Novoflex Stackpro 1: Stackingkamera für definierte Schärfe im Studio

Novoflex bringt mit der Stackpro 1 ein System, das Focus Stacking in der Produkt- und Objektfotografie vereinfachen soll. Die Konstruktion hält Perspektive und Reflexe stabil, verlangt aber einen sauberen, vibrationsfreien Aufbau.

Die modulare Stackingkamera Novoflex Stackpro 1 mit angesetztem Schneider Kreuznach Pyrite 4.5/90 und Fujifilm GFX-Mittelformatkamera im Produktfotografie-Einsatz.

Die modulare Stackingkamera Novoflex Stackpro 1 mit angesetztem Schneider Kreuznach Pyrite 4.5/90 und Fujifilm GFX-Mittelformatkamera im Einsatz.

© Novoflex

Mit der Stackpro 1 präsentiert der Memminger Zubehörhersteller Novoflex eine neue Universal-Stackingkamera für Produkt-, Industrie- und Objektaufnahmen. Die Stackpro 1 erzeugt per Focus Stacking eine gezielt festlegbare Schärfe über das Motiv – von sehr großer Distanz bis in den Nahbereich – und arbeitet dabei mit einem klar strukturierten Ablauf.

Novoflex Stackpro 1: Was das System grundsätzlich anders macht

Im Kern kombiniert die Novoflex Stackpro 1 einen Balgenaufbau mit einem motorisierten Antrieb: Die Schärfe wird nicht über eine Änderung des Kamera-Motiv-Abstands oder über das Fokussieren am Objektiv „durchfahren“, sondern über eine definierte Verstellung im Balgen. Dadurch bleibt der Bildstand über die Serie stabil – ein Punkt, der in der Produktfotografie vor allem bei glänzenden Oberflächen und kontrollierten Licht-Setups zählt.

Was bedeutet Focus Stacking?

Focus Stacking ist eine Technik, bei der mehrere Aufnahmen mit unterschiedlichen Fokusebenen zu einem Bild mit besonders großer Schärfentiefe zusammengefügt werden. Das Verfahren kommt vor allem dort zum Einsatz, wo die natürliche Tiefenschärfe sehr klein ist – etwa in der Makro- und Mikrofotografie, aber auch bei Produktmotiven mit vielen Ebenen. Für die Aufnahme entsteht eine Serie, in der der Fokus schrittweise vom vordersten Detail bis in den Hintergrund wandert; eine Software kombiniert anschließend die jeweils scharfen Bereiche zu einem finalen Bild.

Wie funktioniert Focus Stacking in der Praxis?

Focus Stacking erhöht die wahrgenommene Schärfentiefe nicht, indem extrem abgeblendet wird, sondern indem mehrere Aufnahmen mit jeweils schmaler Schärfezone entstehen. Eine Software kombiniert anschließend die scharfen Bildanteile zu einem Ergebnis mit deutlich ausgedehnter Schärfe. Der Vorteil: Man kann mit einer „günstigen“ Blende arbeiten, statt sich durch starkes Abblenden Auflösung und Mikrokontrast durch Beugung einzuhandeln.

Novoflex Stackpro 1 in der Produktfotografie

Novoflex positioniert die Novoflex Stackpro 1 als Werkzeug, das den Aufwand klassischer Fachkamera-Setups in der Praxis nicht vergrößern, aber die Schärfeausdehnung flexibler machen soll. Im Studio kann das bedeuten: Vorderkante bis Hinterkante eines Objekts scharf, ohne sich auf eine einzelne gekippte Schärfeebene zu beschränken. Gleichzeitig bleibt hinter dem Motiv ein natürlicher Unschärfeverlauf möglich, wenn der Fernpunkt bewusst vor dem Hintergrund endet.

Welche Motive profitieren am meisten?

Typische Kandidaten sind dreidimensionale Produkte mit relevanten Details auf mehreren Ebenen: Technik, Designobjekte, Verpackungen, Sammlerstücke – oder Setups, bei denen eine definierte Schärfe über Form und Tiefe hinweg gefordert ist. Die zugrunde liegende Idee: Der Schärfebereich soll dort starten, wo das Objekt beginnt, und dort enden, wo es aufhört. Genau das lässt sich beim Stacking über Nah- und Fernpunkt sehr gezielt festlegen.

Novoflex Stackpro 1: Keine Perspektivsprünge, weniger Reflex-Wandern

Ein Stacking-Setup scheitert in der Praxis nicht selten an winzigen Veränderungen: Perspektive, Spiegelungen, Lichtreflexe. Bei klassischen Fokusreihen können diese Effekte auftreten, wenn sich im Aufbau – oder durch Fokusverlagerung im System – die Abbildung minimal verändert. Die Novoflex Stackpro 1 zielt darauf, diese Effekte zu minimieren, indem während der Serie der Bildstand konstant bleibt. Gerade bei spiegelnden oder komplex ausgeleuchteten Flächen ist das ein handfester Vorteil.

Welche Grenzen hat Focus Stacking im Alltag?

Die Technik verlangt Ruhe im Motiv. Bewegt sich das Objekt während der Serie, entstehen Fehler, die sich je nach Motiv nur begrenzt korrigieren lassen. Ein zweiter Klassiker sind sogenannte Halos: leichte Unschärfeschleier an Kanten, wenn im Bild große Entfernungssprünge aufeinandertreffen. In der Praxis hilft oft schon eine Motivgestaltung, die extreme Tiefensprünge vermeidet oder den Hintergrund bewusst weich laufen lässt; ansonsten bleibt Retuschearbeit. Auch die Beleuchtung muss über alle Einzelaufnahmen stabil sein – bei Blitz heißt das: konstante Leistung und Farbtemperatur über die komplette Sequenz.

Novoflex Stackpro 1: Kompatibilität und Optik-Strategie

Laut Hersteller ist die Novoflex Stackpro 1 auf aktuelle Kamerasysteme ausgelegt, darunter Canon RF, Fujifilm GFX, Nikon Z, L-Mount, Hasselblad X, Sony E sowie digitale Rückteile der Phase-One-IQ3/IQ4-Reihe. Auf der Objektivseite setzt das Konzept auf Optiken aus dem Mittel- und Großformat, die konstruktiv für größere Bildweiten und Bildkreise ausgelegt sind. Damit wird der Balgen nicht zum Notbehelf, sondern zum Arbeitsprinzip. Brennweiten beginnen nach Novoflex-Angaben bei 50 mm und reichen – mit Verlängerung – bis in lange Bereiche.

Die modulare Stackingkamera Novoflex Stackpro 1 mit allen Komponenten.

Die modulare Stackingkamera Novoflex Stackpro 1 mit allen Komponenten.

© Novoflex

Welche Rolle spielt ein stabiler Aufbau beim Stacking?

Wer Focus Stacking reproduzierbar einsetzen will, muss Vibrationen im Griff haben. Ein solides Stativ und ein präzise einstellbarer Kopf sind weniger „Nice-to-have“ als Voraussetzung. Für das Einstellen von Bildausschnitt und Achsen sind Getriebe-Neiger oder fein dosierbare Module im Vorteil, weil sich jede Achse unabhängig korrigieren lässt. Auch kleine Verzögerungen vor der Auslösung können helfen, Schwingungen abklingen zu lassen – besonders, wenn mechanische Bewegungen im Setup eine Rolle spielen.

Novoflex Stackpro 1: Workflow von Nah- und Fernpunkt bis zum Rendering

Der typische Ablauf gliedert sich in drei Schritte: Aufbau und Kalibrierung, Festlegen des Schärfebereichs (Start/Ende), Start der Sequenz. Anschließend folgt die Zusammenrechnung am Rechner. Als Beispiel für die Weiterverarbeitung nennt das begleitende Material einen Workflow, bei dem die Einzelbilder zunächst in einem RAW-Konverter vereinheitlicht werden (Farbe, Tonwerte, Details) und danach eine Stacking-Software die Bilder verrechnet. Je nach Motiv und Ergebnis können Korrekturen wie Halo-Reduktion oder Retusche notwendig werden.

Welche Erweiterungen sind für die Novoflex Stackpro 1 vorgesehen?

Als Option nennt Novoflex eine Shift-Erweiterung über den PROSHIFT+-Adapter, um bei rechteckigen Motiven stürzende Linien zu vermeiden. Das ist vor allem dann relevant, wenn Produkte in einer leicht erhöhten Perspektive gezeigt werden sollen, ohne dass vertikale Kanten kippen.

Verfügbarkeit und Einordnung

Novoflex plant die Auslieferung der Novoflex Stackpro 1 ab Mitte Januar 2026 über den Direktvertrieb. Ergänzend verweist der Hersteller auf ein technisches E-Book mit Aufbauvarianten und Praxisbeispielen sowie auf Beispielbilder in voller Auflösung, mit denen sich die Detailleistung beurteilen lässt. Als Konzept zielt das System auf Anwender, die im Studio nicht nur „mehr Schärfe“, sondern eine kontrollierte Schärfeverteilung und wiederholbare Ergebnisse benötigen – und dafür bereit sind, Aufbau und Nachbearbeitung konsequent zu standardisieren.

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