auswahl, Perspektive und Erfahrung geprägt ist. Im Mittelpunkt stehen Erinnerung und Identität, aber auch Verlust und traumatische Erlebnisse.
Zexuan Zeng teilt sich den Marta-Hoepffner-Preis mit Daniela Duckwitz und hinterfragt in seinen Arbeiten die Objektivität fotografischer Bilder.
© Zexuan ZengWelche Positionen ergänzen den Marta-Hoepffner-Preis?
Neben den Arbeiten von Duckwitz und Zeng zeigt „Hinter dem Spiegel“ Fotografien von Jule Ehlenz, Alime Ertürk, Jette Held, Cenney Höhn, Reyhan Kolosoglu, Alexander Meyer und Anika Spereiter. Die unterschiedlichen Serien verbinden persönliche Erzählungen mit gesellschaftlichen Fragen.
Auch Fotografien von Marta Hoepffner sind Teil der Präsentation. Ihre Werke treten im Ausstellungsraum in einen direkten Dialog mit den aktuellen Positionen und verdeutlichen zugleich, wie sich die künstlerische Schwarz-Weiß-Fotografie über Generationen hinweg verändert hat.
Welche früheren Preisträger zeigt das Stadtmuseum?
Parallel zur Sonderausstellung präsentiert das Stadtmuseum erstmals gemeinsam Arbeiten aller acht zuvor ausgezeichneten Fotografen und Fotografinnen. Die Kabinettausstellung gehört zum Programm anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Marta-Hoepffner-Gesellschaft für Fotografie.
Vertreten sind Martin Brockhoff, Preisträger des Jahres 2002, Marcin Nowicki von 2005, Stephanie Tiedemann von 2008, Christian Werner von 2011, Christian Retschlag von 2014, Chris Becher von 2017, Nikolaus Stein von 2020 und Iden Sungyoung Kim von 2023. Die Werke stammen aus der Sammlung des Stadtmuseums Hofheim. Sie gelangten als Schenkungen oder Dauerleihgaben des Damen Lions Clubs Hofheim Rhein-Main in den Bestand.
Welches Programm begleitet den Marta-Hoepffner-Preis?
Öffentliche Führungen finden am 26. Juli, 9. August und 23. August jeweils um 11.15 Uhr statt. Am 14. August sprechen beteiligte Fotografinnen und Fotografen über ihre künstlerischen und technischen Ansätze.
Zum weiteren Programm gehören eine Vorführung des Films „Sentimental Value“ am 21. August im Filmpalast Hofheim sowie das Konzert „Wenn Klang Bilder öffnet – Seherlebnisse durch Hören“ mit Willem Schulz am 28. August im Stadtmuseum. Für Führungen und Veranstaltungen ist eine Anmeldung beim Museum vorgesehen. Die beiden Ausstellungen laufen bis zum 30. August 2026.
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