Schwarzweißkameras – Spezialisten ohne Farbe

Jede Kamera kann auch schwarzweiß fotografieren. Einige Spezialkameras, reine Schwarzweißkameras, sogar ausschließlich. Wir erklären die Technik und stellen alle aktuell erhältlichen Schwarzweiß-Modelle vor.

Farbiges Porträt von Andreas Jordan vor neutralem Hintergrund

Andreas Jordan

Andreas Jordan ist freier Journalist und Mediendesigner.

Die Schwarzweißkamera Leica Q3 Monochrom liefert 60-MP-Aufnahmen ohne Farbe – mit festem Summilux 1,7/28 mm.

Die Schwarzweißkamera Leica Q3 Monochrom liefert 60-MP-Aufnahmen ohne Farbe – mit festem Summilux 1,7/28 mm.

© Leica

Die Bildsensoren von Digitalkameras sind eigentlich monochrom. Ihre Fotodioden wandeln Lichtteilchen (Photonen) in elektrische Ladung (Elektronen). Je mehr Licht desto heller. Farbe kommt erst durch einen Trick ins Spiel: Vor den Fotodioden befinden sich Farbfilter, sodass pro Pixel jeweils eine Grundfarbe des additiven Farbmodells erfasst wird, also Rot, Grün oder Blau. In der Regel sind diese als Vierermosaik angeordnet: Ein roter, ein blauer und zwei grüne Pixel bilden eine Gruppe, aus der die Mischfarben der einzelnen Pixel nach der Aufnahme berechnet werden – man spricht von Farbinterpolation oder „Demosaicing“. Dass Grün doppelt so häufig zum Einsatz kommt, liegt daran, dass das menschliche Auge für die Helligkeitsinformationen im Grünkanal empfindlicher ist.

Warum verzichten reine Schwarzweißkameras auf Farbfilter?

Wer nun ausschließlich Schwarzweiß fotografiert, benötigt die Farbfilter nicht. Mehr noch: Sie stören sogar. Zum einen schlucken sie Licht – daher haben Schwarzweißkameras eine höhere Empfindlichkeit (meist rund eine Blendenstufe). Zum anderen kann durch die Farbinterpolation die Sichtbarkeit von Moirés verstärkt werden. Viele Farbkameras sind daher mit Tiefpassfiltern ausgestattet, die Farb- und Helligkeitsmoirés reduzieren.

Selbst wenn das Farbbild in einer Schwarzweißbild konvertiert wird, bleiben die Moirés sichtbar. Nachteil der Tiefpassfilter: Durch das Herausfiltern hoher Frequenzen geht auch Auflösung bzw. Bildschärfe verloren. Schwarzweißkameras erzeugen grundsätzlich keine Farbmoirés, weshalb sie in der Regel auf das Tiefpassfilter verzichtet. Helligkeitsmoirés können trotzdem auftreten, stören aber in der Regel weniger.

Schwarzweißkameras: Die Leica M11 Monochrom kommt sogar ohne rotes Logo aus.

Die Leica M11 Monochrom kommt sogar ohne rotes Logo aus.

© Leica

Warum sind Schwarzweißkameras teurer als Farbkameras?

Wer glaubt, dass Schwarzweißkameras durch das Weglassen der Farbfilter preiswerter wären, täuscht sich übrigens. Das Gegenteil ist der Fall: Die monochromen Modelle kosten in der Regel einige hundert Euro mehr, da sie in geringeren Stückzahlen produziert werden. Bei der Leica M11 Monochrom sind es sogar fast 1000 Euro Unterschied.

Welche Schwarzweißkameras bietet Leica an?

Leica hat das größte Angebot an monochromen Kameras. Schon 2012 brachte der Traditionshersteller aus Wetzlar die manuell fokussierende Vollformat-Messsucherkamera M Monochrom, damals noch mit CCD-Sensor und ohne Live-View, sodass der Fotograf vor der Aufnahme keine Schwarzweiß-Vorschau sehen konnte. Die aktuelle M11 Monochrom liefert dagegen dank CMOS-Sensor eine Schwarzweiß-Vorschau auf dem Monitor, aber wegen der optischen Konstruktion nicht im Sucher.

Mit gut 60 Megapixeln hat die Kamera eine sehr hohe Sensorauflösung. Im Test der M11 mit Farbsensor zeigte sich, dass die Kamera Leica-typisch auf eine hohe Detailtreue getrimmt ist. Sprich der Rauschfilter ist niedrig eingestellt und das Bildrauschen fällt relativ hoch aus. Die Schwarzweiß-Variante profitiert daher besonders von der höheren Empfindlichkeit, die bei gleichem ISO-Wert in geringeres Bildrauschen zu Folge hat. Eine Besonderheit der M11 – mit und ohne Farbsensor: Sie nimmt kein Video auf. Die Vorgängerin M Monochrom (Typ 246) war dazu noch in der Lage, wenn auch nur in Full-HD. Dank des optischen Sucher hat die M11 Monochrom eine besonders lange Akkulaufzeit von rund 700 Aufnahmen gemessen nach CIPA-Standard.

Was kann die Leica Q3 Monochrom?

In der zweiten Schwarzweiß-Generation sind inzwischen die Vollformat-Kompaktkameras aus der Q-Serie angekommen. Die Q3 Monochrom stand uns zusammen mit der Q3 mit Farbsensor zum Praxistest zur Verfügung, sodass wir die Bildergebnisse vergleichen konnten. Beide sind mit einem festmontiertem Summilux 1,7/28 mm Asph. ausgestattet und lösen ebenfalls rund 60 Megapixel auf. Anders als die M11 nehmen sie auch Video auf, sogar mit 8K/30p. Der klappbare Monitor wird von einem elektronischen Sucher ergänzt, der eine sehr gute Auflösung von 5,76 Millionen Punkten erreicht und im Gegensatz zum optischen Sucher auch eine Vorschau auf das Schwarzweiß-Bild liefert. Eine Besonderheiten der Q3 Monochrom ist, dass sie als erste Q-Kamera Content Credentials unterstützt, um Authentizität der Bilder nachzuweisen und nachträglich Änderungen kenntlich zu machen.

Für die Schwarzweißkamera Q3 Monochrom bietet Leica als Zubehör einen Rotfilter an.

Für die Schwarzweißkamera Q3 Monochrom bietet Leica als Zubehör einen Rotfilter an.

© Leica

Leica hat die Q3 Monochrom ähnlich wie die M11 Monochrom mit verschiedenen Looks ausgestattet. Neben dem natürlichen Schwarzweiß kann der Fotograf auch eine Sepia-, Selenium- und Blau-Tonung wählen. Jeder Look lässt sich in Hinblick auf Kontrast, helle und dunkle Bereiche sowie Schärfe individualisieren.

Im Praxistest bestätigte sich die Theorie: Die JPEGs der Q3 Monochrom zeigen bei unserem visuellen Testbild anders als die ihrer Farbschwester keine relevanten Moirés und rauschen weniger. In einem guten Raw-Konverter lassen sich die Moirés der Farb-Kameras übrigens etwas reduzieren. In Adobe Camera Raw sollte man hierfür die Option „Raw Details“ wählen. In unserem Test lagen die Ergebnisse zwischen den in Schwarzweiß konvertierten JPEGs der Q3 und den JPEG aus der Q3 Monochrom.

Welche Schwarzweißkameras gibt es von Ricoh und Pentax?

2023 bracht Ricoh die erste Schwarzweiß-SLR auf den Markt: Die Pentax K-3 Mark III Monochrom ist eine Variante der APS-C-Spiegelreflexkamera K-3 Mark III aus dem Jahr 2021. Wie bei der Leica M11 Monochrom fehlt beim Blick durch den optischen Sucher die Schwarzweiß-Vorschau, die nur der Monitor bietet. Die Schwarzweißkamera löst knapp 26 Megapixel auf und ist mit einem Bildstabilisator (IBIS) ausgestattet. Auf den Pixelshift-Modus der Farbschwester verzichtet sie. In der K-3 Mark III gleicht er lediglich die negativen Effekte der Farbinterpolation aus, was in der Monochrom-Variante überflüssig ist. Allerdings kann der Sensor in leichte Bewegungen versetzt werden, um Helligkeits-Moirés zu reduzieren. Aufgrund der geringen Moiré-Neigung des Schwarzweiß-Sensor dürfte das allerdings selten sinnvoll sein – zumal die Bildschärfe darunter leidet.

Die Pentax K-3 Mark III ist die einzige Spiegelreflex-Schwarzweißkamera mit SW-Sensor.

Die Pentax K-3 Mark III ist die einzige Spiegelreflex-Schwarzweißkamera
mit SW-Sensor.

© Ricoh Imaging

Neben dem Standard-Schwarzweiß-Modus stellt die Kamera einen Hochkontrast- und ein Soft-Modus, für High-key-Aufnahmen mit reduziertem Kontrast, zur Verfügung. Jeder Modus kann mit verschiedenen Einstellungen wie Tonwert, Low-key/High-key, Kontrast und Schärfe verfeinert werden.

Was zeichnet die Ricoh GR IV Monochrom aus?

Inzwischen hat Ricoh das Schwarzweiß-Prinzip auch auf Kompaktkameras ausgedehnt: Seit Februar 2026 ist die GR IV Monochrom erhältlich. Die besonders kompakte Kamera mit APS-C-Sensor löst knapp 26 Megapixel auf und bringt ein lichtstarkes Weitwinkelobjektiv mit (2,8/28 mm beim Kleinbild). Zur Ausstattung gehört unter anderem ein Bildstabilisator. Gegenüber ihrer Farbschwester hat sie eine höhere Empfindlichkeit von ISO 160 bis ISO 409.600 (statt ISO 100 bis ISO 204.800).

Alleinstellungsmerkmal gegenüber anderen Schwarzweißkameras: Ein in die optische Einheit integrierter Rot-Filter lässt sich über die Fn-Taste zuschalten und ermöglicht besonders dramatische Schwarzweiß-Aufnahmen, bspw. einen schwarzen Himmel mit weißen Wolken. Andere Schwarzweißkameras benötigen hierfür einen optischen Filter. In dieser Hinsicht haben Farbkameras übrigens einen Vorteil: Im Raw-Konverter lassen sich bei der Schwarzweiß-Konvertierung verschiedene Farbfilter simulieren, das geht bei Schwarzweiß-Kameras nicht ohne weiteres.

Die GR IV Monochrom ist die kleinste unter den Schwarzweißkameras. Trotzdem bringt sie einen integrierten Rotfilter mit.

Die GR IV Monochrom ist die kleinste unter den Schwarzweißkameras. Trotzdem bringt sie einen integrierten Rotfilter mit.

© Ricoh Imaging

Ein weiterer Unterschied zur normalen GR IV sind spezielle Optionen für die Bildsteuerung von Monochromaufnahmen. Die Einstellung „Solid“ erzeugt Bilder mit einer harten Tonwertkurve. Die Option „Grainy“ zeichnet sich durch einen starken Körnungseffekt aus und liefert einen Look, der an Silberhalogenid-Abzüge erinnern soll, indem sie ein vollständiges Ausbleichen der Lichter und ein Verflachen der Schatten zu tiefem Schwarz verhindert.

FAZIT: „Reine Schwarzweißkameras bedienen die Zielgruppe der Highend-SW-Fotografen.“

Die Vorteile reiner Schwarzweißkameras bei Empfindlichkeit, Bildschärfe und Artefaktbildung sind vorhanden aber nicht bahnbrechend. Wer Bilder aus Farbkameras in einem guten Raw-Konverter wandelt, erhält Ergebnisse, die nur wenig schlechter sind, hat aber deutlich mehr Flexibilität in der Nachbearbeitung.

Auf einen Blick: aktuelle Schwarzweißkameras

KameraLeica M11 MonochromLeica Q3 MonochromRicoh GR IV MonochromRicoh Pentax K-3 III Monochrom
Preis (Liste/ Straße)ca. 9450 Euro/ ca. 9450 Euroca. 6750 Euro/ ca. 6750 Euroca. 1800 Euro/ ca. 1800 Euroca. 2500 Euro/ ca. 2200 Euro
Sensor: Art/ Abmessungen/ Auflösung/ PixelpitchBSI-CMOS ohne Tiefpassfilter/  35,8 x 23,9 mm/ 60,3 MP/ 3,76 µmBSI-CMOS ohne Tiefpassflter/
36 x 24 mm/ 60,3 MP/ 3,8 µm
CMOS ohne Tiefpassfilter/
23,3 x 15,5 mm/ 25,7 MP/ 3,8 µm
CMOS ohne Tiefpassfilter,
23,5 x 15,8 mm, 25,7 MP, 3,8 µm
Bajonett bzw. Objektiv (entsprechend KB)M1,7/28 mm2,8/18,3 mm (28 mm)K
Autofokuskein AutofokusHybridHybridPhasendetektion
Bildstabilisatorneinjaja (Sensor)ja (Sensor)
Blitzkein Gehäuseblitz/ Blitzschuhkein Gehäuseblitz/ Blitzschuhkein Gehäuseblitz/ Blitzschuhkein Gehäuseblitz/ Blitzschuh
Belichtungszeiten1/16.000 (1/4000 mechanisch) -
60 s, Bulb (60 Min.)
1/16.000 (1/2000  mechanisch) -
120 s, Time
1/16.000 s (mechanisch 1/4000) -
30 s, Bulb
1/8000 – 30 s, Bulb
EmpfindlichkeitISO 125 – 200.000ISO 100 – 200.000ISO 160 – 409.600ISO 100 – 1.6000.000
Video: max. Auflösung/ max. Bildratekein Video8192 x 4320 Pixel/ 30p, 4096 x 2160/ 60p, 1920 x 1080 Pixel/120p1920 x 1080 Pixel/ 60p/ 3840 x 2160/30p
SucherMesssucher mit Leuchtrahmen/ Bildfeld: 100 % bei 2 m/ Vergrößerung: 0,73x; optionaler elektronischer Sucherelektronisch (5,76 MP),
Vergrößerung 0,79x
optional: optischSpiegelreflex: 100 %,
Vergrößerung 0,7x
(entsprechend Kleinbild)
Monitor: Diagonale/ Auflösung7,5 cm/ 2,3 Mio. Punkte,
Touchscreen
7,5 cm, 1,84 Mio. Punkte,
klappbar, Touchscreen
7,6 cm, 1,04 Mio.Punkte,
Touchscreen
8,0 cm, 1.62 Mio. Punkte,
Touchscreen
Serienbilder pro Sekunde4,715, mit dauerhafter AF-Nachführung: 44,2, mit AF-Nachführung: ca. 1,912
Speicherintern: 64 GB, SD(HC/XC), UHS-IISD (UHS-II)53 GB intern, micro-SDSD
Akkuleistung laut CIPA700 (mit Messsucher) Aufnahmen350 Aufnahmen250 Aufnahmen800 Aufnahmen
SchnittstellenUSB 3.1 (Typ C)USB 3.1 Gen 2  (Typ C), HDMI (Typ D)USB-CUSB 3.2 Gen 1  (Typ C), HDMI (Typ D)
Abmessungen (B x H x T)/ Gewicht (mit Akku)139 x 80 x 38,5 mm/  640 g (Silber), 530 g (Schwarz)130 x 80,3 x 92,6 mm/  743 g109,4 x 61,1 x 32,7 mm/  262 g134,5 x 103,5 x 73,5 mm/  820 g
BesonderheitenSW-Tonungen. aussschließlich manueller Fokus, optischer MesssucherContent Credentials,
SW-Tonungen
optischer Rotfilter,
Farbkorn-Simulation
SW-Stile, u.a. Hochkontrast,
optischer Spiegelreflex-Sucher

Mehr zum Thema Schwarzweißfotografie und wie Sie auch ohne Schwarzweißkamera aus Farbfotos beeindruckende Schwarzweißfotos herstellen, erklären wir in diesem Praxis-Beitrag.

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