Die Ricoh GR 1 wird 2026 30 Jahre alt. Aktuell kursieren Gerüchte über eine neue analoge Variante zum Jubiläum.
© Zebrio from Tokyo, Japan, CC BY-SA 2.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0>, via Wikimedia CommonsIm Herbst 1996 stellte Ricoh mit der GR1 eine kompakte 35-mm-Kamera vor, die sich bewusst von gängigen Point-and-Shoot-Konzepten abhob. Entwickelt für Street- und Reportagefotografen, verband sie kompromisslose Bildqualität mit maximaler Unauffälligkeit. Drei Jahrzehnte später ist die Ricoh GR nicht nur eine digitale Konstante, sondern erneut Ausgangspunkt von Überlegungen, die zurück zum Film führen.
Warum gibt es zum 30. Jubiläum der Ricoh GR Analogfilm-Gerüchte?
Die Diskussion um eine neue analoge Ricoh GR ist kein reines Wunschdenken der Community. Ricoh hat bestätigt, dass der anhaltende Wunsch nach einer Filmkamera innerhalb der GR-Nutzerschaft bekannt ist. Das 30-jährige Jubiläum der ursprünglichen GR1 bildet dabei einen naheliegenden Anlass, diese Nachfrage neu zu bewerten.
Welche Entwicklungen sprechen für eine analoge Ricoh GR?
Seit 2024 ist eine vorsichtige Renaissance der analogen Fotografie zu beobachten. Sie äußert sich nicht in einer Flut neuer Modelle, wohl aber in einzelnen, strategisch bedeutsamen Markteintritten. Die Pentax 17 markierte dabei eine Zäsur: Erstmals seit Jahren brachte wieder ein etablierter japanischer Kamerahersteller eine neue Filmkamera auf den Markt. Dass Pentax zur Ricoh-Gruppe gehört, verleiht diesem Schritt zusätzliches Gewicht.
Was machte die Ricoh GR ursprünglich zu einer Ikone der Streetfotografie?
Die Ricoh GR wurde zur Ikone, weil sie von Beginn an auf Reduktion setzte. Statt Zoomobjektiv, Sucher oder komplexer Automatikprogramme bot sie eine feste Weitwinkelbrennweite, schnelle Einsatzbereitschaft und ein extrem kompaktes Gehäuse. Diese Zurückhaltung ermöglichte eine unauffällige Arbeitsweise und machte die Kamera besonders für Streetfotografen attraktiv, die nah am Geschehen arbeiten wollten.
Welche Eigenschaften der analogen GR1 waren dafür entscheidend?
Mit der GR1 definierte Ricoh 1996 einen neuen Typ hochwertiger Kompaktkamera. Das flache Magnesiumgehäuse, das lichtstarke 28-mm-Objektiv und die direkte Bedienung unterschieden sie klar von herkömmlichen Point-and-Shoots. Besonders prägend war der sogenannte Snap-Focus: Fotografen konnten eine feste Entfernung vorwählen und ohne Verzögerung auslösen. Diese Form der Zonenfokussierung erlaubte eine extrem schnelle Reaktion auf flüchtige Situationen.
Welche analogen Varianten der Ricoh GR gab es?
| Modell | Jahr | Brennweite | Lichtstärke | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|
| GR1 | 1996 | 28 mm | f/2,8 | Start der GR-Reihe, extrem kompakt |
| GR10 | 1998 | 28 mm | f/2,8 | Überarbeitete Elektronik |
| GR1s | 1998 | 28 mm | f/2,8 | Verbesserte Belichtungssteuerung |
| GR21 | 2001 | 21 mm | f/3,5 | Ultraweitwinkel-Variante |
| GR1v | 2001 | 28 mm | f/2,8 | Letzte Ausbaustufe der Film-GR |
Trotz technischer Detailänderungen blieb das Grundkonzept über alle Modelle hinweg nahezu unverändert: maximale Kompaktheit, feste Brennweite und eine konsequente Ausrichtung auf schnelle, diskrete Streetfotografie.
Welche Fotografen prägten den Mythos der Ricoh GR?
Der Mythos der Ricoh GR ist eng mit Fotografen verbunden, die sie über Jahre hinweg als Arbeitswerkzeug nutzten. Besonders prägend war der japanische Streetfotograf Daido Moriyama, der die GR1 und spätere Modelle öffentlich einsetzte. Sein rauer, kontrastreicher Schwarzweißstil wurde international rezipiert und trug maßgeblich dazu bei, die GR als Kamera für kompromisslose Streetfotografie zu verorten.
Auch der Magnum-Fotograf Philip Jones Griffiths zählte in der Spätzeit seines Schaffens zu den bekannten Nutzern der analogen GR. Beide Fotografen stehen exemplarisch für eine Arbeitsweise, bei der Diskretion, Schnelligkeit und fotografische Haltung wichtiger waren als technische Ausstattung. Der Ruf der Ricoh GR entstand damit nicht durch Marketing, sondern durch ihre dauerhafte Präsenz in realen fotografischen Projekten.
Wie gelang Ricoh der Übergang von Film zu Digital ohne Bruch?
Als Ricoh 2005 die erste digitale GR vorstellte, blieb das Grundkonzept nahezu unverändert. Das Gehäuse blieb kompakt, die feste Weitwinkelbrennweite erhalten, auf Zoom oder Sucher wurde bewusst verzichtet. Statt sich am Funktionsumfang konkurrierender Kompaktkameras zu orientieren, übertrug Ricoh die Philosophie der Film-GR auf den digitalen Sensor. Diese Kontinuität sorgte dafür, dass bestehende Nutzer den Wechsel akzeptierten.
Warum blieb die Ricoh GR auch digital eine Nischenkamera?
Ricoh positionierte die GR nie als Allround-Kamera. Sie blieb bewusst ein spezialisiertes Werkzeug für Fotografen, die mit festen Brennweiten arbeiten und ihre Bilder aktiv gestalten. Die direkte Bedienung, der Verzicht auf technische Spielereien und die Beibehaltung des Snap-Focus-Konzepts stärkten diesen Charakter. Auch mit moderner Technik blieb die GR ihrer Rolle als kompakte Immer-dabei-Kamera treu.
Die Ricoh GR IV kam 2025 auf den Markt und trägt ganz deutlich die Gene der Ur-GR weiter.
© Ricoh ImagingWas sagt die konsequente Gestaltung über die GR-Reihe aus?
Über fast drei Jahrzehnte hinweg veränderte sich das äußere Erscheinungsbild der GR nur behutsam. Diese gestalterische Kontinuität ist Ausdruck einer klaren Haltung: Die Kamera soll funktionieren, nicht modisch wirken. Form und Bedienung ordnen sich dem fotografischen Prozess unter. Gerade diese Beständigkeit schuf Vertrauen und Wiedererkennbarkeit über mehrere Generationen hinweg.
Warum passt die GR IV Monochrome in diese Entwicklung?
Mit der jüngst vorgestellten GR IV Monochrome treibt Ricoh die Spezialisierung weiter. Der Verzicht auf einen Farbfilter zugunsten eines reinen Schwarzweiß-Sensors richtet sich an eine klar definierte Zielgruppe. Ästhetisch knüpft die Kamera an klassische Schwarzweiß-Streetfotografie an, technisch nutzt sie moderne digitale Möglichkeiten. Sie zeigt, dass Ricoh auch heute bereit ist, bewusst kleine Märkte zu bedienen.
Mut zur Nische: Ende 2025 überraschte Ricoh mit der GR IV Monochrome mit einem reinen Schwarzweiß-Sensor.
Was spricht technisch gegen eine neue analoge Ricoh GR?
Trotz aller Spekulationen verweist Ricoh auf reale Hürden. Mechanische Komponenten, eingeschränkte Lieferketten und hohe Produktionskosten erschweren die Entwicklung neuer Filmkameras. Anders als bei digitalen Modellen lassen sich viele Bauteile nicht flexibel skalieren. Eine neue analoge GR wäre daher kein kurzfristiges Projekt.
Warum bleibt eine Analogfilm Ricoh GR dennoch realistisch?
Bemerkenswert ist weniger eine konkrete Ankündigung als die Offenheit, mit der Ricoh das Thema diskutiert. Der Legendenstatus der GR basiert auf tatsächlicher Nutzung und klarer fotografischer Haltung. Eine neue Film-GR müsste kein nostalgisches Retroprodukt sein, sondern könnte als zeitgemäße Fortsetzung dieser Linie verstanden werden.
Was bedeutet das Jubiläum für die Zukunft der Ricoh GR?
Das 30-jährige Bestehen der GR-Reihe ist mehr als ein Rückblick. Es markiert einen Punkt, an dem Ricoh seine eigene Geschichte aktiv reflektiert. Ob daraus tatsächlich eine neue analoge GR entsteht, bleibt offen. Sicher ist jedoch, dass die Diskussion selbst zeigt, wie stark die Idee hinter der Ricoh GR bis heute wirkt.
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