VINTAGE VIBES: Pentax 67 – Ikone mit Holzhandgriff

In der Serie „Vintage Vibes“ stellen wir Ihnen analoge Kult-Kameras vor, die nicht nur nostalgischen Wert haben, sondern auch heute noch beeindruckende Ergebnisse liefern. Diesmal die Pentax 67.

Winfried Warnke

Winfried Warnke

Kolumnist und freier Autor

Die Pentax 67 mit dem Super-Multicoated-Takumar 3,5/55 mm, Faltlichtschacht und dem legendären Holzhandgriff.

Die Pentax 67 mit dem Super-Multicoated-Takumar 3,5/55 mm, Faltlichtschacht und dem legendären Holzhandgriff.

© Kurt Tauber/Deutsches Kameramuseum

Die Pentax 67 ist kein Fotoapparat; diese Kamera ist eine Fotomaschine. Sie wirkt wie eine Kleinbildspiegelreflexkamera auf anabolen Steroiden. Die Orientierung in Form und Bedienung an eben diesen KB-SLR-Typen verhilft dem Massemonster in Komplettausstattung mit Body, Normalobjektiv, TTL-Prisma und Holzgriff zu fast drei Kilogramm Lebendgewicht – und das bei einem erstaunlich guten Handling. Die Pentax ist ein analoger Vintage-Saurier, der aber alles andere als ein Fossil ist und sich großer Beliebtheit auf dem Gebrauchtmarkt erfreut.

Als die Pentax 6x7 im Jahr 1969 vorgestellt wurde, war dies der Startschuss für eine überaus erfolgreiche Mittelformat-Modellreihe, die mit drei verschiedenen Varianten (Pentax 6x7 ab 1969, Pentax 67 ab 1989 und Pentax 67 II ab 1998) über 40 Jahre hinweg und mit einer Gesamtstückzahl von etwa 100.000 Exemplaren die Traumkamera vieler Berufs- und Amateurfotografen war.

Was die Pentax 6x7- und Pentax 67-Typen gemeinsam haben, ist die Verwendung von Rollfilm 120 für zehn Aufnahmen und 220 für 20 Aufnahmen im vorteilhaften Querformat 55 x 70 mm, einen elektronischen Schlitzverschluss (1-1/1000 Sekunde + B), das Pentax 67-Bajonett, die manuelle Belichtungseinstellung (TTL-Abgleichanzeige mit TTL-Prisma), eine Batterie für den elektronischen Schlitzverschluss, eine Blitzsynchronisation von 1/30 Sekunde, ein austauschbares Suchersystem sowie umfangreiches Zubehör. Die Pentax 67 II verfügt bei der Belichtungssteuerung zusätzlich über eine Zeitautomatik mit einer digitalen Anzeige und einen integrierten Handgriff.

Mittelformat ist gegenüber dem (135-er) Kleinbildformat ein Bildqualitätsbringer: Wer einmal eine Diashow mit Mittelformatdias gesehen hat, ist vom Detailreichtum und von der Farbsättigung stark beeindruckt. Gerade die Nutzung des 6x7-Formats (effektiv 5,5 x 7,0 cm) kommt der Nutzung in Zeitschriftenfotos und den recht­eckigen, nicht quadratischen Abbildungsformaten stark entgegen. Dieses Format, auch „Idealformat“ genannt, kommt unseren Sehgewohnheiten und dem natürlichen Blickfeld des Menschen sehr entgegen.

Ikonischer Urknall

Die 6x7-Typen von Pentax sind eingebettet in ein umfassendes Kamerasystem. Systemkameras werden vornehmlich wegen der großen Palette an Wechselobjektiven gekauft und Pentax liefert hier ab: Das Angebot reicht vom Fisheye 35 mm (KB: 17 mm) bis zum Supertele 1000 mm (KB: 500 mm). Ein Leckerbissen ist das Normalobjektiv 2,4/105 mm, das hinsichtlich Bokeh und Bildwirkung herausragt.

Eindeutiges Erkennungszeichen der Pentax 6x7-Typen ist beim Auslösen ihr nicht zu überhörender Spiegelschlag. Von Liebhabern als „ikonischer Urknall“ geschätzt, birgt er doch leider die Gefahr von Gehäusevibrationen. Deshalb wurde schon die erste Baureihe (Pentax 6x7) modifiziert und als Pentax 6x7 MLU (Mirror-Lock-Up) mit Spiegelvorauslösung herausgebracht. Bei Zeiten von 1/60 Sekunde und länger ist diese hinsichtlich Verwacklungen dringend angebracht. Bei der hier vorgestellten Pentax 67 wurde dies übernommen; der Filmtransport und der Verschluss wurden hinsichtlich Präzision deutlich verbessert. Auch Probleme mit dem Bildzählwerk wurden minimiert. Die Pentax 67 II ist sehr stark elektronisiert. Gebrauchtkauf-Tipp ist die abgebildete Pentax 67: Die Schwächen der Pentax 6x7 sind deutlich verbessert und gegenüber der Pentax 67 II ist noch viel Mechanik vorhanden, die aktuell auch eher reparierbar ist. Zudem ist die Pentax 67 trotz ihrer Abmessungen absolut touren- und straßentauglich, im Handling eben spiegelreflexähnlich mit einer großartigen Bildqualität.

Auf dem Gebrauchtmarkt ist die Pentax 67 in gutem Zustand schwieriger zu finden. Diese Exemplare in Vollausstattung (Body, Normalobjektiv, TTL-Prisma und Holzgriff) werden privat für ca. 1500 Euro angeboten, im gewerblichen Handel müssen dafür ca. 2000 Euro hingelegt werden, aber dann eben auch mit Gewährleistung.

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